Haus Götterswick

Das Haus Götterswick ist eine Burg im Voerder Stadtteil Götterswickerhamm.

Baubeschreibung

Von der mittelalterlichen Niederungsburg Götterswick ist als barocker Wiederaufbau in Gestalt einer zweigeschossigen Winkelanlage die Hauptburg erhalten und in weißgeschlämmtem Backstein ausgeführt. Ebenfalls erhalten sind der ehemalige Burghof, Fundamentreste ehemaliger Ecktürme sowie längere Abschnitte des ehemaligen Wehrgrabens.

Geschichte

Der Sage nach geht das Haus Götterswick auf einen fränkischen Ritter Godert zurück. Aus einem befestigten Haus entstand es als Wasserburg und Stammsitz der Edelherren von Götterswick. Als deren erster Vertreter wurde 1192 und 1201 ein Everwin von Götterwick (* um 1165; † nach 1202) urkundlich erwähnt. Dieser zählte zu den uradeligen Rittern am Niederrhein und war im deutschen Thronstreit ein Gefolgsmann des römisch-deutschen Königs Otto IV. Bereits im 10. Jahrhundert könnte die heute Evangelische Kirche Götterswickerhamm als Eigenkirche der Herren von Götterswick dem Hl. Nikodemus geweiht worden sein. Der Herrschaftsbereich der Herren von Götterswick reichte bis nach Hiesfeld, wo sie ebenfalls den Bau einer Kirche betrieben. In der Mitte des 14. Jahrhunderts fiel die Herrschaft Götterswick unter die Lehnshoheit des Herzogtums Kleve. Fortan bekleideten die Götterwicks Funktionen im Dienstadel Kleves, so auch das Amt eines Drosten von Dinslaken. Mit Everwin V. von Götterswick, (1397–1454) trat 1421 das Adelsgeschlecht Götterswick durch Erbschaft die Herrschaft in der Grafschaft Bentheim an, wo es sich bald in die Linien Bentheim-Bentheim und Bentheim-Steinfurt spaltete.

Bereits 1344 wurde als neuer Besitzer des Hauses Götterswick der Ritter Johann von Loete genannt, der Besitzer von Haus Voerde und Gefolgsmann der Herzöge von Kleve. Vorübergehend im Besitz des Rittergeschlechts Proydt befindlich, fiel das Haus Götterswick 1414 an die Familie von Loete zurück, ehe es durch Heirat in der Mitte des 16. Jahrhunderts an die adelige Familie Diepenbrock kam.

Die zu Beginn der Neuzeit dreiflügelige, von Wasser umgebene Burg Götterswick wurde im Spanischen Winter 1598/99 von marodierenden Truppen des spanischen Admirals Francisco de Mendoza geplündert und niedergebrannt. Das Haus blieb lange Ruine und wechselte 1640 in den Besitz der Familie von Franz Mumm von Schwarzenstein, welcher es 1641 als klevisches Lehen erhielt.[1] Dessen Witwe Anna von Geldern begann, das Haus für ihren Sohn Reinhard Maximilian herzurichten, während dieser als junger Offizier in den Türkenkriegen für die Habsburger focht. 1668 erlitt das teilweise wiederaufgebaute Haus einen Feuerschaden.

Da die Familie von Mumm nach dem Tod Reinhard Maximilians (1703) das mit Schulden belastete Haus nicht mehr halten konnte, erwarb es der Neffe Johann Georg von Loen. Dieser und dessen Nachfolger Johann Bernhard von Loen ließen das Haus einschließlich eines neuen Nebengebäudes in schlichten Grundformen wieder aufbauen. Schlusssteine von 1722 und 1725 markieren Abschlüsse von wichtigen Bauphasen. 1741 kam es zwischen Loen und Johann Ludwig von Plettenberg zu einem 25-jährigen Streit um Ansprüche auf das Haus.

Im Jahr 1800 wurde es verkauft. 1806 wurde darin die Mairie Götterwickerhamm eingerichtet, eine lokale Verwaltungseinheit des Großherzogtums Berg. Danach diente es der preußischen Bürgermeisterei als Amts- und Wohnhaus des Bürgermeisters. Am 1. Dezember 1853 erwarb es die örtliche Kirchengemeinde mit den verbliebenen Nebengebäuden und Land für 5400 Taler. 1959/1960 renovierte sie es, bis zum Jahr 2011 nutzte sie es als Pfarrhaus. Nach Sanierungsarbeiten wird Haus Götterswick heute als privates Wohnhaus genutzt.

Literatur

  • Walter Neuse: Die Geschichte der Gemeinde Götterswickerhamm, Kreis Dinslaken. Neustadt/Aisch 1971.
  • Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Duisburg und der Kreise Mülheim a. d. Ruhr und Ruhrort (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 2/II). Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1893, S. 222 (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. Anton Fahne: Chroniken und Urkundenbücher hervorragender Geschlechter, Stifter und Klöster. J. M. Heberle (H. Lempertz Söhne), Köln 1876, S. 407, Nr. 451, 452, 454 (Google Books, Digitalisat)

Koordinaten: 51° 34′ 51,4″ N, 6° 39′ 48,9″ O