Harding Meyer (Künstler)
Harding Meyer (* 1964 in Porto Alegre) ist ein Maler des 21. Jahrhunderts, der für seine großformatigen, medial geprägten Porträts bekannt ist. Er lebt und arbeitet in Karlsruhe und Berlin und gilt als ein bedeutender Vertreter des Realismus im Bereich der konzeptuellen Malerei.[1][2]
Leben und Werdegang
Harding Meyer wurde 1964 als Sohn des evangelisch-lutherischen Theologen Harding Meyer in Porto Alegre geboren. Seine künstlerische Ausbildung fand in Deutschland statt: Von 1987 bis 1993 studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei den Professoren Max Kaminski und Helmut Dorner. Ab 1993 war Harding Meyer Meisterschüler bei Helmut Dorner.[2]
Auszeichnungen und Karriere
Für seine Arbeit wurde Meyer 1999 mit dem Werner-Stober-Preis ausgezeichnet.[3] Die damit verbundene Ausstellung fand im Jahr 2000 im Badischen Kunstverein in Karlsruhe statt.
Werk
Thema Harding Meyers ist die Auseinandersetzung mit der menschlichen Physiognomie und deren malerische Darstellung. Er fokussiert sich fast ausschließlich auf das menschliche Gesicht, das er in der Regel in großformatigen Nahaufnahmen präsentiert. Die Porträts sind meist beschnitten, weisen oft keinen gestalteten Hintergrund auf und bleiben in der Regel unbetitelt.[4]
Meyer selbst distanziert sich von der Bezeichnung seiner Werke als klassische Porträts, da es ihm nicht um die Abbildung einer bestimmten Person geht. Stattdessen spricht er von Gesichtern, deren Anonymität es ihm erlaube, frei zu arbeiten und den Betrachter emotional anzusprechen.[5] Diese Unterscheidung zwischen „Porträt“ und „Gesicht“ äußerte Meyer unter anderem in einem Interview anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Frey in Wien.
Künstlerische Methode
Meyer nutzt als Ausgangsmaterial für seine Gemälde Fotografien aus Massenmedien (Zeitschriften, Fernsehen, Internet), die er aus ihrem ursprünglichen, kontextuellen Zusammenhang löst.[2]
Der Malstil kombiniert eine fotorealistische Anmutung mit einer markanten, abstrakten Pinselführung und dem gezielten Einsatz von Spachtelschabungen in der oberen Farbschicht. Diese Technik erzeugt einen „Schleier“ oder eine Unschärfe, die die Gesichter undurchdringlich und präsent zugleich wirken lässt. Im Malduktus spiegeln sich oft die Streifen des Fernsehbildes oder die Pixel eines digitalen Fotos wider. Der langwierige Malprozess, der Monate in Anspruch nehmen kann, überführt das mediale Stereotyp in ein gemaltes, anonymisiertes Individuum.[1] Die Gemälde sind weniger Porträts im klassischen Sinne, als vielmehr Sinnbilder für das moderne, mediale Menschenbild. Sie thematisieren Fragen der Identität, der Wahrnehmung und der Anonymität in der visuellen Bilderflut der Gegenwart.
Neben der Malerei arbeitet Meyer auch multimedial und konzeptuell, etwa mit collagierten Fotografien, um seine Auseinandersetzung mit der medialen Konstruktion des Gesichts zu vertiefen.[6]
Im Jahr 2000 besprach die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) seine Ausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe mit dem Titel „Ohne Worte: Schweigend machen Talkshow-Gäste eine gute Figur“.[7] Die FAZ berichtete über seine Teilnahme an Kunstmessen, beispielsweise in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung anlässlich der Art Frankfurt (2001)[8] und in der Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Art Cologne desselben Jahres.[9] Der Kunstkritiker Gerhard Charles Rump besprach seine Werke im Jahr 2006 in der Tageszeitung Die Welt unter dem Titel „Der Mensch im Überformat“.[10] Im Jahr 2008 wurde er in der Zeitung Der Tagesspiegel mit einem Porträt vorgestellt.[11]
Ausstellungen (Auswahl)
Harding Meyer hat an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen.[12]
- Einzelausstellungen
- 2019 Galerie Jahn, Landshut
- 2013 Eye to Eye: Portraits, Katara Art Center, Doha[13]
- 2011 to be a real vision, Galerie Voss, Düsseldorf
- 2010 Galerie Jarmuschek + Partner, Berlin
- 2009 blind date, Galerie Voss, Düsseldorf
- 2008 New Portraits, Lausberg Contemporary, Toronto, Kanada
- 2007 In sight, Galerie Voss, Düsseldorf
- 2007 Straight-faced, Galerie Robert Frey, Wien, Österreich
- 2000 Badischer Kunstverein, Karlsruhe
- Gruppenausstellungen
- 2012 Von Kopf bis Fuß - Porträts und Menschenbilder in der Sammlung Würth, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
- 2009 bildschön, Städtische Galerie Karlsruhe
- 2008 love, Palazzo Ducale, Genua, Italien
- 2007 Nuovo Realismi, 58. Premio Michetti, Italien
Literatur
- David Galloway Hrsg: Harding Meyer. Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2016, ISBN 978-3-7356-0272-5.
- Katalog zur Ausstellung blind date, Galerie Voss, Düsseldorf, 2009.
- Katalog zur Ausstellung to be a real vision, Galerie Voss, Düsseldorf, 2011.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b David Galloway Hrsg: Harding Meyer. Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2016, ISBN 978-3-7356-0272-5.
- ↑ a b c Biografie von Harding Meyer. Artnet, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Wo der Tod ist, ist Licht – über Harding Meyer. Kunstportal Baden-Württemberg, 7. September 2012, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Harding Meyer. Galerie Frey, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Künstler Harding Meyer in der Galerie Frey, Wien. Galerie Frey, 6. Mai 2022, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Harding Meyer. Features. Meer - Magazin für Kunst, 7. September 2012, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Ohne Worte: Schweigend machen Talkshow-Gäste eine gute Figur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Feuilleton). August 2000 (Besprechung zur Ausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe).
- ↑ Zeit ist Kunst und kostet 10 Mark. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. April 2001 (Berichterstattung zur Art Frankfurt).
- ↑ Lüthi, Polke, Immendorff – Auflagenwerke auf der Art Cologne. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. November 2001 (Berichterstattung zur Art Cologne).
- ↑ Gerhard Charles Rump: Der Mensch im Überformat. In: Die Welt. 5. August 2006, S. 19.
- ↑ Was ich mag. In: Der Tagesspiegel. 16. November 2008 (Porträt in der Rubrik „Was ich mag“).
- ↑ Harding Meyer – Ausstellungen. ARTWORKS.ART, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ A quick look at the new Eye to Eye exhibit at Katara. Doha News, 17. Mai 2013, abgerufen am 4. November 2025.