Jüdische Gemeinde Dahn
Die jüdische Gemeinde in Dahn bestand bis 1939. Sie besaß eine Synagoge, die inzwischen profaniert wurde, und seit 1872 eine jüdische Schule (die sogenannte Israelitische Volksschule im Schulhaus neben der Synagoge), der Lehrer war zugleich Vorbeter und Schochet. Außerdem gab es eine Mikwe. Die Mitglieder der Dahner jüdischen Gemeinde wurden auf dem nahen Jüdischen Friedhof Busenberg beerdigt.
Die Gemeinde entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. 1590 wird zum ersten Mal ein Händler Daniel aus Dahn auf der Messe in Straßburg genannt, dies war vermutlich eine jüdische Person. 1755 werden in Dahner Steuerlisten die Juden Baruch, Susmann und Löw aufgeführt, die je vier Gulden Schutzgeld zahlen mussten. 1769 werden die Juden Baruch Michel, Wolff Levy, Abraham Jacob, Leib Israel und Bel Levy genannt. 1784 werden 42 jüdische Einwohner gezählt. 1824 lebten insgesamt 93 Menschen jüdischen Glaubens in Dahn, 1900 waren es 83 und 75 im Jahr 1910. Die bekanntesten jüdischen Familiennamen in Dahn waren: Blum, Halfen, Josef, Katz, Kullmann, Levy, Oppenheimer, Rosenstiel, Samuel und Siegel. Die jüdischen Familien lebten meist vom Vieh-, Eisen-, Stoff- und Textilhandel. Ein Willy Katz praktizierte als Arzt.[1]
Um 1925 hatte die jüdische Gemeinde 62 Mitglieder. Es gab eine Beerdigungsbruderschaft (Chewra Kadischa) und den Israelitischen Frauenverein unter Leitung von Else Levy. 1932 wurden 70 jüdische Gemeindeglieder gezählt, dazu gehörten auch die in Vorderweidenthal lebenden Juden.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verließen die meisten Dahner Juden den Ort, emigrierten oder verzogen in andere Städte. 1936 waren noch 29 jüdische Personen in der Stadt, 1938 waren es 13. Als die Rote Zone, das Sperrgebiet parallel zur französischen Grenze am 1. September 1939 eingerichtet wurde, mussten die sieben letzten Juden Dahn verlassen.[2]
Seit November 2007 erinnern im Stadtbereich Stolpersteine[3] an die überwiegend jüdischen Einwohner, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und meist ermordet wurden. Nach Angaben des „Gedenkbuches Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ wurden insgesamt und der Gedenkstätte Yad Vashem wurden insgesamt 31 in Dahn geborene oder zeitweilig dort lebende Juden Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft[4].
Einzelnachweise
- ↑ Karl Kissel: Dahn – eine Chronik. Dahn 1999, ISBN 3-00-002205-8, S. 378.
- ↑ Dahn (Kreis Südwestpfalz). In: alemannia-judaica.de. 26. Oktober 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Die erste Sekunde der Ewigkeit. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 28. April 2014.
- ↑ https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/c-d/99-dahn-rheinland-pfalz