İznik

İznik

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Basisdaten
Staat: Turkei Türkei
Provinz (il): Bursa
Koordinaten: 40° 26′ N, 29° 43′ O
Telefonvorwahl: (+90) 224
Postleitzahl: 16 860
Kfz-Kennzeichen: 16
Struktur und Verwaltung (Stand: 2025)
Gliederung: 46 Mahalles
Bürgermeister: Kağan Mehmet Usta (AKP)
Postanschrift: Selçuk Mh.
Rauf Denktaş Cd. No:4
16860 İznik / Bursa
Website:
Landkreis İznik
Einwohner: 44.102[1] (2020)
Fläche: 753 km²
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner je km²
Kaymakam: Arif Karaman (seit 2024)
Website (Kaymakam):

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İznik (in der Antike und in byzantinischer Zeit altgriechisch Νίκαια Nikaia; lateinisch Nicaea; deutsch Nicäa, Nikäa oder Nizäa) ist eine Stadt im gleichnamigen Landkreis der türkischen Provinz Bursa und gleichzeitig ein Stadtbezirk der 1986 geschaffenen Bursa Büyükşehir Belediyesi (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Sie liegt am İznik-See (türkisch İznik Gölü, griechisch Askania Limne), einige Dutzend Kilometer südöstlich von Istanbul.

Geschichte

Das antike und byzantinische Nikaia

Die Stadt liegt in Bithynien im westlichen Kleinasien, unweit von Konstantinopel und der spätrömischen Kaiserresidenz Nikomedia. Nikaia soll in der Frühzeit den Namen Elikore oder Ankore getragen haben. Antigonos I. Monophthalmos legte dort eine Stadt Antigoneia an. Wohl um 301 v. Chr. gründete Lysimachos die Stadt neu und benannte sie nach seiner ersten Frau Nikaia. 282/281 v. Chr. gelangte Nikaia unter Zipoites an das Königreich Bithynien und wurde ab 74 v. Chr. römisch, als dieses Königreich zu einer römischen Provinz (Bithynia et Pontus) wurde.[2]

Bedeutung erlangte Nikaia in der Spätantike durch die dort abgehaltenen ökumenischen Konzile:

Nikaia war die Hauptstadt des 680 erstmals urkundlich erwähnten Themas Opsikion.

Die Stadt wurde 1077 von den Rum-Seldschuken erobert, welche hier ihre erste Hauptstadt einrichteten. Allerdings fiel die Stadt im Jahr 1097 nach einer Belagerung durch die Kreuzritter im Ersten Kreuzzug an das Byzantinische Reich zurück, das die türkische Besatzung zur Kapitulation bewegen konnte, um auf diese Weise eine Plünderung durch die Kreuzfahrer zu vermeiden. Die Kreuzfahrer empfanden dieses Verhalten als Verrat.

1204, nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzugs, wurde Nikaia von den aus Konstantinopel vertriebenen Byzantinern unter Kaiser Theodor I. Laskaris als provisorische Hauptstadt genutzt. Nikaia wurde der Hauptsitz des exilierten orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel. Das Reich von Nikaia setzte die byzantinische Tradition bis zur Rückeroberung Konstantinopels 1261 fort.

Die osmanische Stadt

1331 fiel die Stadt unter Sultan Orhan I. nach längerer Belagerung an das Osmanische Reich und erhielt danach ihren heutigen Namen (osmanisch ازنيق, İznîq). Der türkische Name leitet sich von altgriechisch εἰς Νίκαια eis Níkaia, „nach Nikaia“, ab.[3]

Unter den Osmanen entwickelte sich İznik, neben Kütahya, zu einem überragenden Zentrum der Keramikproduktion (İznik-Keramik). Die Produktion endete jedoch um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Der Niedergang der Stadt begann um die Mitte des 17. Jahrhunderts, als die Stadt ca. 10.000 Einwohner hatte. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie nur noch 1.500 Einwohner.

Neuzeit

Während des Griechisch-Türkischen Krieges wurde die Stadt im September 1920 von den Griechen eingenommen; am Ende des Krieges wurde die Stadt niedergebrannt. Im Zuge des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei mussten alle Griechen die Stadt verlassen, Türken aus Griechenland und Thrakien wurden hier angesiedelt. 1960 hatte die Stadt 6.290 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten

Die gut erhaltene antike Stadtmauer mit ihren Toren, einige Kirchen sowie das römische Theater sind noch zu besichtigen. Es gibt ein großes Archäologisches Museum.

Das älteste byzantinische Bauwerk ist die Kirche der Hagia Sophia aus dem 5./6. Jahrhundert. Hier wurde 787 das Zweites Konzil von Nicäa (Siebte ökumenische Konzil) abgehalten. Orhan I. ließ sie nach 1331 zur Moschee umbauen. Die Moschee war längere Zeit eine Ruine, bis sie nach Gründung der modernen Türkei in ein Museum umgewandelt wurde. Auf Initiative des stellvertretenden türkischen Premierministers – und Mitglieds der Regierungspartei AKPBülent Arınç wird die Hagia Sophia seit November 2011 wieder als Moschee genutzt, obwohl die örtliche Stadtverwaltung dagegen protestierte.[4]

Die Hacı-Özbek-Moschee, inschriftlich datiert auf das Jahr 1333, gehört zu den ältesten erhaltenen Moscheebauten der osmanischen Architektur.[5]

2014 wurden im İznik-See die versunkenen Überreste der byzantinischen Kirche St. Neophytos entdeckt.[6]

Verkehr

Von Istanbul aus erreicht man İznik am schnellsten über die Fährverbindung nach Yalova und Orhangazi.

Persönlichkeiten

Literatur

Literatur zum antiken und byzantinischen İznik siehe unter Nikaia (Bithynien)#Literatur,

  • Katharina Otto-Dorn: Das islamische İznik (= Istanbuler Forschungen 13). Berlin 1941.
  • Marcell Restle: Istanbul, Bursa, Edirne, Iznik. Baudenkmäler und Museen (= Universal-Bibliothek. 10262, Reclams Kunstführer). Reclam, Stuttgart 1976, ISBN 3-15-010262-6, S. 521–547.
  • Johannes Heinrich Mordtmann, Géza Fehérvári: İznik. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 4. Brill, Leiden 1978, S. 291–292 (Digitalisat).
  • Semavi Eyice: Iznik. Tarihçesi ve eski eserleri – The history and the monuments of İznik-Nicaea. Istanbul 1988 (türkisch-englisch).
  • Bedri Yalman: Nicea. In: Enciclopedia dell’Arte Antica, Classica e Orientale. Secondo Supplemento 1971–94 Bd. 4. Rom 1996, S. 8–11.
  • Isıl Akbaygil, Halil İnalcık, Oktay Aslanapa (Hrsg.): İznik throughout history. Istanbul 2003, ISBN 975-458-431-1.
  • Şahin Kılıç, Kutlu Akalın (Hrsg.): UNESCO Dünya mirası olma yolunda İznik/Nicaea. Uluslararası sempozyum bildiri kitabı, 2–4 Ekim 2015 = İznik/Nicaea on its way to become Unesco World heritage. Internatonal symposium proceedings, 2–4 October 2015. Bursa Kültür AŞ, Bursa 2020, ISBN 978-605-9968-97-3.
Commons: İznik – Sammlung von Bildern
Wikivoyage: İznik – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Nufusu.com, abgerufen am 8. März 2021
  2. Karl Strobel: Nikaia 5. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01478-9, Sp. 895.
  3. Reinhold Merkelbach: Nikaia in der römischen Kaiserzeit (= Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Geisteswissenschaften. Vorträge G 289). Opladen 1987, ISBN 3-531-07289-7, S. 7.
  4. Streit um die Hagia Sofia in Nizäa - Historisches Gebäude der frühen Christenheit in der Türkei wurde Moschee. In: Deutschlandfunk, "Tag für Tag: Aus Religion und Gesellschaft", 13. Dezember 2011.
  5. Godfrey Goodwin: A History of Ottoman Architecture. Thames and Hudson, London 1971, ISBN 0-500-27429-0, S. 17.
  6. Mustafa Şahin: Neue Forschungen und Ausgrabungen in der Basilika des İznik Sees. In: Asia Minor Studien. Band 96. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 2020, S. 93–106 (researchgate.net [PDF]).; Mustafa Şahin: Underwater Excavation at the Basilica Church in İznik Lake-2019. In: International Journal of Environment and Geoinformatics. Band 9, Nr. 2, 2022, S. 71–80 (researchgate.net).; Mark R. Fairchild: The underwater basilica of Nicaea. Archaeology in the birthplace of Christian theology. IVP Academic, Downers Grove 2024, ISBN 978-1-5140-1067-9.