Gottfried Joest
Gottfried Joest (* 9. Januar 1907 in Dortmund; † 16. November 1975 in Ennepetal) war ein deutscher Parteifunktionär (NSDAP).
Leben
Gottfried Joest machte nach dem Besuch der Realschule Gevelsberg eine einjährige Lehre (Volontariat) in einer Bau- und Möbelschreinerei, um ein Studium im Fach Raumkunst an der Kunstgewerbeschule Barmen zu absolvieren. Bevor er im Oktober 1930 arbeitslos wurde, war er technischer Mitarbeiter in einer Gummersbacher Maschinenfabrik, Betriebstechniker in einer Firma in Blaubeuren sowie Abteilungsleiter einer Karlsruher Firma. Erneut studierte er an der Kunstgewerbeschule, nun im Fach Hochbau-Entwurf. Er engagierte sich politisch und wurde zum 1. April 1925 Mitbegründer der Ortsgruppe Gevelsberg des Bundes Der Wehrwolf, Bund Deutscher Männer und Frontkrieger e.V. Zum 1. März 1931 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 488.857),[1] wo er zunächst Propagandaleiter und Geschäftsführer und ab September 1932 Ortsgruppenleiter war. Er wurde Kreispropagandaleiter und Geschäftsführer des NSDAP-Kreises Ennepe-Ruhr (bis September 1933) und anschließend bis Mai 1934 Gauschulungswalter der Deutschen Arbeitsfront (von April 1937 bis Mai 1938 Referent im DAF-Schulungsamt Berlin) und stellvertretender Gauschulungsleiter Westfalen-Süd. Zugleich war er der erste Kommandant der Reichsschulungsburg Erwitte[2]. Außerdem wurde er zum Reichsorganisationsleiter für den Bau der Reichsschulungsburgen, Gauschulen und Kreisburgen ernannt. Joest war Mitglied der SA, wo er seit 1937 SA-Obersturmbannführer war. Vom 1. Juni 1938 bis August 1940 und von Februar 1942 bis Mai 1942 bekleidete er das Amt des NSDAP-Kreisleiters im Kreis Hellweg.
Vom 7. August 1940 war er in der SS-Division „Das Reich“, wo er 1943 Obersturmführer war und im Westfeldzug, im Balkanfeldzug (1941) und bis November 1941 im Russlandfeldzug eingesetzt wurde. Anschließend war er bis Mai 1942 im „Heimatkriegsgebiet“ und im Anschluss bei der Besatzungstruppe in Frankreich. 1943 kam er an die Ostfront zurück.
Am 7. Juni 1945 wurde er im Internierungslager Recklinghausen-Hillerheide interniert und im Januar 1948 in das Gerichtsgefängnis Dortmund überführt und später in die Haftanstalt Münster gebracht. Die Oberstaatsanwaltschaft Dortmund klagte ihn am 16. Dezember 1946 wegen Anstiftung zu schwerem Landfriedensbruch, schwerer Brandstiftung und Mord anlässlich der Reichspogromnacht 1938 in Lünen an. Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn am 31. Januar 1948 zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren, ohne Anrechnung der Untersuchungs- und Revisionshaft. Gnadengesuche Joests auf Anrechnung der Untersuchungs- und Internierungshaft wurden vom Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen am 7. Oktober 1949 abgelehnt. Im Gefängnis Münster war er bis Dezember 1951 und es wurde ihm zu Weihnachten 1950 eine dreimonatige Strafunterbrechung „zur Ordnung seiner häuslichen Verhältnisse“ gewährt. Während dieser Zeit hatte er in Gevelsberg eine Anstellung als selbständiger Vertreter. Sein Gnadengesuch auf Erlass der Reststrafe vom 23. Mai 1951 brachte eine Aussetzung der Zuchthausstrafe von einem Jahr mit Bewährungsfrist bis zum Jahresende 1954.
Die Spruchkammer Recklinghausen verurteilte Joest wegen seiner Zugehörigkeit zur SS und zum Führerkorps der NSDAP zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und 6 Monaten, die durch die Internierung verbüßt waren.
Nach seiner Freilassung im Dezember 1951 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Eisengroßhändler und Mitinhaber einer Eisengroßhandlung in Schwelm.
Literatur
Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 239f. Digitalisat
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/18510310
- ↑ Tony Le Tessier: The Third Reich, Then and Now. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).