Granzow (Gumtow)
Granzow Gemeinde Gumtow
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|---|---|
| Koordinaten: | 52° 58′ N, 12° 15′ O |
| Höhe: | 50 m ü. NHN |
| Einwohner: | 124 (2020)[Ohne Beleg] |
| Eingemeindung: | 30. Juni 2002 |
| Postleitzahl: | 16866 |
| Vorwahl: | 033977 |
Granzow ist ein Ortsteil der Gemeinde Gumtow im Landkreis Prignitz in Brandenburg.[1]
Geografie
Der Ort liegt im Naturschutzgebiet Königsfließ 2 Kilometer südlich von Gumtow und 29 Kilometer südöstlich von Perleberg. Umgeben ist das Dorf von einer offenen Agrarlandschaft und in geringem Umfang sind kleinere Waldstücke vorhanden.[2] In die Landschaft reizvoll eingebettet, stellt das Dorf einen in der Gemeinde Gumtow einzigartigen Übergang zwischen Landschafts- und Siedlungsraum dar. Am Südrücken einer leichten Hügelkette gelegen, bietet das Straßendorf dem Betrachter auf allen Zufahrtswegen ein intaktes Dorfensemble. Eine Besonderheit dieser Region ist die zwar von Menschen geformte, seit vielen Jahren aber weitgehend unberührte Natur.[3] Rund 400 Meter südöstlich befindet sich eine Erhebung in der Niederung, dessen Flurname Dorfstelle vermutlich auf eine slawische Siedlung hinweist. Rund einen Kilometer südwestlich befindet sich der Flurname Borgstädte.[4]
Die Nachbarorte sind Gumtow im Norden, Demerthin im Nordosten, Berlitt im Südosten, Barenthin im Süden, Görike im Südwesten, Schönhagen im Westen, sowie Döllen im Nordwesten.[2]
Geschichte
14. bis 16. Jahrhundert
Das Dorf wurde erstmals durch den Ratsherren Pawl Grantzow aus Wusterhausen im Jahr 1339 urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung Gransowe erschien erstmals 1344 in den Akten. Das Dorf gehörte vor 1344 bis 1819 dem Domkapitel zu Havelberg, die das Dorf, seit 1344 auch die gerichtsherrlichen Rechte (Vogtei) des Markgrafen umfassten. Im Jahr 1449 waren Hans und Kone Schönhagen zu Granzow als Lehnschulzen und ein Bürger aus Kyritz mit der Schorffheide auf der Feldmark Nitzow belehnt. Die Akten führen aus, dass dies „wie schon zuvor“[4] der Fall war, d. h. die Belehnung bereits in diesem Jahr bestand. Aus den Jahren 1551/1554 sind zehn Zweihufner und ein Einhufner bekannt, die in Summe 21 Hufen bewirtschafteten.[4] Im Jahr 1556 lebten im Dorf zwölf Hufner, fünf Kossäten und ein Müller. Im Folgejahr erbaute der Lehnschulze Achim Schönhagen eine Windmühle. Im Jahr 1576 lebten im Dorf nach wie vor zwölf Hufner, fünf Kossäten und ein Müller. Aus dem Jahr 1586 wurde berichtet, dass es im Dorf das Lehnschulzenamt und die Gerichtsbarkeit in Granzow mit dem Wohnhof, einer zugekauften freien Windmühlenstätte und Wassermühle mit Garten, Teichen, Fischerei, Seen und Fließen gab. Außerdem gab es zwei freie Hufen Land, einen Hopfen- und Kohlgarten sowie drei besetzte Kossätenhöfe, eine Hofstätte und ein altes Häuslein. Hinzu kamen ein hinzugekaufter Kossätenhof sowie die Einkünfte von den Bauern im Dorf.[5] Im Jahr 1581 ist die Existenz eines Pfarrers überliefert; der Küster erhielt von jeder Hufe ein Viertel; die Kirche Abgaben von Grundstücken im Dorf: der Mühlenwiese, dem Wickenhorst, dem Wedenwor und Kohlgarten beim Schäferhofe sowie von einer Wiese). Die Kirche aus Görike besaß Ackerstücke auf und am Granzowschen Feld sowie ein Stück Land, das am Gramzowschen kowal benannt wurde.[6]
17. Jahrhundert
Im Jahr 1652 lebten im Dorf fünf Hufner, ein Halbhufner und zwei Kossäten; in Summe elf Personen. Aus dem Jahr 1667 ist bekannt, das wie Granzowsche Wassermühle nicht mehr vorhanden war. Sie gehörte, wie die noch existente Windmühle zum Schulzengut und waren verlehnt. Eine Statistik aus dem Jahr 1868 führte auf: einen Lehnschulen mit zwei Hufen, zehn Zweihufnerhöfe (davon einer wüst), ein Einhufnerhof, fünf Kossäten (davon einer wüst) sowie ein Kötter ohne Acker, der als Schneider arbeitete. Es gab eine Windmühle, einen Kuhhirten sowie einen Schäfer, der auch die Schweine mit hütete, jedoch keinen Krug oder eine Krugstelle. Die Gemarkung war insgesamt 23 Hufen groß; dort wurden 13 Wispel 16 Scheffel und 2 Vt ausgesät. Die Bewohner durften keine Fischerei betreiben und waren auch nur notdürftig mit Brennholz versorgt. Die Wiesenflächen waren morastig und brachten nur einen geringen Ertrag.[5]
18. Jahrhundert
In Granzow lebten im Jahr 1734 insgesamt zwölf Bauern, vier Häuslinge, ein Schäfer und einen Hirten. Sie bewirtschafteten insgesamt 23 Hufen, auf denen sie 13 Wispel 12 Scheffel 4 Malter Saat ausbrachten. Im Dorf gab es im Jahr 1754 einen Lehnschulzen, elf Bauern, fünf Kossäten, einen Kötter, eine Schmiede und eine Windmühle. Im Jahr 1760 waren es zwölf Hufner, vier Kossäten, ein Dorfschäfer und ein Kuhhirte. Für das Jahr 1791 waren überliefert: zehn Bauern, ein Halbbauer, vier Büdner, drei Hausleute und ein Müller, die in Summe 31 Feuerstellen (=Haushalte) betrieben.[5]
19. Jahrhundert
Eine Statistik aus dem Jahr 1801 führte für Gramzow auf: einen Lehnschulzen, zehn Ganzbauern, einen Halbbauern, zwei Kossäten, vier Büdner, vier Einlieger und eine Windmühle. Es gab 31 Feuerstellen auf 23 Hufen.[5] Im Jahr 1819 übernahm das Amt Havelberg den Ort und verwaltete ihn bis 1871.[4] Im Jahr 1819 lebten in Gramzow zwölf Hufner, vier Kossäten, ein Kostknecht bei der Mühle, ein Hirte mit und einer ohne Vieh sowie zwei Paar Einlieger. Im Jahr 1846 standen im Dorf 40 Wohnhäuser. Die Gemarkung umfasste im Jahr 1860 insgesamt 2170 Morgen (Mg): 55 Mg Gehöfte, 1788 Mg Acker, 196 Mg Wiese und 131 Mg Weide.[4] Eine Beschreibung aus dem Jahr 1852 wies auf das Dorf in einer ebenen Lage an einem Torfluch hin. Der Boden wurde als hügelig und sandig beschrieben; Torf und Kies waren vorhanden. Die Bauern betrieben ein Drei- und Vierfeldersystem, Viehzucht sowie Hühner- und ein wenig Bienenzucht. Es gab zwei Ziegeleien und eine Mühle. Als Hauptnahrung der Bewohner werden rohe Naturprodukte angegeben. Das Dorf mit zwei Abbauten (den Ziegeleien) erschien auch in einer Statistik im Jahr 1860. In diesem Jahr gab es im Dorf fünf öffentliche, 38 Wohn- und 38 Wirtschaftsgebäude.[5]
20. Jahrhundert
Zur Jahrhundertwende standen im Dorf 35 Häuser auf 1035 Hektar (ha) Fläche.[4] Im Jahr 1907 gab es einen Gutsbesitzer, der 158 ha Fläche bewirtschaftete. Außerdem lebten im Dorf neun Bauern, ein Kossät mit 29 ha, zwei Landwirte, zwei Eigentümer und 9 und 8 ha sowie ein Gastwirt und Eigentümer mit 13 ha Land. Es gab außerdem einen Mühlenbesitzer, der 9 ha besaß, einen Schmied, einen Stellmacher mit 9 ha, einen Molkereibesitzer, einen Knecht, einen Lehrer, einen Altsitzer und einen Rentner. Eine weitere Statistik aus dem Jahr 1931 führte 40 Wohnhäuser auf.[5] Im Jahr 1939 gab es einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit mehr als 100 ha. Weitere acht Betriebe besaßen zwischen 20 und 100 ha, elf zwischen 10 und 20 ha, einer zwischen 5 und 10 ha sowie 8 zwischen 0,5 und 5 ha. Die Statistik führte 166 Berufszugehörige auf, darunter 15 in Industrie und Handwerk Tätige sowie eine Person, die in Handel und Verkehr tätig war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 168,73 ha enteignet und aufgeteilt: Ein Neubauer erhielt 1,25 ha, 17 Personen 152,92 ha, drei Altbauern 9,93 ha und die restlichen Flächen die Gemeinde. Im Jahr 1953 gab es eine LPG Typ III Lebensglück mit 12 Mitgliedern und 62 ha Fläche. Im Jahr 1960 bestand die LPG Typ III mit 93 Mitgliedern und 703 ha Fläche, die sich 1978 an die LPG in Gumtow anschloss.[6] Granzow bestand im Jahr 1985 mit dem Ortsteil Siedlung am Barenthiner Weg.[4] Im Jahr 1989 gab es die LPG Tierproduktion Gumtow-Döllen mit der Abteilung Gramzow.
21. Jahrhundert
Zum 30. Juni 2002 schloss sich Granzow mit 15 anderen Gemeinden zur Gemeinde Gumtow zusammen. Der Ort hatte damals 148 Einwohner.[7]
Bevölkerungsentwicklung
| Einwohnerentwicklung in Granzow von 1734 bis 1991 | ||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1734 | 1772 | 1791 | 1801 | 1817 | 1837 | 1858 | 1871 | 1895 | 1925 | 1939 | 1946 | 1964 | 1971 | 1981 | 1991 | ||
| Einwohner | 104 | 136 | 141 | 165 | 156 | 235 | 270 | 270 | 271 | 228 (mit Gut und Abbau 277) | 213 | 338 | 204 | 185 | 161 | 141 | ||
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Die Dorfkirche Granzow ist eine kleine, rechteckige Feldsteinkirche, die im Kern gotisch ist. Über dem westlichen Giebel befindet sich ein quadratischer, verschieferter Dachturm, der 1868 aufgesetzt wurde. Im Innenraum steht unter anderem ein barocker Kanzelaltar aus der Zeit um 1700.
Literatur
- Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 288 ff.
Weblinks
- Granzow im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie
- Granzow auf gemeindegumtow.de
Einzelnachweise
- ↑ Gumtow | Service Brandenburg. Abgerufen am 25. Februar 2024.
- ↑ a b Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
- ↑ Gemeinde Gumtow: Gemeinde Gumtow. Hrsg.: Gemeinde Gumtow. 1. Auflage. mediaprint infoverlaggmbh, Mering 2016, S. 16.
- ↑ a b c d e f g Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 288
- ↑ a b c d e f Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 289
- ↑ a b Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 290
- ↑ Gemeindezusammenschlüsse – Gumtow. In: service.brandenburg.de. Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. Dezember 2018; abgerufen am 28. Dezember 2015. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.