Habakuk (Max Ernst)

Habakuk ist eine Skulptur des Surrealismus von Max Ernst.

Geschichte

Die Originalfigur entwarf Max Ernst im Winter 1934 als 52 cm hohe Statuette aus Gips. Als Formen für den Guss verwendete er konische Töpfe oder Eimer, die er – den obersten Konus axial versetzt – zu einer unregelmäßig geformten Stele ineinander und übereinander stapelte. Obenauf montierte er als vogelartigen Kopf mit Schnabel den Abguss eines großen Kieselsteins mit Loch. Zwei Plinthen als Augen platzierte er zunächst auf dem oberen Topfrand neben dem Kopf, ein drittes Auge auf der sockelförmigen Basis der Stele. Elemente für die Figur hatte Max Ernst 1929 von dem britischen Kunstsammler Roland Penrose erhalten. Jener nannte seine Fundstücke, die er in einer Wüste aufgelesen hatte, „rose de sable“ (Sandrose) und „l’œuil de sphinx“ (Auge der Sphinx).

Die Augen der totemischen Figur beziehen sich auf die seherischen Fähigkeiten des biblischen Propheten Habakuk, nach der die Skulptur benannt ist.

Im Mai 1936 wurde die Originalfigur auf der Ausstellung Exposition surréaliste d’objets in einer Pariser Galerie gezeigt. Bald danach überarbeitete Max Ernst die Figur. Das Augenpaar setzte er nun direkt auf den Kopf mit Schnabel. Dessen Position veränderte er ebenfalls, so dass sich der „seherische Blick“ nunmehr nach oben richtete. Die überarbeitete Figur schenkte er nach der Pariser Ausstellung seiner Ex-Ehefrau Luise Straus-Ernst. Über den Künstler und Kunsthändler Robert Schuppner kam sie in die Sammlung von Wilhelm Hack.

Als Max Ernst die Figur schuf, hatte er kein Geld, um das Objekt in Bronze gießen zu lassen. 1970 stimmte er dem Projekt des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen zu, eine Monumentalfigur seiner Statuette von 1934/1936 zu gießen und sie wie eine Karyatide auf der Terrasse vor der Kunsthalle Düsseldorf am Grabbeplatz in Düsseldorf aufzustellen. Siebenfach vergrößert sollte die im Durchmesser 1,35 m breite Bronzeplastik 3,95 m hoch und rund 1 t schwer werden. Die Kosten in Höhe von 50.000 DM für die Herstellung teilten sich der Kunstverein, Max Ernst und Wilhelm Hack.[1] Die Stadt Düsseldorf übernahm die Kosten für Transporte und Fundament. Als künstlerisch-technischer Leiter der Gipswerkstatt der Kunstakademie Düsseldorf erhielt Hermann Isenmann den Auftrag zur Herstellung der vergrößerten Gipsfigur. Geplant war dann, zehn Exemplare des Habakuk bei der Kunstgießerei Herbert Schmäke bzw. Susse Frères gießen zu lassen, es entstanden bis 1971 jedoch nur vier, darunter eine für die National Gallery of Australia. Da die vergrößerte Gipsfigur zerstört wurde, können weitere Exemplare des Habakuk davon nicht gegossen werden.

In Gegenwart von Max Ernst wurde der Düsseldorfer Guss am 13. Mai 1971 in einem festlichen Rahmen als Dauerleihgabe des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen an die Stadt Düsseldorf aufgestellt. Noch vor seinem Hauptwerk Capricorn (1948/1964) ist Habakuk die größte freistehende Skulptur des Künstlers.[2]

Literatur

Commons: Habakuk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Habakuk, Objektdatenblatt im Portal emuseum.duesseldorf.de

Einzelnachweise

  1. Friedrich W. Heckmanns: Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen 1955–1979. In: Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (Hrsg.): 5 × 30. Düsseldorfer Kunstszene aus fünf Generationen. 150 Jahre Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen 1829–1979. Katalog, Düsseldorf 1979, o. S.
  2. Christa Lichtenstern: Ovid-Rezeption. Surrealistische Ästhetik. Verwandlungsthematik der Nachkriegskunst (= Metamorphose. Vom Mythos zum Proszeßdenken, Band 2). VCH Verlagsgesellschaft, Acta Humaniora, Weinheim 1992, ISBN 3-527-17764-7, S. 281 (Google Books)

Koordinaten: 51° 13′ 39,7″ N, 6° 46′ 33,5″ O