Heilig-Geist-Kirche (Lemwerder)

Die Heilig-Geist-Kirche in Lemwerder im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Heilig-Geist-Gemeinde.[1] Sie gehört zum Dekanat Delmenhorst im Bistum Münster. Das Gotteshaus ist ein moderner Backsteinbau mit freistehendem Turm und bietet 260 Gläubigen Platz.

Geschichte

1934 entstand in dem am linken Ufer der Weser gelegenen Ort Lemwerder die Fabrik Weser-Flugzeugbau. Weil viele neue Arbeitskräfte benötigt wurden, siedelten sich in dieser Region zahlreiche Familien an. Die Katholiken besuchten meistens die Gottesdienste in der ca. 16 km entfernt liegenden Pfarrei St. Marien in Delmenhorst, weil man für den Weg zu den nähergelegenen Kirchen in Bremen-Blumenthal oder Bremen-Vegesack eine Weserfähre benutzen musste. Als Notkirche wurde zunächst ein ehemaliges HJ-Heim in Lemwerder als Kapelle hergerichtet und 1945 dem Heiligen Geist geweiht. Die Gottesdienste feierte ein ortsansässiger Geistlicher mit den Gläubigen. 1948 wurde der Seelsorgebezirk zu einem Pfarrrektorat erhoben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Tausende von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten ins Oldenburger Land, so dass 1949 fast 1.400 Katholiken im Seelsorgebezirk Lemwerder lebten und der Platz in der Notkirche nicht mehr ausreichte. Wegen der viel zu weiten Wege zu den nächstgelegenen Pfarreien mussten viele Gottesdienste in evangelischen Kirchen oder in evangelischen Schulen in den benachbarten Ortschaften stattfinden. Daher wünschten sich die Gläubigen ein eigenes Gotteshaus.

Nach den Plänen des Architekten Ludger Sunder-Plaßmann (Cloppenburg) wurde in den Jahren 1956/58 die Heilig-Geist-Kirche als Backsteinbau im Stil der Moderne sowie ein 30 Meter hoher Glockenturm in Lemwerder errichtet. Die feierliche Konsekration erfolgte am 23. März 1958 durch Weihbischof Heinrich Baaken. Die Jugendorganisationen des Offizialatsbezirks Oldenburg bzw. der Diözese Münster hatten den Kirchenbau wesentlich gefördert.

Die Gebäude der Gemeinde stehen direkt neben dem Gotteshaus und sind das Pfarrhaus von 1962 sowie das 1988/89 erbaute Pfarrheim (mit Bücherei). Die Katholiken in dem zur Kirchengemeinde Lemwerder gehörenden Ort Berne nutzen die dortige 1956 ebenfalls von Ludger Sunder-Plaßmann entworfene Marienkapelle mit 60 Sitzplätzen.[2]

Das Pfarrrektorat Lemwerder wurde 1964 nach der Abtrennung von St. Marien (Delmenhorst) eine eigenständige Pfarrei, die eng mit St. Marien (Hude) zusammenarbeitet und Mitglied der Pfarreiengemeinschaft Delmenhorst ist. Am 1. Januar 2024 schlossen sich die katholischen Gemeinden St. Marien (Delmenhorst), Heilig Geist (Lemwerder), St. Marien (Hude), St. Paulus (Stuhr-Moordeich), St. Vinzenz Pallotti (Bad Zwischenahn), St. Josef (Oldenburg), St. Willehad (Oldenburg) und St. Marien (Oldenburg) zusammen zum Katholischen Kirchenverband „Pastoraler Raum Oldenburg-Delmenhorst“ mit Sitz in Oldenburg.[3]

Glocken

Im Backsteinturm der Heilig-Geist-Kirche hängen die folgenden drei Glocken aus Gussstahl:

  • Glocke 1: Schlagton: gis1; Ø 104,5 cm; Gießerei: Bochumer Verein; Gussjahr: 1958
  • Glocke 2: Schlagton: h1; Ø 87 cm; Gießerei: Bochumer Verein; Gussjahr: 1958
  • Glocke 3: Schlagton: cis2; Ø 78 cm; Gießerei: Bochumer Verein; Gussjahr: 1958[4]

Orgel

Herbert Kruse (Lohne) baute 1958 die erste Orgel (II+P/16) für die Heilig-Geist-Kirche. Eine Reinigung und Überholung des Instruments fand 1992 durch die Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven) statt. Claus Sebastian (Geesthacht) reinigte und überholte die Orgel 2007 erneut. Die von Alfred Führer 1963 für die inzwischen profanierte Kirche St. Bonifatius in Oldenburg-Donnerschwee gebaute Orgel (II+P/19) wurde 2025 durch die Manufaktur Stefan Peters (Glandorf) in der Heilig-Geist-Kirche aufgestellt und generalüberholt.

Die 2025 in Lemwerder aufgebaute Schleifladen-Orgel von 1963 hat 19 Register und besitzt ein Hauptwerk (C - g3) und ein Brustwerk (C - g3) sowie ein Pedal (C - f1) und einen Zimbelstern. Die Spieltraktur und die Registertraktur sind mechanisch.[5]

Literatur

  • Willi Baumann, Peter Sieve (Hrsg.): Die katholische Kirche im Oldenburger Land: Ein Handbuch. Plaggenborg Verlag, Vechta 1995, ISBN 3-929358-99-9.
  • Ulrich Menkhaus (Red.): Das Bistum Münster, Bd. 3: Die Pfarrgemeinden. Regensberg, Münster 1993, ISBN 3-7923-064-68.
  • Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land, Band III. Kirchenkreise Oldenburg 1 und 2. Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1988, ISBN 3-87358-29-88.
Commons: Heilig-Geist-Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Clement Akinseloyin: Gotteshäuser der Gemeinde Lemwerder. In: Lemwerder (Heilig Geist): Katholische Kirche in Berne und Lemwerder. 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  2. Ulrich Menkhaus (Red.): Das Bistum Münster, Bd. 3: Die Pfarrgemeinden. Regensberg, Münster 1993, ISBN 3-7923-0646-8, S. 778–779.
  3. Offizialatsarchiv Vechta: Delmenhorst, St. Marien. In: Matricula Online. 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  4. Willi Baumann, Peter Sieve: Die Dekanate und Kirchengemeinden im Offizialatsbezirk Oldenburg. In: Willi Baumann, Peter Sieve (Hrsg.): Die katholische Kirche im Oldenburger Land: Ein Handbuch. Plaggenborg Verlag, Vechta 1995, ISBN 3-929358-99-9, S. 522–524.
  5. Gabriel Isenberg: Lemwerder: Kath. Pfarrkirche Heilig Geist. In: Orgeln im Oldenburger Land. 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.

Koordinaten: 53° 9′ 32,9″ N, 8° 36′ 48″ O