Helena Vondráčková
Helena Vondráčková (* 24. Juni 1947 in Prag) ist eine tschechische Sängerin, Schauspielerin und Musicaldarstellerin. Erste Erfolge hatte sie mit dem Gesangstrio Golden Kids. Im deutschsprachigen Raum wurde sie vor allem mit den Titeln Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut und Ich bin verliebt bekannt. Als Schauspielerin trat sie u. a. in der Titelrolle in dem Märchenfilm Die wahnsinnig traurige Prinzessin (Šíleně smutná princezna) und in Musicals wie Les Misérables und Mamma Mia! in Erscheinung.
Privatleben
Ihre Mutter Blažena war zum Zeitpunkt von Helenas Geburt noch in einer Ehe mit einem anderen Mann, mit dem sie bereits eine Tochter hatte; daher war es erforderlich, dass ihr biologischer Vater Helena adoptierte. Helena verbrachte ihre Kindheit in der kleinen Stadt Slatiňany in Ostböhmen, wo sie zusammen mit ihrer älteren Schwester und ihrem jüngeren Bruder Jiří aufwuchs.[1] Jiří (* 1951) ist als Komponist, Musiker, Schauspieler und Regisseur aktiv. Seit den 1990er Jahren ist auch ihre Nichte Lucie Vondráčková als Sängerin und Schauspielerin erfolgreich.
Der Komponisten und Texter Zdeněk Rytí schrieb zunächst für sie Lieder, bevor die beiden ein Paar wurden. Sie bekamen einen Sohn und eine Tochter.[2]
1983 heiratete Vondráčková den Bassisten Helmut Sickel der ostdeutschen Disco- und Popband Kreis. Er komponierte mehrere Lieder für sie, darunter Čas je proti nám und Sprint. Die Ehe blieb kinderlos, 2001 ließen sich die beiden scheiden. Zwei Jahre später heiratete sie Martin Michal.[3]
1997 erschien im Ullstein Verlag ihre Autobiografie Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut. Erinnerungen, der Titel wurde nach dem gleichnamigen deutschsprachigen Lied gewählt.
Karriere
Frühe Jahre und Durchbruch
Sie nahm bereits in frühen Jahren Klavierunterricht. 1964, damals war sie noch Schülerin, gewann sie bei einem nationalen Talentwettbewerb. Obwohl sie nach ihrem Sieg zahlreiche Angebote erhielt, schloss sie zuerst ihre schulische Ausbildung in Chrudim ab und trat erst im Herbst 1965 dem Prager Rokoko-Theater bei. In der Zwischenzeit hatte sie bereits einige Aufnahmen veröffentlicht, darunter den ersten großen Erfolg Červená řeka.[4]
Im Sommer 1966 begann ihre Karriere beim Unterhaltungsmusikfestival Bratislavská lýra als Duo mit Marta Kubišová. Ihr dort gemeinsam vorgestellter Beitrag Oh, Baby, Baby wurde mit der Silbernen Bratislava-Lyra ausgezeichnet.[5] Im November 1967 trat sie beim Internationalen Musikfestival von Rio de Janeiro als Solistin auf, wo ihr Beitrag Vzdálený hlas den Golden Rooster Award erhielt.[4]
1968 gründete sie mit Marta Kubišová und Václav Neckář das Gesangstrio Golden Kids. Das Debütkonzert der Golden Kids wurde am 25. November 1968 in der Prager Lucerna veranstaltet. Sie waren nicht nur in der Tschechischen Republik und der Slowakei aktiv, sondern traten auch in ganz Europa auf. Doch im Februar 1970 kam es zu einem abrupten Ende. Die Kommunistische Partei untersagte Kubišová jegliche künstlerische Betätigung und besiegelte somit de facto das Schicksal der Golden Kids. Nach der Samtenen Revolution konnte die Gruppe wieder zusammen auftreten, wie sie es gelegentlich noch heute tun.[6]
1969 erschien Vondráčkovás Debütalbum Růže kvetou dál; eine Zusammenstellung ihrer Singles, die ab 1964 veröffentlicht wurden.[7] 1970 gab sie ihr Schauspieldebüt in der Titelrolle des Märchenfilms Die wahnsinnig traurige Prinzessin (Šíleně smutná princezna).
1975 sang sie mit Je krásné lásku dát erstmals mit Karel Gott im Duett, es folgten zahlreiche gemeinsame Auftritte wie 1984 Dingi lingi ding dong. Beim Sopot International Song Festival 1977 gewann Vondráčková mit dem Titel Malovaný džbánku.[8] Sie sang für Václav Vorlíčeks Märchenfilm Wie man Dornröschen wachküßt (Jak se budí princezny) den Titel Na sedmém lánu bei.
Ebenfalls 1977 schrieb der Texter Hans-Georg Moslener ihr den Titel Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut[9], mit welchem sie in zahlreichen Fernsehsendungen auftrat. 1978 nahm sie mit dem ebenfalls von Moslener geschriebenen Titel Männer wie du am deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest 1978 teil und belegte den 12. Platz.[10]
1981 wirkte sie in der DFF-Reportage Abends im Rampenlicht mit.[11]
Späte Jahre
Im Juni 1992 gab Vondráčková ihr musikalisches Bühnendebüt als Fantine in einer Aufführung des französischen Musicals Les Misérables im Theater Divadlo na Vinohradech in Prag.[12] Im September 2003 trat sie in Prag in der GoJa Music Hall erneut in dieser Rolle auf.[13]
2006 nahm sie an der auf TV Markíza ausgestrahlten slowakischen Ausgabe der Tanzshow Let’s Dance teil; sie und ihr Tanzpartner Milan Plačko kamen bis in die 6. Runde.[14] Im März 2007 sang sie die deutsche Nationalhymne bei dem EM-Qualifikationsspiel Deutschland–Tschechien, wobei sie eine Textzeile übersprang.[15]
Nachdem sie sich bereits an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 1978 teilgenommen hatte, versuchte sie Tschechien beim Eurovision Song Contest 2007 zu vertreten. Ihr Vorentscheidungstitel Samba wurde allerdings disqualifiziert, da er zu alt war. Auch das Ersatzlied Ha Ha Ha wurde zurückgezogen, weshalb Vondráčková von einer weiteren Teilnahme am Eurovision Song Contest absah.[16]
Im November 2015 war Vondráčková erstmals in der Rolle der Donna in dem Musical Mamma Mia! im Kongresszentrum Prag zu sehen.[17]
Seit 2003 ist Filip Albrecht ihr deutscher Produzent, Texter und Manager, der u. a. die Titel Diese Nacht, Wunder gescheh'n oder Dem Traum ganz nah schrieb.
Filmografie (Auswahl)
- 1967: Die wahnsinnig traurige Prinzessin (Šíleně smutná princezna)
- 1969: Revue pro následníka trunu
- 1977: Hen ho nechte ať se bojí
- 1981: Štědrý den bratří Mánesů
- 1982: Revue na zakázku
- 1982: Romance ze Savoy baru
- 1992: Trhala fialky dynamitem
- 2004: Kamenák 2
- 2011: Tajemstvi svateb slavnych
- 2020: Zenská pomsta
Diskografie
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Auszeichnungen
National
- 1966: Strieborná (in silber) mit Marta Kubišová – für das Lied Oh, Baby, Baby
- 1968: Strieborná mit Waldemar Matuška – für das Lied To se nikdo nedoví
- 1974: Zlatá (in gold) – für das Lied Malovaný džbánku
- 1975: Strieborná – für das Lied Láska zůstává dál
- 1982: Strieborná Bratislavská lýra v medzinárodnej kategorii (Die Silberne Bratislava-Lyra in der internationalen Kategorie) – für das Lied Sblížení
- weitere
- 1982: Zlatá Děčínská kotva (Der Goldene Děčín Anker) – für das Lied Tančit prý je krásné[18]
- 1982: Verdiente Künstlerin[19]
- 2001: Die Frau des Jahres – Lady Pro 2001, Die 100 Besten[20]
- 2001: Sängerin des Jahres 2001 – für die Alben „Vodopád“ und „Helena 2002“[20]
- 2002: Die Halle des Ruhmes – Akademie für Popmusic[20]
- 2000: Hit des Jahres – für das Lied „Dlouhá noc“[20]
- 2017: Tschechische Verdienstmedaille[21]
International
- 1967: Miss of the II Festival International Da Cançăo Popular, Rio de Janeiro[22]
- 2000: smago! Award, Deutschland[23]
Weblinks
- Literatur von und über Helena Vondráčková im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur und andere Medien von und über Helena Vondráčková im Katalog der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik
- Helena Vondráčková bei IMDb
- Offizielle Website von Helena Vondráčková
Einzelnachweise
- ↑ Helena Vondráčková prezradila detaily o detstve: Vlastný otec si ju musel adoptovať. In: cas.sk. Abgerufen am 20. November 2025 (slowakisch).
- ↑ Tajemství textaře Zdeňka Rytíře (†69): Exmilenec Vondráčkové dělal v mládí popeláře. In: blesk.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ Foto: Helena Vondráčková že bola zasnúbená s týmto hercom? In: sarm.pluska.sk. Abgerufen am 20. November 2025 (slowakisch).
- ↑ a b V dubnu 1964 tleskala Heleně Vondráčkové poprvé pražská Lucerna – vyhrála tehdy soutěž talentů. In: novinky.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ a b Legendární písňový festival Bratislavská lyra ožije v desetidílném dokumentu. In: kultura21.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ Příběh skupiny Golden Kids. In: radioblanik.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ Helena Vondráčková – Růže Kvetou Dál. In: discogs.com. Abgerufen am 20. November 2025 (englisch).
- ↑ 44th International Sopot Festival 2007. In: eurofire.me. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Hans-Georg Moslener. In: hitparade.ch. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Helena – „Männer wie Du“. In: eurovisionworld.com. Abgerufen am 20. November 2025 (englisch).
- ↑ Abends im Rampenlicht. In: imdb.com. Abgerufen am 20. November 2025 (englisch).
- ↑ Musical „Les Miserables“ bezauberte vor 30 Jahren Prag. In: deutsch.radio.cz. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Les Misérables Bisnici. In: i-divadlo.cz. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Helena Vondráčková v Let´s Dance skončila. In: cas.sk. Abgerufen am 20. November 2025 (slowakisch).
- ↑ Fußball-Länderspiel: Deutsche Nationalhymne zwei Verse kürzer. In: deutsch.radio.cz. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Februar 2007. In: eurofire.me. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Helena Vondráčková má v muzikálu Mamma Mia! úspěch, do konce roku se v něm objeví ještě dvakrát. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ Nejčastějším pěveckým partnerem Heleny Vondráčkové je Jiří Korn, nazpívali přes 30 duetů. In: novinky.cz. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Helena Vondrackova. In: csfd.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ a b c d Helena Vondráčková. In: novinky.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ Seznam vyznamenaných osobností 2017. Ocenění získala Vondráčková, Troška, Schröder i Nohavica. In: irozhlas.cz. Abgerufen am 20. November 2025 (tschechisch).
- ↑ A voz longínqua de um romance de Clarice. In: desenhares.wordpress.com. Abgerufen am 20. November 2025 (portugiesisch).
- ↑ smago! exklusiv: Alle Preisträger der smago! Award Verleihung vom 13.01.2019! smago.de, 13. Januar 2019, abgerufen am 16. Januar 2019.