Hans Hermann Rosenhagen

Hans Hermann Rosenhagen (* 2. April 1901 in Treptow an der Rega, Landkreis Greifenberg i. Pom.; † nach 1938) war ein deutscher Politiker (NSDAP).

Leben

Rosenhagen besuchte das humanistische Gymnasium und legte 1920 das Abitur ab. Bis zum 1. Dezember 1931 war er als Zollbeamter tätig, zuletzt als Oberzollsekretär in Köslin.

Rosenhagen war nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1921 Angehöriger des Freikorps Roßbach. 1921 trat er der NSDAP und der SA in Pommern bei, verließ aber offenbar aus beruflichen Gründen beide wieder, um zum 1. April 1929 erneut der Partei beizutreten (Mitgliedsnummer 123.714),[1] was ihm einige berufliche Unannehmlichkeiten bereitete, da er schnell in der Partei Karriere machte. Die SA in Pommern bestand seit 1928, mit der ersten Einheit in Stettin unter Willy Behnke. Oberleiter der pommerschen SA war der damalige Zollbeamte Hans Lustig, bis zur so genannten Stennes-Revolte.

Rosenhagen nahm 1931 seinen Abschied aus dem Staatsdienst. Vom Sommer 1931 bis Sommer 1932 war er Gauschatzmeister und Gaugeschäftsführer der Gauleitung Pommern. 1932 unterstand ihm als SA-Standartenführer (Oberst) in Stettin die SA in Hinterpommern. Rosenhagen war dann zeitweise Führer der SA-Untergruppe Pommern Ost, die aus mehreren Regimentern (SA-Standarten) bestand. Sein Nachfolger hier wurde Ernst Schlange.

Im April 1932 wurde er als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis zum Ablauf der vierten Legislaturperiode 1933 angehörte, mit der Berufsbezeichnung Oberzollsekreatär a. D.[2] Im Parlament vertrat er den Wahlkreis 6 (Pommern/Köslin). Durch dauerhaften Geldmangel der paramilitärischen NSDAP-Einheiten vor der Machtübernahme 1933 stellte Rosenhagen sein Gehalt als Landtagsabgeordneter zur Verfügung.[3]

Nach Beginn der NS-Herrschaft wurde Rosenhagen in den Zolldienst zurückberufen,[4] war dann in Berlin zeitweise im Zoll-Ausbildungswesen tätig.

Von 1937 bis 1938 amtierte Rosenhagen als Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim. Das Landratsamt hatte er bereits seit Juni 1935 in Vertretung geleitet,[5] nach jüngeren Quellen seit 26. Mai 1935.[6]

Er machte sich im Bentheimer Land einen Namen durch seine starke Kirchenfeindlichkeit, die sich in der massiven Förderung der NS-Jugendarbeit und dem Kampf gegen die Ausrichtung der in der Grafschaft relativ starken Altreformierten auf die Niederlande und den Gebrauch des Niederländischen im Kirchenbereich sowie gegen die Bekennende Kirche und deren Grafschafter Aushängeschild, den Schüttorfer Pastor Friedrich Middendorff, manifestierte.

Im Mai 1938 wurde Hans Hermann Rosenhagen verhaftet und als Landrat abgesetzt. Gegen seinen Parteiausstoß legte er Widerspruch ein, der letztlich jedoch im Februar 1939 nur durch einen Parteiausschluss ersetzt wurde. Sein letzter Dienstgrad[7] war SA-Oberführer.

Sein weiteres Schicksal ab Ende 1939 ist bislang unbekannt.

Literatur

  • Ernst Kienast (Hrsg.): Handbuch für den Preußischen Landtag. Ausgabe für die 4. Wahlperiode. R. v. Decker’s Verlag (G. Schenck), Berlin 1932, S. 478.
  • Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Droste, Düsseldorf 1960, ISSN 0522-6643, S. 375.
  • Dirk Alvermann: Baltische Studien. 2007. Verlag Ludwig, Kiel 2007, ISSN 0067-3099, S. 124.
  • Helmut Lensing: Die Beseitigung des Niederländischen als Kirchensprache in der altreformierten Kirche der Grafschaft Bentheim durch den NS-Staat 1936 – 1939. In: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte Hrsg.: Emsländische Geschichte, Band 15, Haselünne 2008, ISSN 0947-8582, S. 237–287.
  • Helmut Lensing: Der reformierte Bekenntnispastor Friedrich Middendorff und der „Kirchenkampf“ in Schüttorf, In: Osnabrücker Mitteilungen. Band 114, Osnabrück 2009, ISSN 0474-8158, S. 147–192.

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv (BArch) R 9361-VIII KARTEI/17380273.
  2. Vgl. Berliner Adreßbuch. 1933. Unter Benutzung amtlicher Quellen. Teil III: Behörden-Preußischer Landtag, Verlag August Scherl GmbH, Berlin, Dezember 1932, S. 17.
  3. Unpagniert: In: Kyra T. Inachin: Die Geschichte Pommerns. Abt. Pommern in der Weimarer Republik-Nationalsozialistische Diktatur und Zweiter Weltkrieg. Auflage-Online-Ressource, Hinstorff, Rostock 2008. ISBN 978-3-356-01629-1.
  4. Cuno Horkenbach: Das Deutsche Reich von 1918 bis heute. Teil: 1. 2. Berichtshefte: 1933, Verlag für Presse, Wirtschaft u. Politik, Berlin 1934, DNB 366229699, S. 123.
  5. Rolf Jehke-Herdecke: Landkreis Grafschaft Bentheim. In: Territorial.de: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874-1945. Stand. 11. August 2006, abgerufen am 12. Januar 2026.
  6. Gerd Steinwascher: Gestapo Osnabrück meldet ... Polizei- und Regierungsberichte aus dem Regierungsbezirk Osnabrück aus den Jahren 1933 bis 1936. In: Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen. 36; Hrsg. Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Selbstverlag-Hrsg. Osnabrück 1995, ISBN 3-9803412-3-2, S. 29.
  7. Michael Rademacher: Wer war wer im Gau Weser-Ems. Die Amtsträger der NSDAP in Oldenburg, Bremen, Ostfriesland sowie die Region Osnabrück-Emsland. Überarbeitete Neuausgabe-Begleitband z. Diss. Univ. Osnabrück 2005, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2909-7, S. 339.