Heinrich von Berenberg

Johann Heinrich Freiherr von Berenberg-Gossler (* 4. Februar 1950 in Hamburg-Niendorf) ist ein deutscher Verleger und literarischer Übersetzer.

Leben

Heinrich von Berenberg entstammt dem Hanseatengeschlecht Berenberg-Gossler. Sein Vater war der Bankier Heinrich Freiherr von Berenberg-Gossler (1909–1997), seine Mutter Irmela Freifrau von Berenberg-Gossler (1913–2014). Er hat eine jüngere Schwester Clarita, verehelichte Gräfin von Bernstorff. Berenberg legte das Abitur an der Schule Schloss Salem ab, absolvierte ein Bankpraktikum in London und erwarb mit einer Arbeit über den Roman Das Beil von Wandsbek von Arnold Zweig den Magistergrad der Universität Hamburg.[1] Nach eigenen Angaben lehrte er im Jahr 1974 dort Germanistik.[2] 1979 übersetzte er für den Attica Verlag des Juristen Kurt Groenewold eine Whistleblowergeschichte der CIA.[3] Ebenfalls vermittelt durch Groenewold stieg er Anfang der 1980er Jahre als Teilhaber und Lektor beim Verlag Syndikat in Frankfurt ein. Der Konkurs kostete ihn einen erheblichen Teil seines Privatvermögens.[4] Anschließend arbeitete er bis 1994 für den Verlag Klaus Wagenbach, seine Nachfolge übernahm Ludger Jorißen. Berenberg blieb dem Verlag als Herausgeber der Zeitschrift Freibeuter bis zur letzten Nummer (80/1999) verbunden. In Format und Gestaltung des Freibeuters erschien 2000 eine Festschrift zu seinem 50. Geburtstag. 2004 gründete er in Berlin gemeinsam mit seiner Ehefrau den Berenberg Verlag, der zum 31. März 2026 seine Geschäftstätigkeit einstellt.

Publikationen

Monographien

  • Heinrich von Berenberg im Gespräch – ich bin kein Herdenmensch. Hrsg.: Matthias Bormuth. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2021.
  • Vom Stemmen der Gewichte. News and Letters. Berenberg, Berlin 2025, ISBN 978-3-911327-07-7.

Anthologien

  • mit Ignacio Echevarría, Claudio López Lamadrid: Spanische Reise. Ein literarischer Führer durch das heutige Spanien. Wagenbach, Berlin 1987, ISBN 3-8031-0155-7.
  • mit Klaus Wagenbach: Deutsche demokratische Reise. Ein literarischer Reiseführer durch die DDR. Wagenbach, Berlin 1989, ISBN 3-8031-0171-9.
  • Der eiserne Besen. Eine Innenansicht des heutigen England. Wagenbach, Berlin 1989, ISBN 3-8031-2165-5.
  • Spanische Liebesgeschichten. Wagenbach, Berlin 1993, ISBN 3-8031-1135-8.
  • Freibeuters Lockbuch. Wagenbach, Berlin [ca. 1994], ISBN 3-8031-3028-X.
  • mit Antje Kunstmann: Längst fällig. 37 notwendige Verbote. Kunstmann, München 1996, ISBN 3-88897-169-1.
  • Luis Buñuel: Objekte der Begierde. Wagenbach, Berlin 2000, ISBN 3-8031-2360-7.

Übersetzungen

  • Javier Tomeo: Zoopathologie. Wagenbach, Berlin 1994, ISBN 3-8031-3572-9.
  • Javier Tomeo: Unterhaltung in D-Dur. Roman. Wagenbach, Berlin 1995, ISBN 3-8031-3111-1.
  • Javier Tomeo: Das Verbrechen im Orientkino. Wagenbach, Berlin 1996, ISBN 3-8031-3121-9.
  • Roberto Bolaño: Die Naziliteratur in Amerika. Roman. Kunstmann, München 1999, ISBN 3-88897-212-4.
  • Roberto Bolaño: Amuleto. Roman. Kunstmann, München 2002, ISBN 3-88897-307-4.
  • Roberto Bolaño: Die wilden Detektive. Roman. Hanser, München/Wien 2002, ISBN 3-446-20125-4.
  • Roberto Bolaño: Chilenisches Nachtstück. Roman. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-20822-3.
  • Javier Tomeo: Hotel der verlorenen Schritte. Erzählungen. Wagenbach, Berlin 2007, ISBN 978-3-8031-1241-5.
  • Roberto Bolaño: Exil im Niemandsland. Fragmente einer Autobiographie. Berenberg, Berlin 2008, ISBN 978-3-937834-26-9 (gemeinsam mit Kirsten Brandt).
  • Javier Tomeo: Die Silikonliebhaber. Roman. Wagenbach, Berlin 2010, ISBN 978-3-8031-3228-4.
  • Damián Tabarovsky: Medizinische Autobiographie. Berenberg, Berlin 2010, ISBN 978-3-937834-41-2.
  • Roberto Bolaño: Die romantischen Hunde. Gedichte. Hanser, München 2017, ISBN 978-3-446-24466-5 (gemeinsam mit Christian Hansen).
  • Roberto Bolaño: Monsieur Pain. Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-10-397418-8.
  • Cristina Peri Rossi: Playstation. Anthologie. Berenberg, Berlin 2024, ISBN 978-3-949203-99-2.

Einzelnachweise

  1. Clarita v. Bernstorff: Hanning - ein großer Bruder. In: Verlag Klaus Wagenbach (Hrsg.): „Und dann geschah etwas ganz Furchtbares...“ Für Heinrich zum Fünfzigsten. 1. Auflage. Privatdruck, Berlin 4. Februar 2000, S. 7–13.
  2. Heinrich Berenberg-Gossler, Hans-Harald Müller, Joachim Stosch: Das Lehrstück - Rekonstruktion einer Theorie oder Fortsetzung eines Lernprozesses? In: Joachim Dyck, Heinrich Gossler, Hans-Peter Hermann, Jan Knopf, Hans-Harald Müller, Carl Pietzcker, Rüdiger Steinlein, Joachim Stosch (Hrsg.): Brechtdiskussion. 1. Auflage. Scriptor Taschenbücher, S 37. Scriptor, Kronberg/Taunus 1974, ISBN 3-589-20015-4, S. 121–171, Autorenangaben S. U 4.
  3. Philip Agee: CIA intern. Tagebuch 1956-1974. Aus dem Englischen übersetzt von Heinrich Berenberg-Gossler und Thomas Schmid. 1. Auflage. Attica, Hamburg 1979, ISBN 978-3-88235-006-7.
  4. Kurt Groenewold: Die Europäische Verlagsanstalt 1979-1983. In: Sabine Groenewold (Hrsg.): „Mit Lizenz“. Geschichte der Europäischen Verlagsanstalt 1946-1996. 1. Auflage. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1996, ISBN 3-434-50095-2, S. 135–169, hier S. 143.