Gustav Bossert der Ältere
Gustav Bossert der Ältere (* 21. Oktober 1841 in Täbingen; † 29. November 1925 in Stuttgart) war ein deutscher evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker.[1]
Leben und Wirken
Gustav Bossert trat nach dem Besuch der Lateinschule in Schorndorf und der evangelischen Seminare in Maulbronn und Schöntal als Stipendiat in das Evangelische Stift Tübingen ein und studierte von 1860 bis 1864 Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1864 erfolgte seine erste, 1869 seine zweite theologische Dienstprüfung. Als Vikar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg war er von 1864 bis 1867 in Dürrmenz tätig, von 1867 bis 1869 arbeitete er als Repetent am Königlichen Pensionat Heilbronn. Von 1869 bis 1888 hatte Bossert die Pfarrstelle in Bächlingen inne und von 1888 bis 1907 in Nabern. Im Jahre 1907 trat er in den Ruhestand.
Neben seinem Pfarrdienst betätigte sich Bossert vor allem auf dem Gebiet der württembergischen Landes- und Kirchengeschichte und legte zahlreiche Veröffentlichungen hierzu vor. Er gehörte 1891 zu den Mitbegründern der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte. Daneben gehörte er mehreren weiteren regionalgeschichtlichen Vereinen und Kommissionen en.
Ehrendoktorwürden erhielt Bossert für seine Forschungen von der Eberhard Karls Universität Tübingen (1892) und der Universität Leipzig (1897).
Von seinen zehn Kindern traten seine Söhne Gustav (der Jüngere) und Hans Richard Hermann ebenfalls in den württembergischen Pfarrdienst. Seine Tochter Helene heiratete den Ostasienwissenschaftler Wilhelm Gundert.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Württemberg und Janssen. Zwei Teile (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, Bd. 5 u. 6). Verein für Reformationsgeschichte, Halle/S. 1884 (Digitalisat T. 1; T. 2).
- (Mitautor): Württembergische Kirchengeschichte. Verlag der Vereinsbuchhandlung, Calw 1893 (Digitalisat).
- (Bearb.): Württembergisches aus dem Codex Laureshammensis, den Traditionen Fuldenses und aus Weissenburger Quellen (= Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 2). Kohlhammer, Stuttgart 1895 (Digitalisat).
- Das Interim in Württemberg (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, Bd. 46/47). Verein für Reformationsgeschichte, Halle/S. 1895 (Digitalisat).
- Die Ortsschulaufsicht. Ein Synodalaufsatz und Beitrag zur heutigen Schulgesetzgebung. Mit einem Schulidyll. Dörffling & Franke, Leipzig 1897 (Digitalisat).
- Die Reformation in Blaufelden. Scheufele, Stuttgart 1902.
- Die Reformation in Creglingen. Schwend, Schwäbisch Hall 1903.
- Sebastian Lotzer und seine Schriften. Otto, Memmingen 1906.
- Die Liebestätigkeit der evangelischen Kirche Württembergs von der Zeit des Herzogs Christoph bis 1650. Kohlhammer, Stuttgart 1906.
- Die Hofkapelle unter Johann Friedrich 1608–1628. Kohlhammer, Stuttgart 1911.
- Zur Geschichte Stuttgarts in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. Kohlhammer, Stuttgart 1914.
- Herzogtum Württemberg (= Quellen zur Geschichte der Wiedertäufer, Bd. 1). Hrsg. von seinem Sohne Gustav Bossert. Heinsius, Leipzig 1930.
Literatur
- Gustav Bossert der Jüngere: Bossert-Bibliographie. Verzeichnis der Schriften von D. Dr. Gustav Bossert (1841–1925). Belser, Stuttgart 1932.
- Gustav Bossert der Jüngere: Die Arbeitsweise des Geschichtsforschers D. Dr. Gustav Bossert. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, Bd. 6 (1942), S. 194–215.
- Hermann Ehmer: Gustav Bossert (1841–1925). Der Nestor der württembergischen Kirchengeschichtsschreibung. In: Johann Peter Wurm (Hrsg.): Persönlichkeit der deutschen Landeskirchengeschichtsschreibung (= Studien zur deutschen Landeskirchengeschichte, Bd. 11). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, S. 83–98, ISBN 978-3-374-06739-8.
- Hermann Tüchle: Bossert, Gustav. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 484–485 (deutsche-biographie.de).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Bossert, Gustav (Gustav d.Ä.). In: https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/119207338/Bossert+Gustav (darin neben allen biografischen Daten: Hermann Ehmer: Gustav Bossert d. Ä.. In: Württembergische Biographien, Bd. 3 (2017), S. 26–28).