Idschzim
| Idschzim | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| arabisch: | إجزم | |
| Staat: | Israel | |
| Koordinaten: | 32° 39′ N, 34° 59′ O | |
| Zeitzone: | UTC+2 | |
| Gemeindeart: | 1948 zerstörtes palästinensisches Dorf | |
Idschzim (arabisch إجزم, DMG Iǧzim) war zuletzt ein palästinensisches Dorf im britisch-palästinischen Distrikt Haifa, dem es die Mächte der Triple Entente 1918/1920 zuschlugen, als sie das besetzte ehemals osmanische Reichsgebiet territorial umgliederten. Davor gehörte das Dorf über 500 Jahre zum Osmanischen Reich, das es 1515 vom Mamlukenreich Ägypten erobert hatte.
Im Palästinakrieg eroberten israelische Militäreinheiten das Dorf 1948. Wie hunderte andere palästinensische Orte wurde das Dorf im Zuge der Nakba zerstört und die heimische Bevölkerung vertrieben. Heute ist die ehemalige Ortslage am Hang eine überwiegend bewaldete Wüstung, in der Ebene Karmelküste unterhalb des Hanges befindet sich die Ortschaft Kerem Maharal im israelischen Bezirk Haifa.
Geschichte
Frühe Geschichte
Im Osmanisch-Mamlukischen Krieg (1516–1517) eroberte das Osmanische Reich Ägypten und seine levantinischen Nordprovinzen mitsamt Idschzim. Ende des 16. Jahrhunderts hatten in dem Dorf lediglich 55 Menschen gelebt. Das zunächst wirtschaftlich und militärisch starke Reich steig ab Mitte des 17. Jahrhunderts ab, als die Hohe Pforte schwächer wurde und lokale Führer begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen, wobei es ihnen vorrangig darum ging, sich gegenseitig Gebiete zu entreißen, um dadurch in zugewonnenen und womöglich minder ausgeplünderten Bereichen die Steuern einzutreiben, wobei sie davon nur einen Bruchteil an die Hohe Pforte weitergaben.[1]
Diesem Verfall stemmte sich Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani (um 1690–1775) entgegen, eine mutige und charismatische Persönlichkeit aus der erfolgreichen, vom Rande der Wüsten der Arabischen Halbinsel stammenden Beduinenfamilie al-Zayadina,[1] damals ansässig im nach Jahren des Niedergangs wenig bevölkerten ʿArraba. Als Steuerpächter (ملتزم, DMG multazim), zu dem ihn der Wālī von Sidon ernannt hatte, reüssierte er zunächst in der Nahiyat Tabariyya.[2] Von Galiläa aus, das bis 1918 zum osmanischen Libanon gehörte, nahm Ẓāhir al-ʿUmars Aufstieg seinen Anfang. Ẓāhir al-ʿUmar setzte kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten.[2.1] Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen.[2.2]
Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Die Ruinenstadt Akkon mit ihrem natürlichen Hafen nahm Ẓāhir al-ʿUmar sich zur Hauptstadt und rekonstruierte ihre Befestigungen.[3] In Ẓāhir al-ʿUmars Gebiet vor Raub geschützt konnten bäuerliche Produzenten ihre Produktion steigern und behielten nach Steuer und Pacht mehr von ihrem Ertrag für sich übrig als ihresgleichen in Gebieten anderer Herren. Ẓāhir al-ʿUmar übernahm den Export global gängiger Feldfrüchte auf die Weltmärkte.[2.3]
Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte Idschzim mit rund eintausend Einwohnern zu den größten Ortschaften in der Karmelküste. Die Menschen lebten von der Landwirtschaft. Im Jahre 1771 erweiterte al-Zaidani, der schon seit 1761 Haifa beherrschte, seinen Herrschaftsbereichs über die gesamte Länge der Scharonebene südwerts bis hinab nach Jaffa, das er als sein südliches Bollwerk gegen Einfälle osmanischer Vasallen aus dem Eyâlet Ägypten befestigte. Dadurch kam auch Idschzim unter Ẓahir al-ʿUmars Regierung. Vordem zählte die Karmelküste mit Idschzim zur osmanischen Provinz Eyâlet al-Scham (Sitz: Damaskus). Ẓahir al-ʿUmars Herrschaftsbereich blieb immer prekär, denn die Hohe Pforte beäugte argwöhnisch jede erfolgreiche lokale Regierungskunst als Gefahr für die Reichseinheit und ermutigte wieder und wieder Wālīs benachbarter Verwaltungsbezirke al-ʿUmar al-Zaidani zu stürzen. So ermuntert zog der Vasall Muhammad Bey Abu Dahab aus dem osmanischen Eyâlet Ägypten aus und nahm am 20. Mai 1775 Jaffa, wobei er alle Männer der Stadt enthaupten ließ, um mit seiner Brutalität den Mut zur Abwehr zu erschüttern.[2.4] Darauf überrannten
Während Jaffa nach der Beseitigung Ẓahir al-ʿUmars wieder an das Eyâlet al-Scham kam, blieb das Hinterland Haifas mit Idschzim als Teil des Sandschaks Akkon beim osmanischen Libanon, zunächst Eyâlet Sidon genannt, nach der Verwaltungsreform von 1888 als Vilâyet Beirut bezeichnet. Das Dorf selbst wurde von zwei familiären Sippen dominiert: den Gutsbesitzern der al-Madi und der Religionsgelehrtenfamilie der al-Nabhani. Letztere entstammten einem Zweig des Beduinenstammes der Banu Nabhan, der sich vor langer Zeit im Gebiet niedergelassen hatte.[4]
Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren, um so die Verbindungen zwischen den Teilen des Britischen Imperiums auf weite Umwege zu zwingen und im Falle eines Sieges das bis 1882 osmanische Chedivat Ägypten dem britischen Einfluss wieder zu entreißen, endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Den osmanisch eröffneten Sinaifeldzug trieben siegreiche Gegenvorstöße der Egyptian Expeditionary Force der Triple Entente vom ägyptischen Sinai immer weiter nordostwärts über die osmanische Grenze in die Vorpostenprovinz Mutesarriflik Jerusalem, das westliche christliche Pilger, Theologen, Historiker und Geographen als Palästina ansahen, weshalb die Militärgeschichte von Palästinafront spricht.[5]
Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen fern von Idschzim, doch andere Folgen des Krieges waren zu spüren. Männer wurden für den Kriegsdienst in der Osmanischen Armee gezogen, Lebensmittel und Zugtiere requiriert, teils entschädigt durch die per Notenpresse inflationierte osmanische Währung. Bis 1916 waren osmanische Banknoten auf ¼, später auf ⅙, ihrer Vorkriegsparität zur Mark (ℳ) gefallen,[6] die ja ihrerseits gleichzeitig ebenfalls durch die Notenpresse dramatisch an Kaufkraft verloren hatte. Im Handel nahmen die Leute schon im März 1916 nur noch Kurantmünzen zum Nennwert an,[7] andere osmanische Zahlungsmittel nur noch mit Abschlägen, schließlich verweigerten Verkäufer gänzlich osmanische Banknoten anzunehmen, so dass sie den Bewohnern Idschzims nichts mehr einbrachten. Die Menschen hatten mit Mangel und Hunger zu kämpfen.
Britische Mandatszeit
Im Ersten Weltkrieg eroberte die britische Egyptian Expeditionary Force auf Seiten der Triple Entente unterstützt von Militär aus Australien, Britisch-Indien und Neuseeland 1915 bis 1918 zunächst das Mutesarriflik Jerusalem und dann ab September 1918 auch das südliche von Bergen geprägte Vilâyet Beirut mit dem Karmelgebirge und dessen Fortsetzung das südliche Galiläa. Die vorrückende Palästinafront vertrieb die unterlegenen Truppen der Mittelmächte (Osmanische Armee, deutsches Levante-Korps, Österreich-Ungarns Truppen in Palästina). Die Entente-Mächte Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland und Dritte Französische Republik zogen neue Grenzen in Nahost, teilten die bislang osmanisch beherrschten Gebiete Levante und Arabien untereinander auf (Sykes-Picot-Abkommen 1916), was beide Siegermächte dann 1918 Realität werden ließen als Occupied Enemy Territory Administrations East, North, South und West (OETA; bzw. französisch Territoires ennemis occupés est, nord und sud, TEO Est, Nord und Sud). Den osmanischen Libanon teilten Briten und Franzosen untereinander auf, das libanesische Sandschak Akkon kam an die britische OETA South, der Rest an die französische TEO Ouest, 1922 erteilte der Völkerbund jenes als Mandatsgebiet Palästina den Briten und dieses als Mandatsgebiet Syrien und Libanon den Franzosen.
Die britische Mandatsverwaltung Government of Palestine modernisierte das Land nach britischen Standards in Verwaltung, Justiz, Schulwesen und Wirtschaft. Da der Völkerbund die Förderung einer "jüdischen Heimstätte" in den Mandatsbestimmungen festgeschrieben hatte, erfuhr das britische Palästina eine jüdische Einwanderung, die auf solche Ländereien strebte, die arabischen Grundeigentümer an Einwanderer verkauften, was vor allem die versumpften und malariaverseuchten und daher un- oder nur extensiv genutzten Küstengebiete umfasste. Die Einwanderer legten diese trocken und rotteten die Malaria aus, um sich im neu bewohnbar gemachtem Gebiet niederzulassen. Die Einwohnerzahl und Wirtschaftstätigkeit im Umfeld Idschzims nahm zu. Der damit einhergehende soziale und kulturelle Wandel wie die Urbanisierung von Landbewohnern seit Entstehen des modernen Palästina führte zu Unmut unter arabischen nicht-jüdischen Einheimischen.
Ihren Unmut äußerten viele arabische Palästinenser auch gewalttätig gegen jüdische Palästinenser in Pogromen und ähnlicher antijüdischer Gewalt (Unruhen von Jaffa 1921, Massaker von Hebron (1929), Ausschreitungen in Palästina 1929) und auch gegen die britische Mandatsmacht (im großen Stil während des Großen Arabischen Aufstands in Palästina (1936–1939), größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung in der Zwischenkriegszeit) und erneut nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Mandatsmacht erwehrte sich vehement arabischer Aufständischer und sann darauf, die Lage zu beruhigen. Der Nachrichtendienst der Hagannah, der SchaJ (שֵׁרוּת יְדִיעוֹת Scherūt Jədīʿōt, deutsch ‚Dienst der Nachrichten‘), sammelte aus zugänglichen Quellen Informationen zu Verhalten und Bündnissen verschiedene Militanter im Lande.[8]
Das britische Government of Palestine novellierte 1940 die Land Transfer Regulations und verbot Juden den Grunderwerb in weiten Teilen Palästinas. Wer jüdische Käufer für seinen Landverkauf wählte, musste sich je nach Einzelbestimmungen in 63 bis 95 % des Mandatsgebietes andere Käufer suchen, auch wenn diese weniger böten oder gar nicht zu finden waren.[9]
Da die britische Mandatsmacht arabische Gewalt erfuhr, aber keine problematischen Reaktionen militanter jüdischer Palästinenser erwartete, gab sie der Gewalt nach und reduzierte die Zahl der Einwanderungszertifikate für Juden drastisch. Die Briten ließen aufgegriffene illegal eingewanderte Juden verhaften, internieren und nach Britisch-Zypern abschieben. Die ebenfalls regelbasierte arabische Immigration aus Nachbarländern kontrollierte die Mandatsmacht jedoch nicht und ließ illegale arabische Einwanderer unbehelligt.[10] Das Government of Palestine verlangte von der kleineren Zahl von Juden, die Einlass bekamen, dass sie steigende Kapitalbeträge (den so genannte Vorzeigebetrag) mitbringen mussten. So trugen jüdische Einwanderer mit Knowhow und Kapital zu Aufbau und Aufschwung des Mandatsgebiets bei, was auch Beschäftigung für nichtjüdische Araber schuf, die aus dem ländlichen Raum in Städte wie Haifa, Jaffa und Jerusalem zogen und auch aus Ägypten und den Mandatsgebieten Mesopotamien (später Iraq), Libanon, Syrien sowie Transjordanien nach Palästina einwanderten.
Wie das Mandatsgebiet insgesamt nahm Idschzim einen Aufschwung. Während des Aufstands legte das Government of Palestine den Straßenbauplan ‹Military Road Programme› auf, das den trockengelegten Küstensaum mitsamt Idschzim durch die Küstenstraße von Tel-Aviv nach Haifa erschloss.[11] Zugleich beschäftigte das Bauprogramm viele arabische Nichtjuden und entspannte auf diese Weise die Situation am Arbeitsmarkt für minder Qualifizierte.[12] Unter Federführung des palästinensischen Public Works Department entstand ein Fernstraßennetz von neu gepflasterten 840 Kilometern Länge.[11] In den Kriegsjahren folgte eine starke Konjunktur, um ausfallende britische Produkte in Palästina, Ägypten und weitern Nachbarstaaten zu substituieren, mit kräftigen Lohnsteigerungen, um immer mehr arabische Einwanderer aus den Nachbarländern anzuziehen, während die wenigen Juden, die durchkamen, interniert wurden. Idschzim zählte 1945 rund 3000 Einwohner.[13]
Nach dem Krieg lebte die Gewalt zwischen den Volksgruppen und gegen die kriegsgebeutelte britische Mandatsmacht wieder auf. Der Gewalt überdrüssig gab Großbritannien das Mandat an die UNO, Nachfolgerin des Völkerbunds, zurück. Die UNO-Mitglieder sahen in einer Ein-Staat-Lösung für die verfeindeten Volksgruppen den Quell weiterer Konflikte und schlugen im November 1947 mit Mehrheit den UN-Teilungsplan für Palästina vor. Die Entstehung der vielen jüdischen Orte im trockengelegten ehemaligem Küstensumpf führte dazu, dass die UNO diesen mitsamt Idschzim als Teil des zu gründenden jüdischen Staates vorsahen. Der Teilungsplan gewährte allen Einwohnern das Recht, an ihren Wohnorten zu bleiben unter der Bedingung die Gesetze und Gremien des jeweiligen Staates anzuerkennen. Allerdings entsandten die UNO-Mitglieder keine UNO-Truppen, den Plan umzusetzen.
Palästinakrieg gegen Zuordnung an Israel, Zerstörung und Entvölkerung 1948
Zusammen mit den Nachbardörfern Dschabaʿ und ʿAin Ghazal bildete Idschzim das sogenannte ‚Kleine Dreieck an der nur wenige Kilometer breiten Ebene Karmelküste zwischen dem Mittelmeer und den Ausläufern des Karmelgebirges. Anders als andere arabische Dörfer, die laut Teilungsplan zum jüdischen Staat gehören sollten, setzten sich besagte drei Därfer nicht mit Israel ins Benehmen, sondern Milizionäre aus den Dörfern beschossen israelische Reisende auf der Küstenstraße, wozu die Streitkräfte des Libanon über den Landeplatz in Tantura den Milizen entsprechend Waffen und Munition lieferten. Für Israelis war die Küstenstraße blockiert, die das Kernland Israels um Tel-Aviv mit dem nördlichen Haifa verbindet.
Am 6. Juli nahmen arabische Kämpfer aus Idschzim auf der Küstenstraße mehrere Israelis gefangen, während der am 8. Juli unternommene erste israelische Versuch, Idschzim einzunehmen scheiterte. Die Bewaffneten Idschzims nötigten dem israelischem Militär ihren Respekt ab und beide Seiten vereinbarten einen Gefangenenaustausch. In den Verhandlungen mochten die Vertreter Idschzims die Zugehörigkeit ihrer Siedlung zu Israel nicht anerkennen. In einer Kabinettssitzung am 14. Juli 1948 befahl Israels Premierminister David Ben-Gurion die Operation Polizist (hebräisch מִבְצָע שׁוֹטֵר Mivza Schōṭer) zur Einnahme der Dörfer, um das Kernland mit Haifa zu verbinden.[14][15] Bereits am 12. Juli, sowie nachfolgend am 17. und 19. Juli warfen israelische Flugzeuge insgesamt eine Bombenlast von vier Tonnen auf die Dörfer.[16]
Am Boden gelang es den palästinensischen Verteidigern zunächst erneut die israelischen Streitkräfte abzuwehren. Am 24. Juli griffen die Israelis mit Unterstützung durch schweren Artilleriebeschuss und erneute Bombenabwürfe erneut an. Idschzim fiel am 26. Juli. Überlebende des Dorfes berichteten von 130 Toten, israelische Nachrichtenoffiziere von insgesamt 200 Toten, viele davon Zivilisten, die durch die Bombardierung getötet worden waren.[17] Nach der Eroberung des Kleinen Dreiecks wurden die arabischen palästinensischen Bewohner von Idschzim, ʿAin Ghazal und Dschabaʿ am 26. Juli 1948 von Israels Streitkräften ins transjordanisch besetzte Gebiet nach Dschenin vertrieben.[18] Ihrem Bulletin zu ʿAin Ghazal, wie der israelische Nachrichtendienst es für jeden Ort zusammenstellte, um den israelischen Streitkräften alle Erkenntnisse vor Betreten eines Ortes mitzuteilen,[8] entnahmen sie die Namen von 17 gesuchten Männern aus dem Dorf. Sie hatten sich während des Großen Arabischen Aufstands an tödlichen Übergriffen beteiligt, weshalb die Streitkräften sie ausfindig machten und an Ort und Stelle erschossen.[19]
Von Idschzims einst 3000 Einwohnern konnten 15 Familien dank der Fürsprache einflussreicher jüdischer Israelis zunächst bleiben. Im Dezember 1948 wurden die verbliebenen Familien jedoch ebenfalls vertrieben und zu Binnenflüchtlingen, die Zuflucht im südlich gelegenen arabisch-israelischen Dorf Furaydis fanden, wie schon Vertriebene aus Tantura und ʿAin Ghazal.[20] Später wurden sie vom israelischen Zensus registriert und erhielten 1952 wie insgesamt rund 150.000 im Land verbliebene arabische Palästinenser als arabische Israelis die Staatsbürgerschaft.[21] Neueingewanderte Tschechoslowaken, die die Schoah überlegt hatten, wurden in die leerstehenden Häuser Idschzims eingewiesen. Sie gründeten 1949 etwas westlich in der Ebene den Moschav Kerem Maharal, der 940 Menschen (2023) zählte. Während Idschzim der völligen Zerstörung entging, wurden seine Nachbardörfer Dschabaʿ und ʿAin Ghazal dem Erdboden gleichgemacht.[22]
Bedeutende Söhne und Töchter von Idschzim
- Yusuf al-Nabhani, bedeutender Sufi-Religionsgelehrer im Osmanischen Reich, Großvater von Taqiuddin al-Nabhani.
- Taqiuddin al-Nabhani (1909–1977), Religionsgelehrter und Gründer der islamistisch-extremistischen Bewegung Hizb ut-Tahrir.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b ʿAtzmonah Wachsmann Schabtai (עצמונה וקסמן שבתאי), “סיפורו של מבצר הסארייה בצפת” (22. September 2020), auf: רואה שחורות במשקפיים ורודים; abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 0-231-12327-2.
- ↑ Jill Gill und Norman Wareham, Every Pilgrim’s Guide to the Holy Land, London: SCM-Canterbury Press, 1998, 31998, S. 178. ISBN 1-85311-212-7.
- ↑ Reza Pankhurst: Hizb ut-Tahrir - the untold History of the Liberation Party, Hurst, London 2016, S. 18f.; Jamal Sankari: An-Nabhani and Hizb ut-Tahrir, VDM, Saarbrücken 2010, S. 12f.
- ↑ Alex Carmel (אָלֶכְּס כַּרְמֶל), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: הוצאת הספרים של אוניברסיטת חיפה, 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), S. 149. ISBN 3-447-01636-1.
- ↑ Frank Foerster, Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen; Neue Serie, Bd. 25), Gütersloh: Gütersloher Verlags-Haus Mohn, 1991, S. 130. ISBN 3-579-00245-7.
- ↑ Mordechai Naʾor (hebräisch מֹרְדְּכַי נָאוֹר), The Twentieth Century in Eretz Israel – a Pictorial History [סֵפֶר הַמֵּאָה – הִיסְטוֹרְיָה מְצֻלֶּמֶת שֶׁל אֶרֶץ־יִשְׂרָאֵל, Tel Aviv: עַם עוֹבֵד, 1996; engl.], Judith Krausz (Übers.), Köln: Könemann, 1998, S. 74. ISBN 3-89508-595-2.
- ↑ a b Kobi Peled (קוֹבִּי פֶּלֶד), “The fall of a village in the 1948 war: A historical close-up of the conquest of Miʿilya and its surrender” (18. Januar 2017), in: British Journal of Middle Eastern Studies, Bd. 45 (2018), Nr. 3, S. 410–429, hier S. 427.
- ↑ Die Land Transfer Regulations gliederten Palästina in drei Zonen: In Zone A, die 63 % des Mandatsgebietes umfasste, durften nur noch arabische nichtjüdische Palästinenser (und ihnen zurechenbare Kapitalgesellschaften und Institutionen) Boden kaufen bzw. besitzlos zu Pfand nehmen. In Zone B (32 % des Mandatsgebietes) war jüdischen Palästinensern und Ausländern Bodenkauf und Pfandnahme nur verboten, falls der Verkäufer arabischer nichtjüdischer Palästinenser war. Keine Verbote galten in der freien Zone (5 % des Mandatsgebietes). Vgl. “Document: Land Transfers Regulations, 1940”, auf: Interactive Encyclopedia of the Palestine Question; abgerufen am 24. Februar 2024.
- ↑ A Survey of Palestine for the Information of the Anglo-American Committee of Inquiry: 2 Bde., Anglo-American Committee of Inquiry on Jewish Problems in Palestine and Europe (Hrsg.), Jerusalem: Government Printer, 1946, Bd. I, S. 214.
- ↑ a b Schira Pinchas (שִׁירָה פִּנְחָס), “The imperial roots of ‹shrinking the conflict›: Long before Israel paved segregated road networks to maintain the separation of Jews and Palestinians, the British had already laid their foundations” (17. Mai 2022), auf +972 Magazine – Independent Journalism from Israel-Palestine; abgerufen am 10. Februar 2024.
- ↑ Roza I. M. El-Eini, “Government Fiscal Policy in Mandatory Palestine in the 1930s”, in: Middle Eastern Studies, Jg. 33, Nr. 3 (Juli 1997), S. 570–596, (27 pages).
- ↑ Noga Kadman: Erased from Space and Consciouness - Israel and the Depopulated Palestinian Villages of 1948, Indiana University Press, Bloomington 2015, S. 169.
- ↑ Avi Cohen: The History of the Israeli Air Force in the War for Independence (auf Hebräisch), Ministry of Defence, Jerusalem 2004, S. 674.
- ↑ Ilan Pappe: Die ethnische Säuberung Palästinas, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, S. 221.
- ↑ Efrat Ben-Zeʾev: The palestinian village of Ijzim during the 1948 war: forming an antropological history through villagers accounts and army document, The Truman Institute, Hebrew University, Jerusalem 2006, S. 10.
- ↑ Ilan Pappe: Die ethnische Säuberung Palästinas, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, S. 222.
- ↑ Noga Kadman: Erased from Space and Consciouness - Israel and the Depopulated Palestinian Villages of 1948, Indiana University Press, Bloomington 2015, S. 161, 169.
- ↑ Vgl. Pappe, S. 223.
- ↑ Benvenisti, M.: Sacred Landscape: The Buried History of the Holy Land Since 1948. University of California Press, 2000, S. 207f.
- ↑ Tamar Amar-Dahl: Das zionistische Israel – Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahostkonflikts, Ferdinand Schönigh, Paderborn 2012, S. 45.
- ↑ Noga Kadman: Erased from Space and Consciouness - Israel and the Depopulated Palestinian Villages of 1948, Indiana University Press, Bloomington 2015, S. 126f.