Dorfkirche Granzow
Die evangelische Dorfkirche Granzow ist eine im Kern gotische Feldsteinkirche in Granzow, einem Ortsteil der Gemeinde Gumtow im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Prignitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Lage
Der Barenthiner Weg führt als zentrale Verbindungsstraße von Norden kommend in südlicher Richtung durch den Ort. Die Kirche steht inmitten des Dorfes auf einem leicht erhöhten Grundstück, das nicht eingefriedet ist.
Geschichte
Das Bauwerk wurde um 1300 aus Feldsteinen errichtet. Zu dieser Zeit wurde im Jahr 1315 ein Henricus Granzowe urkundlich erwähnt. Das Kirchenpatronat lag ab 1344 beim Havelberger Domkapitel, die das Dorf samt Kirche vom Markgrafen Ludwig erhielten. Dendrochronologische Untersuchungen des Kehlbalkendachwerks ergaben, dass das Holz hierfür im Jahr 1550 geschlagen wurde. Im Jahr 1581 ist die Existenz eines Pfarrers überliefert; der Küster erhielt von jeder Hufe ein Viertel; die Kirche erhielt Abgaben von Grundstücken im Dorf: der Mühlenwiese, dem Wickenhorst, dem Wedenwor und Kohlgarten beim Schäferhofe sowie von einer Wiese. Die Kirche aus Görike besaß Ackerstücke auf und am Granzowschen Feld sowie ein Stück Land, das am Granzowschen kowal benannt wurde.[1] Im Jahr 1753 erhielt das Bauwerk einen Kirchturm; möglicherweise wurde in dieser Zeit das Bauwerk barock überformt. Um 1900 entstand ein neugotischer Vorbau aus Backstein mit Kreuz und Kronengefüge.
Die Außenhülle der Kirche wurde in den Jahren 2022 und 2023 umfassend saniert. In einem ersten Bauabschnitt im Jahr 2022 wurde der Kirchturm saniert. Dabei mussten die Orgel teilweise ausgebaut und der Glockenstuhl vom übrigen Bauwerk entkoppelt werden. In einem zweiten Bauabschnitt konnte das Kirchenschiff saniert werden.[2] Geplant ist als Nächstes, den Kanzelaltar zu restaurieren.
Baubeschreibung
Das Bauwerk entstand im Wesentlichen aus Feldsteinen, die behauen und vergleichsweise lagig geschichtet wurden. Der Chor ist rechteckig und nicht eingezogen. An der Ostseite sind zwei barock vergrößerte, rundbogenförmige Fenster, die eine bauzeitliche Dreifenstergruppe ersetzen. Seitlich sind zwei Strebepfeiler aus Mischmauerwerk angebaut, die das Bauwerk stabilisieren.
Das Kirchenschiff hat einen rechteckigen Grundriss. An der Nordseite sind zwei ebenfalls barock vergrößerte und rundbogenförmige Fenster; an der Südseite befinden sich drei vergleichbare Fenster. Zwischen dem östlich gelegenen und den beiden westlich gelegenen Fenstern ist ein rechteckiger Anbau im Stil der Neugotik. Durch ihn kann das Bauwerk betreten werden. Im Nordosten befinden sich die Reste eines Anbaus, möglicherweise eine Sakristei.[3]
Oberhalb des schlichten Satteldachs erhebt sich ein quadratischer Turmaufsatz mit einer Turmuhr, der mit einer geschweiften Turmhaube, Turmkugel und Wetterfahne abschließt. An der Westseite des Bauwerks befindet sich im unteren Bereich ein Fenster, das zu einer früheren Zeit als Zugang diente. Der Bereich oberhalb des Feldsteinmauerwerks ist verschiefert und mit mehreren Öffnungen versehen.
Ausstattung
Im Innenraum befindet sich ein barocker Kanzelaltar mit Kanzeluhr aus der Zeit um 1700. Der polygonale Kanzelkorb wird von korinthischen Säulen und Akanthuswangen verziert. Oberhalb des gesprengten Giebels befinden sich Putten. Zur weiteren Kirchenausstattung gehören ein hölzernes Taufbecken sowie ein Grab- und Gedenkstein für zwei Kinder der Familie Plato aus dem Jahr 1665. Die Empore ist mit Psalmen aus dem Neuen Testament verziert. Unterhalb befindet sich eine Winterkirche mit einer Bücherstube. Oberhalb steht eine Orgel, die Albert Hollenbach aus Neuruppin im Jahr 1888 errichtete.
Literatur
- Gerhard Vinken u. a. (Bearb.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 407 (dehio.org).
Weblinks
- Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09160140 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
Einzelnachweise
- ↑ Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 290
- ↑ Dorfkirche Granzow, Webseite der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa), abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Granzow – Landkreis Prignitz, Webseite von Michael Schletze, abgerufen am 3. Januar 2026.
Koordinaten: 52° 57′ 34″ N, 12° 15′ 1,3″ O