Ifigenia in Aulide (Caldara)
| Operndaten | |
|---|---|
| Titel: | Ifigenia in Aulide |
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Titelblatt des Librettos von 1718 | |
| Form: | Opera seria in drei Akten |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Antonio Caldara |
| Libretto: | Apostolo Zeno: Ifigenia in Aulide |
| Literarische Vorlage: | Jean Racine: Iphigénie |
| Uraufführung: | 28. Dezember 1718 |
| Ort der Uraufführung: | Hoftheater Wien |
| Ort und Zeit der Handlung: | Aulis, griechische Mythologie |
| Personen | |
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Ifigenia in Aulide ist eine Opera seria in drei Akten von Antonio Caldara (Musik) mit einem Libretto von Apostolo Zeno. Sie wurde am 28. Dezember 1718 zum Namenstag von Kaiser Karl VI. im Wiener Hoftheater uraufgeführt.
Handlung
Erster Akt. Vor ihrem Feldzug gegen Troja sammeln sich die griechischen Truppen in Aulis bei König Agamennone. Dort hindert sie eine langandauernde Windstille an der Abreise. Das Orakel hat verkündet, dass Agamennones Tochter Ifigenia geopfert werden müsse, um die Flaute zu beenden. Agamennone hat widerstrebend zugestimmt und eine Nachricht an seine Frau Clitennestra (Klytaimnestra) in Argos geschickt. Sie soll mit ihrer Tochter nach Aulis kommen, um diese mit dem Kämpfer Achille zu vermählen. Zu Beginn der Oper trifft Achille ein. Er hat kurz zuvor Lesbos erobert und die dortige Prinzessin Elisena gefangen mit sich geführt, um sie seinem Freund Teucro (Teukros) zu übergeben, der sie liebt. Unterwegs hat sich Elisena jedoch in ihren Entführer Achille verliebt, der wiederum nur an seine Braut Ifigenia denkt. Die enttäuschte Elisena denkt an einen Selbstmord im Tempel. Wenig später treffen auch Clitennestra und Ifigenia ein. Agamennone hat inzwischen Gewissensbisse bekommen und einen vergeblichen Versuch unternommen, sie zu warnen. Sein Brief ist jedoch von Ulisse (Odysseus) abgefangen worden. Ihm bleibt nun nichts anderes mehr übrig, als die Opferung konsequent durchzuziehen. Achille, Clitennestra und Ifigenia wissen nichts von all dem. Zudem hat man Achille die Ankunft seiner Braut verheimlicht.
Zweiter Akt. Es kommt zu einigen Eifersuchtsszenen und Missverständnissen zwischen Ifigenia, Elisena und Achille. Dennoch will Teucro weiterhin zu Elisena stehen. Um Clitennestra nicht zur Zeugin der Opferhandlung zu machen, möchte Agamennone sie unter einem Vorwand fortschicken. Sie geht jedoch nicht darauf ein. Agamennones Vertrauter Arcade offenbart Achille und den beiden Frauen die ganze Wahrheit. Sie alle wollen das Opfer verhindern. Während Achille vor Wut schäumt und Agamennone töten möchte, will Ifigenia es erst mit Bitten versuchen.
Dritter Akt. Nachdem Ifigenias Flehen erfolglos bleibt, ergibt sie sich in ihr Schicksal. Dennoch überredet Clitennestra ihren Mann, einen Rettungsversuch zu unternehmen. Er überlässt es Arcade, Ifigenia in Sicherheit zu bringen. Die Flüchtigen werden jedoch erst von Teucro und dann von Elisena und Ulisse aufgespürt. Ifigenia wird in den Tempel gebracht. Vor der Opferhandlung überwindet Achille die Wachen und versucht, Ifigenia gewaltsam zu befreien. In diesem Moment verkündet der Priester Calcante mit der Stimme des Orakels, dass in Wirklichkeit Elisena das vorgesehene Opfer sei – sie sei eine Tochter Elenas und Teseos und heiße eigentlich ebenfalls Ifigenia. Diese schreitet zum Alter und tötet sich selbst. Damit sind die Götter versöhnt, und die Griechen können nach Troja abreisen.
Gestaltung
Musiknummern
Im Libretto der Oper sind die folgenden Arien angegeben:
Erster Akt
- Achille: „Asia tremi, Argo festeggi“ (Szene 2)
- Achille: „Se a debole pupilla“ (Szene 2)
- Teucro: „Non ho cor così spietato“ (Szene 3)
- Elisena: „A vista del crudele“ (Szene 4)
- Arcade: „Sprone al core ed ali al piede“ (Szene 5)
- Achille: „Su l’ali de la spene e del desio“ (Szene 6)
- Teucro: „Ne la prole e nel comando“ (Szene 9)
- Ulisse: „Veggo già che ai grechi legni“ (Szene 10)
- Agamennone: „Di questo core“ (Szene 11)
- Clitennestra: „E con gli occhi e col pensiero“ (Szene 12)
- Ifigenia: „Il mio core, il genitore“ (Szene 13)
Zweiter Akt
- Clitennestra: „Amasti in quel cor perfido“ (Szene 2)
- Ifigenia: „Addio, infido, addio per sempre“ (Szene 4)
- Achille: „Passerò con chi svenò“ (Szene 5)
- Elisena: „Non vo’, se deggio piangere“ (Szene 6)
- Teucro: „Tutto fa nocchiero esperto“ (Szene 7)
- Ulisse: „È debolezza“ (Szene 8)
- Agamennone: „Ubbidisci; e non cercar“ (Szene 9)
- Arcade: „Se il tuo amor“ (Szene 13)
- Clitennestra: „O vincerò di un perfido“ (Szene 14)
- Achille: „Se mai fiero leon vede assalita“ (Szene 16)
- Ifigenia: „Verace o menzognera“ (Szene 17)
Dritter Akt
- Teucro: „Non ti parlo di mia fede“ (Szene 1)
- Elisena: „Vergogna e dispetto“ (Szene 2)
- Ifigenia: „Più del cielo e più del fato“ (Szene 4)
- Clitennestra: „Preparati a svenar e figlia e madre“ (Szene 5)
- Agamennone: „Qual quercia da più venti“ (Szene 7)
- Achille: „Sposa, addio; ma questo, o cara“ (Szene 12)
- Ifigenia: „Madre diletta, abbracciami“ (Szene 13)
- Ulisse: „Erto e scosceso è ’l colle“ (Szene 14)
- Clitennestra: „Ah! Che se fossi estinta“ (Szene 15)
- Elisena: „Ne l’anima agitata“ (Szene 16)
- Chor: „Gli avversi fati“ (Szene 20)
- Achille, Ifigenia und Chor: „A noi seconde“ (Szene 20)
- Licenza – Chor: „La vittoria segue, o Carlo, i tuoi vessilli“ (Licenza)
Musik
Das Orchester der Oper besteht neben dem Streicherensemble aus zwei Oboen, einem Fagott und vier Trompeten mit Pauken.[1] Achilles Auftrittsarie im ersten Akt („Asia tremi, Argo festeggi“) ist groß besetzt mit vier obligaten Trompeten und Pauken. Eine Solotrompete gibt es auch in der abschließenden Huldigungsarie der Licenza („La vittoria segue, o Carlo“).[2.1]
Die Arien zeigen das gesamte Ausdrucksspektrum des Barocks. Es gibt Wutarien wie Clitennestras „Amasti in quel cor perfido“ (Szene II:2) oder Ifigenias „Addio, infido, addio per sempre“ (II:4), Heldenarien wie Achilles „Passerò con chi svenò“ (II:5) und Klagearien wie Ifigenias „Madre diletta, abbracciami“ (III:13). Teucros Arie „Tutto fa nocchiero esperto“ (II:7) ist als Dialog zwischen der Singstimme und der Solovioline gestaltet. Während die Violine längere Arpeggien spielt, hat die Gesangsstimme lange Phrasen mit ausgedehnten Melismen.[1]
Passend zum düsteren Sujet der Oper stehen die am Ende jedes Akts aufgeführten Tänze weitgehend in Moll-Tonarten. Das Ballett des ersten Akts besteht fünf Tänzen in g-Moll und einer Chaconne in d-Moll. Die Tänze des zweiten Akts führen den Quintenzirkel aufwärts von g-Moll über d-Moll bis a-Moll. Nur das überwiegend in a-Moll stehende Ballett des dritten Akts wird durch zwei C-Dur-Tänze aufgelockert.[2.2]
Werkgeschichte
Dieses Libretto dieser Oper stammt von dem gerade erst ernannten österreichischen Hofdichter Apostolo Zeno. Die Uraufführung fand am 5. November 1718 im Wiener Hoftheater aus Anlass des Namenstags des österreichischen Kaisers Karl VI. statt.[3] Es sangen der Tenor Silvio Garghetti (Agamennone), die Sopranistinnen Maria Regina Schoonjans (Clitennestra) und Maria Landini (Ifigenia), der Alt-Kastrat Gaetano Felice Orsini (Achille), der Sopran-KastVertonungenrat Domenico Genovesi (Elisena), der Tenor Francesco Borosini (Ulisse), der Alt-Kastrat Pietro Casati (Teucro) und der Bass Christoph Praun (Arcade). Das Bühnenbild schuf Giuseppe Galli da Bibiena. Die Musik der drei Ballette stammte von Nicola Matteis. Der Choreograf war Pietro Simone Levassori della Motta.[4]
Das Libretto wurde anschließend noch mehrere Male von anderen Komponisten vertont (→ Ifigenia in Aulide (Zeno) #Vertonungen).
Weitere Aufführungen zu Caldaras Lebzeiten sind nicht bekannt. Die Oper wurde erst 2025 bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik wieder der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Accademia Bizantina spielte unter der Leitung von Ottavio Dantone. Die Inszenierung war eine Mischung aus Bühnen- und Puppenspiel. Für Konzeption, Regie und Kostüme waren Anna Fernández und Santi Arnal zuständig, für Bühne und Kostüme Alexandra Semenova. Es sangen Martin Vanberg (Agamennone), Shakèd Bar (Clitennestra), Marie Lys (Ifigenia), Carlo Vistoli (Achille), Neima Fischer (Elisena), Laurence Kilsby (Ulisse), Filippo Mineccia (Teucro) und Giacomo Nanni (Arcade).[5]
Aufnahmen
Derzeit (Oktober 2025) gibt es noch keine Gesamtaufnahmen dieser Oper. Es wurden lediglich einzelne Stücke eingespielt:
- Die Introduktion (in einer Fassung für Kammerensemble) auf der CD Antonio Caldara: Arias for Bass von Alexandre Baldo. Pan Classics PC10447 (2023)
- Teucros Arie „Tutto fa nocchiero“ auf der CD Caldara in Vienna: Forgotten Castrato Arias des Countertenors Philippe Jaroussky. Virgin Classics 6488201 (2010)
Digitalisate
- Ifigenia in Aulide (Caldara, Antonio): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Ifigenia in Aulide. Libretto (italienisch), Wien 1718. Digitalisat im Corago-Informationssystem der Universität Bologna
Weblinks
- Ifigenia in Aulide (Antonio Caldara) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna
- Libretto als Volltext auf apostolozeno.it
- Elmar Krekeler: Totgesagte singen länger. Rezension der Produktion in Innsbruck 2025. In: Die Welt. 12. August 2025
- Dieter David Scholz: Eine unfreiwillige Parodie. Rezension der Produktion in Innsbruck 2025. In: Der Opernfreund. 11. August 2025
- Thomas Molke: Die andere Ifigenia. Rezension der Produktion in Innsbruck 2025. In: Online Musik Magazin
Einzelnachweise
- ↑ a b Ifigenia in Aulide: rediscovered after three centuries (englisch) auf der Website der Accademia Bizantina. 8. August 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Brian W. Pritchard (Hrsg.): Antonio Caldara. Essays on His Life and Times. Scolar Press, Vermont 1987, ISBN 0-85967-720-6.
- ↑ Ifigenia in Aulide (Antonio Caldara) im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Datensatz der Uraufführung am 5. November 1718 im Corago-Informationssystem der Universität Bologna.
- ↑ Informationen über die Produktion der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.