Grininke Beymelekh
Grininke Beymelekh (jiddisch גרינינקע ביימעלעך ‚Grüne Bäumchen/Bäumelein‘) war eine jiddischsprachige Kinderzeitschrift, die von 1914 bis 1939 mit Unterbrechungen in Wilna (heute Vilnius) erschien.
Beschreibung
Grininke Beymelekh wurde auf Initiative der Zentralen Jüdischen Schulbehörde im Gouvernement Wilna[1] erstmals im Februar 1914 im Verlag von Boris Kletzkin (1875–1937) in Wilna veröffentlicht. Geleitet wurde die Zeitschrift vom Linguisten Nochum Shtif (1879–1933), herausgegeben vom Dichter und Pädagogen Falk Halperin (1876–1945). In den Jahren 1914 und 1915 erschienen zwanzig Ausgaben, bis sie aufgrund des Ersten Weltkriegs eingestellt werden musste. Der Zeitung Di Yidishe Vokh lag zwar bereits von 1912 bis 1913 eine Kinderzeitschrift mit dem Titel Farn Kleynem Oylem bei, Grininke Beymelekh war jedoch die erste jiddische Kinderzeitschrift, die eigenständig erschien.[2.1][3] Der Name der Zeitschrift wurde aus dem Gedicht Unter di grininke beymelekh (‚Unter den grünen Bäumchen/Bäumelein‘) übernommen, das Chaim Nachman Bialik 1901 über jüdische Kinder geschrieben hatte.[2.2]
Nach dem Krieg wurde die Zeitung 1919 unter der Leitung von Shloyme Bastomski weitergeführt, der sich schon lange für eine jiddische Kinderzeitung eingesetzt hatte.[4.1] Im folgenden Jahr gründete Bastomski eine Zeitschrift für ältere Kinder mit dem Titel Der Khaver (‚Der Freund‘). Beide Zeitungen stellten ihr Erscheinen 1922 ein, aber Grininke Beymelekh wurde 1926 von Bastomski neu gegründet, ebenso wie Der Khaver drei Jahre später. In den späten 1920er-Jahren steuerte Helene Chatzkels regelmäßig kindgerechte Beiträge über Naturwissenschaften und Geografie bei.[5] Obwohl keine genauen Auflagenzahlen bekannt sind, verkaufte Grininke Beymelekh wahrscheinlich rund 1000 Zeitungen pro Ausgabe. Jiddische Kinderzeitschriften waren oft nur von kurzer Dauer, aber Grininke Beymelekh erschien von 1926 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 weiter.[3][4.1]
Weiterführende Literatur
- Adina Bar-El: ‘Greeninkeh Baimelekh’ (Green Bushes) – A Yiddish Juvenile Newspaper in Vilna = ‘גרינינקע ביימעלעך’ – ההתחלה: לתולדותיו של עיתון ילדים יידי בפולין In: Kesher = קשר Nr. 27, 2000, S. 99–106, JSTOR:23916190 (hebräisch, englischsprachiges Abstract).
Weblinks
- Digitalisierte Ausgaben (1914/15, 1919–1922, 1926–1939) bei der Israelischen Nationalbibliothek
- Adina Bar-El: Children’s Literature: Yiddish Literature. In: YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe. (englisch, übersetzt von Carrie Friedman-Cohen).
Einzelnachweise
- ↑ Susanne Marten-Finnis: Wilna als Zentrum der jüdischen Parteiliteratur 1896 bis 1922. In: Aschkenas. Band 10, Nr. 1, 2000, S. 203–244, hier: S. 241, doi:10.1515/asch.2000.10.1.203.
- ↑ Nathan Cohen: No More 'Little Jews without Beards': Insights into Yiddish Children’s Literature in Eastern Europe Prior to World War I. In: Modern Judaism. Band 41, Nr. 1, 2021, S. 102–109, doi:10.1093/mj/kjaa018.
- ↑ a b Adina Bar-El: Children’s Literature: Yiddish Literature. In: YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe. Abgerufen am 6. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Nathan Cohen: Reading Polish among Young Jewish People. In: Polin: Studies in Polish Jewry. Band 28, 2016, S. 173–186, doi:10.3828/polin.2016.28.173.
- ↑ Kenneth B. Moss: From Zionism as Ideology to the Yishuv as Fact: Polish Jewish Re orientations Toward Palestine Within and Beyond Zionism, 1927–1932. In: Kenneth B. Moss, Benjamin Nathans, Taro Tsurumi (Hrsg.): From Europe’s East to the Middle East: Israel’s Russian and Polish Lineages. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2022, ISBN 978-0-8122-5309-2, S. 271–304, hier: S. 280 f.