Hideo Kobashigawa
Hideo Kobashigawa (japanisch 小橋川 秀男; * 22. Februar 1917 in Phoenix, Arizona; † 14. April 2001 in New York) war ein US-amerikanischer Maler und Grafiker japanischer Abstammung. Während der Internierung japanischstämmiger Menschen in den USA im Zweiten Weltkrieg schuf er ein umfangreiches Werk aus Zeichnungen, Aquarellen, Ölgemälden und Druckgrafiken.[1]
Leben
Hideo Kobashigawa wurde 1917 in Phoenix, Arizona, geboren. Sein Vater war 1906 über Mexiko in die Vereinigten Staaten eingewandert und betrieb dort eine erfolgreiche Landwirtschaft. Für die frühe Schulbildung der Kinder zog die Familie nach Izumi in der Präfektur Okinawa. Kobashigawas Interesse für Kunst, das sich bereits in seiner Kindheit entwickelt hatte, verstärkte sich dort und führte schließlich zu seinem Entschluss, Künstler zu werden. Im Alter von 16 Jahren kehrte er 1933 gemeinsam mit seinem älteren Bruder in die USA zurück, um als Landarbeiter Geld zu verdienen und die Familie zu unterstützen. 1934 zog er in die Region Los Angeles, wo er in West Los Angeles als Gärtner arbeitete. Mit der Unterstützung seiner Brüder studierte er ein Jahr lang am Otis Art Institute. Aus dieser Zeit existiert ein Kurzfilm seines Bruders Jiro, der ihn bei der Arbeit im Atelier zeigt.[1]
Im Frühjahr 1941 wurde Hideo Kobashigawa zum Militär eingezogen und zur Grundausbildung nach Texas geschickt. Aufgrund seiner Weigerung, eine Waffe zu tragen, sowie seines ständigen Zeichnens wurde er jedoch aus dem Dienst entlassen. Nach seiner Rückkehr nach Los Angeles wurde er nach dem Erlass der Executive Order 9066 in das Lager Manzanar interniert.[2] Dort widmete er sich vorwiegend der künstlerischen Arbeit und schuf unter anderem eine Serie von Darstellungen der Berglandschaft am Internierungslager. Später betitelte er die Werke, stellte sie in einem Buch zusammen und ergänzte sie mit schriftlichen Erinnerungen. Zudem fertigte er Holzschnitte an, die er in größerer Auflage drucken wollte. Dieser Plan blieb jedoch aufgrund seiner Verlegung in ein anderes Internierungslager schließlich unvollendet.[1]
Hideo Kobashigawa wurde nach dem sogenannten „Loyalty Questionnaire“[3] als „No-No Boy“[4] eingestuft und in das Tule Lake Segregation Center verlegt, wo er weiterhin intensiv malte. Nach seiner Entlassung im Jahr 1945 zog er nach New York, schloss sich einem Künstlerkreis im Atelier von Tarō Yashima an und setzte seine künstlerische Ausbildung an der Art Students League fort. Er heiratete die Künstlerin Masako Yamamoto, doch die Ehe wurde später aufgelöst. Anschließend lebte Kobashigawa 43 Jahre lang in einer Sozialwohnung in Brooklyn und arbeitete neben seiner künstlerischen Tätigkeit in einem japanischen Restaurant. Er stellte selten aus und verkaufte seine Werke kaum. 1992 wurden seine Arbeiten in der Ausstellung The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945 gezeigt. Diese Ausstellung war der Anlass für die Präfektur Okinawa, im Jahr 2000 eine umfangreiche Retrospektive in der Naha Shimin Gallery und der Motobu Chomin Gallery zu veranstalten. Seine Werke befinden sich heute unter anderem im Japanese American National Museum in Los Angeles und im Okinawa Prefectural Museum in Naha.[1]
1999 zog Hideo Kobashigawa nach Los Angeles, wo er am 14. April 2001 starb.[1]
Literatur
- Chang, Gordon H., Mark Dean Johnson, and Paul J. Karlstrom, editors. Asian American Art: A History, 1850–1970. Stanford University Press, 2008.
- The View from Within: Japanese American Art from the Internment Camps, 1942–1945. Los Angeles: Japanese American National Museum, UCLA Wight Art Gallery, und UCLA Asian American Studies Center, 1992.
Weblinks
- Densho Encyclopedia. Hideo Kobashigawa
- Vision of an Okinawan No-No Boy: Works by Hideo Kobashigawa
- Densho Digital Repository
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Patricia Wakida: Hideo Kobashigawa. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
- ↑ Artists’ Eyes: Art of Incarceration (Presidio). In: Ruth Asawa. Abgerufen am 14. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Loyalty questionnaire | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 19. September 2025; abgerufen am 13. November 2025 (englisch).
- ↑ No-no boys | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 27. September 2025; abgerufen am 13. November 2025 (englisch).