Herbert Jahofer

Oberstadtdirektor Jahofer bei der Grundsteinlegung des Bildung- und Verwaltungszentrum
Link zum Bild (der Link führt zu einer Seite außerhalb der Wikipedia)

(Bitte Urheberrechte beachten)

Herbert Jahofer (* 3. Juni 1928 in Wattenscheid; † 6. März 2011 in Bochum)[1] war ein deutscher Verwaltungsjurist und von 1976 bis 1990 Oberstadtdirektor der Stadt Bochum.

Leben und Familie

Herbert Jahofer wurde am 3. Juni 1928 im Wattenscheider Stadtteil Höntrop geboren. Er kam aus einer Bergarbeiterfamilie und wurde katholisch getauft.[2]

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er von 1942 bis 1945 eine kaufmännische Lehre beim Bochumer Verein.[3]

Er war Mitglied der SPD.[2] Weiterhin war er in der Bochumer Sektion des Deutschen Alpenvereins aktiv.[4] In erster Ehe war er, bis zu ihrem Tod, mit Ursula Maria, geb. Rost verheiratet, und in zweiter Ehe mit Elfriede Wolf geb. Schnellberger. Er hatte keine Kinder.[2] Seinen Lebensabend verbrachte er im Katharina-von-Bora-Haus[1] am Stadtpark Bochum.

Wirken

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trat er als Hilfsangestellter in den Dienst der Stadt Bochum ein und lernte den Verwaltungsdienst von der Pike auf. Neun Jahre später wurde er in das Beamtenverhältnis übernommen und war in verschiedenen Ämtern tätig, darunter das Straßenverkehrsamt, das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung, das Personal- sowie das Kulturamt. 1967 wurde Jahofer zum Leiter des Hauptamtes ernannt, 1970 zum Personal- und Organisationsdezernenten gewählt.[2][3]

In dieser Zeit kam es zu der umfangreichen Gebietsreform im Ruhrgebiet (Ruhrgebiet-Gesetz).[5] Dabei war Jahofer in seiner Position maßgeblich daran beteiligt, auf kommunaler Ebene den Zusammenschluss seiner Geburtsstadt Wattenscheid und der Stadt Bochum zu einer neuen Stadt mit dem Namen „Bochum“ formal vorzubereiten. Nach dem Zusammenschluss und dem Erreichen des Ruhestandsalters von Oberstadtdirektor Gerhard Petschelt wurde Jahofer 1976 zu seinem Nachfolger gewählt.[3]

In seiner Zeit als Oberstadtdirektor fiel der Ausbau der Ruhr-Universität Bochum. Er setzte sich für die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität ein und galt als einer der „Väter des Bochumer Modells der Medizinerausbildung“. Durch seinen Verhandlungswillen mit dem nordrhein-westfälischen Finanzministerium trug er maßgeblich zur Etablierung dieses Modells bei. Zudem engagierte er sich für den Bau der U35, der zentralen Verbindungsachse zwischen der Universität und Innenstadt.[6] In seiner Dienstzeit fielen weiterhin die Begründungen der Städtepartnerschaften mit Oviedo (1980), Donezk (1987) und Nordhausen (1990). Im Zeichen des Strukturwandels erfolgten der Umbau der Innenstadt, mit der Ausweitung der Fußgängerzonen und Großbauprojekten wie die Fertigstellung des Ruhrstadions und der Bau des Bildungs- und Verwaltungszentrums (BVZ) als Erweiterungsbau des Rathauses.[2] Er war auch maßgeblich an der Idee und Ausführung beteiligt, Andrew Lloyd Webber zu überzeugen, dass das Musical Starlight Express nach Bochum kommt.[7] In der Stadt wurde mit dem Starlight Express Theater ein Veranstaltungsort gebaut, der nur für dieses Musical funktioniert.

Jahofer war Vorsitzender der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) und wurde so als Tarifpartner der ÖTV weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannt.[3]

Nachdem Jahofer 1987 für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt worden war, trat er auf eigenen Wunsch am 7. April 1990 in den Ruhestand.[2]

1994 wurde Jahofer von der Ruhr-Universität Bochum die Ehrenbürgerschaft verliehen. Der damalige Rektor Prof. Dr. Wolfgang Maßberg würdigte sein unermüdliches Wirken und bezeichnete ihn metaphorisch als „Turmwächter“ der Universität. Herbert Jahofer Dankesworte wurden als typisch für sein Wirken bezeichnet. Er schloss mit:[6]

„Lähmender Pessimismus hilft nicht. Kritischer Optimismus ist gefordert. Gerade die Optimisten sind aufgerufen, alles zu tun, war aus der Sicht späterer Generationen ihren Optimismus rechtfertigen kann.“

Herbert Jahofer

Ehrungen

Einzelnachweise

  1. a b Traueranzeige für Herbert Jahofer [1]
  2. a b c d e f Kai Rawe: Die Oberbürgermeister und Oberstadtdirektoren in Westfalen und Lippe: die Spitzen der kreisfreien Städte zwischen 1831 und 1999. In: Daniel Schmidt (Hrsg.): Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen). Nr. 50. Aschendorff Verlag, Münster 2025, ISBN 978-3-402-15134-1, S. 157 f.
  3. a b c d Wandel einer Stadt: Bochum seit 1945 ; Daten - Fakten - Analysen (= Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte [Hrsg.]: Veröffentlichung des Stadtarchivs Bochum). Brockmeyer, Bochum 1993, ISBN 978-3-8196-0152-1, S. 309.
  4. 75 Jahre Sektion Bochum im Deutschen Alpenverein
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 329 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  6. a b Josef König: RUB trauert um verdienten Ehrenbürger Herbert Jahofer. Ruhr-Universität Bochum, 9. März 2011, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  7. Jürgen Stahl: Produzent erzählt: So kam der Starlight Express nach Bochum. 13. Mai 2023, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  8. Liste der Ehrenringträgerinnen und Ehrenringträger der Stadt Bochum