Jagoda Marinić
Jagoda Marinić (* 20. September 1977 in Waiblingen) ist eine deutsche Schriftstellerin, Kolumnistin, Podcasterin und Kulturmanagerin[1][2].
Werdegang
Jagoda Marinićs Eltern sind kroatischer Herkunft.[3][4] Sie stammen aus Dalmatien und wanderten als Gastarbeiter aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland ein. Jagoda Marinić absolvierte ein Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Anglistik an der Universität Heidelberg.[5] Im Alter von 20 Jahren wurde sie deutsche Staatsbürgerin.[6] 1999 erhielt sie ein Hermann-Lenz-Stipendium[7] und 2003 den Förderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg.[8] Eigentlich ein Heiratsantrag, Marinićs erstes Buch mit Erzählungen, erschien 2001 im Suhrkamp Verlag und wurde vom Deutschlandfunk als „verschwiegenes Debüt“ bezeichnet.[9] Für ihren 2005 erschienenen Erzählband Russische Bücher wurde sie mit dem Grimmelshausen-Förderpreis ausgezeichnet.[10] 2007 erschien ihr Romandebüt Die Namenlose, das vom Spiegel als eine der „wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres“ beschrieben wurde.[11][12]
Im Juni 2007 trat Marinić unter achtzehn Teilnehmern beim 31. Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt an, wo sie ihren Text Netzhaut las.[13] Die Inszenierung des Theaterstücks Zalina, zu dem Marinić den Text schrieb, wurde im August 2007 mit dem „Exzellenzpreis“ für das „Beste Programm des Kulturhauptstadtjahres Hermannstadt“ ausgezeichnet.[14][15] 2008 war sie Scout für den Heidelberger Stückemarkt, das Gastland war Kroatien. Ihr eigenes Stück Wer war Kitty Genovese? wurde 2011 für den Leonhard-Frank-Preis nominiert.[16] Marinić leitete zudem regelmäßig Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche.[17] Seit 2012 ist sie Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.[18]
Neben Essays und Erzählungen verfasste Marinić auch Theaterkritiken. Als Journalistin schrieb Marinić unter anderem für die Frankfurter Rundschau[19], die Deutsche Welle[20] und Die Zeit.[21] International veröffentlichte sie Leitartikel in der The New York Times.[22]
Ab 2016 hatte die Autorin jeweils eine eigene Kolumnen in der taz[23] und der Süddeutsche Zeitung.[24] Seit Januar 2022 schreibt sie vierzehntäglich eine Kolumne im Stern.[25] 2016 erschien ihr Sachbuch Made in Germany – Was ist deutsch in Deutschland?,[26] in dem sie sich mit der Identität Deutschlands als Einwanderungsland auseinandersetzt.[27][28] Ihr Essayband Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land (2019) fordert, Deutschland solle nicht länger „Zaungast in der wichtigsten feministischen Debatte der letzten Jahrzehnte“ sein.[29]
Seit Mai 2021 moderiert Jagoda Marinić bei hr2-kultur den Podcast Freiheit Deluxe.[30] Dort redet sie mit Gästen aus Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft über das Thema „Freiheit“. Seit 2022 ist sie Host des Video-Podcast Das Buch meines Lebens zu sehen und spricht mit prominenten Gästen über deren prägendsten Lese-Erfahrungen. Von 2024 bis 2025 war sie zudem mit Katrin Eigendorf als Co-Host beim ZDF-Auslandsjournal-Podcast Global Deep Dive zu hören, welcher sich mit aktuellen Ereignissen der internationalen Politik beschäftigte.[31]
Von Juni 2023 bis Juli 2025 war sie unter dem Motto „Newskaviar“ Moderatorin des Podcasts Apokalypse & Filterkaffee.[32] Die Zusammenarbeit endete aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen von der Zukunft des Formats.[33]
Als TV-Host war Marinić im Rahmen der Europa-Wahlen 2024 für das Arte-Format Nice to meet you: Durch Europa mit Jagoda Marinić über sechs Folgen in jeweils einem europäischen Land unterwegs, um die gesellschaftlichen Stimmungen vor der EU-Wahl einzufangen.[34]
Von 2012 bis 2023, als Teil des International Welcome Centers Heidelberg, leitete Marinić das Interkulturelle Zentrum (IZ), welches sie mit gründete.[35][36] Nachdem sie 2023 als Leitung des IZ verabschiedet wurde, übernahm Jagoda Marinić die künstlerische Leitung des Internationalen Literaturfestivals Heidelberg.[37] Zusätzlich war sie für 10 Jahre, zwischen 2014 und 2024, ehrenamtliches Vorstandsmitglied in der Stiftung gegen Rassismus.[38] In dieser Zeit war sie maßgeblich beteiligt an der Mobilisierung von Kommunen für antirassistische Aktionswochen bundesweit.
Im Jahr 2024 erschien ihre Veröffentlichung Sanfte Radikalität im S. Fischer Verlag. Mit dem Buch setzt sich Marinić für mehr gesellschaftliches Engagement „vor Ort“ ein und plädiert im „Kampf gegen Rechtsextremismus“ für mehr „Hoffnung“ statt „Angst“.[39] Das Buch wurde mit dem Annerkennungspreis des österreichischen Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2024 ausgezeichnet.[40] Im Jahr 2025 erhielt Marinić den Ernst-Toller-Preis für ihre Arbeit als Autorin, „die gesellschaftspolitisches Engagement und literarischen Anspruch miteinander verbindet“.[41]
Marinić lebt in Heidelberg.
Werke
- Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-45516-8.
- Russische Bücher. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41696-0.
- Therapie. Ein Spiel. Erstlesung: Heidelberger Stückemarkt, 30. April 2005. Berlin: Suhrkamp Theaterverl., 2005.
- Die Namenlose. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 2007, ISBN 978-3-312-00398-3.
- Restaurant Dalmatia. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, ISBN 978-3-455-40457-9.
- Gebrauchsanweisung für Kroatien. Piper Taschenbuch, München 2013, ISBN 978-3-492-27629-0.
- Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland? Hoffmann und Campe, Hamburg 2016, ISBN 978-3-455-50402-6.
- Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land. S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397453-9.
- Sanfte Radikalität. Zwischen Hoffnung und Wandel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-10-397674-8.
Podcasts
- seit 2021: FreiheitDeluxe. ARD.
- 2023–2025: Apokalypse und Filterkaffee. Studio Bummens
- 2024–2025: Global Deep Dive. ZDF-Auslandsjournal.
TV-Host
- seit 2022: Das Buch meines Lebens. ZDF, im Auftrag von ARTE. Produktion: Westend Film & TV.[42]
- 2024: Nice to Meet You. Durch Europa mit Jagoda Marinić. HR/ZDF, im Auftrag von ARTE. 6 Folgen. Produktion: Westend Film & TV.[34]
Auszeichnungen
- 1999: Hermann-Lenz-Stipendium[7]
- 2003: Föderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg[8]
- 2005: Grimmelshausen-Föderpreis für Russische Bücher[10]
- 2007: Exzellenzpreis für Zalina als das Beste Programm im Kulturhauptstadtjahr Hermannstadt[15]
- 2011: Nominierung Leonhard-Frank-Preis für das Stück Wer war Kitty Genovese?[16]
- 2022: Luise-Büchner-Preis für Publizistik[43]
- 2024: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch: Anerkennungspreis für Sanfte Radikalität[40]
- 2025: Ernst-Toller-Preis[44]
Verstreute Veröffentlichungen
- Alles macht mich aus. Interview. In: Bella triste Nr. 19, Hildesheim 2007.
Weblinks
- Literatur von und über Jagoda Marinić im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Jagoda Marinić, offizielle eigene Webpräsenz
- Jagoda Marinić bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Toller: Jagoda Marinić erhält den Ernst-Toller-Preis 2025. In: Ernst Toller. 10. März 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ deutschlandfunkkultur.de: Der Tag mit Jagoda Marinić - Identitätspolitik – woke oder Wahnsinn? 17. Juni 2021, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Anne Will – Gästeliste
- ↑ Nur mit uns geht es
- ↑ Jagoda Marinić beim Suhrkamp-Verlag, abgerufen am 15. Dezember 2019.
- ↑ Susanne Stiefel (Interview): "Nur mit uns geht es". 13. September 2017, abgerufen am 16. Januar 2024.
- ↑ a b Jagoda Marinić. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ a b Stipendiatenarchiv vor 2013 - Kunststiftung BW. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ deutschlandfunk.de: Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. 8. August 2001, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ a b Jagoda Marinić, bei Hoffmann und Campe, abgerufen am 15. Dezember 2019.
- ↑ deutschlandfunkkultur.de: Schmerzhafte Vergangenheit. 26. September 2007, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Jagoda Marinic. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Die Texte 2007 Bachmann-Preis
- ↑ deutschlandfunkkultur.de: Theater als Risiko. 8. Januar 2009, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ a b ZALINA — AKTUELL. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ a b meldung. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Literarische Gesellschaft Karlsruhe: Junge Literatur | Publikationen | Literarische Gesellschaft Karlsruhe | Museum für Literatur am Oberrhein. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 25. April 2024; abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Tage der Utopie, Arbogast, 2. Tag: Bye bye Migrationshintergrund. Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur. - Jagoda Marinić im Gespräch mit der Ö1 Redakteurin Renata Schmidtkunz. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Der Rassismus wird verniedlicht. 20. Januar 2019, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Mein Europa: Es gibt keine neutrale Demokratie – DW – 29.09.2017. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Jagoda Marinić. 7. November 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Opinion | Germany’s Chancellor Promised to Deter Putin. Then He Did Nothing. (Published 2022). 14. Juni 2022 (nytimes.com [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
- ↑ Jagoda Marinić: Debatte Merkels Flüchtlingspolitik: Yes, we can‘t. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Januar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
- ↑ Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Kolumne von Jagoda Marinic. 29. März 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Jagoda Marinić: Gross bleiben! In: Stern. 5. Januar 2022, abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Was ist deutsch in Deutschland? – DW – 12.06.2016. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Fremde Herkunft ist das neue Normal - WELT. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Die Gäste im Studio – Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Leiterin Interkulturelles Zentrum Heidelberg ( vom 17. Oktober 2016 im Internet Archive). daserste.ndr.de.
- ↑ Jagoda Marinić wünscht sich „Sheroes“ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2025. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., SWR 2 vom 6. März 2019, abgerufen am 28. November 2019.
- ↑ FREIHEIT DELUXE mit Jagoda Marinić. In: hr2-kultur. Abgerufen am 31. Januar 2022.
- ↑ Podcast: Global Deep Dive. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Regine Pfaff: Micky Beisenherz: Mit Comedy-Gen zum relevanten Talk-Host. In: DWDL.de. 14. Dezember 2023, abgerufen am 14. Dezember 2023.
- ↑ Manuel Weis: "Apocalypse & Filterkaffee"-Host hört auf. In: DIGITAL FERNSEHEN. 20. Juli 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ a b Nice to meet you: Deutschland - Durch Europa mit Jagoda Marinić - Die ganze Doku | ARTE. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Interkulturelles Zentrum öffnet in Heidelberg. 18. November 2016, abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Interkulturelles Zentrum Heidelberg: Gründungsgeschichte. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Jagoda Marinić als Leiterin des Interkulturellen Zentrums verabschiedet. In: heidelberg.de. 19. Juni 2023.
- ↑ Wechsel im Vorstand. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ "Was Rechte nicht haben, sind Zuversicht und Hoffnung". 16. Oktober 2024, abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ a b Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2024 an Richard Cockett. In: ots.at. 1. Januar 2025, abgerufen am 2. Januar 2025.
- ↑ Ernst Toller: Jagoda Marinić erhält den Ernst-Toller-Preis 2025. In: Ernst Toller. 10. März 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Das Buch meines Lebens - Kultur und Pop. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
- ↑ Luise-Büchner-Preis geht an Jagoda Marinić. In: Zeit Online. 11. Juli 2022, abgerufen am 12. Juli 2022.
- ↑ Preisträgerinnen. In: Ernst Toller Gesellschaft. 2025, abgerufen am 11. März 2025.