Grzegorz Napieralski
[1] (* 18. März 1974 in Stettin) ist ein polnischer Politiker (SLD, BC, PO). Er war von 2004 bis 2015 und ist erneut seit 2015 Abgeordneter des Sejms in der IV., V., VI., VII., IX. und X. Wahlperiode. Von 2008 und 2011 war er Vorsitzender des SLD. Von 2015 bis 2019 gehörte er dem Senat der Republik Polen an.
Leben und Beruf
Der Sohn eines Funktionärs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei besuchte zunächst eine Fachschule für Mechanik und studierte dann Politologie an der Universität Stettin. Im Studium, das er im Jahr 2000 mit dem Magistergrad abschloss, spezialisierte er sich auf die Integration Polens in die Europäische Union.[2]
Während des Studiums arbeitete er vorübergehend als Graphiker in einem Betrieb in Stettin sowie in der Werbeabteilung der Firma Reemtsma Polska. 1999 fand er eine Anstellung im Woiwodschaftsamt von Westpommern in Stettin. Napieralski ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er bezeichnet sich selbst als Atheist.
Politik
Bei den Selbstverwaltungswahlen 1998 kandidierte er erfolglos für die Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) zum Stettiner Stadtrat. Auch bei der Parlamentswahl 2001 verpasste er zunächst ein Mandat.[3] Nachdem er bei den Selbstverwaltungswahlen 2002 für die SLD in den Stadtrat von Stettin gewählt worden war,[4] rückte er im Juni 2004 für Bogusław Liberadzki, der in das Europaparlament gewählt worden war, in den Sejm nach.[5] Er wurde auch bei den Parlamentswahlen 2005[6] und 2007[7] als Kandidat des SLD in den Sejm gewählt. Dort wurde er in die Sejm-Kommission für Nationale und Ethnische Minderheiten berufen.
Napieralski, der seit 1999 Vorsitzender der SLD in der Woiwodschaft Westpommern gewesen war, wurde zudem am 29. Mai 2005 der Generalsekretär des SLD. Am 31. Mai 2008 setzte er sich überraschend in einer Kampfabstimmung gegen Wojciech Olejniczak durch und wurde zum Vorsitzenden der Partei gewählt. Am 22. April 2008 wurde er Mitglied der neugegründeten Fraktion Lewica.
Am 22. April 2010 gab Napieralski seine Kandidatur bei den Wahlen zum Amt des Präsidenten der Republik Polen bekannt, die aufgrund des Tods Lech Kaczyńskis beim Flugunfall von Smolensk 2010 vorgezogen stattfanden.[8] Bei der ersten Wahlrunde am 20. Juni 2010 erreichte er 13,7 % der Stimmen und lag nach Bronisław Komorowski und Jarosław Kaczyński an dritter Stelle.[9] Bei der erforderlichen Stichwahl am 4. Juli 2010 trat er damit nicht an.[10] Er trat am 10. Dezember 2011 aufgrund des schlechtesten Ergebnisses in der Geschichte seiner Partei bei der Parlamentswahl 2011 vom SLD-Vorsitz zurück. Er selbst wurde bei der Wahl erneut in den Sejm gewählt.[11]
Sein Nachfolger als Parteivorsitzender wurde der frühere ZK-Sekretär, Ministerpräsident und SLD-Chef Leszek Miller.[12] In den folgenden Monaten kritisierte Napieralski diesen wiederholt öffentlich, er warf ihm vor, die Partei autoritär zu führen und dabei immer wieder Parteistatuten zu verletzen. Er forderte sogar die Absetzung Millers durch ein Parteigericht.[13] Doch Miller setzte sich in dem mehr als drei Jahre währenden Konflikt durch, am 27. Juni 2015 trat Napieralski aus der SLD aus.[14]
Napieralski gründete mit anderen ehemaligen Linkspolitikern die neue Partei Biało-Czerwoni, die sich als „sozialliberal“ definierte.[15] Da die „Weiß-Roten“ aber nicht genügend Unterschriften sammelten, um für die Parlamentswahlen 2015 zugelassen zu werden, nahm er das Angebot an, für die liberalkonservative Platforma Obywatelska (PO) um ein Mandat für den Senat zu bewerben. Er wurde am 25. Oktober 2015 zum Senator des Wahlkreises Świnoujście gewählt.[16][17] Bei der Parlamentswahlen 2019 wurde er auf der Liste das Wahlbündnisses Koalicja Obywatelska dann wieder in den Sejm gewählt.[18] Nachdem er auch 2023 für die KO wiedergewählt worden war,[19] trat er der PO bei.
Weblinks
- Sejm-Website Napieralskis (polnisch)
- Website Napieralskis (polnisch)
Einzelnachweise
- ↑ PKW | Wybory do Sejmu RP i Senatu RP. In: pkw.gov.pl. Abgerufen am 26. März 2019 (polnisch).
- ↑ Napieralski wchodzi do Sejmu gazeta.pl, 21. Juni 2004.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Nachricht in Monitor Polski 2004, Nr. 29, S. 518.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ „Napieralski kandydatem SLD na prezydenta – Napieralski Präsidentschaftskandidat der SLD“
- ↑ Ergebnis in Dziennik Ustaw 2010, Nr. 113, S. 9360.
- ↑ die tageszeitung, 22. Juni 2010, S. 8
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Podczas konwencji SLD Napieralski złożył rezygnację onet.pl, 10. Dezember 2011.
- ↑ Napieralski pozywa Millera do sądu partyjnego i składa wniosek o jego zawieszenie onet.pl, 26. März 2015.
- ↑ Grzegorz Napieralski odchodzi z SLD, interia.pl, 27. Juni 2015.
- ↑ Napieralski i Rozenek, czyli Biało-Czerwoni tvn24.pl, 29. Juni 2015.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Znamy już wszystkich senatorów tvn24.pl, 26. Oktober 2015.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 23. Dezember 2025.