Königstuhl (Gurktaler Alpen)
| Königstuhl (Großer Königstuhl) | ||
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| Königstuhl mit Rosaninsee | ||
| Höhe | 2336 m ü. A. | |
| Lage | Kärnten, Steiermark und Salzburg, Österreich | |
| Gebirge | Nockberge, Gurktaler Alpen | |
| Dominanz | 6,2 km → Kilnprein | |
| Schartenhöhe | 294 m ↓ Steinbachsattel | |
| Koordinaten | 46° 56′ 36″ N, 13° 47′ 7″ O | |
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| Gestein | Königstuhlkonglomerat | |
| Alter des Gesteins | Karbon | |
| Besonderheiten | Dreiländereck | |
Der Königstuhl ist der 2336 m ü. A. hohe Gipfel eines gleichnamigen Bergmassivs in den Gurktaler Alpen bzw. in deren höchster Gebirgsgruppe, den Nockbergen. Der Hauptgipfel, oft speziell als Großer Königstuhl bezeichnet, bildet das Dreiländereck der Bundesländer Kärnten, Steiermark und Salzburg. Der Kleine Königstuhl befindet sich weiter nördlich auf Salzburger Territorium.
Berg und Umgebung
Der Königstuhl liegt im Norden der Nockberge. An seinem Gipfel laufen mehrere Höhenrücken zusammen, die weitgehend die Grenzen der drei genannten Bundesländer bilden. Im Nordwesten wird das Bergmassiv des Königstuhls vom Schönfeldsattel (1740 m; Straßenverbindung Kärnten-Salzburg aus der Innerkrems über die Bundschuh-Landesstraße) begrenzt, im Südosten nach einigen weniger stark ausgeprägten Sätteln durch die Turracher Höhe (1795 m; Straßenverbindung Kärnten-Steiermark über die Turracher Straße). Ein von Nordosten aus dem Oberen Murtal heraufziehender Rücken bildet die Landesgrenze zwischen der Steiermark und Salzburg. Mehrere sich verzweigende Rücken liegen auf Salzburger Territorium, ein markanter Gipfel innerhalb dieser stark zergliederten Landschaft ist der rund 7 km vom Gipfel des Großen Königstuhls entfernte Kleine Königstuhl (s. u. für eine unfangreichere Beschreibung des Königsstuhls als Untergruppe der Nockberge).
Die Kärntner und Salzburger Anteile des Berges sind Bestandteil des Biosphärenreservats Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge. Die Nockalmstraße läuft unter westlichen Vorgipfeln (Karlnock, Eisentalhöhe) des Königstuhls vorbei und erreicht hier mit 2049 m ihre größte Höhe. Größere Ortschaften in der Nähe sind Eisentratten, Innerkrems und auf steirischer Seite Turrach.
Der Königsstuhl als Untergruppe der Nockberge
Laut der Gebirgsgruppengliederung für das österreichische Höhlenverzeichnis bildet das Massiv des Königstuhls mit den umliegenden Gipfeln eine von acht Gebirgsgruppen der Nockberge. Nach dieser Definition wird diese (Unter-)Gruppe umgrenzt von Leobengraben, Stangbach, Schneegrubensattel, Winklbach (Nockalmstraße Ostteil), dem Seebachtal, der Turracher Höhe, dem Turrachbach, dem Murtal westlich von Predlitz, dem Thomatal, dem Tal des Bundschuhbachs südwärts, dessen östlichem Zulauf (Feldbach), dem Sattel zum Kremsbach (Schönfeld), die Innerkrems bis Kremsbrücke und dem Liesertal südwärts bis zum Eingang des Leobengrabens. Nach dieser sehr weit gefassten Umgrenzung sind Teil der Untergruppe:
- Der namensgebende Königstuhl (2336 m) mit den Gipfeln in seinem unmittelbaren Umfeld, darunter südöstlich Stangnock (2316 m), Gregerlnock (2296 m) und Rinsennock (2334 m), nordöstlich Mühlbacher Nock (2273 m) und Reisseck (2305 m), nordwestlich Seenock (2260 m) und Sauereggnock (2240 m) sowie westlich Eisentalhöhe (2180 m) und Grünleitennock (2160 m). Des Weiteren die sich vom Mühlbacher Nock nach Norden über Ochsenriegel (2282 m) und Kleinen Königstuhl (2254 m) fast 15 km weit bis ans Thomatal hinziehenden Rücken mit einer Vielzahl eher schwächer ausgeprägter Gipfel zwischen 1800 und 2215 m. Zusätzlich von dieser Linie umschlossen wird auch das recht prominente Massiv...
- ...der Hohen Pressing (2370 m) mit umliegenden Gipfeln, darunter Peitlernock (2244 m), Dörerköpfl (2056 m) und Bodenlucken (2023 m), sowie...
- ...der Kilnprein (2408 m) mit einem sich nordöstlich bis Predlitz hinstreckenden Rücken (u. a. Vorderhütteneck, 2204 m; Rotofen, 1999 m; Presseck, 1500 m).[1]
Für eine umfassendere Beschreibung dieses Systems siehe den entsprechenden Abschnitt im Artikel über die Nockberge.
Naturraum
Geomorphologie und Geologie
Während der Würm-Kaltzeit bildeten sich lokal nur kleine Gletscher auf den höchsten Gipfeln (ab 2300 m) der Nockberge,[2] in den Senken bzw. Karen insbesondere der Nordseite des Königstuhls zeugen einige kleine Endmoränen von solchen lokalen Gletschern.[3] Sehr wohl aber wurden die Täler durch die aus den höheren Landesteilen herabfließenden Eismassen, die eine Mächtigkeit von über 1000 Metern erreichen konnten, ausgeschürft, Moränen bedecken die Bergflanken des Königstuhls in entsprechender Höhe. Die Haupteisströme flossen durch das Drautal von West nach Ost sowie durch das Liesertal von Norden nach Süden, kleinere Eisströme durchzogen die Nockberge im Gebiet um den Königstuhl vom Murtal her südwärts.[4] Der Königstuhl gehört zu jenem östlichen Teil der Nockberge, der aus der zum Oberostalpin gehörende Gurktaler Decke (vgl. Tektonische Decke) aufgebaut ist. Diese Decke besteht aus nur schwach metamorphen Gesteinen des Paläozoikums und der Variszischen Gebirgsbildung. Hier kommen u. a. Phyllite, Quarzite, Diabase, Grünschiefer und Dolomitmarmore vor. Insbesondere am Königstuhl kommen aber auch nicht-metamorphe Ablagerungen aus dem Oberkarbon (also nach-variszisch) vor, eine etwa 400 m mächtige Folge von Quarz-Konglomeraten und Sandsteinen. Diese bilden den Gipfelaufbau des Königstuhls, der durch diese für die Nockberge sonst untypischen Gesteine eine charakteristische, schroffe Morphologie und auffällig dunkle Färbung zeigt. Innerhalb dieser Ablagerungen finden sich bis mehrere Meter mächtige Tonschiefer sowie Flöze von hochwertiger Anthrazitkohle, die im Bereich der Turrach bis 1964 abgebaut wurde. Hierbei dürfte es sich um Hinterlassenschaften eines mäandrierenden Flusssystems bzw. einer Moorlandschaft handeln, wo in wechselnder Abfolge Sand und organisches Material abgelagert wurde.[5]
Fossile Pflanzenwelt des Königstuhls
Vor allem die genannten Tonschiefer des Königstuhls sind bekannte Fundstätten für fossile Pflanzen. Diese haben ein Alter von etwa 290 bis 300 Millionen Jahren. Die Sedimente bildeten sich in einer Beckenlandschaft (s.g. Stangnock-Becken bzw. Stangnock-Karbon; nach dem Stangnock südöstlich des Großen Königstuhls), die damals als Teil Pangaeas näher am Äquator lag, als die Alpen heute. Die Pflanzen gediehen daher in einem subtropischen bis tropischen Klima. Unter Fossiliensammlern ist die Fundstelle mindestens seit 1779 bekannt, im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde der Fossilienbestand systematisch erfasst und rund 50 Taxa erkannt, weitere Forschungen im 20. und 21. Jahrhundert erhöhten diese Zahl für insbesondere den Raum zwischen Königstuhl und Stangalpe auf 72. Es sind dies:
- 16 Taxa von schachtelhalmartigen Pflanzen (Equisetophyta)
- 13 Taxa von bärlappartigen Pflanzen (Lycophyta)
- 12 Taxa von farnartigen Pflanzen (Filicophyta)
- 27 Taxa von farnartigen Samenpflanzen (Pteridospermatae)
- 2 Taxa von bandblättrigen Nacktsamenpflanzen (Cordaitidae)
- 2 Taxa von nadelblättrigen Nacktsamenpflanzen (Coniferae)
Im Wortsinne herausragend unter diesen Taxa sind die bis zu 30 Meter hohen Schuppenbäume bzw. Sigillariaceae sowie Riesenschachtelhalme (Kalamiten).[6]
Gewässer
Nördlich unterhalb des Gipfels liegt auf Salzburger Territorium der Rosaninsee, aus dem die Krems entspringt. Der See und das ihn umgebende Moor bilden ein komplexes Biotop,[7] das als Naturschutzgebiet Rosanin bewahrt werden soll. Auf westlicher, kärntner Seite des Bergrückens liegt der Friesenhalssee, von dem überliefert ist, dass er einst von Seesaiblingen bewohnt war.[8] Aus dem Friesenhalssee entspringt der Karlbach, dessen Wasser wenige Kilometer weiter im Karlbad, dem letzten erhaltenen Bauernbad der Ostalpen, Verwendung findet.
Wege
Der Königstuhl ist großteils von Almwiesen bedeckt. Ein markierter Weg führt über den südwärts verlaufenden Grat, der die Grenze zwischen Steiermark und Kärnten bildet, zum Gipfel. Er ist Teil des Kärntner Grenzwegs. Über diesen Weg kann der Königstuhl sowohl von der Kärntner als auch von der steirischen Seite aus erreicht werden, ein möglicher Ausgangspunkt von kärntner Seite ist die Priesshütte an der Nockalmstraße. Ein weiterer Weg führt aus nordwestlicher Richtung über den Grenzkamm zwischen Salzburg und Kärnten zum Gipfel, ein beliebter Ausgangspunkt für diesen Weg ist die Dr.-Josef-Mehrl-Hütte. Der kürzeste Weg zum Gipfel beginnt an der Südwestseite des Berges, wo die Nockalmstraße bei der Eisentalhöhe ihre höchsten Punkt erreicht. Im Winter ist der Königstuhl ein beliebtes Ziel für Skitouren.
Literatur
- Alexander Kimmer, Helmut Lang, Gerhard Baumhackl: Nockberge Biosphärenpark - Gurktaler Alpen - Maltatal. 51 Touren. Mit GPS-Daten. 7. Auflage. Bergverlag Rother, Oberhaching 2023, ISBN 978-3-7633-4512-0, S. 67 f.; 74–77; 86–88.
- Helmut Zwander: Die Nockberge. Ein Natuführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, ISBN 978-3-85328-058-4.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Günter Stummer, Lukas Plan: Handbuch zum Österreichischen Höhlenverzeichnis inklusive bayerischer Alpenraum. Hrsg.: Verband Österreichischer Höhlenforscher und karst- und höhlenkundliche Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien (= Speldok 10). Wien 2002, S. 95 (hoehle.org [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 26. August 2025]).
- ↑ Martin Seger: Geographische Einführung. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 8.
- ↑ Geologische Karte 1:50.000. In: maps.geosphere.at. Abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Friedrich Hans Ucik: Die Eiszeit. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 68 f.
- ↑ Friedrich Hans Ucik: Geologie. In: Paul Mildner, Helmut Zwander (Hrsg.): Kärnten – Natur. Die Vielfalt eines Landes im Süden Österreichs. 2., erweiterte Auflage. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 1999, S. 62 f.
- ↑ Adolf Fritz: Die steinkohlezeitliche Pflanzenwelt. In: Paul Mildner, Helmut Zwander (Hrsg.): Kärnten – Natur. Die Vielfalt eines Landes im Süden Österreichs. 2., erweiterte Auflage. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 1999, S. 183–188.
- ↑ Wilfried Robert Franz, Helmut Hartl, Gerfried Horand Leute: Botanik. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 182.
- ↑ Hans Sampl: Die Gewässer der Region. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 44.