Irene Hübner
Irene Hübner (* 1954 in Indonesien) ist eine niederländische Anthropologin und Afrikaexpertin, insbesondere für afrikanische Baukunst und afrikanische Religionen.
Leben und Wirken
Irene Hübner wurde 1954 in der ehemaligen niederländischen Kolonie Indonesien geboren. Ihre Eltern besaßen die niederländische Staatsbürgerschaft, und zu ihren Vorfahren zählten eine chinesische und eine schottische Großmutter.[1] Anfang der 1960er Jahre verließen ihre Eltern mit der damals Sechsjährigen Indonesien und reisten per Schiff von Jakarta in die Niederlande.
Geprägt durch ihre Erfahrungen des Andersseins und der Diskriminierungen wegen ihrer Herkunft fasste Hübner schon in der vierten Klasse des Gymnasiums den Entschluss, Anthropologin zu werden. In einem Interview erläuterte sie hierzu:
“Ik was een inbetween tussen culturen. Nederland, waar alles anders was. Die sombere winters, het andere eten. Wij waren halfbloedjes, dat werd ons op straat wel ingepeperd. Scheldpartijen”
„Ich war ein Mittelding zwischen den Kulturen. Die Niederlande, wo alles anders war. Diese kalten Winter, das andere Essen. Wir waren Halbblüter, das wurde uns auf der Straße eingeimpft. Beleidigungen.“
Von 1973 bis 1979 absolvierte Hübner an der Katholieke Universiteit Nijmegen, jetzt Radboud-Universität, in Nijmegen ein Studium der Kultur-, Sozial- und Religionsanthropologie sowie der Soziologie.
Als Expertin für afrikanische Architektur wurde sie 1982 gebeten, bei der Neugestaltung des Außenbereichs des Afrikamuseums in Berg en Dal in der Provinz Gelderland mitzuwirken, wo unter anderem auch originalgetreue Beispiele afrikanischer Baukultur errichtet werden sollten. In den 1990er Jahren inventarisierte und digitalisierte sie die Sammlungen des Museums. Ab November 2008 wirkte sie dort als Nachfolgerin von Ineke Eisenburger als Museumsdirektorin.[1] Sie betreute oder kuratierte in Berg en Dal mehr als 200 Ausstellungen, forschte und publizierte und richtete das Museum neu ein.[2]
Nach der Fusionierung des Afrika Museums mit zwei anderen Museen und der Installierung eines neuen Gesamtleitungsteams im Jahr 2014 verließ Hübner nach mehr als 30 Jahren Berg en Dal und wechselte an das Museum für Völkerkunde in Hamburg.[2] Seit Herbst 2015 arbeitete sie dort in einem interdisziplinären Forschungsteam. Zu diesem Team gehörten die Kolonialhistorikerin Diana M. Natermann von der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe an der Universität Hamburg und die Fotoarchivarin des Museums. Das Team bearbeitete die historischen Fotobestände des Museums, die mit der deutschen Kolonialherrschaft im subsaharischen Afrika in Zusammenhang stehen. Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes lag auf etwa 3000 bis 3500 Fotos einer Expedition nach Westafrika, die 1910 und 1911 unter der Leitung des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg stattfand. Das Team sollte diese Fotobestände grundlegend aufarbeiten und wissenschaftlich erschließen.[3]
Beratende Tätigkeiten
Seit 2008 berät Irene Hübner den Mondriaan Fonds, einen öffentlichen Förderfonds für Kunst, Design und Kulturgut, hinsichtlich der Ankäufe völkerkundlicher Objekte.
In derselben Funktion war sie 2018 für das Kröller-Müller Museum in Otterlo tätig. Sie gehörte 2018 dem Vorstand der Stiftung Helene Kröller-Müller Fonds an. Im Jahresbericht 2018 des Fonds wird sie als wissenschaftliche Beraterin und Gastkuratorin für afrikanische Kunst am Museum für Völkerkunde Hamburg sowie als inhaltliche Beraterin der Stiftung „Stil Verleden“ bezeichnet. Neben ihrer Vorstandstätigkeit war sie als Gutachterin für FARO, das Flämische Förderzentrum für Kulturerbe (Vlaams steunpunt voor cultureel erfgoed) in Brüssel, tätig.[4]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Irene Hübners reis door culturen. In: De Gelderlander. 5. Juli 2008, abgerufen am 30. November 2025 (niederländisch, mit Foto von Irene Hübner (2008)).
- ↑ a b Katja Engler: Frauen erfahren andere Geheimnisse. In: Hamburger Abendblatt. 24. November 2015, abgerufen am 30. November 2025.
- ↑ Diana M. Natermann: Koloniale Dokumente im Museum für Völkerkunde Hamburg – Afrika als Gegenstand der kolonialen Fotografie. In: kolonialismus.blogs.uni-hamburg.de. 8. August 2017, abgerufen am 30. November 2025.
- ↑ Stichting Helene Kröller-Müller Fonds (Hrsg.): Jaarrapport 2018. Apeldoorn 2. Juli 2019, S. 7, 8 (niederländisch, Digitalisat [PDF]).