International Association for Aesthetics

Die International Association for Aesthetics (IAA) bzw. Association Internationale d’Esthétique ist der weltweite Dachverband der Philosophen und anderer Wissenschaftler, die die Ästhetik als Fachdisziplin behandeln.

Die IAA besteht aus 30 kollektiven Mitgliedern, nationalen und regionalen Gesellschaften für Ästhetik, sowie vielen hundert Einzelmitgliedern. Der deutsche Verband ist die Deutsche Gesellschaft für Ästhetik. Das Hauptziel ist es, der Ästhetik als einem Gebiet humanistischen Wissens institutionelle Anerkennung zu verleihen, die Erforschung der Ästhetik zu fördern. Über internationale Kongresse und andere Mittel (Jahrbuch[1], Newsletter) werden die Ergebnisse verbreitet: in Peking im Jahr 2010, Krakau im Jahr 2013, Seoul im Jahr 2016, Belgrad im Jahr 2019 und Belo Horizonte 2023. Der aktuelle Präsident ist der 1990 an der Universität Kassel promovierte Rodrigo Duarte (Bundesuniversität Minas Gerais, Brasilien).[2]

Daneben gibt es eine stärker an der empirischen Psychologie in der Nachfolge von Gustav Theodor Fechner ausgerichtete International Association of Empirical Aesthetics (IAEA)[3], zu deren Gründern 1965 Robert Francès (Paris), Daniel Berlyne (Toronto) und Albert Wellek (Mainz) gehörten. Thomas Jacobson (Hamburg)[4] war ihr Präsident 2018–2022. Diese Richtung wird auch als Experimentelle Ästhetik bezeichnet. Der nächste Kongress wird im Mai 2026 an der Universität Jena stattfinden.[5]

Geschichte

Die International Association of Aesthetics entstand 1988 auf dem XI. International Congress of Aesthetics in Nottingham, England. Die Geschichte des Verbandes reicht jedoch zurück bis zum I. Internationalen Kongress für Ästhetik, den 1913 Max Dessoir in Berlin organisierte. Ein zweiter Kongress fand 1937 in Paris statt. Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Kongresse 1956 wieder aufgenommen, als der dritte Kongress in Venedig stattfand. Von dieser Zeit bis 1992 fanden die Kongresse in vierjährigen Abständen statt, danach dreijährig.

Vor 1984 wurden diese Treffen vom Comité International d’Esthétique organisiert. Zu seinen Mitgliedern gehörten Wissenschaftler in der Ästhetik, die Länder mit einer starken Tradition in der Ästhetik repräsentierten. Zu verschiedenen Zeiten umfasste das Comité Etienne Souriau, Mikel Dufrenne (1910–95, Paris), Harold Osborne (1905–87, Oxford, Cambridge)[6], Luigi Pareyson, Tonomobu Imamichi (1922–2012, Japan, Palermo)[7], Milan Damnjanovic (1924–1994, Belgrad), Thomas Munro und andere angesehene Gelehrte.

Mit dem zunehmenden Interesse an Ästhetik auf der ganzen Welt wurde das Komitee, das selbsternannt war und sich selbst aufrechterhalten hatte, unfähig, auf die Bedürfnisse zu reagieren. Auf dem IX. Internationalen Kongress 1980 in Dubrovnik wurde beschlossen, einen internationalen Verband zu gründen. Auf dem nächsten Kongress in Montreal im Jahr 1984 wurde ein Entwurf einer Verfassung vorgestellt. Ein vorläufiges Exekutivkomitee wurde gewählt, um mit der Organisation des Vereins zu beginnen. Harold Osborne wurde erster Präsident bis zum Tod 1987, ihm folgten u. a. Göran Hermerén (Lund, 1988–95) und Heinz Paetzold (Hamburg, 2004–07). Im Jahr 2023 fand der Internationale Kongress in Belo Horizonte, Brasilien, statt.[8]

Der deutsche Philosoph Wolfgang Welsch hat über maßgebende Kongressvorträge die inhaltliche Richtung seit den 1990er Jahren geprägt: Nicht nur die Kunst sei ein Thema der Ästhetik, sondern die menschliche Lebenswelt in allen Facetten.

Einzelbelege

  1. Contemporary Issues in Aesthetics An Annual of the International Association for Aesthetics. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  2. Rodrigo Duarte - UFMG - The Federal University of Minas Gerais. Abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
  3. IAEA Home - International Association of Empirical Aesthetics. Abgerufen am 4. Januar 2026 (britisches Englisch).
  4. HSU: CV Thomas Jacobson. In: Professur für Allgemeine und Biologische Psychologie. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  5. IAEA Jena 2026. Abgerufen am 4. Januar 2026 (britisches Englisch).
  6. Harold Osborne: Aesthetics;. London, Oxford University Press, 1972, ISBN 978-0-19-875020-8 (archive.org [abgerufen am 4. Januar 2026]).
  7. Tomonobu Imamichi. Abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
  8. A Brief History of the IAA. In: International Association for Aesthetics. Abgerufen am 4. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).