Hainaer Hof Treysa
Der Hainaer Hof in Treysa war eine Niederlassung des Zisterzienserklosters Haina in der Stadt Treysa, heute Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Er war Teil eines von Frankfurt am Main im Süden bis nach Kassel im Norden reichenden Systems von Stadthöfen des Klosters, in denen die Abgaben und sonstigen Einkünfte aus dem klösterlichen Besitz im Umland der jeweiligen Niederlassung eingesammelt wurden. Der Hof befand sich in der heutigen Burggasse 6.
Geschichte
Bereits im Jahre 1281 erhielt das Kloster von Konrad von Marburg ein Haus und einen Hof mit Äckern und Wiesen in Treysa. Der Stadtherr, Graf Gottfried VI. von Ziegenhain, und seine Gemahlin Mechthild, Tochter des Landgrafen Heinrich I. von Hessen, verkauften dem Kloster im Oktober 1286 für 14 Mark ihren großen Hofkomplex zwischen Mainzer Gasse, Rathausplatz, Burggasse und Heidengasse, den bisher des Grafen Großmutter Eilika von Tecklenburg[1] bewohnt hatte. Der Hof und die Mönche wurden von allen bürgerlichen Pflichten wie Steuern, Wachdiensten und sonstigen Abgaben befreit, und dies wurde 1294 noch einmal ausdrücklich bestätigt.[2] Mit dem Erwerb weiterer Immobilien durch Schenkung oder Kauf wurde der klösterliche Stadthof mehrfach vergrößert.[3]
Nach der Einführung der Reformation durch Landgraf Philipp I. in der Landgrafschaft Hessen, an die die Grafschaft Ziegenhain 1450 gefallen war, wurde das Kloster Haina säkularisiert, und damit fielen auch seine innerhalb der Landgrafschaft gelegenen Wirtschaftshöfe an den Landgrafen. Dieser verpfändete 1537 einen Teil der Einkünfte des Treysaer Stadthofes an den Rat und Amtmann auf dem Auerberg, Helwig von Rückershausen, zur Finanzierung des Ziegenhainer Festungsausbaus, kaufte dieses Pfand jedoch 1542 wieder zurück. Den anderen Teil überwies er 1540, mit den verbliebenen Teilen des ebenfalls säkularisierten Dominikanerklosters Treysa, an die junge Universität Marburg. Der Hof selbst kam 1540 an die Stadt Treysa.
Fußnoten
- ↑ Um 1220–1286, Ehefrau des Grafen Berthold I. von Ziegenhain und Nidda.
- ↑ Martin Röhling: Die Geschichte der Grafen von Nidda und der Grafen von Ziegenhain (= Niddaer Geschichtsblätter 9). Niddaer Heimatmuseum e. V., Nidda, 2005, ISBN 3-9803915-9-0, S. 39.
- ↑ 1308 ein Haus, 1323 ein Hofteil nahe dem Stadthof, 1359 ein Haus mit Hof und Zubehör am Ende des Pfarrkirchhofes.
Literatur
- Wilhelm Dersch: Hessisches Klosterbuch, Elwert, Marburg, 1940, S. 149
- Bernd Lindenthal: Die Stadthöfe des Zisterzienserklosters Haina. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 31, 1981, S. 63–96
Weblinks
- Treysa, Hainaer Hof in Treysa, bei Klöster und Orden (LAGIS)
- Hessisches Staatsarchiv Marburg: Grafschaft Ziegenhain, Urkunden. Kopiar 28, Blatt 87.
Koordinaten: 50° 54′ 45″ N, 9° 11′ 23,7″ O