Helmi Dresen

Helmi Dresen (10. Junijul. / 22. Juni 1892greg. in der Gemeinde Kolga; † 25. September 1941 in Tallinn) war eine estnische Esperantistin und Übersetzerin. Sie war eine zentrale Persönlichkeit der estnischen Esperanto-Bewegung in der Zwischenkriegszeit. Helmi Dresen wurde während der nationalsozialistischen Besatzung Estlands im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen hingerichtet.

Leben

Helmi Dresen wurde als Tochter von Eduard (1864–1921) und Elisabeth Tresen (geb. Altenprun, 1866–1951) auf dem Hof Luuba bei Kolga, etwa 40 Kilometer von Tallinn entfernt, in eine kinderreiche Familie geboren. Ihr Vater war Oberförster auf dem Gut von Kolga. Die Eltern ermöglichten allen ihren Kindern eine ordentliche Gymnasial-Bildung.

Helmi Dresen erlernte die internationale Plansprache Esperanto im Jahr 1912[1] und widmete ihr fortan einen Großteil ihrer kulturellen Arbeit. Sie war die ältere Schwester der bekannten Esperantistin, Lyrikerin und Übersetzerin Hilda Dresen (1896–1981), mit der sie zeit ihres Lebens eng zusammenarbeitete.[2]

Helmi Dresen etablierte sich in den 1920er und 1930er Jahren als prägende Funktionärin innerhalb der estnischen Esperanto-Bewegung. Sie war Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied der Gruppe „Espero“ in Tallinn, des im April 1922 in Tartu ins Leben gerufenen Estnischen Esperanto-Bundes (Esperanto-Asocio de Estonio, EAE) und der estnischen Esperanto Touristenkommission (Esperanta Turista Komisiono, ETK). Sie nahm an zahlreichen internationalen Esperanto-Veranstaltungen teil.

In den 1920er Jahren leitete sie die Wörterbuch-Kommission („Vo-Ko“) des Esperanto-Klubs in Tallinn. Unter ihrer Federführung entstand das bedeutende Esperanto-eesti sõnastik (Esperanto-Estnisches Wörterbuch), das 1927 mit etwa 12.000 Stichwörtern erschien. Dieses Werk galt lange Zeit als Standardreferenz für estnische Esperantisten.

Neben ihrer lexikografischen Arbeit war Helmi Dresen literarisch und übersetzerisch tätig. Sie trug maßgeblich mit ihren Übersetzungen zur Estona Antologio (Estnische Anthologie) bei, die 1932 in Tallinn erschien und die estnische Literatur einem internationalen Esperanto-Publikum zugänglich machte.

Politisches Engagement und Tod

Helmi Dresen war auch in der Kommunalpolitik aktiv und Mitglied der Stadtverwaltung von Tallinn. Zuletzt leitete sie die Finanzabteilung der Tallinner Stadtverwaltung.

Nach der deutschen Besetzung des Baltikums im Zweiten Weltkrieg wurde Helmi Dresen wie andere angeblich den Kommunisten nahestehenden Aktivisten der Esperanto-Bewegung wie Michaelis Dušanskis (1906–1942) und Neeme Ruus (1911–1942) von den deutschen Besatzern verhaftet. Am 25. September 1941, zwei Tage nach ihrer Verhaftung, wurde sie von den Deutschen in Tallinn hingerichtet. Sie wurde 49 Jahre alt.

Werke (Auswahl)

  • Esperanto-eesti sõnastik (Esperanto-Estnisches Wörterbuch), Tallinn 1927.
  • Beiträge in: Estona Antologio (Estnische Anthologie), Tallinn 1932 (als Übersetzerin).

Literatur

  • Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin. Gerlingen 1988
  • Hans Jakob: „Universala Esperanto-Asocio dum la tutmonda milito 1939–1945“. In: Esperanto 39, 1946, S. 2f.
Commons: Helmi Dresen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. https://www.eventoj.hu/steb/gxenerala_naturscienco/enciklopedio-1/encikl-d.htm
  2. https://sisu.ut.ee/ewod/d/dresen/