Hubertus von Garnier

Hubertus Karl Konstantin Adalbert Graf von Garnier-Turawa (* 25. November 1874 in Turawa, Oberschlesien; † 6. Oktober 1952 in Unterwössen, Landkreis Traunstein, Oberbayern) war ein deutscher Großgrundbesitzer und DNVP-Politiker in Oberschlesien.

Leben

Hubertus von Garnier wurde als ältester Sohn des Gutsbesitzers Graf Karl von Garnier-Turawa (* 31. Juli 1847; 29. Oktober 1898) und der Hedwig von Blumenthal-Varzin (* 19. Dezember 1847; † 26. Mai 1922) geboren.[1] Hubertus von Garnier hatte mehrere Geschwister, u. a. Eberhard von Garnier. Die Vorfahren waren zumeist katholisch. Sie stammten ursprünglich aus Frankreich, folgend 1729 böhmischer Ritterstand, zu Wien. 1841 erfolgte der preußische Grafenstand für genealogischen Zweig Turawa. Die Familie von Garnier ist somit dem jüngeren Briefadel zuzurechnen.[2]

Er besuchte das Gymnasium in Turawa und begann 1892 an der Georg-August-Universität ein Studium der Rechtswissenschaft. Am 8. Dezember 1894 wurde er im Corps Saxonia Göttingen recipiert.[3] Nach einem Jahr brach er das Studium vorzeitig ab. Nach dem Tod seines Vaters ererbte er als Majoratsherr das Schloss und Gut Turawa (9.200 ha). In den folgenden Jahren widmete er sich, unter anderem mit finanzieller Hilfe seines Schwiegervaters, der Sanierung des Schlosses und dem Wiederaufbau der angrenzenden land- und forstwirtschaftlichen Güter. Ein Hochwasser im Jahre 1903, das weite Teile des Gutes zerstörten, warf ihn in seinen Plänen zurück. Garnier nahm als Offizier der Preußischen Armee am Ersten Weltkrieg teil und war an Schlachten bei Klobutzko, in Frankreich und in Bessarabien beteiligt, zuletzt als Major.

Als passionierter Jäger hatte er Kontakt zur höheren Adelsgesellschaft und damit auch zur Kaiserfamilie. Zu seinen Jagdgesellschaften gehörten unter anderem Kaiser Wilhelm II. und nach dem Krieg der letzte König von Sachsen, Friedrich August III.

Garnier war Landesältester und Bürgermeister in Turawa. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1919 setzte er sich für den Verbleib der Abstimmungsgebiete beim Deutschen Reich ein. Als Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) wurde er im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. Im Parlament vertrat er den Wahlkreis 9 (Oppeln).

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zog sich Garnier aus dem politischen Leben zurück. Er trat nicht in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ein, selbst als Adolf Hitler ihn dazu bei einem persönlichen Treffen überzeugen wollte.[4]

Am 18. Januar 1945 verließ er zusammen mit seiner Familie aufgrund der sich nähernden Rote Armee das Gut Turawa, das vier Tage später durch diese erobert und vollständig verwüstet wurde. Der Brandschatzung fiel eine der größten schlesischen Bibliotheken zum Opfer. Die Familie flüchtete als Heimatvertriebene nach Westdeutschland und ließ sich im oberbayerischen Unterwössen nieder, wo Garnier 1952 mit 77 Jahren verstarb und beigesetzt wurde. Die Urne wurde im November 2012 nach Turawa überführt.

Hubertus von Garnier heiratete 1900 Annemarie von Kulmiz zu Saarau. Aus der 1913 geschiedenen Ehe gingen drei Söhne und eine Tochter hervor. In zweiter Ehe heiratete er 1919 seine entfernte Cousine Helene Gräfin von Bethusy-Huc (1889–1962). Dieser Verbindung entstammte ein Sohn und eine Tochter. Zwei seiner Söhne, einer aus erster und einer aus zweiter Ehe, fielen im Zweiten Weltkrieg.

Siehe auch

Literatur

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1874. Siebnundvierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1873, S. 289. (Vorfahren).
  • Garnier-Turawa. Hubertus K. A. Grf. v., In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Who`s is Who in Germany. Wer ist`s?. V. Ausgabe, G. E. Stechert & Co. - New York, Selbstverlag, Leipzig 1911, S. 434.
  • Ernst Kienast: Handbuch für den Preußischen Landtag. Ausgabe für die 3. Wahlperiode. R. v. Decker’s Verlag (G. Schenck), Berlin 1928. S. 520.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 161 f.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1953, S. 117 f.
  • Wolfgang von der Groeben: Nr. 466, Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006 sowie der Landsmannschaft Saxonia zu Göttingen 1840 bis 1844. Düsseldorf 2006, S. 74.
  • Zur Familie von Garnier: A. Kuzio-Podrucki, Górnośląscy Garnierowie. Zarys dziejów i rodowód, w: Zaranie. Seria Druga, Red. Prof. Ryszard Kaczmarek, nr 9, Katowice 2023. ISSN 0044-183X on-line (polnisch)

Einzelnachweise

  1. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1905. Sechster Jahrgang, S. 89.
  2. Pierre-Barthélemy Gheusi (Norbert Lorédan): Le Blason Héraldique. Manuel Nouveau de l'Art Héraldique de la Scierce du Blason de la Polychromie Féodale. Librairie de Firmin-Didot ET C, Paris 1892, S. 379 f.
  3. Otto Gerlach (Hrsg.): Kösener Corpslisten 1960. Im Selbstverlag des Verbandes Alter Corpsstudenten, Kassel 1961, 142/701.
  4. Bilingua.Haus.pl. Heimat: Graf von Garnier. PDF. 2 S.