Indian Press Act, 1910

Indian Press Act, 1910 bzw. das Indische Pressegesetz von 1910 war ein Gesetz zur Zensur unterschiedlichster Presseerzeugnisse in Britisch-Indien. Es wurde auf Vorschlag von Sir Herbert Hope Risley (1851–1911), einem Angehörigen des Indian Civil Service,[1] am 8. Februar 1910 angenommen. Das Gesetz wandte sich hauptsächlich gegen die Swadeshi-Bewegung.[2] Es verfolgte drei Hauptziele:

  1. Stärkung der behördlichen Kontrolle über die indische Presse
  2. Erweiterung der bürokratischen Kontrolltätigkeit über Einführung und Weitergabe landessprachlicher politischer Literatur, und
  3. örtliche Behörden zu ermächtigen, jegliche Zeitungen oder andere Druckerzeugnisse mit aufrührerischen Elementen einstellen zu lassen.

Die Bestimmungen des Pressegesetzes von 1910 entsprachen mehr oder weniger denjenigen des 1882 abgeschafften Vernacular Press Act, der 1878 von Generalgouverneur Bulwer-Lytton beantragt und einstimmig angenommen worden war. Mit diesem Gesetz wurden der britischen Kolonialregierung ausführliche Rechte zur Zensur von Berichten und Leitartikeln in indischen Landessprachen (Vernaculars) übertragen. Das Pressegesetz von 1910 wurde erlassen, nachdem sich indische Jugendliche in zunehmendem Maße bekennenden Nationalisten wie Bal Gangadhar Tilak und Sri Aurobindo Ghose zugewandt und sich revolutionären Geheimbünden wie Anushilan Samiti in Bengalen angeschlossen hatten. Nach der Teilung Bengalens 1905 befürchteten britische Verwaltungsbeamte, dass das Aufkommen nationalistischer Zeitungen und Traktate ein revolutionäres Klima fördern würde.

Trotz der drastischen Maßnahmen der britischen Verwaltung ließ sich der Elan der nationalistischen Presse nicht bremsen. Das Gesetz wurde 1922 zusammen mit dem Rowlatt Act und anderen Sondergesetzen abgeschafft.

Literatur

  • V. Venkat Raman: The Indian Press Act of 1910. The Press and Public Opinion at Crossroads on the Madras Presidency 1910–1922. In: Proceedings of the Indian History Congress. Band 60: Diamond Jubilee. 1999, S. 863–871, JSTOR:44144157.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Risley war auch Vertreter des „wissenschaftlichen Rassismus“, der mit Hilfe anthropometrischer Daten die Bevölkerung Indiens in sieben Rassen einteilte; vgl. Judith E. Walsh: A Brief History of India, 2011, S. 171.
  2. Modern India History Notes