Hisaye Yamamoto
Hisaye Yamamoto (* 23. August 1921 in Redondo Beach, Kalifornien; † 30. Januar 2011 in Los Angeles) war eine US-amerikanische Schriftstellerin japanischer Herkunft. Sie zählt zu den ersten japanisch-amerikanischen Autorinnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nationale Anerkennung erlangten. Ihr Werk umfasst vor allem Kurzgeschichten, die sich durch präzise Beobachtungen intergenerationeller Beziehungen sowie der Lebenssituationen von Issei und Nisei und durch eine zurückhaltende, humorvolle Erzählweise auszeichnen.[1]
Leben
Hisaye Yamamoto wurde als Tochter japanischer Einwanderer aus der Präfektur Kumamoto geboren. Sie wuchs in einer von Landwirtschaft geprägten Gemeinde in Südkalifornien auf. Die frühen Jahre ihrer Familie waren vom Erdbeeranbau in der Umgebung von Oceanside geprägt. Bereits im Kindesalter begann sie, intensiv zu lesen, und veröffentlichte als Jugendliche unter dem Pseudonym „Napoleon“ erste Texte. Während ihrer Schul- und Collegezeit arbeitete sie an Jahrbüchern und schrieb regelmäßig für englischsprachige Rubriken japanisch-amerikanischer Zeitungen. Am Compton Junior College studierte sie mehrere Fremdsprachen und erwarb einen „Associate of Arts“.[1]
Nach der Zwangsumsiedlung japanischstämmiger US-Bürger aufgrund des Erlasses der Executive Order 9066 wurde sie 1942 im Alter von 21 Jahren im Internierungslager Poston in Arizona inhaftiert. Dort schrieb sie für die Lagerzeitung Poston Chronicle und veröffentlichte unter anderem den Fortsetzungsroman Death Rides the Rails to Poston. 1944 wurde sie aus dem Lager entlassen und arbeitete dann in Springfield (Massachusetts) als Köchin. Nach dem Tod ihres Bruders Johnny, der im 442nd Regimental Combat Team in Italien gefallen war, kehrte sie jedoch nach Poston zurück. Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit flossen später in mehrere ihrer Erzählungen ein.[1]
Nach ihrer Rückkehr nach Los Angeles im Jahr 1945 arbeitete Hisaye Yamamoto kurzzeitig als Reporterin für die afroamerikanische Wochenzeitung Los Angeles Tribune. 1948 konnte sie dank familiärer Unterstützung und der Lebensversicherung ihres im Krieg gefallenen Bruders ihre journalistische Tätigkeit aufgeben, um sich dem literarischen Schreiben zu widmen. Ein Stipendium der John Hay Whitney Foundation ermöglichte ihr im Jahr 1950 ein weiteres Jahr der ausschließlichen literarischen Arbeit.[1]
In den frühen 1950er Jahren engagierte sich Hisaye Yamamoto in der Catholic-Worker-Bewegung und lebte mit ihrem Sohn zeitweise auf einer von dieser betriebenen Farm auf Staten Island. 1955 heiratete sie Anthony DeSoto und kehrte mit ihm nach Los Angeles zurück, wo sie vier Kinder bekamen. Während dieser Zeit erlitt sie einen psychischen Zusammenbruch und wurde einen Monat lang in einer Behandlungseinrichtung betreut. Im Jahr 2010 erlitt Hisaye Yamamoto einen Schlaganfall und starb am 30. Januar 2011 im Alter von 89 Jahren in Los Angeles.[1]
Werk
Hisaye Yamamoto veröffentlichte ihre Erzählungen in verschiedenen US-amerikanischen Literaturzeitschriften, darunter Partisan Review, Kenyon Review, Harper’s Bazaar, Arizona Quarterly und andere. Zu ihren bekanntesten Werken gehören:
- Seventeen Syllables (1949) – häufig anthologisierte Erzählung über die Beziehung zwischen einer Nisei-Tochter und ihrer Issei-Mutter, die Haiku schreibt.[2]
- Yoneko’s Earthquake (1951) – Darstellung der familiären Konflikte einer Issei-Frau.
- The Brown House (1951)
- Epithalamium (1960)
Mehrere ihrer Geschichten wurden in die Jahresliste Distinctive Short Stories von Martha Foley aufgenommen, darunter Yoneko’s Earthquake, das zudem in der Anthologie Best American Short Stories 1952 erschien. Weitere bekannte Texte sind Las Vegas Charley und The High-Heeled Shoes. Einige ihrer Arbeiten wurden 1991 für die American-Playhouse-Produktion Hot Summer Winds adaptiert. Zudem verfasste Hisaye Yamamoto autobiografische Texte wie Life Among the Oil Fields: A Memoir sowie den Essay Fire in Fontana, in dem sie ihre Erfahrungen beim Los Angeles Tribune verarbeitet.
Rezeption
Erst ab den 1970er Jahren wurde Hisaye Yamamoto literarisch anerkannt. In Fachstudien wurde ihre präzise und zurückhaltende Erzählweise sowie die thematische Bandbreite ihrer Kurzgeschichten hervorgehoben. Ihre thematischen Schwerpunkte waren unter anderem:
- Darstellungen japanisch-amerikanischer Familienstrukturen
- Repräsentationen von Issei-Figuren, insbesondere Vaterrollen
- Mutter-Tochter-Beziehungen in der japanisch-amerikanischen Diaspora
Auszeichnungen
- American Book Award (Lifetime Achievement) der Before Columbus Foundation (1986)
- Award for Literature der Association of Asian American Studies für Seventeen Syllables and Other Stories(1988)
Literatur
- Charles Crow, Opening Up Literary Criticism: Essays on American Prose and Poetry, Verlag Wolfgang Neugebauer, Salzburg, 1986.
- Charles Crow, A MELUS Interview: Hisaye Yamamoto, MELUS, Salzburg, 1987.
- Guiyou Huang, Hisaye Yamamoto (DeSoto), Greenwood Press, Westport (CT), 2003.
- Dorothy Ritsuko McDonald & Katharine Newman, Relocation and Dislocation: The Writings of Hisaye Yamamoto and Wakako Yamauchi, MELUS, Fall 1980.
- Seiwoong Oh, Encyclopedia of Asian-American Literature, Facts on File, New York, 2007.
- Naoko Sugiyama, Issei Mother's Silence, Nisei Daughter's Stories: The Short Fiction of Hisaye Yamamoto, Comparative Literature Studies, East-West Issue, 1996.
- Stan Yogi, Legacies Revealed: Uncovering Buried Plots in the Stories of Hisaye Yamamoto, Studies in American Fiction, Autumn 1989.
- Hisaye Yamamoto, Seventeen Syllables and Other Stories, Rutgers University Press, New Brunswick (NJ), 2006.
- Hisaye Yamamoto, Writing, Amerasia Journal, Los Angeles, 1976.
- William P. Osborn & Sylvia A. Watanabe, Into the Fire: Asian American Prose, Greenfield Review Press, New York, 1996.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Hisaye Yamamoto | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 12. August 2025; abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Hisaye Yamamoto: Seventeen syllables and other stories. Latham, NY : Kitchen Table--Women of Color Press, 1988, ISBN 978-0-913175-14-9 (archive.org [abgerufen am 22. November 2025]).