Hauspelz

Ein Hauspelz, historisch auch (Pelz-)Hausrock, war ein in Wohnräumen zu tragender Mantel oder Jacke, ausgestattet mit einem Fellinnenfutter oder, ebenso bezeichnet, sehr oft nur mit einer Pelzverbrämung.[2] In Zeiten meist weniger beheizter Wohnräume war er eine wärmende Winterbekleidung für Männer und Frauen. Ein Vorläufer war der im Büro getragene Comptoirpelz, nachgefolgt vom Pelz-Hausrock und dem Pelz-Schlafrock.[3]

Allgemein

Um den Beginn des 13. Jahrhunderts fanden Glasfenster eine erste Verbreitung. Als sie um 1600 allgemein üblicher und die Heizung effizienter wurde, war eine ganz besonders warme Kleidung für Innenräume meist weniger zwingend. Bademäntel waren in Deutschland schon seit dem Mittelalter bekannt. Im 19. Jahrhundert begann eine Mode spezieller Hauskleidung, die auch ein Fellfutter aufweisen konnte. Bis um 1900, als man in der Mode anfing Fellmäntel mit dem Haar nach außen zu tragen, wurde unter einem Pelz noch ein mit Fell ausgefüttertes Kleidungsstück verstanden, ein Hauspelz war dementsprechend ein pelzgefüttertes Hauskleidungsstück. Dieses konnte zusätzlich einen Besatz und auch eine Verbrämung aus Pelz aufweisen.[4]

Geschichte

Zur Kleidung der wohlhabenden Stände Englands ist um 1543/44 überliefert, dass das Futter für einen Morgenmantel aus „budge“, eine schwarze Lammfellart, 42 Pfund kostete.[4]

Eine besondere Rolle spielte der Hauspelz in der orientalischen Mode. Hauptsächlich wurden dafür Fuchsfelle verwendet, die zuvor zu Talums (Pelzfutter) zusammengesetzt wurden. Wer 1886 noch nicht zur europäischen Kleidung gewechselt war, trug diesen Pelz auch zum Ausgehen. Mit dieser Arbeit beschäftigten sich vor allem die Kürschner in den griechischen Orten Kastoria und Ochrid,[5] ersterer noch im 21. Jahrhundert ein Zentrum der Pelzverarbeitung.

Der Breslauer Kürschner M. Boden inserierte 1881 im Grottkauer Kreisblatt neben anderen speziellen Pelzen, „Comptoir- Haus- und Jagdpelzröcke von 10 Thaler an“, „Herren-Schlafpelze von 12 Thaler an“. Noch 1902 waren sie in seinem Sortiment, im Lubnitzer Kreisblatt wurden sie jetzt für 30 Mark angeboten, die Herren-Schlafpelze ab 36 Mark.[6][7]

Comptoirpelz

Comptoirpelze, pelzgefütterte Hausmäntel oder ‑jacken, waren in Zeiten oft nur kaum beheizter Arbeitsräume eine wärmende Modebekleidung der männlichen Büroangestellten und ihrer Vorgesetzten. Die Europäische Modezeitung aus dem Jahr 1852 propagierte einen „Comptoir-Anzug“ mit nur leicht tailliertem, eng anliegenden Jackett, das eine rundherum laufende schmale Pelzverbrämung aufwies. Der im Büro getragene Comptoir-Anzug mit einer Jacke mit seiner Pelzverbrämung kann vielleicht als ein Vorläufer des Pelz-Schlafrocks der Biedermeierzeit angesehen werden.[3]

Pelz-Hausrock

In der allgemeinen Männermode im 19. Jahrhundert waren mit Pelz gefütterte Mäntel in der Form des Redingotes im Bürgertum bereits verbreitet. Im bequemen Hausrock blieben Pelzfutter und ‑verbrämung weiter erhalten. Obwohl nicht neu, wurde der wärmende Schlafrock mit Pelzkragen und Manschetten geradezu zum Symbol der beschaulichen Biedermeierzeit. Eva Nienholdt schrieb, „die Künstler der Romantik mit ihrer retrospektiven Vorliebe für das Altdeutsche suchen, ihn durch größere Stofffülle und weiter ausladenden Pelzkragen ein wenig der Schaube des 16. Jahrhunderts anzugleichen“.[3.1] Zum pelzgefütterten Hausrock gehörte meist eine pelzumrandete Mütze.[3]

In einem Essay der Fliegenden Blätter, etwa 1851, trägt der Wirt in seiner Gaststätte einen Hauspelz mit grauem Nanking überzogen.[8] Der Radierer und Kupferstecher Nikolaus Heideloff bildete bereits in einer seiner 1794 bis 1803 erschienen Gallery of Fashion für den Januar einen französischen, mit weißem Fell verbrämten grauen Morgenmantel aus Satin ab, zusammen mit einer schulterlangen Stola mit schmalen Bändern aus weißem Pelz, deren Vorderenden fast bis zum Boden reichten.[9]

Die amerikanische Modeautorin R. Turner Wilcox zeichnete ein in die Mitte des 18. Jahrhunderts datiertes „negligee cloth“, ein langer, pelzgefütterter, taillierter Herrenmantel mit Pelzkragen und Manschetten, der mit für den für Hausmäntel oft typischen, im Englischen „Brandenburg fastenings“ genannten Posamentenschnüren geschlossen wurde.[10][11]

Pelz-Schlafrock

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Hausrock zum eleganten Schlafrock. Statt der Pelzmanschetten erhielt er gewöhnlich Stoffaufschläge. Gibt es noch diverse Porträts von Personen im Schlafrock, so ließ sich in der ausschließlichen Negligékleidung kaum jemand mehr abbilden. Die pelzumrandete Nachtmütze blieb weiterhin erhalten.[3]

Literatur

„Reb Nechemjoh beschenkte ihn nicht nur mit guten Winterkleidern, sondern brachte ihm auch auf sein Verlangen von der Frankfurter Herbstmesse a Bels (einen Pelz) als Geschenk mit. Da es aber nur ein Schlaf- oder Hauspelz war, so war er nicht ganz zufrieden damit, denn er äußerte: ‚Ich hap kemeint e pische Duhch.‘ (Er meinte nämlich einen mit Tuch überzogenen Pelz für die Straße.)“

Aron Hirsch Heymann: Lebenserinnerungen (1909)[12]

„Wenn der Pelz oder Rock, den Jemand auf der Reise zu tragen pflegte, zum Hauspelz oder Schlafrock degradirt wird, so ist er nun auf einmal Lex rei sitae unterworfen, und wird er von einem geschickten Kürschner oder Schneider wieder ‚reisefähig‘ gemacht, so unterliegt er wieder einer ganz anderen Behandlung. Wenn der Reisepelz gestohlen wird, so vindicirt ihn consequent der Eigenthümer nach Massgabe seiner Lex domicilii; wird der Schlafrock gestohlen, von dem Diebe in ein anderes Rechtsgebiet gebracht und dort gegen einen dritten Besitzer vindicirt, so kann dieser sich auf die Beschränkungen der Vindication berufen, welche am nunmehrigen Orte der Sache gelten. Man sieht wohl, dass solche Unterscheidung juristisch unhaltbar ist und dass eher noch die alte Regel ‚Mobilia personam sequantur‘ in vollem Umfang zulässig sein würde.“

L. v. Bar: Theorie und Praxis des internationalen Privatrechts (1898)[13]

„Herr von Nußbaum saß in einem großen Lehnstuhle, ein kostbarer Hauspelz hüllte seinen langen, hageren Körper ein. Die Füße staken in Pelzstiefeln, eine Pelzmütze bedeckte den Kopf und eine Pelzkravatte legte sich weich um seinen dürren Hals; der ganze Mann war von Pelz umgeben. Und doch fror ihn, er mußte längst im Bette liegen; – die kleinste Abweichung von seinen Gewohnheiten machte ihn krank.“

G. Hirschfeld: Die Tochter des Sträflings (1875)[14]

„Bald verachtete man, wie der türkische Geschichtsschreiber Kotschibey mit Unwillen anmerkt, die einfache Kleidung der Vorfahren. Jedermann strebte danach, dreierlei Pelzwerk zu besitzen; einen Hauspelz im Hause, einen Herrenpelz in Halbgala, einen Staatspelz bei Hofe anziehen zu können. Manchem mögen diese Symptome geringfügig erscheinen, aber sie gewinnen dadurch Bedeutung, daß ihnen allen die gemeinsame Thatsache beginnender Auflösung zu Grunde liegt. Sie beweisen, daß die Nachkommen Osmans den Einflüssen erlagen, welche die Tradition und die physische Beschaffenheit der eroberten Länder mit sich brachte.“

Karl Mendelssohn Bartholdy: Die Geschichte Griechenlands von der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453 bis auf unsere Tage (1870)[15]
Commons: Hausmäntel mit Pelz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Detlef Stapf: Caspar David Friedrich - Die Biographie. www.wallos-kulturschock.de, 6. September 2019. Abgerufen am 10. Dezember 2025.
  2. Eva Nienholdt: Pelzmden des 20. Jahrhunderts, Kapitel VIII der Beitragsfolge Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe Nr. 5, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., 1957, S. 217.
  3. a b c d Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 19. Jahrhunderts. Kapitel VII der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe Nr. 2, 1957, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin/Leipzig, S. 84.
    1. Wilh. Gottfried Bauer, Bildnis des Theologen Christoph Friedr. Enke, 1824, Leipzig. Privatbesitz (grüner Hausrock mit schwarzem Ziegenpelzkragen), Kurzwelly, Taf. 133 – Eduard v. Heuß, Bildnis Friedr. Overbeck, Berliner Nationalgalerie, Der stille Garten, Abb. 12.
  4. a b Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 144–145 (englisch).
  5. F. Rohnstock: Volkswirthschaftliche Studien über die Türkei. Commissionsverlag der G. Heinzeschen Buchhandlung, poln. Wartenberg, 1886, S. 170.
  6. Das große Pelzwaaren-Lager von Kürschner-Meister M. Boden, Breslau (Inserat 1884).
  7. M. Boden, das große Pelzwaaren-Lager, Breslau (Inserat 1902)
  8. [1]Münchhausens selige Erben. Böttner, Wehncke und Consorten In: Fliegende Blätter Nr. 325, 14. Band, Verlag Braun & Schneider, München, etwa 1891, S. 100.
  9. Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 86 (englisch).
  10. R. Turner Wilcox: The Mode in Furs. Charles Scribner Son's, New York und London, 1951, S. 108 (englisch).
  11. Sigrid Flamand Christensen: Mantel. In: Die männliche Kleidung in der süddeutschen Renaissance. De Gruyter Brill, 1934, abgerufen am 22. November 2025.
  12. [2] Aron Hirsch Heymann, geb. zu Strausberg am 10. April 1803, 18. Nissan 5563, gestorben zu Berlin am 19. Oktober 1880. Digitalisiert 2010, University of Toronto. S. 165
  13. L. v. Bar: Theorie und Praxis des internationalen Privatrechts 2. umgearbeitete Auflage, Hahn'sche Buchhandlung, 1898, S. 608, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  14. G. Hirschfeld: Die Tochter des Sträflings. In: S. Zickel's deutsch-amerikanische Familien-blätter, Band 3, 1875, S. 319. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  15. [3] Verlag S. Hirzel, Leipzig, S. 61.