János Lázár

János Lázár (ungarisch Lázár János; * 19. Februar 1975 in Hódmezővásárhely) ist ein ungarischer Politiker der Partei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund. Er ist seit 2002 Abgeordneter in der ungarischen Nationalversammlung und seit 2022 Minister für Bau und Verkehr in der Regierung von Viktor Orbán. Zuvor war er von 2010 bis 2012 Vorsitzender der Fidesz-Fraktion im ungarischen Parlament, von 2012 bis 2014 Staatssekretär und anschließend bis 2018 Minister im Amt des Ministerpräsidenten.

Leben

Lázár studierte an der Universität der Wissenschaften Szeged. Seit Mai 2002 ist er Abgeordneter im ungarischen Parlament. Vom 20. Oktober 2002 bis 6. September 2012 war er als Nachfolger von András Rapcsák Bürgermeister von Hódmezővásárhely. Lázár war vom 6. Juni 2014 – 18. Mai 2018 Leiter der Staatskanzlei im Rang eines Ministers Kabinett Orbán III.

Laut der Liste des Influence Barometers war er im Jahr 2015 die drittwichtigste Person des Landes, und im Jahr 2024 belegte er den Platz acht.[1][2]

Als Minister für Bau und Verkehr spielt er eine Schlüsselrolle bei staatlichen Investitionen und Infrastrukturentwicklungen. Er war außerdem an der Umstrukturierung des staatlichen Verkehrsunternehmens (MÁV) beteiligt.[3]

Lázár ist mit der Pädagogin Zita Megyeri[4] verheiratet und hat zwei Kinder. Lázár besitzt ein Anwesen in der Nähe seines Heimatortes Hódmezővásárhely.[5] Lázár deklariertes Einkommen (2024) betrug 394 Millionen Forint (etwa 1 Million Euro). Davon stammten 85 Millionen Forint (etwa 210.000 Euro) aus seinem Gehalt und seiner Position in einer Stiftung, der Rest aus Dividendeneinnahmen aus seinem Grundbesitz und dem Verkauf von Unternehmensanteilen.[6]

Kontroversen

2011 tauchte eine Videoaufnahme auf, in der Lázár den Satz „wer nichts hat, ist auch so viel wert“ formulierte. Später entschuldigte sich Lázár für seinen Kommentar und fügte noch hinzu, dass er missverstanden worden sei, er habe nämlich an Berufspolitiker und nicht an Arme gedacht.[7]

2018 wurde bekannt, dass während Lázárs Amtszeit als Minister ein ungarisches Unternehmen viele staatliche Aufträge mit EU-Subventionen erhielt, dessen Besitzer Viktor Orbáns Schwiegersohn ist. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung leitete Ermittlungen ein. Demnach überprüfte das 35 Aufträge, die an das Unternehmen gingen, und entdeckte in jedem davon Unregelmäßigkeiten. In 17 Fällen sprachen das Amt von „organisiertem Betrug“.[8]

2018 veröffentlichte Lázár im Vorfeld der Parlamentswahl 2018 ein Video, in dem er behauptete, dass die von Einwanderern bewohnten Stadtteile Wiens schmutzig und unordentlich geworden seien, die Kriminalität zugenommen habe und die Anwohner kein Deutsch sprächen. Das Video löste Empörung aus und wurde in österreichischen und deutschen Zeitungen aufgegriffen.[9][10][11][12]

Im Jahr 2024 kritisierte Lázár die österreichische Supermarktkette Spar, da er der Ansicht war, dass die Kette Lügen über die ungarische Regierung verbreitet hatte.[13][14] 2025 schloss die österreichische Strabag einen staatlichen Reparaturauftrag nicht fristgerecht ab, woraufhin Lázár wütend erklärte, dass solche Unternehmen in Ungarn keine Aufträge mehr erhalten sollten.[15] Er behauptete außerdem, Strabag habe die Tisza-Partei finanziell unterstützt, was sowohl die Partei als auch das Unternehmen jedoch dementierten. Dies führte zu Verstimmungen zwischen Ungarn und Österreich.[16]

Commons: János Lázár – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Lázár János visszakerült a listára! Mutatjuk, ki a 10 legbefolyásosabb magyar 2024-ben. In: Szegedi hírek | Szeged365. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (ungarisch).
  2. Itt a lista! Ők a leggazdagabbak és a legbefolyásosabbak Magyarországon. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (ungarisch).
  3. savariaforum.hu: Lázár János 15 év után még 8 év bizalmat kér a 'szétbarmolt MÁV-csoport infrastrukturális felújításához'. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (ungarisch).
  4. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 11. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.emlekpont.hu
  5. Segesvári Csaba: Legalább 183 milliót költött Lázár János a kastélya melletti földek megvásárlására. In: atlatszo.hu. 21. Januar 2025, abgerufen am 24. April 2025 (ungarisch).
  6. Megtaláltuk Lázár János közel 200 milliós, eddig homályos extrabevételének forrását. 14. Juli 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025 (ungarisch).
  7. Fidesz parliamentary leader apologises for “poverty remarks”. In: Politics.hu. (politics.hu [abgerufen am 29. Dezember 2025]).
  8. Korruption in Ungarn – Der dunkle Schatten auf der Lichtgestalt Orban. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). (srf.ch [abgerufen am 21. März 2018]).
  9. 24.hu: "Nem értem miért csinálta rólam Lázár ezt a videót" | 24.hu. 7. März 2018, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  10. Ungarischer Minister: "Zuwanderer machen Wien schmutzig und arm". 7. März 2018, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  11. Empörung im Wiener Rathaus über ungarisches Ministervideo. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (österreichisches Deutsch).
  12. Orbans Bürochef János Lázár: Zuwanderer machen Wien „schmutzig und arm“ - WELT. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  13. Hetzmann Mercédesz: Heated situation: Hungarian transport minister Lázár sends open threat to Spar. 21. März 2024, abgerufen am 29. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  14. Nyílt hadüzenetet küldött Lázár János a Sparnak. 21. März 2024, abgerufen am 29. Dezember 2025 (ungarisch).
  15. Tóth-Szenesi Attila,Kolozsi Ádám: Lázár háborúja: Magyarország legnagyobb alvállalkozójának kiszorítása. 5. November 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025 (ungarisch).
  16. Vállalatunk nem áll semmilyen kapcsolatban a Tisza Párttal – reagált a Strabag Lázár posztjára. 31. Oktober 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025 (ungarisch).