Hofgut Kolnhausen
Das Hofgut Kolnhausen am südwestlichen Stadtrand von Lich, Landkreis Gießen, im Tal der Wetter an der Bundesstraße 488 gelegen ist eine ehemals fürstliche barocke Wohnanlage mit Gutsherrenhaus, Wassermühle und landwirtschaftlichen Nebengebäuden.
Geschichte
Der Besitz von zwei Hufen wird in zwei Urkunden zwischen 1151 und 1152 urkundlich erwähnt:[1] „... in Colenhusen mansum unum ...“ (Eine Hufe in Kolnhausen). Eine annähernd zeitgleiche Urkunde nennt die Siedlung „Colhusen“.[2] Das ehemals eigenständige Dorf Colenhuse ging 1174 erstmals durch eine Schenkung aus dem Stiftungsgut des Benediktinerklosters Alteberg in den Besitz des Klosters Arnsburg über.[3] Neben den genannten Hufen gehörte zu dem Stiftungsgut auch eine Mühle. Diese Mühle war zur Hälfte im Besitz der Familie von „Cunradesrode“ (Konradsrode, heute Wüstung bei Garbenteich), namentlich eines Sifridus de Cunradesrode und seiner drei Brüder. Diese verkauften 1215 ihre Hälfte der Mühle an das Kloster Arnsburg.[4]
Im Zuge der Güterpolitik des Klosters bald entvölkert und wüst geworden, gelangte der Kolnhäuser Hof 1197 durch Tausch an die Augustiner-Chorherren im Kloster Schiffenberg: „... domus sue in Colnhusen“[5] (Sein Haus in Colnhusen).
Ein „Erwinus de Colinhusen“ erscheint 1295 urkundlich.[6] Ab 1215 wird der Ort wieder Grangie des Zisterzienserklosters Arnsburg. Der große Besitz des Klosters in Kolnhausen wird 1219 in einer Papstbulle von Papst Honorius III. erstmalig als Grangie bezeichnet.[7] Das nunmehr Arnsburg genannte Kloster erweiterte seinen Besitz, als es 1210 einen Mansus in Kolnhausen gegen zwei kleine Mansen in Dorf-Güll ertauschte.[8]
In der Namensforschung wird der Ortsname als „Siedlung des Colo oder Culo“ gedeutet.[9]
Neuzeit
Unter dem Abt Antonius Antoni wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Gutsanlage in ihrer heutigen Kernform erbaut: Eine Bauinschrift am barocken Gutshaus mit dem Datum 1721 weist auf seine Bautätigkeit hin, die Stallungen entstanden 1716.
Mit der Säkularisation im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 kam das Ende des Klosters Arnsburg, seine Besitzungen wurden aufgeteilt. Das zum Kerngebiet der Abtei zählende Hofgut Kolnhausen nebst 747 Morgen Land und 1002 Morgen Wald ging in den Besitz der Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich über, die es in der Folge als landwirtschaftliches Gut bewirtschafteten; gleichzeitig wurden diese Liegenschaften – im Gegensatz zum Kernkomplex des Klosters Arnsburg, welcher bis 1973 gemeinderechtlich selbstständig blieb – dem Gebiet der Stadt Lich zugeschlagen. Pächter des Hofgutes war in der Mitte des 19. Jahrhunderts Johann Gros.
Bis zum Jahr 2001 wurde es von den Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich für die Rinderzucht genutzt. In den 1980er Jahren wurden die Ländereien zu einem Golfplatz umstrukturiert, die ehemaligen Gutsgebäude beherbergen heute einen Hotel- und Gaststättenkomplex.
Die Architektur
Die rechtsseitig der Wetter liegende Hofanlage besteht aus einem unregelmäßigen, allseitig von einer Bruchsteinmauer umschlossenen Geviert.
Den Eingang bildet ein romanischer, verdachter Torbau aus Bruchsteinmauerwerk an der Südseite. Sein korbbogenförmiges, ursprünglich rundbogiges Tor und die niedrige, mit geradem Sturz abschließende Pforte, beide mit Gewänden aus Lungsteinquadern, sind offensichtlich sekundär verändert. Langgestreckte, flache, massive Wirtschaftsgebäude mit gestufter Dachabfolge sind im Westen und im Südwesten der Mauer aufgesetzt, so dass hier ein äußerer Gebäudering entsteht. Eine weiter innen gelegene, hakenförmige Gebäudegruppe, die aus einem zweigeschossigen, langgestreckten Bruchsteinbau (1716), einer Bruchsteinscheune mit rundbogiger Einfahrt und einem Wirtschaftsgebäude mit Fachwerkaufsatz (19. Jahrhundert) besteht, bildet nach Nordwesten und Norden eine geschlossene Abfolge.
Besonders bemerkenswert ist das alle anderen Gebäude überragende, von einem barocken Mansarddach überfangene Wohnhaus. Es ist zweigeschossig, hat einen Kellersockel und zeigt kubische Form mit symmetrisch geordneten Fenstern, die auf der Hauptansichtsseite im Osten zu sieben Achsen ausgebildet sind. Auf dieser Seite liegt auch das über dem abschließenden Gesims ein von Voluten und Knorpelornamentik umschlossenes Queroval mit der Inschrift:
- RMUS DO:
- D: ANTONIUS ANTO
- NI DE MOG: ABBAS
- ARNSBURGENSIS: L:
- HANC CVRIAM DE
- NOVO EREXIT
deren herausgehobene Buchstaben die Datierung 1721 ergeben.
Einschließlich des zweigeschossigen Mühlengebäudes im Nordwesten (altes Bruchsteinuntergeschoss mit Eckquaderung, rundbogigen Kellerfenstern und gewändeten Fenstern, verputztes Fachwerkobergeschoss, steiler seitlich verschieferter Giebel), den Resten der Mühleneinrichtung am Bachlauf, der alten Bruchsteinscheune im äußersten Nordostwinkel sowie des Mühlbachs und der angrenzenden Freiflächen ist die Hofanlage als Gesamtanlage ein Kulturdenkmal.
Literatur
- Licher Heimatbuch. Im Auftrag der Stadt Lich bearbeitet von dem Ausschuß für das Licher Heimatbuch. Lich 1950.
- Friedrich Damrath: Kloster Arnsburg. In: Licher Heimatbuch. Die Kernstadt und ihre Stadtteile. Bearbeitet von Paul Görlich, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Lich 1989, Seiten 286 ff.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Bd. 2,1 (1137 – 1175). Darmstadt 1968. Nr. 159, S. 295 f.
- ↑ Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Bd. 2,1. Nr. 179, S. 334.
- ↑ Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174-1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 126 f.
- ↑ Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. AUB Nr. 8, S. 5.
- ↑ Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 3. Nr. 1344, S. 320.
- ↑ Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 292, S. 211.
- ↑ Valentin Ferdinand Gudenus: Codex diplomaticus 1 - 5. Göttingen, Ffm, Leipzig 1743 - 1768. Band 1. Nr. 294, S. 263 ff.
- ↑ Ludwig Baur: AUB, Nr. 5.
- ↑ Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 211
Koordinaten: 50° 30′ 37,3″ N, 8° 47′ 55,6″ O