Hans Hengelein
Hans Hengelein (* 1955 in Lauf an der Pegnitz) ist ein deutscher Diplom-Psychologe und Aktivist der Schwulen- und Behindertenbewegung.
Leben und Wirken
Hans Hengelein ist Sohn des fränkischen Hopfen-Bauers und Dorfbürgermeisters von Dehnberg sowie Dorfsprechers (nach der Eingemeindung Dehnbergs nach Lauf an der Pegnitz 1976) Konrad Hengelein. Er wuchs mit seiner Zwillingsschwester Marlene Mortler auf.[1] Hengelein erkrankte im Alter von drei Jahren an Poliomyelitis, überlebte und nutzt seit 1976 einen Rollstuhl.[2] Im selben Jahr nahm er ein Psychologiestudium an der Universität Erlangen-Nürnberg auf, das er mit einer Diplomarbeit zum Thema „AIDS aus der Perspektive von Prostituierten. Psychologische Untersuchung“ am Institut für Psychologie abschloss.[3] Seit den 1970er-Jahren engagiert er sich in der Behinderten- und Krüppelbewegung.
Von 1984 bis 1987 war Hengelein Mitarbeiter bei der Bundestagsfraktion der Grünen, unter anderem im Arbeitsbereich des Abgeordneten Herbert Rusche.[4] Zwischen 1988 und 1991 leitete er bei der Deutschen Aidshilfe das Referat „Menschen mit HIV und AIDS“.[5]
Ab 1992 war Hengelein im niedersächsischen Sozialministerium tätig. Dort fungierte er als Referent für homosexuelle Lebensweisen, eine Stelle, die in der Öffentlichkeit oft als „Schwulenreferent“ oder auch zugespitzt als „Schwulenminister“ bezeichnet wurde.[6] Später übernahm er zusätzlich die Aufgaben des Landes-AIDS-Koordinators sowie des LGBTI-Bereichs und blieb bis zu seinem Ruhestand 2019 Referent im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.[7][8]
Er ist Ehrenmitglied der Aidshilfe Niedersachsen und Mitglied im Stiftungsrat der Akademie Waldschlösschen.[9]
In seinen Vorträgen thematisiert er Spannungen zwischen der Tabuisierung von Sexualität, insbesondere Homosexualität, in der Behindertenbewegung einerseits und der Glorifizierung normativer Körperbilder in der Schwulenbewegung andererseits.[10] Durch seine Mitwirkung an der Plakataktion „Selbstbewusst schwul – selbstbewusst behindert“ der Deutschen Aidshilfe, verband er früh die Themen Behinderung und sexuelle Identität. Auf Fachkonferenzen wie 2017 in Wien sprach er zur Intersektionalität von LGBTIQ und Behinderung.[11][12]
Hans Hengelein ist Gründungsmitglied der Studenteninitiative Behinderte (STIB) e.V. Erlangen, sowie Mitbegründer der Erlanger Schwulengruppe und außerdem Mitarbeiter der Schwulenzeitungen Rosa Flieder und Siegessäule.[13]
Publikationen (Auswahl)
- Parallelgesellschaften und die Konsequenz für die Gesundheitsförderung am Beispiel schwuler Männer. In: impu!se für Gesundheitsförderung, Nr. 55 (2. Quartal 2007), Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V., S. 13–14. (PDF)
- Homosexuality and Disability. European Conference on Homosexuality and Disability (Plenarvortrag, EuroGames), München, 30. Juli 2004.
- Körper, Behinderung und Alter(n) – Erfahrungen von LSBTI*-Personen, Vortrag: Berlin, 23. November 2023 (parlamentarisch dokumentiert).[14]
- Vortrag zum Internationalen Tag der Homo- und Transphobie am 17. Mai 2019 in Wolfenbüttel.[15]
- Trauerrede für Bernd Aretz. In: magazin.hiv, 20. Dezember 2018.[16]
Auszeichnungen
- 2006: Rosa Courage Preis für sein jahrzehntelanges Engagement in der Schwulenbewegung und Behindertenpolitik.[2]
Weblinks
- Hans Hengelein: Rosa Courage Preisträger 2006
- Hans Hengelein im Portrait der TAZ
Einzelnachweise
- ↑ Marlene Mortler. Bayerischer Verdienstorden, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ a b 2006 Preisträger Hans Hengelein | Rosa Courage. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Hans Hengelein: AIDS aus der Perspektive von Prostituierten. Psychologische Untersuchung am Institut für Psychologie, Universität Erlangen-Nürnberg. [unveröffentlicht]
- ↑ 2006 Preisträger Hans Hengelein | Rosa Courage. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Deutsche Aidshilfe: 30 Jahre Deutsche Aidshilfe
- ↑ Melissa Depping: 25 Jahre Schwulen-/LSBTI*-Referent Hans Hengelein. In: QNN. 3. Juli 2017, abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Feierliche Würdigung für das Lebenswerk: Aidshilfe Niedersachsen verlieh ihre 2. Ehrenmitgliedschaft an Hans Hengelein | Aidshilfe Niedersachsen LV e.V. 9. April 2021, abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Marie Busse: Todesangst in der Schwulenszene: Aktivist kämpfte auch in. 24. September 2019, abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Hans Hengelein – Akademie Waldschlösschen. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Hans Hengelein: Grenzgänger in Krüppel- und Schwulenbewegung. 2011, S. 113–118 (bsz-bw.de [abgerufen am 21. September 2025]).
- ↑ Aus der Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Fachkonferenz Wien 2017: Intersektionalität – LGBTIQ und Behinderungen (PDF)
- ↑ 2006 Preisträger Hans Hengelein | Rosa Courage. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Deutscher Bundestag: Neunter Bericht zur Lage der älteren Generation, Drucksache 20/14450 (PDF)
- ↑ Hans Hengelein: Zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie. (PDF) In: JVA/05_Forschen und_Recherchieren. wolfenbuettel.stiftung-ng.de, 17. März 2018, abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Hans Hengelein: „Authentische Begegnungen, bis an die Schmerzgrenze aufrecht“. In: magazin.hiv. 20. Dezember 2018, abgerufen am 21. September 2025.