Marta Kubišová

Marta Kubišová (* 1. November 1942 in Böhmisch Budweis (heute České Budějovice)) ist eine tschechische Sängerin. Sie hat etwa 200 Lieder und eine LP Songy a Balady (1969) aufgenommen. Als entschlossene Gegnerin des totalitären Regimes wurde sie zwei Jahrzehnte lang, in den 70er und 80er Jahren, verfolgt.

Leben und Wirken

Ihr Lied Modlitba pro Martu (Ein Gebet für Marta) wurde zum Symbol des Widerstandes in der Zeit nach dem am 21. August 1968 erfolgten Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR zur Niederschlagung des Prager Frühlings.

Im Jahr 1970 hat sie das Regime mit Aufrittverbot belegt. U. a. mit falsifizierten pornografische Aufnahmen, die sie mit Alexander Dubček abbilden sollten, versuchte es auch ihren Ruf zu schädigen.[1][2]

Sie schlug sich fortan als Hilfsarbeiterin und später u. a. als Schreibkraft in einem Baubetrieb durch.[1][2] Kubišová hat die Charta 77 als eine der ersten unterschrieben. Von 21. September 1977 bis zum 6. November 1978 war sie der dritte Sprecher (tschechisch mluvčí) der Charta.[2]

Am 10. Dezember 1988, dem Tag der Menschenrechte, sang sie die Hymne Kde domov můj als Protestlied, in ihrem erster öffentlicher Auftritt nach Jahren der Verbannung, als Abschluss einer Kundgebung unabhängiger Bewegungen auf Škroupovo náměstí (Škroup-Platz) in Prag-Žižkov. Die kommunistischen Machthaber hatten die Kundgebung dank eines Besuchs des französischen Präsidenten François Mitterrand genehmigt. Unabhängige Bewegungen durften erstmals seit Beginn der „Normalisierung“ eine öffentliche Kundgebung abhalten, zum 40. Jahrestag der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die offizielle Zeitung der regierenden KPČ, Rudé právo, kommentierte: „die Redner behaupteten demagogisch, die Bürger misstrauten dem Staat und forderten die Freilassung angeblicher politischer Gefangener.“ Danach erlaubten die Behörden keine ähnlichen Veranstaltungen mehr.[3]

Am 22. November 1989, während der Samtenen Revolution, sang Kubišová das Gebet für Martha und die tschechoslowakische Nationalhymne von einem Balkon auf dem Wenzelsplatz. Sie konnte dann, erst nach dem Fall des Regimes wieder frei auftreten.[2][4] Die Neuauflage von Songy a Balady erschien, und sie kehrte ins Studio und auf die Bühne zurück. Sie widersetzte sich zwei Jahrzehnte lang den totalitären Regime und gilt als Symbol für Mut und Entschlossenheit.[1][2]

1999 wurde der Asteroid (6700) Kubišová nach ihr benannt. Seit 2012 ist sie Mitglied der Französischen Ehrenlegion.[5]

Im September 2025 kündigte sie ihren letzten öffentlichen Auftritt an.[6]

Diskografie

  • Songy a balady (1969, 1970, 1989, 1990, 1996)
  • Lampa (1990)
  • Adventní písně a koledy (1990)
  • Někdy si zpívám (1991)
  • Songy a nálady (1993)
  • Řeka vůní (1995)
  • Bůh ví… (1996)
  • Singly 1 (1996)
  • Nechte zvony znít (Singly 2) (1997)
  • Vánoce s Martou Kubišovou (1997)
  • Dejte mi kousek louky (Singly 3) (1998)
  • Modlitba (Singly 4) (1999)
  • Síň slávy (1999)
  • Marta Kubišová v Ungeltu (1999)
  • Tajga blues (Singly 5) (2000)
  • Já jsem já (2004)
  • Příběh (2004)
  • Vítej, lásko (2005)
  • Příběh (2008, DVD)
  • Zlatá šedesátá (2012, 6 CDs)
  • Soul (2016)

Filmografie

  • Vysílá studio A (TV 1964–1966)
  • Revue na scestí (TV 1966)
  • Mučedníci lásky (1966)
  • Jak se krade milión (1967)
  • Píseň pro Rudolfa III. (TV 1967–1968)
  • Náhrdelník melancholie (TV 1968)
  • Kulhavý ďábel (1968)
  • Bylo čtvrt a bude půl (1968)
  • Gramohit 68 (TV 1968)
  • Proudy lásku odnesou (TV 1969)
  • Vražda ing. Čerta (1970)
  • Eine Revue für den Thronfolger (TV 1970)
  • Zvláštní bytosti (1990)
  • Hodnota tváře (1992)
  • Stalo se na podzim (TV 1994)
  • Noční hovory s matkou (1999)
  • Zpověď Ungelt (2000)
  • Zdivočelá země II (2001)
  • Kameňák 2 (2004)
  • Pátrání po Ester (2005)

Doku

Commons: Marta Kubišová – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Marta Kubišová im Biografischen Lexikon der Bundesstiftung Aufarbeitung
  2. a b c d e Doku von Olga Sommerová (2014), siehe Filmografie
  3. Škroupovo náměstí 1988. Disidenti poprvé promluvili na povolené demonstraci (Škroup-Platz 1988. Dissidenten sprachen zum ersten Mal auf einer erlaubten Demonstration), čtk 10. Dezember 2018
  4. Martina Schneibergová: Zum 80. Geburtstag: Gedenkbanknote mit Sängerin Marta Kubišová. In: Radio Praha International. Český rozhlas, 1. November 2022, abgerufen am 19. September 2025.
  5. focus-online.de: Leute: Sängerin und Kämpferin Marta Kubisova wird 70. 1. November 2012. Abgerufen am 5. Dezember 2013.
  6. Ferdinand Hauser: Tschechische Sängerin Marta Kubišová kündigt an, nicht mehr öffentlich aufzutreten. In: Radio Praha International. Český rozhlas, 19. September 2025, abgerufen am 19. September 2025.