Iva Cantoreggi

Iva Cantoreggi (* 14. Februar 1913 in Paradiso; † 19. Juni 2005 in Lugano) war eine Schweizer Journalistin und Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht und die Gleichstellung von Mann und Frau. Von 1954 bis 1979 leitete sie die Schweizerische Depeschenagentur in Lugano. Sie war die erste Tessinerin, die ins Berufsregister der Schweizer Journalisten aufgenommen wurde.[1]

Biographie

Iva Cantoreggi war die Tochter von Romilda, geborene Lucchina († 1957), und Alessandro Cantoreggi († 1958), Inhaber eines Schneiderateliers in Paradiso. Die Eltern waren italienische Staatsangehörige. Iva besuchte das Mädchengymnasium in Lugano-Besso und anschliessend die von Ines Bolla geleitete Frauenberufsschule der Stadt Lugano. 1930 schloss Cantoreggi ihre Ausbildung mit dem Handelsdiplom ab.[1]

Journalistin

Iva Cantoreggi arbeitete zuerst als Sekretärin und Stenografin bei der Tageszeitung Gazzetta Ticinese, die anfänglich von Ines' Bruder Fulvio Bolla geleitet wurde. Schon bald etablierte sie sich als Redaktorin. Zu ihren ersten Artikeln gehörten die wirtschaftlichen Thesen von Ilse Schneiderfranken und Berichte über die Schweizerische Landesausstellung 1939. In den 40er-Jahren war sie ausserdem Tessiner Korrespondentin für die Agenturen Reuters und Associated Press.[2]

1949 verliess sie die Zeitung wegen Meinungsverschiedenheiten zum Thema Frauenstimmrecht, wofür sie sich stark engagierte. Nach einem kurzen Abstecher bei Ghilda del libro, einem Verlag in Lugano, wechselte Cantoreggi zur italienischsprachigen Redaktion der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). Dort stenografierte sie zu Beginn die von der Zentrale in Bern übermittelten Nachrichten, transkribierte und übermittelte sie an Zeitungen.[2] Von 1954 bis zu ihrer Pensionierung 1979 war sie Leiterin des Büros in Lugano.[1][3]

In den 50er-Jahren weitete Iva Cantoreggi ihre Mitarbeit auf Frauenseiten des Corriere del Ticino und des Giornale de Popolo aus. Dort zeichnete sie mit ihrem Pseudonym "zia Carlotta". Ausserdem schrieb sie für Il Dovere sowie für die Zeitschrift Illustrazione Ticinese. Cantoreggi wurde zudem zu einer festen Grösse bei Radio Monteceneri. Dort moderierte sie zusammen mit Alma Bacciarini, Alice Balmelli und Elsa Franconi-Poretti die Sendung Per la donna und war ab 1955 für diese verantwortlich. Contoreggi bot mit ihrer Radiosendung bis 1973 ein Forum für Debatten in Frauen- und Gleichstellungsfragen. Sie sammelte auch einige Erfahrungen im Fernsehen für die Sendung Mondo di Eva.[2]

Frauenrechtlerin

Iva Cantoreggis langjähriges Engagement für das Frauenstimmrecht und die Situation der Frau begann bereits in ihrer Jugend, als sie Flora Volonteri, eine der Gründerinnen des Movimento Sociale Femminile, kennenlernte.[2] 1945 nahm sie zusammen mit Alma Chiesa am 3. Schweizer Frauenkongress in Zürich teil. Am 26. November 1945 moderierte sie eine Radiosendung zum Thema Wahlrecht für Frauen im Tessin, das allerdings von den Stimmberechtigten im Jahr darauf und in weiteren Abstimmungen auf Bundes- und Kantonsebene abgelehnt wurde. Erst 1969 erhielten die Tessinerinnen das aktive und passive Wahlrecht.

Von 1957 bis 1973 amtierte Cantoreggi als Vizepräsidentin und danach bis 1976 als Präsidentin der Federazione ticinese delle società femminili (ab 2001 Federazione delle Associazioni femminili Ticino).[1] Sie arbeitete ausserdem im Tessiner Steuerungsausschuss für die zweite Ausgabe der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) von 1958 mit.

Politikerin

Iva Cantoreggi politisierte in der Freisinnig-Demokratischen Partei des Kantons Tessin (heute FDP.Die Liberalen), deren Vorstand sie 1970 angehörte. Von 1972 bis 1976 war sie Gemeinderätin von Lugano.

Weitere Engagements

Am Rande der SAFFA schlug Iva vor, in Lugano ein Wohnhaus für alte Menschen mit geringem Einkommen zu bauen. Dieses Projekt verfolgte sie als Vizepräsidentin der Genossenschaft Casa per persone anziane von 1959 bis 1968 weiter. Die Residenza Emmy wurde 1972 eröffnet. Neben Vorstössen im Bereich des Konsumentenschutzes, die sie unter anderem als Mitglied und Referentin des internationalen Lyceum Clubs Lugano lancierte, war ihr die Ausbildung junger Frauen ein wichtiges Anliegen. Hier setzte sich Cantoreggi insbesondere für die Einrichtung einer Fachschule für Sozialarbeit ein. Des Weiteren war sie im Vorstand des Bunds Schweizerischer Frauenorganisationen (BSF, heute Alliance F) sowie Mitglied der Schweizerischen Unesco-Kommission und der Association internationale des journalistes de la presse féminine et familiale.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Lorenza Hofmann: Cantoreggi, Iva. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 12. Dezember 2022, abgerufen am 4. Dezember 2025.
  2. a b c d Karin Stefanski, Susanna Castelletti, Lorenza Hofmann: La Residenza Emmy. Storia di un'impresa femminile 1959-2019. Hrsg.: Associazione Archivi Riuniti delle Donne Ticino. 2. Auflage. Massagno, 2019, ISBN 978-88-904152-4-1, S. 101–105 (italienisch).
  3. Presse. Neue Zürcher Zeitung, 5. September 1954, abgerufen am 9. Dezember 2025.