Imelda Verrept

Imelda Verrept (* 1944 in Genf) war von 1968 bis 1980 Spionin der Militärischen Aufklärung der Nationalen Volksarmee (NVA) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Leben

Verrept besuchte ein Lyzeum in Flandern und arbeitete für die Zeitung De Nieuwe. Sie entschied sich mit 22 Jahren, in ein katholisches Kloster in Brüssel einzutreten, das sie nach zwei Jahren 1968 wieder verließ. Danach arbeitete sie als Schreibkraft für die Belgischen Luftstreitkräfte in Evere und ab 1973 im NATO-Hauptquartier im Internationalen Sekretariat. 1974 lernte sie den Hotelmanager Winfried P. (Deckname: Wieland Gludowacz) aus Antwerpen kennen, in den sie sich verliebte und eine feste Beziehung einging. Winfried P. war Hauptmann der Militärischen Aufklärung der NVA und beauftragt, Quellen mit Zugängen im NATO-Hauptquartier zu suchen. Verrept verpflichtete sich 1968 als Spionin, nachdem Winfried P. sie überzeugt hatte, dass ihr katholischer Glaube mit den Zielen des Sozialismus in Einklang zu bringen sei. Verrept lieferte unter anderem Dokumente aus dem Nordatlantikrat, der Nuklearen Planungsgruppe, dem Ausschuss für Verteidigungsplanung, der Politischen Abteilung bis zum höchsten Geheimhaltungsgrad, darunter auch Details zur Nachrüstung im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses. Winfried P. übermittelte die von Verrept beschafften Dokumente in die DDR.

Verrept gilt, neben Rainer Rupp und Ursel Lorenzen, als Spitzenquelle des Warschauer Paktes in der NATO. Am 4. April 1980 setzten sich Verrept und Winfried P. in die DDR ab. Sie wurden aus Sicherheitsgründen zurückberufen, um einer möglichen Enttarnung zu entgehen. Am 15. April 1980 wurde Verrept als Kundschafterin des Friedens im Deutschen Fernsehfunk der DDR präsentiert, wo sie über angebliche offensive Kriegspläne der NATO berichtete und behauptete, aus Gewissensgründen in die DDR übergetreten zu sein. Auch das SED-Zentralorgan Neues Deutschland berichtete.[1]

In der DDR arbeitete Verrept als Übersetzerin und lehrte über ihre Spionage-Tätigkeit am Militärwissenschaftlichen Institut (MWI) der Nationalen Volksarmee, einer Fakultät der Militärakademie „Friedrich Engels“ und Ausbildungseinrichtung der Militärischen Aufklärung in Klietz. Sie lebte mit Winfried P. im Raum Ost-Berlin. Verrept hat eine Tochter. Um diese zu schützen, lehnte sie öffentliche Interviews sowie eine Monographie über ihr Leben ab und hält ihren Ehenamen mit Winfried P. geheim.

Siehe auch

Literatur

  • Bodo Wegmann: Die Militäraufklärung der NVA : die zentrale Organisation der militärischen Aufklärung der Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik (= Beiträge zur Friedensforschung und Sicherheitspolitik. Band 22). Verlag Dr. Köster, Berlin 2005, ISBN 978-3-89574-580-5, S. 244–246 (Kapitel „Wieland Gludowacz und Imelda Verrept“).
  • Jefferson Adams: Historical Dictionary of German Intelligence (= Historical Dictionaries of Intelligence and Counterintelligence. Band 11). Scarecrow Press, Lanham, Toronto und Plymouth 2009, ISBN 978-0-8108-5543-4, S. 474 f. (Kapitel „Verrept, Imelda (1944–)“).

Einzelnachweise

  1. Imelda Verrept legt in Berlin geheime NATO-Dokumente vor: Alarmierende Enthüllungen über Inhalt und Ziele des aggressiven Raketendiktats der NATO; So spielen die NATO-Strategen mit dem Kernwaffenkrieg und bereiten in systematisch vor. In: Neues Deutschland. Band 35, Nr. 112, 13. Mai 1980, S. 1, 3 (PDF – mit Abbildung von Imelda Verrept).