Halle der Beiden Wahrheiten

Die „Halle der Beiden Wahrheiten“ (ägyptisch wsḫ.t nt m3ˁ.tj) (auch „Halle der Vollständigen Wahrheit“ oder „Gerichtshalle des Osiris“) ist der seit dem Neuen Reich belegte Sitzungsort des altägyptischen Totengerichtes. In Spruch 125 des Totenbuches wird keine Verortung genannt. Im Pfortenbuch befindet sich der Sitz der Gerichtshalle des Osiris zwischen der 5. und 6. Nachtstunde; im Amduat dagegen in der 2. Nachtstunde.

Der Sonnengott Re gelangt im Pfortenbuch während seiner Fahrt auf der Nachtbarke zu diesem Ort kurz vor Mitternacht, um sich für die Vereinigung mit seinem Leichnam vorzubereiten. Für die menschlichen Toten stellt die „Halle der Beiden Wahrheiten“ ebenfalls den Raum des Übertritts dar. Nach dem Bestehen des Negativen Schuldbekenntnisses vereinigt sich die Ba-Seele des Toten mit seinem Leichnam.

Die „Halle der Beiden Wahrheiten“ ist begrenzt vom Urozean sowie von der Urfinsternis und befindet sich symbolisch damit im Zustand unmittelbar vor der Schöpfung, also jenem Zeitpunkt des magischen Geburtbeginns der Welt.

Totenbuchspruch 125

Betreten der „Halle der Beiden Wahrheiten“

„Was beim Erreichen dieser Halle der Beiden Maat zu sagen ist; den NN, gerechtfertigt, von allen Sünden trennen, die er begangen hat; die Gesichter der Götter erblicken. Von NN zu sprechen: Sei gegrüßt, Großer Gott, Herr der Beiden Maat! Ich bin zu dir gekommen, mein Herr, bin gebracht worden. Möge ich deine Schönheit erblicken! Ich kenne dich, kenne deinen Namen und kenne den Namen dieser 42 Götter, derer, die mit dir in dieser Halle der Beiden Maat sind, die von denen leben, die dem Bösen angehören, die von ihrem Blut trinken an jenem Tag der Charakterbewertung vor Wennefer. Siehe die beiden Töchter, die beiden Meret - "Herr der Beiden Maat" ist dein Name! Siehe, ich bin zu dir gekommen. Ich habe dir Maat gebracht. Ich habe dir das Unrecht der Menschen vertrieben.“

B. Backes (Übersetzer): TM 134299[1]

Literatur

  • Erik Hornung: Der Verborgene Raum der Unterwelt in der ägyptischen Literatur. In: Antonio Loprieno: Mensch und Raum von der Antike bis zur Gegenwart. Saur, München 2006, ISBN 3-5987-7380-3, S. 31.

Einzelnachweise

  1. Spruch 125. In: Totenbuch-Projekt der Universität Bonn. Abgerufen am 19. Dezember 2025.