Hans Eiden (Archäologe)

Hans Eiden (* 1. Oktober 1912 in Hermeskeil; † 25. März 2003 in Trier) war ein deutscher Archäologe, Museumsdirektor und Bodendenkmalpfleger.

Vorkriegs- und Kriegszeit

Hans Eiden wurde als Sohn einer Bauernfamilie geboren und absolvierte 1931 sein Abitur am Staatlichen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, wo er schon früh durch seinen Lehrer Josef Steinhausen an die Archäologie herangeführt worden war. Anschließend studierte er von 1931 bis 1935 Klassische Archäologie an der Universität Freiburg, wo er 1936 bei Hans Dragendorff mit der Arbeit „Denkmäler der Trevererkultur aus caesarisch-augusteischer Zeit im Trierer Land“ promoviert wurde.[1] Bereits als Student erstellte Eiden unter der Anleitung Steinhausens Fundstellenkarten zur vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung des Trierer Landes, auf deren Grundlage dann später, zwischen 1935 und 1939, die archäologischen Abschnitte der vier Landkreise Bernkastel, Trier, Zell und Saarburg für das Standardwerk „Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz“ erstellt wurden. Von 1934 bis 1936 arbeitete er parallel zum Studium und zur Arbeit an seiner Dissertation mit Werkverträgen als wissenschaftliche Hilfskraft und Grabungsleiter für das Rheinische Landesmuseum Trier und von 1936 bis zu seiner Einberufung 1940 als wissenschaftliche Hilfskraft in der Römisch-Germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln. Seinen Wehrdienst leistete er von 1940 bis 1944 an der Ostfront in Russland und von 1944 bis 1945 in Dänemark. Dort geriet er 1945 in Kriegsgefangenschaft, die er in Schleswig-Holstein verbrachte und aus der er noch im selben Jahr entlassen wurde.[2][3]

Wirken nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Frühjahr 1946 wurde er zunächst stellvertretender, dann kommissarischer und schließlich hauptamtlicher Museumsdirektor des zerstörten Rheinischen Landesmuseums Trier, dessen 1950 beginnenden Wiederaufbau er betreute und das er 1956 neu eröffnen konnte. In Personalunion war er gleichzeitig „Staatlicher Vertrauensmann für die Kulturgeschichtlichen Bodenaltertümer“ des Regierungsbezirks Trier, des Landkreises Birkenfeld und der Regierungsbezirke Koblenz und Montabaur. Nicht zuletzt für seine Verdienste beim Wiederaufbau des Trierer Museums wurde er für 1956–1960 zum Vorsitzenden des Verbands der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Trotz seiner dienstlichen Beanspruchungen widmete er sich nach wie vor den Bodendenkmälern des Trierer Landes. Zu den Entdeckungen seiner Amtszeit gehören die Horrea von St. Irminen,[4] das Kornmarktmosaik in Trier[5] sowie das Diatretglas aus Niederemmel.[6]

Im Januar 1963 wurde Hans Eiden zum Regierungsdirektor ernannt und als Leiter des „Landesdienstes für Vor- und Frühgeschichte in den Regierungsbezirken Koblenz und Montabaur“ nach Koblenz versetzt. Dort war er für die staatliche Bodendenkmalpflege eines Gebietes verantwortlich, das den Osten des ehemaligen Landes der Treverer umfasste. In seinem Zuständigkeitsbereich führte er zahlreiche archäologische Ausgrabungen aus, unter anderem in den Vici der römischen Limeskastelle Niederbieber und Bendorf, in den Villae rusticae Schuld und Winningen, in den Gräberfeldern bei Kobern-Gondorf[7] und Halsenbach,[8] den spätantiken Grabbauten bei Nehren, in den frühchristlichen Kirchenbauten von St. Severus in Boppard und St. Castor in Karden und den frühmittelalterlichen Töpfereien in Mayen. Am Ende seiner Amtszeit fasste er 1976 in der Sonderausstellung „Zehn Jahre Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel“ im Landeshauptarchiv Koblenz seine archäologischen Tätigkeiten zusammen.[9] In seinen letzten Dienstjahren forcierte er verstärkt die Kooperation zwischen den vier „Staatlichen Ämtern für Vor- und Frühgeschichte“ des Landes Rheinland-Pfalz.[2][3]

Im Jahr 1977 trat Hans Eiden in den Ruhestand. Anschließend bereitete er die Drucklegung der Koblenzer Ausgrabungsbefunde vor und publizierte mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft seine Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel der Jahre 1963 bis 1976 in einem großzügig gestalteten Befundkatalog.[10]

Hans Eiden verstarb 2003 im Alter von 90 Jahren. Archivalien zu ihm werden beim Deutschen Archäologischen Institut und beim Leibniz-Zentrum für Archäologie verwahrt.[2]

Mitgliedschaften und Funktionen

Ehrungen

Der Band 55 der Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete von 1992 wurde ihm anlässlich seines 80. Geburtstages gewidmet.[11] (Der Hans-Eiden-Platz in Trier wurde nach dem Trierer Lokalpolitiker Hans Eiden benannt.)

Schriften (Auswahl)

Siehe Jürgen Merten: Bibliographie Hans Eiden. In: Trierer Zeitschrift. Band 55, 1992, S. 9–13 (Digitalisat).

  • 1936: Denkmäler der Trevererkultur aus caesarisch-augusteischer Zeit im Trierer Land. Vornehmlich auf der Grundlage des spätlatènezeitlichen Gräberfeldes von Trier-Biewer (ungedruckte Dissertation, Universität Freiburg 1936).
  • 1949: mit Hermann Mylius: Untersuchungen an den spätrömischen Horrea von St. Irminen in Trier. In: Trierer Zeitschrift, Band 18, S. 73–106 (Digitalisat).
  • 1950: Diatretglas aus einer spätrömischen Begräbnisstätte in Niederemmel an der Mosel. In: Trierer Zeitschrift, Band 19, S. 26–40 (Digitalisat).
  • 1950: Spätrömisches Figurenmosaik am Kornmarkt in Trier. In: Trierer Zeitschrift, Band 19, S. 52–71 (Digitalisat).
  • 1958: Ausgrabungen im spätantiken Trier. In: Deutsches Archäologisches Institut (Hrsg.): Neue Ausgrabungen in Deutschland. Gebr. Mann, Berlin 1958, S. 340–367.
  • 1966: Neue Untersuchungen an den Limeskastellen Neuwied-Heddesdorf und Niederbieber. In: Heimatkalender des Landkreises Neuwied, S. 33–37.
  • 1966: Zur Siedlungs- und Kulturgeschichte der Frühzeit. In: Franz-Josef Heyen (Hrsg.): Zwischen Rhein und Mosel. Der Kreis St. Goar, S. 19–40.
  • 1967: Zur Topographie von Cardena-Karden in frühgeschichtlicher Zeit. In: Festschrift für Alois Thoma]. Trier 1967, S. 109–123.
  • 1970: Der Raum Hermeskeil in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Anton Backes, Günther Barthel, Georg Marx: Hermeskeil, Stadt im Hochwald, S. 9–71.
  • 1974: Das Militärbad in Boppard am Rhein. In: D. M. Pippidi (Hrsg.): Actes du IXe Congres International d'Etudes sur les Frontieres Romaines. Mamaia, 6-13 septembre 1972, S. 433–444.
  • 1975: Ausgrabungen zur historischen Topographie von Cardena (Karden) 1965–1970. In: Ausgrabungen in Deutschland. Mainz 1975, S. 64–79.
  • 1975: Militärbad und frühchristliche Kirche in Boppard am Rhein. In: Ausgrabungen in Deutschland. Mainz 1975, S. 80–98.
  • 1976: Zehn Jahre Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel. Einführung, Fundplätze, Funde. Ausstellung des Staatlichen Amtes für Vor- und Frühgeschichte vom 22.7. bis 17.10.1976 im Landeshauptarchiv Koblenz. Koblenz 1977².
  • 1977: Der Raum Boppard in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Alexander Stollenwerk (Hrsg.): Boppard am Rhein. Ein Heimatbuch, S. 27–54.
  • 1979: Die Ergebnisse der Ausgrabungen im spatrömischen Kastell Bodobrica (= Boppard) und im Vicus Cardena (= Karden). In: Joachim Werner, Eugen Ewig (Hrsg.): Von der Spätantike zum frühen Mittelalter (= Vorträge und Forschungen Bd. 25). S. 317–345 (Digitalisat)
  • 1982: Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel 1963–1976. Tafelband. Trierer Zeitschrift, Beiheft 6.

Literatur

  • Jürgen Merten: Bibliographie Hans Eiden. In: Trierer Zeitschrift, Band 55, 1992, S. 9–13 (Digitalisat).
  • Jürgen Merten: Ein Leben für die Archäologie der Treverer. Zur Erinnerung an Dr. Hans Eiden (1912–2003). In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier. Aus der Arbeit des Rheinischen Landesmuseums Trier, Band 35, 2003, S. 94–102 (Digitalisat)
  • Jürgen Merten: Nachruf auf Dr. Hans Eiden (1912–2003). In: Archäologie in Rheinland-Pfalz, 2003 (2004), S. 92–93.
  • Hans-Helmut Wegner: Nachrufe. Hans Eiden (1912–2003). In: Archäologisches Nachrichtenblatt, 2004, S. 281–282.

Einzelnachweise

  1. Hans Eiden: Denkmäler der Trevererkultur aus caesarisch-augusteischer Zeit im Trierer Land. Vornehmlich auf der Grundlage des spätlatènezeitlichen Gräberfeldes von Trier-Biewer. Ungedruckte, durch Kriegseinwirkung im Zweiten Weltkrieg verloren gegangene Phil. Dissertation, Freiburg 28. Februar 1936.
  2. a b c d Eiden, Hans (1912–2003) auf propylaeum.de, abgerufen am 8. Januar 2026.
  3. a b Jürgen Merten: Ein Leben für die Archäologie der Treverer. Zur Erinnerung an Dr. Hans Eiden (1912–2003). In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier. Aus der Arbeit des Rheinischen Landesmuseums Trier, Band 35, 2003, S. 94–102 (Digitalisat).
  4. Hans Eiden, Hermann Mylius: Untersuchungen an den spätrömischen Horrea von St. Irminen in Trier. In: Trierer Zeitschrift. Band 18, 1949, S. 73–106 (Digitalisat).
  5. Hans Eiden: Spätrömisches Figurenmosaik am Kornmarkt in Trier. In: Trierer Zeitschrift. Band 19, 1950, S. 52–71 (Digitalisat).
  6. Hans Eiden: Diatretglas aus einer spätrömischen Schatzkammer des antiken Trier. In: Trierer Zeitschrift, Band 19, 1950, S. 26–40 (Digitalisat).
  7. Mechthild Schulze-Dörrlamm: Die spätrömischen und frühmittelalterlichen Gräberfelder von Gondorf, Gem. Kobern-Gondorf, Kr. Mayen-Koblenz. Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 978-3-515-04994-8.
  8. Hendrik Kelzenberg: Das eisenzeitliche Gräberfeld von Halsenbach, Rhein-Hunsrück-Kreis (= Bonner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Band 2). Universität Bonn, Bonn 2004, ISBN 3-936490-02-3.
  9. Hans Eiden: Zehn Jahre Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel. Einführung, Fundplätze, Funde. Ausstellung des Staatlichen Amtes für Vor- und Frühgeschichte vom 22.7. bis 17.10.1976 im Landeshauptarchiv Koblenz. Staatliches Amt für Vor- und Frühgeschichte, Koblenz 1977².
  10. Hans Eiden: Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel 1963-1976. Tafelband (= Trierer Zeitschrift. Beiheft 6). Trier 1982, ISBN 3-923319-01-0.
  11. Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete, Band 55, 1992 (Digitalisat).