Ifigenia in Aulide (Zeno)
| Werkdaten | |
|---|---|
| Titel: | Ifigenia in Aulide |
|
Titelblatt des Librettos von 1718 | |
| Form: | Opera seria in drei Akten |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Erste Vertonung von Antonio Caldara |
| Libretto: | Apostolo Zeno |
| Literarische Vorlage: | Jean Racine: Iphigénie |
| Uraufführung: | 28. Dezember 1718 |
| Ort der Uraufführung: | Hoftheater Wien |
| Ort und Zeit der Handlung: | Aulis, griechische Mythologie |
| Personen | |
| |
Ifigenia in Aulide ist ein Libretto zu einer Opera seria in drei Akten von Apostolo Zeno nach Jean Racines Tragödie Iphigénie. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Caldara am 28. Dezember 1718 im Wiener Hoftheater. Anschließend wurde es noch mehrfach neu vertont.
Handlung
„Argomento“ – ‚Inhalt‘
“L’armata greca, la quale si era allestita per andarsene contra Troia sotto il comando di Agamennone, re di Micene, fu da venti contrari trattenuta più mesi nel porto di Aulide. Si ricorse all’oracolo di Diana; e l’indovino Calcante diede in risposta che mai non si navigherebbe a Troia, se prima non si placasse l’ira di Diana con la morte e col sacrificio di Ifigenia, figliuola del re Agamennone. Questo sacrificio è uno de’ più celebri fatti appresso i poeti, i quali però assai diversamente l’han riferito. Alcuni hanno asserito che veramente Ifigenia fosse sacrificata. Così Eschilo, Euripide, Sofocle ed altri. Alcuni sono stati di parere che Diana, mossane a pietà, l’avesse rapita nel punto del sacrificio dalle mani di Calcante e portatala in Tauride, facendo che invece di lei rimanesse uccisa una cerva o altro animale. Euripide mostra di essere stato anch’egli di questo sentimento e Ovvidio ne parla nelle sue Metamorfosi. Altri finalmente hanno scritto che una Ifigenia fu veramente sacrificata, non già la figliuola di Agamennone ma una figliuola di Elena, natale in segreto da Teseo, avanti che fosse sposa di Menelao, re di Sparta, al quale non confidò mai questo suo segreto e primo matrimonio con Teseo; e per conseguenza a lui e a tutti tenne occulta la nascita di questa sua Ifigenia, la quale fece allevare sotto altro nome in Lesbo; e io gli do quello di Elisena.
Questa terza opinione, che è sostenuta da Euforione Calcidense, da Alessandro Pleuronio e da Stesicoro Imereo, riportati da Pausania nel libro II, è stata seguitata da me nell’ordimento del dramma, poiché la prima menava la favola a un fine troppo tragico e la seconda ad uno scioglimento troppo incredibile e inverisimile. Nellae due primae manierae l’argomento è stato maneggiato dall’incomparabile Euripide e nella terza dal famoso Racine. Confesso di aver tolto assai dall’uno e dall’altro, ad oggetto di render meno imperfetto che per me fosse possibile il mio componimento, dove gli amori d’Achille e di Ifigenia, l’andata di quello a Lesbo, donde ne condusse Elisena prigione ed altre circostanze della favola non sono senza istorico fondamento.”
„Die griechische Armee, die sich unter dem Kommando Agamennones (Agamemnon), des Königs von Mykene, zum Aufmarsch gegen Troja zusammengefunden hatte, wurde im Hafen von Aulis mehrere Monate lang durch eine ungünstige Windlage aufgehalten. Man wandte sich an das Orakel der Diana; und der Wahrsager Calcante (Kalchas) entgegnete, dass man niemals nach Troja segeln würde, bevor nicht Dianas Zorn durch den Tod und das Opfer von Ifigenia (Iphigenie), der Tochter des Königs Agamennone, besänftigt würde. Dieses Opfer ist eine der berühmtesten Erzählungen der Dichter, die sie jedoch sehr unterschiedlich berichteten. Einige versicherten, dass Ifigenia tatsächlich geopfert wurde. So Aischylos, Euripides, Sophokles und andere. Einige vertraten die Ansicht, dass die von Mitleid gerührte Diana sie an der Opferstelle den Händen Calcantes entriss und nach Tauris brachte, wobei an ihrer Stelle eine Hirschkuh oder ein anderes Tier getötet wurde. Euripides zeigt, dass auch er dieser Ansicht war, und Ovid berichtet darüber in seinen Metamorphosen. Andere schließlich schrieben, dass wirklich eine Ifigenia geopfert wurde, jedoch nicht die Tochter Agamennones, sondern eine Tochter der Elena (Helena), eine im Geheimen geborene Tochter Teseos (Theseus), bevor sie mit Menelao (Menelaos), dem König von Sparta, vermählt wurde, dem sie diese ihre geheime und erste Ehe mit Teseo nie offenbarte; und deshalb hielt er diesem und allen die Geburt dieser seiner Ifigenia geheim, die er unter einem anderen Namen in Lesbos aufziehen ließ; ich nenne sie Elisena.
Dieser dritten Meinung, die von Euphorion aus Chalkis, Alexandros aus Pleuron und Stesichoros aus Himera gestützt wird und über die Pausanias im zweiten Buch berichtet, folgte ich bei der Planung des Dramas, da die erste die Geschichte zu einem zu tragischen Ende und die zweite zu einer zu unglaubhaften und abwegigen Auflösung führte. Auf die ersten beiden Weisen wurde die Handlung vom unvergleichlichen Euripides und auf die dritte vom berühmten Racine behandelt. Ich gebe zu, dass ich vieles von dem einen und dem anderen entlehnt habe, um meine Komposition weniger unvollkommen zu machen, als es mir selbst möglich war, wobei die Liebe von Achille (Achilleus) und Ifigenia, die Abreise des einen nach Lesbos, von wo er die gefangene Elisena fortführte, und andere Umstände der Geschichte nicht ohne historische Grundlage sind.“
Kurzfassung
Erster Akt. Vor ihrem Feldzug gegen Troja sammeln sich die griechischen Truppen in Aulis bei König Agamennone. Dort hindert sie eine langandauernde Windstille an der Abreise. Das Orakel hat verkündet, dass Agamennones Tochter Ifigenia geopfert werden müsse, um die Flaute zu beenden. Agamennone hat widerstrebend zugestimmt und eine Nachricht an seine Frau Clitennestra (Klytaimnestra) in Argos geschickt. Sie soll mit ihrer Tochter nach Aulis kommen, um diese mit dem Kämpfer Achille zu vermählen. Zu Beginn der Oper trifft Achille ein. Er hat kurz zuvor Lesbos erobert und die dortige Prinzessin Elisena gefangen mit sich geführt, um sie seinem Freund Teucro (Teukros) zu übergeben, der sie liebt. Unterwegs hat sich Elisena jedoch in ihren Entführer Achille verliebt, der wiederum nur an seine Braut Ifigenia denkt. Die enttäuschte Elisena denkt an einen Selbstmord im Tempel. Wenig später treffen auch Clitennestra und Ifigenia ein. Agamennone hat inzwischen Gewissensbisse bekommen und einen vergeblichen Versuch unternommen, sie zu warnen. Sein Brief ist jedoch von Ulisse (Odysseus) abgefangen worden. Ihm bleibt nun nichts anderes mehr übrig, als die Opferung konsequent durchzuziehen. Achille, Clitennestra und Ifigenia wissen nichts von all dem. Zudem hat man Achille die Ankunft seiner Braut verheimlicht.
Zweiter Akt. Es kommt zu einigen Eifersuchtsszenen und Missverständnissen zwischen Ifigenia, Elisena und Achille. Dennoch will Teucro weiterhin zu Elisena stehen. Um Clitennestra nicht zur Zeugin der Opferhandlung zu machen, möchte Agamennone sie unter einem Vorwand fortschicken. Sie geht jedoch nicht darauf ein. Agamennones Vertrauter Arcade offenbart Achille und den beiden Frauen die ganze Wahrheit. Sie alle wollen das Opfer verhindern. Während Achille vor Wut schäumt und Agamennone töten möchte, will Ifigenia es erst mit Bitten versuchen.
Dritter Akt. Nachdem Ifigenias Flehen erfolglos bleibt, ergibt sie sich in ihr Schicksal. Dennoch überredet Clitennestra ihren Mann, einen Rettungsversuch zu unternehmen. Er überlässt es Arcade, Ifigenia in Sicherheit zu bringen. Die Flüchtigen werden jedoch erst von Teucro und dann von Elisena und Ulisse aufgespürt. Ifigenia wird in den Tempel gebracht. Vor der Opferhandlung überwindet Achille die Wachen und versucht, Ifigenia gewaltsam zu befreien. In diesem Moment verkündet der Priester Calcante mit der Stimme des Orakels, dass in Wirklichkeit Elisena das vorgesehene Opfer sei – sie sei eine Tochter Elenas und Teseos und heiße eigentlich ebenfalls Ifigenia. Diese schreitet zum Alter und tötet sich selbst. Damit sind die Götter versöhnt, und die Griechen können nach Troja abreisen.
Erster Akt
Der Hafen von Aulis voller griechischer Schiffen und Zelte, alle zur Nacht auf militärische Weise beleuchtet; andere Schiffe in der Ferne auf See, die sich ebenfalls beleuchtet mit entfalteten Segeln dem Hafen nähern
Szene 1. Der griechische Hauptmann Teucro erklärt seinen Leuten, dass es sich um die Schiffe ihres Verbündeten Achille handelt, der nach Eroberung der Insel Lesbos zu ihnen stoße. Dessen Schiff legt an, und Achille und einige seiner Kämpfer gehen an Land.
Szene 2. Achille erzählt von seinem Sieg auf Lesbos (Achille: „Asia tremi, Argo festeggi“). Von dort hat er gefangene Prinzessin Elisena mitgebracht, von der er weiß, dass Teucro sie liebt. Teucro muss Achilles Tatendrang dämpfen, denn eine hartnäckige Flaute hindert die Schiffe an der Weiterfahrt nach Troja. Andererseits befindet sich auch Achilles Geliebte Ifigenia, die Tochter des Mykenischen Königs Agamennone, hier. Sie soll Achille schon am nächsten Tag heiraten. Achille kann das Wiedersehen kaum abwarten (Achille: „Se a debole pupilla“).
Szene 3.Teucro versichert Elisena, dass man sie gut behandeln werde. Sie weiß inzwischen, dass Elisena nicht ihr Geburtsname ist, und hofft, bald mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Bevor Teucro ihr seine Liebe offenbaren kann, erklärt sie, dass sie sich in Achille verliebt hat. Sie ist erschüttert, als sie von dessen bevorstehender Hochzeit mit Ifigenia erfährt. Trotz seiner eigenen Gefühle kann Teucro sie verstehen (Teucro: „Non ho cor così spietato“).
Szene 4. Elisena beschließt, sich bei Achilles Hochzeit im Tempel vor dessen Augen selbst zu töten (Elisena: „A vista del crudele“).
Hof vor dem Palast von Aulis
Szene 5. Agamennone erzählt seinem Vertrauten Arcade, dass der Wahrsager Calcante das Orakel befragt habe, wie die seit drei Monaten herrschende Flaute beendet werden könne. Zu seinem größten Kummer habe es geantwortet, dass dafür seine Tochter Ifigenia, die „königliche Jungfrau vom Blut der Helena“, auf dem Altar der Göttin Diana geopfert werden müsse. Ulisse habe anschließend solange auf ihn eingeredet, bis er seine Zustimmung gegeben habe. Er habe daraufhin seiner Frau Clitennestra geschrieben, mit ihr nach Aulis zu reisen – angeblich, um sie mit Achille zu vermählen. Inzwischen hat er jedoch seine Meinung geändert und einen zweiten Brief verfasst, um sie zur Rückkehr nach Argos zu bewegen: Die Heirat sei aufgeschoben worden, weil sich Achille in die Sklavin Elisena verliebt habe. Arcade verspricht, den Brief schnellstens auszuliefern (Arcade: „Sprone al core ed ali al piede“).
Szene 6. Agamennone teilt Achille mit, dass seine Tochter noch in Argos sei und die Hochzeit noch warten müsse. Achille findet sich schnell damit ab, da er den Kampf gegen Troja kaum erwarten kann. Er hofft, anschließend in Argos mit noch größerem Ruhm mit Ifigenia vermählt zu werden (Achille: „Su l’ali de la spene e del desio“).
Szene 7. Ulisse hat den Boten Arcade abgefangen und stellt Agamennone zur Rede.
Szene 8. Ulisse vergewissert sich, dass Agamennone der Absender des Briefs ist, und wirft ihm vor, ganz Griechenland damit verraten zu haben. Er warnt ihn vor dem Zorn Calcantes und der Götter, denen das Opfer versprochen wurde.
Szene 9. Als Teucro die Ankunft Clitennestras und Ifigenias meldet, kann Agamennone kaum seine Tränen zurückhalten. Teucro wundert sich darüber (Teucro: „Ne la prole e nel comando“).
Szene 10. Agamennone fürchtet sich vor dem Treffen mit seiner Frau und seiner Tochter. Er verspricht Ulisse, das Opfer zu vollziehen, bittet ihn aber, den beiden die grausame Wahrheit vorerst zu verschweigen. Ulisse ist zuversichtlich, dass sie bald nach Troja aufbrechen können (Ulisse: „Veggo già che ai grechi legni“).
Szene 11. Bei der Begrüßung kann Agamennone seine Gefühle nicht verbergen. Er redet sich damit heraus, dass ihnen nun während der Belagerung Trojas eine lange Zeit der Trennung bevorstehe. Als er das Opfer erwähnt, mit dem die Götter besänftigt werden sollen (ohne ihre Rolle dabei zu nennen), bittet Ifigenia ihn, ihn in den Tempel begleiten zu dürfen. Er verspricht ihr das unter Schmerzen (Agamennone: „Di questo core“).
Szene 12. Clitennestra und Ifigenia rätseln über Agamennones Verhalten (Clitennestra: „E con gli occhi e col pensiero“).
Szene 13. Ifigenia liebt ihre Eltern ebenso wie ihren Bräutigam (Ifigenia: „Il mio core, il genitore“).
Ballett der Brautleute.
Zweiter Akt
Begrünter Weg im königlichen Garten
Szene 1. Ifigenia vertraut Elisena an, dass sie sich von Achille vernachlässigt fühlt.
Szene 2. Clitennestra hat von Arcade erfahren, dass Achille noch vor der Hochzeit gegen Troja in den Krieg ziehen will. Außerdem scheint er Gefühle für Elisena entwickelt zu haben. Sie will sofort mit Ifigenia nach Argos zurückkehren (Clitennestra: „Amasti in quel cor perfido“).
Szene 3. Ifigenia fühlt sich von Elisena getäuscht und verhöhnt. Diese streitet alles ab und weist darauf hin, dass auch sie von hoher Abstammung sei.
Szene 4. Achille findet sie und Elisena. Er kann kaum glauben, dass man ihm ihre Ankunft verschwiegen hat. Zu seiner Verwunderung wirft ihm Ifigenia Untreue vor und läuft davon (Ifigenia: „Addio, infido, addio per sempre“).
Szene 5. Achille macht Elisena für Ifigenias Verhalten verantwortlich und schwört Rache (Achille: „Passerò con chi svenò“).
Szene 6. In ihrer Verzweiflung lässt sich Elisena von Teucro trösten. Sie kann das Verhalten der anderen nicht verstehen und bittet ihn, sich bei Ulisse nach den Hintergründen zu erkundigen (Elisena: „Non vo’, se deggio piangere“).
Szene 7. Teucro glaubt nicht, dass sich Elisena wirklich schon von Achille gelöst hat. Er will ihr dennoch die Treue halten (Teucro: „Tutto fa nocchiero esperto“).
Szene 8. Ulisse drängt Agamennone, endlich das Opfer vollziehen zu lassen. Als er Clitennestra kommen sieht, fordert er ihn auf, sie von ihrer Tochter fernzuhalten (Ulisse: „È debolezza“).
Szene 9. Agamennone versichert Clitennestra, dass die Hochzeit stattfinden werde. Sie müsse aber unverzüglich nach Argos zurückkehren, um sich um ihre Söhne zu kümmern. Ihr königlicher Rang lasse es nicht zu, sich unter Soldaten aufzuhalten. Da Clitennestra diese Gründe nicht nachvollziehen kann, befiehlt er ihr, ohne weitere Fragen zu gehorchen (Agamennone: „Ubbidisci; e non cercar“).
Szene 10. Clitennestra findet es ungerecht, dass Frauen ihren Männern nur aufgrund ihrer Stärke gehorchen müssen.
Szene 11. Ifigenia und Clitennestra freuen sich darüber, dass sich die Missverständnisse offenbar aufklärt haben. Nur die bevorstehende Trennung schmerzt sie.
Szene 12. Achille ist froh, dass er nun doch heiraten darf. Zudem sei Calcante zuversichtlich, dass die Götter ein Einsehen haben und die Flaute beenden werden. Ifigenia warte bereits am Tempel.
Szene 13. Arcade offenbart Achille, Ifigenia und Clitennestra die schreckliche Wahrheit: Der König selbst stehe bereit, seine Tochter am Altar zu opfern, sobald Clitennestra sie in den Tempel führe. Er fleht Achille und Clitennestra an, die Unschuldige zu schützen (Arcade: „Se il tuo amor“).
Szene 14. Clitennestra und Achille wollen das Opfer unter keinen Umständen zulassen (Clitennestra: „O vincerò di un perfido“).
Szene 15. Achille kann seine Wut auf Agamennone kaum zügeln. Ifigenia meint jedoch, dass ihm wohl keine Wahl geblieben sei. Sie würde Achille verabscheuen, wenn er ihren Vater tötete, um sie zu retten.
Szene 16. Clitennestra drängt zur Eile. Ifigenia beharrt jedoch darauf, erst mit ihrem Vater zu sprechen, bevor sie Gewalt anwenden. Achille ist damit einverstanden, schwört aber, Ifigenia unter allen Umständen zu retten (Achille: „Se mai fiero leon vede assalita“).
Szene 17. Ifigenia will die Hoffnung auf ein Einlenken ihres Vaters nicht aufgeben (Ifigenia: „Verace o menzognera“).
Ballett der Gärtner.
Dritter Akt
Saal im Königspalast
Szene 1. Elisena und Teucro wollen gemeinsam sicherstellen, dass das Opfer vollzogen wird (Teucro: „Non ti parlo di mia fede“).
Szene 2. Elisena hat großen Hass auf Ifigenia entwickelt (Elisena: „Vergogna e dispetto“).
Szene 3. Agamennone teilt Clitennestra mit, dass alle Vorbereitungen abgeschlossen seien und ihre Tochter im Tempel warte. Er behauptet, man wolle Kälber opfern.
Szene 4. Ifigenia gibt ihrem Vater zu verstehen, dass sie weiß, dass sie selbst das Opfer sein soll. Sie macht ihm keine Vorwürfe, sondern fleht ihn an, Gnade zu zeigen. Agamennone ist zutiefst erschüttert, fühlt sich aber unfähig, gegen den Willen der Götter zu handeln. Ifigenia ergibt sich ihrem Schicksal (Ifigenia: „Più del cielo e più del fato“).
Szene 5. Clitennestra macht Agamennone schwere Vorhaltungen und fordert ihn auf, sie ebenfalls zu töten (Clitennestra: „Preparati a svenar e figlia e madre“).
Szene 6. Agamennone ist nicht mehr in der Lage, die geplante Tat auszuführen.
Szene 7. Agamennone bittet Arcade, seine Tochter und seine Frau auf versteckten Wegen zurück nach Argos zu bringen. Er will unterdessen Calcante überreden, das Opfer aufzuschieben (Agamennone: „Qual quercia da più venti“).
Heiliger Hain der Diana
Szene 8. Teucro ist entsetzt über Elisenas Hass auf die flüchtige Ifigenia. Sie hat das gesamte Lager in Aufruf versetzt, um sie zu suchen.
Szene 9. Teucro spürt die Flüchtigen auf und warnt sie vor den Griechen. Nicht einmal der sonst unbesiegte Achille habe etwas ausrichten können, ohne sich selbst in Lebensgefahr zu begeben. Selbst seine eigenen Leute, die Myrmidonen, hätten sich gegen ihn gewandt.
Szene 10. Elisena kommt hinzu und stößt wütende Drohungen gegen Ifigenia aus.
Szene 11. Ulisse erscheint mit seinen Soldaten. Die Flucht ist endgültig gescheitert.
Szene 12. Achille fordert Ulisse zum Kampf heraus, wird jedoch von Ifigenia selbst unterbrochen. Sie erklärt, dass ihr die Ehre und der Sieg der Griechen im Kampf um Troja wichtiger sei als ihr Leben. Mit dem Wunsch, Elisena zu vergeben und ihr die Freiheit und ihr Reich zurückzugeben, verabschiedet sie sich von ihrem Geliebten. Achille will sie noch nicht aufgeben, sondern vorauseilen und sie am Tempel erwarten (Achille: „Sposa, addio; ma questo, o cara“).
Szene 13. Ulisse versichert Ifigenia, dass Achille nicht bis zum schwer bewachten Tempel vordringen könne. Sie verabschiedet sich von ihrer Mutter und macht sich auf den Weg zum Tempel (Ifigenia: „Madre diletta, abbracciami“).
Szene 14. Ulisse versucht, Clitennestra beizustehen, die vor Trauer zusammengebrochen ist (Ulisse: „Erto e scosceso è ’l colle“).
Szene 15. Clitennestra klagt um ihre Tochter (Clitennestra: „Ah! Che se fossi estinta“).
Platz in Aulis mit einer großen Tempelfassade; Schiffe in der Ferne
Szene 16. Ifigenias Verhalten hat Elisena zutiefst beeindruckt. Sie verspürt den unbezwingbaren Drang, ihr zum Tempel zu folgen (Elisena: „Ne l’anima agitata“).
Szene 17. Clitennestra ruft die Götter um Hilfe an.
Szene 18. Arcade berichtet ihr, dass Achille die Wachen überwunden habe und in den Tempel eingedrungen sei. Die Opferzeremonie konnte noch nicht vollzogen werden.
Szene 19. Ulisse bringt Clitennestra die verwirrende Nachricht, dass ihre Tochter noch lebe und Ifigenia durch ihren Tod die Götter besänftigt habe. Als Elisena den Tempel betrat, habe das Orakel von Calcante Besitz ergriffen und offenbart, dass Elisena eine Tochter von Elena und Teseo sei und in Wirklichkeit ebenfalls Ifigenia heiße. Sie sei diejenige, die von den Göttern zum Opfer erkoren wurde. Elisena sei daraufhin selbst zum Altar geschritten und habe sich den heiligen Dolch in die Brust gestoßen. Im selben Moment habe es geblitzt und gedonnert und frischer Wind sei aufgekommen.
Szene 20 „ultima“. Die Tempeltore öffnen sich. Agamennone, Ifigenia, Achille und ihr griechisches Gefolge kommen heraus. Alle jubeln und freuen sich auf die Fahrt nach Troja (Chor: „Gli avversi fati“ – Achille, Ifigenia und Chor: „A noi seconde“).
„Licenza“ (Huldigung). Licenza vergleicht den Ruhm der Atriden nach ihrem Sieg in Troja mit demjenigen von Kaiser Karl VI., dessen Namenstag mit der Aufführung der Oper gefeiert wurde (Licenza – Chor: „La vittoria segue, o Carlo, i tuoi vessilli“).
Ballett der Seeleute.
Werkgeschichte
Dieses Libretto stammt von dem gerade erst ernannten österreichischen Hofdichter Apostolo Zeno. Er verfasste es zum Namenstag des österreichischen Kaisers Karl VI. Die Uraufführung fand am 5. November 1718 im Wiener Hoftheater mit der Musik des Vizekapellmeisters der Wiener Hofmusikkapelle, Antonio Caldara, statt (→ Ifigenia in Aulide (Caldara)).[1]
Apostolo Zenos Vorwort, in dem er die drei unterschiedlichen Varianten des Schlusses aufführt, ist weitgehend eine Übersetzung von Jean Racines Vorwort zu dessen 1674 uraufgeführten Tragödie Iphigénie, die ihrerseits auf Iphigenie in Aulis des griechischen Dichters Euripides zurückgeht. Auch die Opernhandlung orientiert sich überwiegend an Racine. Zeno ergänzte lediglich die Figur von Elisenas Verehrer Teucro. Die im Vorwort genannten Quellen weichen von denen Racines ab.[2]
Vertonungen
Das Libretto wurde nach Caldara auch von mehreren anderen Komponisten vertont. Da das Sujet der Iphigenie damals sehr beliebt war, gibt es auch musikalische Fassungen, die auf anderen Libretti basieren.[3] Die früheste bekannte Oper über dieses Thema ist Die wunderbahr-errettete Iphigenia von Reinhard Keiser und seinem Librettisten Christian Heinrich Postel aus dem Jahr 1699. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts folgten einige weitere wenig relevante Libretti, bis Zenos Fassung größere Aufmerksamkeit erhielt. Mattia Verazis Fassung für Niccolò Jommelli (Ifigenia in Aulide, 1751) basiert ebenfalls auf Racines Tragödie. Ein von Ferdinando Bertoni 1762 und Carlo Franchi 1766 vertonter Text Vittorio Amedeo Cigna-Santis orientiert sich an Euripides. Ab der Mitte des Jahrhunderts wurde die Geschichte der Iphigenie zu einem beliebten Sujet der sogenannten Reformopern. Hierzu gehören Carl Heinrich Grauns Ifigenia in Aulide mit einem Libretto von Leopoldo de Villati und Friedrich II. von Preußen (1748) und Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Aulide auf ein Libretto von François-Louis Gand Le Bland Du Roullet (1774 und 1775). Weitere Texte stammen von Luigi Serio (vertont von Vicente Martín y Soler 1779 und Alessio Prati 1784) und Ferdinando Moretti (Niccolò Antonio Zingarelli 1787, Luigi Cherubini 1788).[3]
In der Fachliteratur herrscht Uneinigkeit über die Autorschaft der Libretti einiger Ifigenia-Opern. Das Dictionnaire Lyrique ou Histoire des Opéras von Félix Clément und Pierre Larousse von 1881 nennt noch neunzehn Opern mit dem Titel Ifigenia in Aulide, die auf Zenos Libretto zurückgehen sollen.[4] In dem bei Grove Music Online 1992 veröffentlichten Artikel sind es nur noch acht Vertonungen, darunter diejenigen von Girolamo Abos (1745), Giuseppe Sarti (1777) und Giuseppe Giordani (1786).[3] Abos’ Oper ist anderweitig nicht nachweisbar. Sartis Oper ist bei Corago den Librettisten Serio und Cigna-Santi zugeschrieben.[5] Giordanis Fassung basiert dort auf Serios Text.[6] Der bei Grove und einigen anderen Quellen Zeno zugeordnete Text von Paolo Antonio Rolli für Nicola Porporas Oper Ifigenia in Aulide weicht in Personal und Handlung deutlich ab. Neuere Untersuchungen wie Albert Giers Werkstattberichte. Theorie und Typologie des Argomento im italienischen Opernlibretto des Barock im Abschnitt über Porporas Oper (University of Bamberg Press, 2012, S. 49) oder Darryl J. Dumigans Nicola Porpora’s Operas for the ‘Opera of the Nobility’ (University of Huddersfield, 2014) nennen Zeno für seine Vertonung nicht mehr.
Corago zufolge vertonten die folgenden Komponisten dieses Libretto:
Aufnahmen und Aufführungen in neuerer Zeit
- Antonio Caldara
- 2025: Aufführung bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.
Ottavio Dantone (Dirigent), Anna Fernández und Santi Arnal (Regie, Kostüme und Konzeption), Alexandra Semenova (Bühne und Kostüme), Noxfera (Lichtdesign), Accademia Bizantina.
Martin Vanberg (Agamennone), Shakèd Bar (Clitennestra), Marie Lys (Ifigenia), Carlo Vistoli (Achille), Neima Fischer (Elisena), Laurence Kilsby (Ulisse), Filippo Mineccia (Teucro), Giacomo Nanni (Arcade).[16]
- 2025: Aufführung bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.
- Ignaz Pleyel
- 2005: Freilulftaufführungen auf dem Heldenberg bei Kleinwetzdorf im Rahmen der Niederösterreichischen Landesausstellung.
Paul Weigold (Dirigent), Leonore Haberkorn (Regie), Philharmonisches Orchester Györ.
Valeriy Serkin (Agamennone), Stella Grigorian (Clitennestra), Evgenia Grekova (Ifigenia), Nathan Payas (Achille), Arno Raunig (Ulisse), Alexander Pinderak (Arcade), Thomas Smolej (Erzähler).[17]
CD-Veröffentlichung: Ifigenia in Aulide: Eine Auswahl der schönsten Arien, Duette und Terzette.
- 2005: Freilulftaufführungen auf dem Heldenberg bei Kleinwetzdorf im Rahmen der Niederösterreichischen Landesausstellung.
- Nicola Porpora
- 2024: Aufführungen beim Festival Bayreuth Baroque.
Christophe Rousset (Dirigent), Les Talens Lyriques, Max Emanuel Cenčić (Regie), Giorgina Germanou (Bühne und Kostüme).
Jasmin Delfs (Ifigenia), Mary-Ellen Nesi (Clitennestra), Maayan Licht (Achille), Max Emanuel Cenčić (Agamennone), Nicolò Balducci (Ulisse), Riccardo Novaro (Calcante).[18]
Radio-Übertragung im ARD-Radiofestival;[19] Videostream in der ARD Mediathek[20] und bei Medici.tv.[21]
- 2024: Aufführungen beim Festival Bayreuth Baroque.
Weblinks
- Libretto als Volltext auf apostolozeno.it
Digitalisate
- ↑ Antonio Caldara: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), Wien 1718. Digitalisat im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Giuseppe Maria Orlandini: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), Florenz 1732. Digitalisat der Library of Congress.
- ↑ Antonio Bioni: La verità conosciuta. Libretto (italienisch/deutsch, bis Seite 24), Breslau 1732. Digitalisat im Portal Internet Culturale.
- ↑ Antonio Bioni: La verità conosciuta. Libretto (italienisch/deutsch, Seite 25–90 und 95), Breslau 1732. Digitalisat im Portal Internet Culturale.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Porpora, Nicola Antonio): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project.
- ↑ Nicola Antonio Porpora: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), London 1735. Digitalisat des Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna.
- ↑ Nicola Antonio Porpora: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch/englisch), London 1735. Digitalisat bei Google Books.
- ↑ Giovanni Porta: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), München 1738. Digitalisat der Library of Congress.
- ↑ Geminiano Giacomelli: Achille in Aulide. Libretto (italienisch), Rom 1739. Digitalisat im Internet Archive.
- ↑ Ignaz Pleyel: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), Neapel 1785. Digitalisat im Internet Archive.
- ↑ Ifigenia in Aulide, B.703 (Pleyel, Ignaz): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project.
- ↑ Angelo Tarchi: Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), Padua 1785. Digitalisat der Library of Congress.
Einzelnachweise
- ↑ a b Ifigenia in Aulide (Antonio Caldara) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Albert Gier: Werkstattberichte. Theorie und Typologie des Argomento im italienischen Opernlibretto des Barock (= Romanische Literaturen und Kulturen. Band 6). University of Bamberg Press 2012, ISBN 978-3-86309-084-5, urn:nbn:de:bvb:473-opus4-4215, S. 145–148.
- ↑ a b c Julie E. Cumming: Iphigenia in Aulis. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
- ↑ Félix Clément, Pierre Larousse: Dictionnaire Lyrique ou Histoire des Opéras. Boyer, Paris 1881, S. 352 (online bei Gallica).
- ↑ Ifigenia in Aulide (Giuseppe Sarti) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Giuseppe Giordani) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Giuseppe Maria Orlandini) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ La verità conosciuta (Antonio Bioni) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Nicola Antonio Porpora) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Giovanni Porta) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Achille in Aulide (Geminiano Giacomelli) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Francesco Salari) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Ignace Joseph Pleyel) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Werkinformationen zur Oper von Ignaz Pleyel. In: Klassika, abgerufen am 21. Oktober 2025.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Angelo Tarchi) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Informationen über die Produktion der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Informationen über die Produktion von Pleyels Oper auf dem Heldenberg 2005 auf pleyel.at, abgerufen am 21. Oktober 2025.
- ↑ Thomas Molke: Sprachrohr der Göttin. Rezension der Produktion in Bayreuth 2024. In: Online Musik Magazin, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ LIVE – Porporas Oper „Ifigenia in Aulide“ bei Bayreuth Baroque im ARD-Radiofestival 2024, abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Ifigenia in Aulide in der ARD Mediathek (Video verfügbar bis zum 10. November 2025), abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Porpora’s Ifigenia in Aulide. Videostream bei Medici.tv (Abonnement erforderlich), abgerufen am 12. Oktober 2025.