Dominikanerkloster Treysa

Das Dominikanerkloster Treysa wurde im späten 13. Jahrhundert in Treysa, einem heutigen Stadtteil von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis, gegründet, im Jahre 1287 in das Provinzialkapitel „Teutonia“ der Dominikaner aufgenommen und im Jahre 1527 bald nach der 1526 erfolgten Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen aufgelöst. Es befand sich, auf 239 m Höhe über NHN, an der südwestlichen Stadtmauer zwischen dem Angels- und Dippelstor in der Oberstadt, am heutigen Kirchplatz 1. Die ehemalige Klosterkirche wird seit 1531 als evangelische Stadtpfarrkirche genutzt.

Geschichte

Das einige Jahre zuvor gegründete Männerkloster wurde 1287, dem Jahr seiner urkundlichen Ersterwähnung, in das Provinzialkapitel „Teutonia“ der Dominikaner aufgenommen und gehörte ab 1303 zu der in diesem Jahr neu gegründeten und von der Teutonia abgetrennten Ordensprovinz „Saxonia“. Der Konvent erfreute sich der Unterstützung der Grafen von Ziegenhain, die als Stadtherren wahrscheinlich das Grundstück für den Bau des Klosters stifteten und den Konvent auch weiterhin durch Stiftungen förderten. Auch Bürger der Stadt und der niedere Adel der Umgebung mehrten das Vermögen der Treysaer Dominikaner durch Geschenke, Stiftungen und Darlehen, und ab dem späten 14. Jahrhundert war der Konvent sehr vermögend. Bereits um das Jahr 1330 begann man mit dem Bau ihrer Klosterkirche, einem unsymmetrischen Hallenbau mit einem südlichen Seitenschiff, unmittelbar südlich an das Klostergebäude anschließend; daher ist die Nordseite der Kirche ohne Seitenschiff und fensterlos.

Im Kloster unterhielten die Dominikaner eine Lateinschule. 1355 und 1428 fanden in Treysa Provinzkapitel der Dominikaner statt. Ab 1494 folgte der Konvent, wie auch der in Marburg, den Regeln der 1457 begründeten „Congregatio Hollandica“ (holländischen Kongregation) der Observanten, die infolge einer internen Reform die Ordensregel strikt einhielten.[1]

Aufhebung

Bereits aufgrund des Terminierverbots der landgräflich-hessischen Polizeiordnung vom 18. Juli 1524 musste das Kloster seine Termineien in Alsfeld, Hersfeld und Fritzlar aufgeben. Diese Niederlassungen des Klosters dienten den Mönchen als Aufenthalt bei ihren Almosensammlungen zum Unterhalt ihrer Gemeinschaft und bei der seelsorgerischen Betreuung der Bevölkerung in den umliegenden Ortschaften. Schon im März 1525 wurde der Besitz des Konvents im Zuge der Reformation inventarisiert. Das Kloster wurde 1527 aufgelöst, die verbliebenen 12 Mönche wurden abgefunden.[2]

Nutzung des säkularisierten Besitzes

1531 genehmigte Landgraf Philipp I. der Stadt, statt der baufällig gewordenen alten Stadtpfarrkirche St. Martin, der heutigen Totenkirche, die ehemalige Dominikanerkirche zu nutzen. Das Klostervermögen wurde, zusammen mit dem des ebenfalls aufgehobenenen Hainaer Hofes,[3] 1540 teilweise der Universität Marburg überwiesen; ein Teil wurde beim Ziegenhainer Festungsausbau verpfändet und 1542 vom Landgrafen zurückgekauft.

Das Konventsgebäude wurde zunächst als Schule genutzt. Nachdem Landgraf Karl von Hessen-Kassel im Jahre 1699 hugenottischen Glaubensflüchtlingen aus den Departments Gard und Ardèche Wohnraum, Abgabenfreiheit, Zunftfreiheit und Land in Treysa zuwies, gründeten diese Zuwanderer eine herrschaftliche „Wolltuchmanufaktur“ im ehemaligen Dominikanerkloster, was der Stadt einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls gab. Bis 1714 lieferte die Manufaktur in landgräflichem Auftrag Tuche und Futter für die Herstellung von Uniformen der hessischen Infanterie-Regimenter. Wegen mangelnder Nachfrage wurde der Betrieb 1737 eingestellt.[4][5] Die ehemaligen Klostergebäude wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen.

Fußnoten

  1. Die „Congregatio Hollandica“, eine Vereinigung von Konventen strikter Observanten, wurde 1457 auf Betreiben der Konvente in Rotterdam, Kalkar, Lille und Gent gebildet und gewann bald weiteren Zulauf bis nach Magdeburg und Rostock.
  2. Es gab im Kloster allerdings Übernachtungsmöglichkeiten für weitere 28 Personen, was auf einen zumindest zeitweise zahlenmäßig größeren Konvent deuten mag.
  3. Seit 1281 gehörte der Hof dem Zisterzienserkloster Haina.
  4. Schwalmstadt-Treysa, Hugenotten- und Waldenserpfad e.V., auf outdooractive.com
  5. Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser Europäischer Kulturfernwanderweg Frankenhain - Treysa – Hephata

Literatur

  • Wilhelm Dersch: Hessisches Klosterbuch, Elwert, Marburg, 1940, S. 148
  • Gabriel M. Löhr: Der Dominikanerorden und seine Wirksamkeit im mittelrheinischen Raum. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, Band 4, 1952, S. 120ff.
  • Otfried Krafft: Zum dominikanischen Provinzialkapitel von Treysa im Jahre 1428, in: Schwälmer Jahrbuch, 2005, S. 129–135
  • Angus Fowler: Die Geschichte der Kirchen zu Treysa (Sonderdruck der evangelischen Kirchengemeinde Treysa), Schwälmer Jahrbuch, 1986, S. 18–50

Koordinaten: 50° 54′ 45,3″ N, 9° 11′ 9,3″ O