Deutsche Aidshilfe
| Deutsche Aidshilfe (DAH) | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 1983 |
| Sitz | Berlin |
| Zweck | Interessensvertretung von Menschen mit HIV/Aids |
| Vorsitz | Björn Beck, Ulf-Arne Kristal, Winfried Holz, Sven Warminsky, Sylvia Urban |
| Umsatz | 7.531.116 Euro (2020) |
| Mitglieder | 110 (2024) |
| Website | www.aidshilfe.de |
Die Deutsche Aidshilfe e. V. (DAH) ist ein als Verein organisierter Dachverband von etwa 120 regionalen Mitgliedsorganisationen in Deutschland, der sich für Menschen mit HIV und AIDS einsetzt.
Geschichte
Nach dem Auftreten der ersten AIDS-Krankheitsfälle 1981 wurde die Deutsche Aidshilfe am 23. September 1983 in Berlin auf Initiative der Krankenschwester Sabine Lange und des Verlegers Bruno Gmünder[Anm. 1] von ihnen und schwulen Männern gegründet. Dem ersten Vorstand gehörten Sabine Lange, der Schwulenaktivist Stefan Reiß und der Wirt der Schwulenbar „Knolle“ an. Ziele waren Aufklärung, Information und die Unterstützung der Erkrankten.
Zentral war dabei anfangs die Aufgabe, die moralische Aufladung und Überfrachtung der pandemischen Infektionskrankheit zu überwinden und zu verhindern, dass die Opfer der Krankheit als Tätern stigmatisiert wurden.[1] Gleichzeitig wurde die AIDS-Hilfe Teil einer Bewegung, die schließlich die Abschaffung des § 175 StGB, zur Anerkennung und rechtlichen Gleichstellung homosexuellen Lebens in Deutschland führte.
Seit 1985 ist die DAH der Dachverband von etwa 120 regionalen Mitgliedsorganisationen. Anfang 1990 wurde mit der Aids-Hilfe in Leipzig der erste Verein in den neuen Bundesländern gegründet.[2] In Weimar gab es seit 1989 das AidsBeratungsCentrum, aus dem dann die AIDS-Hilfe Weimar & Ostthüringen e. V. hervorging.
Im Oktober 2008 wurde von der Mitgliederversammlung in Erfurt der Vorstand fast vollständig ausgewechselt, nachdem der alte Vorstand einstimmig nicht entlastet worden war.[3][4]
Am 13. Oktober 2008 startete die Deutsche Aidshilfe mit „Ich weiß, was ich tu“ die erste bundesweite HIV-Präventionskampagne für Männer, die Sex mit Männern haben.[5]
Im November 2014 verpflichteten sich die Mitgliedsorganisationen der DAH die Einbindung von Menschen mit HIV noch stärker zu fördern. Dazu wurde ein neues Verbandsorgan, PositHIVe Gesichter[6], eingesetzt.[7] Dessen Aufgabe ist es, die Beteiligung und Vernetzung von HIV-Positiven im Verband sicherzustellen.[8]
Am 12. Mai 2017 startete die Deutsche Aidshilfe die Kampagne „Kein Aids für alle (bis 2020)“. Zum Zeitpunkt des Kampagnenstarts erkrankten noch ca. 1000 Menschen jährlich an Aids.[9]
2019 benannte sich die Deutsche AIDS-Hilfe e. V. in Deutsche Aidshilfe e. V. um. Sie steht als Gesprächspartner mit allen wesentlichen Hilfsorganisationen im In- und Ausland in ständigem Austausch.
Mitgliedsorganisationen
Zur Deutschen Aidshilfe gehören zahlreiche örtliche Vereine, die HIV-positive oder an Aids erkrankte Menschen vor Ort begleiten.[10] Die sechs metropolen AIDS-Hilfen bestehen in:
Berlin
Die fast 300 Mitglieder des Vereins unterstützen die Arbeit der 210 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Jährlich finden in der Berliner Aids-Hilfe 7000 bis 8000 Beratungskontakte statt, weitere 5000 bis 6000 am anonymen Beratungstelefon 19 4 11. Rund 6000 Gäste nutzen die BAH-Frühstücke im Jahr. 1000 Kontakte haben die 30 ehrenamtlichen „Freunde im Krankenhaus“ (FriKs) jährlich. Die Arbeit wird von rund 27 hauptamtlichen (auf 22,53 Vollzeitstellen) und 180 ehrenamtlichen Mitarbeiter geleistet. Im Verein arbeiten HIV-Positive und -Negative, Männer und Frauen, Schwule, Lesben und Heterosexuelle.
Im Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe e. V. sind Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur aktiv: Keikawus Arasteh, Geschwister Pfister, Michael Flotho, Sylke Gandzior, Romy Haag, Monika Hansen, Irm Hermann, Thomas Hermanns, René Heymann, Klaus Hoffmann, Ricarda M. Hofmann, Susanne Juhnke, Katy Karrenbauer, Heidi Knake-Werner, René Koch, Jochen Kowalski, Renate Künast, Manfred L’age, Ulli Lohr, Frank Lukas, Annabelle Mandeng, Katharine Mehrling, Anne Momper, Michael Müller, Maren Otto, Georg Preuße, Rosenstolz, Barbara Schöne, Wieland Speck, Ingrid Stahmer, Katharina Thalbach, Paul van Dyk, Roswitha Völz, Udo Walz, WestBam, Judy Winter, Klaus Wowereit, Ades Zabel, Regina Ziegler. Sie alle engagieren sich, um gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV/Aids zu kämpfen sowie Mittel für die Arbeit des gemeinnützigen und wohltätigen Vereins einzuwerben.
Die Berliner Aids-Hilfe ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (dpw) und im Netz der europäischen Telefon-Hotlines ENAH (European Network of AIDS Helplines). Zudem ist sie Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[11]
Frankfurt am Main
Frankfurt am Main war 1982 die Stadt in Deutschland, in der erstmals AIDS bei einem Patienten diagnostiziert wurde, und über Jahre war Frankfurt die Stadt mit der höchsten Zahl AIDS-Erkrankter in Deutschland pro Einwohner.[12] In dieser Situation wurde die AIDS-Hilfe Frankfurt (AHF) 1985 gegründet.[13] Sie ist heute die größte AIDS-Hilfe in Deutschland.[14] An der Gründung wesentlich beteiligt war Hans Peter Hauschild.[15]
Anfängliche Beratungsarbeit und Hilfe – auch auf der Infektionsstation der Universitätsklinik Frankfurt, dem „Haus 68“[16] – wurde durch die Funktion als Begegnungsort ergänzt, in dem Positiventreffen, das Forum Frankfurter Schwulengruppen und andere Treffen stattfanden und finden. Dazu wurde 1988 das Café Swichboard[17] geschaffen – inzwischen einer der am längsten bestehenden Begegnungsorte der schwulen Szene in Frankfurt. Ein weiterer Pfeiler waren niedrigschwellige Angebote an Drogenabhängige. Ein erster Schritt war 1987[18], sterile Spritzen zur Verfügung zu stellen – anfangs noch rechtswidrig –, um zu verhindern, dass Spritzen von unterschiedlichen Personen und mehrfach genutzt wurden, was den HIV-Virus ungehindert verbreitete. Im Laufe der Jahre wurde die Zentrierung auf HIV und AIDS geweitet. Es entstanden Initiativen und Beratungsangebote im Bereich Mann-männlicher Prostitution, Xenophobie und Medizin. Letzteres manifestiert sich heute im Maincheck.[19] Das Spektrum umfasst heute Angebote aus den Bereichen Prävention, Beratung, medizinische und psychosoziale Unterstützung, Selbsthilfegruppen, Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund, queere Jugendliche, Drogenabhängige.[20] 1994 entstand das AIDS-Memorial in Frankfurt, 2008 auf dem dortigen Hauptfriedhof unter der Patenschaft der AHF in einer historischen Grabanlage ein Gemeinschaftsgrab für mit AIDS oder an HIV Verstorbene.[21] Das Archiv der AHF wurde 2023 an das Institut für Stadtgeschichte (Stadtarchiv) Frankfurt am Main abgegeben.[22]
Weitere
Weitere metropole Aidshilfen bestehen in Düsseldorf, Hamburg, Köln und München.
Literatur
- Patrick Hamm: Auslöser – Schwule im Kampf gegen Aids seit 1983. Deutsche Aids-Hilfe, 1997.
- Achim Teipelke: „Die beste Art es ihnen zu vergelten besteht darin, den Schlechten nicht zu ähneln“ – Marc Aurel. In: AIDS-Hilfe Frankfurt e. V. (Hg.): 40 Jahre AHF. Frankfurt [2026]. Ohne ISBN, S. 10–19.
- Alexander Vogt und Jascha Habeck: Ein Vermächtnis das bleibt: 40 Jahre AIDS-Hilfe Frankfurt – 40 Jahre Achim Teipelke. In: AIDS-Hilfe Frankfurt e. V. (Hg.): 40 Jahre AHF. Frankfurt [2026]. Ohne ISBN, S. 20f.
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Der Partner von Bruno Gmünder, Christian von Maltzahn, verstarb 1997 an AIDS.
Einzelnachweise
- ↑ Teipelke, S. 13.
- ↑ Kristin Weber: Gegründet vor 20 Jahren: Erste ostdeutsche Aids-Hilfe in Leipzig ( vom 11. März 2011 im Internet Archive), 26. März 2010, LVZ online
- ↑ Diskriminierung am Arbeitsplatz ( vom 3. Februar 2009 im Internet Archive) in: Nachricht von optikur.de vom 6. Oktober 2008
- ↑ Deutsche Aids-Hilfe: neuer Vorstand gewählt (akt.) in: www.ondamaris.de, 5. Oktober 2008
- ↑ Empfang zum Start der Kampagne ( vom 16. Oktober 2008 im Internet Archive) in: News vom 15. Oktober 2008
- ↑ Homepage von PositHIVe Gesichter.
- ↑ PositHIVe Gesichter. In: aidshilfe.de. Deutsche Aidshilfe e. V., abgerufen am 22. August 2022.
- ↑ Deutsche AIDS-Hilfe: Ende von Aids bis 2020 ist möglich. In: Deutsche AIDS-Hilfe. 2. November 2014 (aidshilfe.de [abgerufen am 29. Dezember 2016]).
- ↑ Kein Aids für alle - Wissen hilft unnötiges Leid zu verhindern. In: Kein AIDS für alle. (kein-aids-fuer-alle.de [abgerufen am 25. Mai 2017]).
- ↑ "Leute, schützt euch!" 25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe – Carsten Schatz im Gespräch mit Jochen Spengler. Dradio.de, 13. November 2008, abgerufen am 9. September 2010.
- ↑ www.transparency.de ( vom 5. September 2017 im Internet Archive), abgerufen am 4. März 2014
- ↑ Teipelke, S. 13.
- ↑ Vogt / Habeck, S. 20.
- ↑ Vogt / Habeck, S. 21.
- ↑ Teipelke, S. 13.
- ↑ Gregor Schorberger: Aidsstation. Wege humaner Begleitung. Kösel, München 1987, ISBN 978-3-466-36289-9, S. 23; ders.: Geschichte der ökumenischen Krankenhausseelsorge an der Universitätsklinik Frankfurt am Main. 2. Auflage: Suedwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, Saarbrücken 2010. ISBN 978-3-8381-2103-1, S. 322.
- ↑ Homepage des Swichboard.
- ↑ Sophie Hanack und Petra Schnatz: Das Drogenhilfe-Zentrum der AIDS-Hilfe Frankfurt. In: AIDS-Hilfe Frankfurt e. V. (Hg.): 40 Jahre AHF. Frankfurt [2026]. Ohne ISBN, S. 94–103.
- ↑ Homepage des Maincheck Frankfurt – Sexuelle Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben; Teipelke, S. 16f.
- ↑ Vogt / Habeck, S. 20.
- ↑ Helen Hammerton: Ein würdevoller Ort lebendiger Erinnerung. In: AIDS-Hilfe Frankfurt e. V. (Hg.): 40 Jahre AHF. Frankfurt [2026]. Ohne ISBN, S. 138–141 (140).
- ↑ Lou Deinhart und Nils Meyn: Die City hat AIDS: Das Archiv der AIDS-Hilfe Frankfurt im Institut für Stadtgeschichte. In: Archivnachrichten aus Hessen 25/2 (2025), S. 49–53.