Horst Rehberger
Horst Rehberger (* 10. Oktober 1938 in Karlsruhe; † 27. Oktober 2025 im Saarland) war ein deutscher Jurist und Politiker (FDP). Er war von 1984 bis 1985 saarländischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft, von 1984 bis 1990 Landesvorsitzender der FDP Saarland und von 1985 bis 1990 auch Vorsitzender ihrer Landtagsfraktion. Nach der deutschen Wiedervereinigung war Rehberger von 1990 bis 1993 Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt sowie von 2002 bis 2006 Minister für Wirtschaft und Arbeit und Stellvertreter des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt.
Leben
Ausbildung und Beruf
Als Sohn eines Reichsbahnrats wuchs Rehberger in Mülheim an der Ruhr auf, wo er ab 1945 die Volksschule und das altsprachliche Gymnasium besuchte. Zwischenzeitlich war er Schüler des staatlichen Gymnasiums in Speyer, 1958 legte er das Abitur am Bismarck-Gymnasium Karlsruhe ab. Von 1958 bis 1963 studierte er Rechtswissenschaften und Politische Wissenschaften in Heidelberg und Berlin. Mit einer mit dem Prädikat magna cum laude bewerteten Arbeit zum Thema Die Gleichschaltung des Landes Baden 1932/33 wurde er 1966 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Doktor der Rechte promoviert.
Von 1967 bis zu seinem Eintritt in die Kommunalverwaltung 1970 war er als Rechtsanwalt in Karlsruhe tätig. Von 2008 bis 2014 war er stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs des Saarlandes.[1] Zuletzt arbeitete er wieder als Rechtsanwalt in Saarbrücken und Magdeburg.[2]
Politische Karriere
Rehberger schloss sich 1957 den Deutschen Jungdemokraten an und trat 1959 in die FDP ein. Er wurde 1970 zum hauptamtlichen beigeordneten Bürgermeister der Stadt Karlsruhe gewählt und 1978 wiedergewählt. In dieser Zeit förderte er maßgeblich als verantwortlicher Fachbürgermeister unter Oberbürgermeister Otto Dullenkopf (CDU) die Entwicklung der Stadtbahn Karlsruhe zum Karlsruher Modell.
Nachdem 1983 seine Parteikollegen Edwin Hügel und Walter Henn im Abstand von zwei Monaten jeweils als Wirtschaftsminister des Saarlandes zurückgetreten waren, wechselte Rehberger im Januar 1984 auf Bitten des FDP-Bundesvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher in die saarländische Landespolitik. Er übernahm das Amt des Ministers für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft im schwarz-gelben Kabinett Zeyer II, das er bis zum Regierungswechsel im April 1985 behielt. Von 1984 bis 1990 war er außerdem Landesvorsitzender der FDP Saarland. Unter seiner Führung errang die Partei bei der Landtagswahl im März 1985 10,0 Prozent der Stimmen, ihr bestes Ergebnis im Saarland seit über zwei Jahrzehnten. Durch die erheblichen Verluste der CDU verlor die schwarz-gelbe Koalition aber insgesamt die Mehrheit. Als Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der FDP/DPS-Fraktion im Landtag des Saarlandes war Rehberger von 1985 bis 1990 in Opposition gegen die SPD-Regierung unter Oskar Lafontaine.[3]
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Rehberger im November 1990 erster Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des neugebildeten Landes Sachsen-Anhalt. In seinen Zuständigkeitsbereich fielen u. a. die Einrichtung der Straße der Romanik sowie die Wiedereröffnung der Brockenbahn.[4][5] Im Jahr 1993 war er ebenso wie Ministerpräsident Werner Münch (CDU) und drei weitere aus den alten Bundesländern stammende Minister von der sachsen-anhaltischen „Gehälteraffäre“ betroffen: die westdeutschen Mitglieder der Landesregierung hatten teils erhebliche Gehaltszulagen bezogen (zu recht, wie das Oberverwaltungsgericht später entschied). Im November 1993 trat das gesamte Kabinett Münch zurück und Rehberger wurde als Wirtschaftsminister von seinem Parteikollegen Rainhard Lukowitz abgelöst.[2] Die FDP Sachsen-Anhalt stürzte bei der folgenden Landtagswahl 1994 von 13,5 auf 3,6 Prozent ab und war während der nächsten acht Jahre nicht mehr im Landtag vertreten.
Bei der sachsen-anhaltischen Landtagswahl 2002 zog die FDP wieder mit 17 Abgeordneten in das Landesparlament ein, darunter auch Rehberger als Dritter auf der Landesliste. Vom 16. Mai 2002 bis 23. April 2006 war er Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt und ab dem 18. Juni 2002 auch Stellvertreter des Ministerpräsidenten im schwarz-gelben Kabinett Böhmer I. Den Schwerpunkt seiner Arbeit legte er hier auf die Ansiedlung neuer Unternehmen vor allem im Bereich der Gentechnik, der chemischen Industrie und der Solarenergie (z. B. Q-Cells).
Von 1997 bis 2016 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Ab 2006 war Rehberger Ehrenvorsitzender des FDP-Landesverbandes Sachsen-Anhalt.
Rehberger war Mitglied in verschiedenen kulturellen, wirtschaftsnahen und sozialen Institutionen und Organisationen; unter anderem fungierte er als Vorsitzender des Vereins Forum Grüne Vernunft,[6] der Fürsprecher und Initiativen der Grünen Gentechnik unterstützt.
Im Oktober 2019 plädierte Rehberger für eine engere Zusammenarbeit mit der AfD, bis hin zu einer Regierungskoalition auf Landesebene. Er forderte, „die Zeiten, in denen die AfD nur ausgegrenzt und denunziert worden ist, müssen zu Ende sein.“ Eine zukünftige Koalition mit der AfD halte er „für möglich, wenn bei Sachthemen Übereinkunft erzielt werden kann.“[7]
Horst Rehberger starb im Oktober 2025 im Alter von 87 Jahren im Saarland an den Folgen einer Herzinsuffizienz.[8][9]
Publikationen
- Die Gleichschaltung des Landes Baden 1932/1933. C. Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1966, DNB 362116490 (Dissertation).
- Unterwegs – Politische Wege eines Liberalen. Lindemanns Bibliothek, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-88190-531-2.
Weblinks
- Literatur von und über Horst Rehberger im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Horst Rehberger im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Einzelnachweise
- ↑ Organisation. Verfassungsgerichtshof des Saarlandes, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Dezember 2011; abgerufen am 16. September 2012.
- ↑ a b Als „Mister zehn Prozent“ in den Annalen der Saar-FDP. Saarbrücker Zeitung, 1. August 2009, abgerufen am 11. April 2016.
- ↑ Mister Zehn Prozent - im größten Triumph doch verloren. In: Saarbrücker Zeitung (online), 9. Oktober 2008.
- ↑ Industrieclub Magdeburg. Archiviert vom am 11. Februar 2013; abgerufen am 16. September 2012.
- ↑ Sabrina Gorges: Harzer Brockenbahn feiert Jubiläum. Braunschweiger Zeitung, 13. September 2011, abgerufen am 16. September 2012.
- ↑ Impressum. Forum Grüne Vernunft, abgerufen am 28. Dezember 2015.
- ↑ Michael Bock: Ex-Minister für Koalition mit der AfD. Abgerufen am 22. Dezember 2019.
- ↑ Ex-Wirtschaftsminister Rehberger verstorben. Saarländischer Rundfunk, 27. Oktober 2025, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Jens Schmidt: Der Umtriebige - ein Nachruf auf Sachsen-Anhalts zweimaligen Wirtschaftsminister Horst Rehberger. Abgerufen am 29. Oktober 2025.