Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe
Die Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung war eine Forschungseinrichtung der Universität Hamburg, welche die „Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien“ erforschte. Die Forschungsstelle bestand von 2014 bis 2025 und wurde vom Historiker Jürgen Zimmerer geleitet, der als einer der führenden Kolonialismusforscher in Deutschland gilt.
Geschichte
Im Jahr 2013 regte die Hamburgische Bürgerschaft die Aufarbeitung der von vielfältigen Ausbeutungsverhältnissen geprägten Hamburger Kolonialgeschichte an.[1] In der Folge wurde vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg die Erarbeitung eines hamburgweiten Erinnerungskonzepts beschlossen, das die postkoloniale Erinnerungsarbeit, die Gestaltung der „historischen Zeugnisse in Jenfeld“ (Lettow-Vorbeck-Kaserne) sowie die Gründung der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe einschloss.
Anfang 2017 bescheinigte der Wissenschaftsrat der Forschungsstelle „hervorragende Ansatzpunkte“, um die Bevölkerung für die Bedeutung der Universität Hamburg zu sensibilisieren.[2] Parallel wurde die Kolonialgeschichte als „Potenzialbereich“ der Universität Hamburg markiert.[3] Diese Positivbewertung, so die Webseite der Forschungsstelle, sei für die Mitarbeiter „Bestätigung und Ansporn zugleich.“[4]
Im März 2025 strich der Senat der Stadt Hamburg der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ an der Universität Hamburg die Gelder, sodass diese eingestellt werden musste.[5][6]
Aufgaben
Die Forschungsstelle analysierte die Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien. Dabei standen Dynamiken, Repräsentationen und Kontroversen des (deutschen) Kolonialismus im Vordergrund, die an exemplarischen Fallbeispielen erforscht wurden.[7] Weitere Aufgaben der Forschungsstelle waren etwa die Organisation von Vorträgen und Ringvorlesungen sowie das Erstellen einer Webpräsentation.
Forschung
Die Forschungsstelle bearbeitete eine Vielzahl kolonialhistorischer Projekte. So wurde die Involvierung der Hamburger Kaufleute in die koloniale Expansion, die Geschichte von People of Colour in Hamburg, koloniale Diskurse in Hamburger Theatern nach 1871 oder die Verflechtung von Antisemitismus und Kolonialrassismus im Deutschen Kaiserreich analysiert. Zudem wurde der Themenkomplex koloniale Fotografie (Schwerpunkt: Deutsch-Südwestafrika) sowie die Trias von Rassismus, Kolonialismus und Nationalsozialismus erforscht.[7]
Ein weiteres Forschungsfeld war die Provenienzforschung. Das Projekt „Koloniale Spuren“ arbeitete die Geschichte der Sammlungen des Übersee-Museums Bremen auf, wo 5000 koloniale Objekte teils ungeklärter Herkunft lagern.[8] Parallel wurde die „Globalisierung des kolonialen Kunstraubs“ anhand der „Benin Bronzen“ analysiert. Dies sind hochkarätige Kunstwerke aus dem vor-kolonialen Afrika, die nach der britischen Plünderung von Benin im Jahr 1897 über die Welt verstreut wurden.[9]
Publikationen (Auswahl)
- Jürgen Zimmerer, Kim Sebastian Todzi: Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung (= Hamburger Beiträge zur Geschichte der kolonialen Globalisierung 1). Wallstein, Göttingen 2021, ISBN 978-3-8353-5018-2.
Weblinks
- Offizielle Website der Forschungsstelle
- Arbeitsbereich Globalgeschichte der Universität Hamburg
- Fernsehinterview mit Jürgen Zimmerer
Einzelnachweise
- ↑ Interfraktionelles Petitum der Abgeordneten der Fraktionen von SPD, CDU, GAL, FDP, DIE LINKE im Kulturausschuss, zu Drs. 20/3752
- ↑ Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Gesamtstrategie der Universität Hamburg. Drs. 5936-17, Berlin 20 01 2017, Seite 115/116.
- ↑ Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Gesamtstrategie der Universität Hamburg. Drs. 5936-17, Berlin 20 01 2017, Seite 10.
- ↑ https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de/wissenschaftsrat-bestaetigt-forschungsstelle-hamburgs-post-koloniales-erbe-traegt-zur-sichtbarkeit-der-universitaet-in-hamburg-und-darueber-hinaus-bei/
- ↑ https://www.kolonialismus.uni-hamburg.de
- ↑ Marta Ahmedov: Koloniales Erbe der Hansestadt: Hamburg sägt Forschungsstelle ab. In: Die Tageszeitung: taz. 12. September 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ a b https://www.geschichte.uni-hamburg.de/arbeitsbereiche/globalgeschichte/forschung/forschungsstelle-hamburgs-postkoloniales-erbe.html
- ↑ https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2017/pm23.html
- ↑ https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2017/pm44.html