Gimli (Manitoba)

Gimli

Gimli am Lake Winnipeg
Lage in Manitoba
Gimli
Staat: Kanada Kanada
Provinz: Manitoba
Region: Interlake
Koordinaten: 50° 38′ N, 96° 59′ W
Höhe: 222 m
Fläche: 326.3 km²
Einwohner: 5797 (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte: 17,8 Einw./km²
Zeitzone: Central Time (UTC−6)
Postleitzahl: R0C

Gimli ist eine Gemeinde in der kanadischen Provinz Manitoba, am westlichen Ufer des Lake Winnipeg. Der Ort hatte im Jahr 2006 einschließlich der zur Town gehörenden Orte 5.797 Einwohner, 2016 lebten im Ortszentrum 2.151 Menschen, 2021 waren es 2.345.[1] Gimli liegt ca. 80 km nördlich der Provinzhauptstadt Winnipeg unweit des Südendes des Winnipegsees. Der Ort entstand ab 1875 und war damit die erste vo Isländern gegründete Siedlung. Sie sollte Gimli heißen, also Paradies.

Geschichte

Gimli wurde im Oktober 1875 von isländischen Einwanderern gegründet. Zunächst machten sich 300 Isländer nach Ontario auf und nahmen ein Schiff nach Duluth. Von dort aus gelangten sie nach Grand Forks in Norddakota und fuhren mit einem Dampfer bis zur Mündung des Assiniboine. Viele blieben in Winnipeg, doch etwa 200 gründeten Gimli unter äußerst schwierigen Bedingungen. Sie landeten zunächst auf Willow Island, von wo sie ihr Hab und Gut zu Fuß an die Siedlungsorte Gimli, Lundi und Sandvik trugen. Nur Gimli überdauerte, wenn auch viele Isländer im ersten Jahr aufgaben und wieder abzogen.[2] 1876 wurde die Gemeinde von Pocken getroffen, der mindestens 150 Siedler zum Opfer fielen, während in Winnipeg ein erstes Vermittlungsbüro speziell für Isländer entstand. Doch nun kamen weitere Siedler nach Gimli. Sigtryggur Jonasson, der als erster isländischer Siedlungsagent Kanadas tätig wurde, hatte in Island um Siedler geworben, wobei ihm schwere Vulkanausbrüche, die die Bevölkerung in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedrohten, zu Hilfe gekommen waren. Er brachte 1876 rund 800 Isländer über den Atlantik, die sieben Wochen später, am 20. August 1876 Gimli erreichten. Im Laufe des Sommers kamen weitere 400 Isländer an, schließlich kamen weitere 19 Siedler hinzu. Auch wenn die Zahlenangaben divergieren, so dürften rund 1200 Isländer die Region innerhalb eines Jahres erreicht haben. Bald konnten sie sich mit den benachbarten Indianern auf eine Grenzziehung einigen.

1906 wurde Gimli an die Canadian Pacific Railway angeschlossen. Die Siedlung erhielt 1908 den Status eines Dorfes (village) und 1946 den einer Town. In dieser Zeit wurde sie zum Ausflugsort für Besucher aus Winnipeg, die am See bald Häuser bauten. 1943 bis 1945 bestand westlich eine Trainingseinheit der Royal Canadian Air Force (1924–1968), die noch einmal 1950 bis 1971 wiederbelebt wurde.

Der Ort erhielt 1983 durch die dortige Notlandung einer Boeing 767 vorübergehend überregionale Aufmerksamkeit (siehe: Air-Canada-Flug 143). 2003 wurde Gimli mit der Rural Municipality of Gimli zusammengefasst.

Museum zur isländischen Kultur

Im Waterfront Centre befindet sich das New Iceland Heritage Museum. Nachdem 1971 die Canadian Forces Base aufgegeben worden war, und zahlreiche Arbeitsplätze verloren gingen, entstand 1972 die Icelandic Cultural Corporation. 1974 eröffnete das Museum seine Pforten. Es bot in drei Räumen Ausstellungen zur isländischen und zur ukrainischen Einwanderung und zur Fischerei. 1994 übernahm die Stadt das Museum. 1995 fiel die Entscheidung, statt eines üblichen Ortsmuseums ein Museum mit dem Sammelgebiet Isländische Kultur zu gründen.

Persönlichkeiten

  • Vilhjálmur Stefánsson (1879–1962), Forschungsreisender
  • Greg Carroll (* 1956), Eishockeyspieler
  • Fridjon Fridriksson, gründete 1876 die erste Vermittlungsagentur für isländische Siedler
  • Sigtryggur Jonasson, John Taylor und Einar Jonsson, die drei Führer der ersten Siedler
  • W. D. Valgardson, Schriftsteller, wuchs in Gimli auf

Literatur

  • Ryan Christopher Eyford: An Experiment in Immigrant Colonization. Canada and the Icelandic Reserve, 1875–1897, thesis in history, University of Manitoba, 2010. (online, PDF)
Commons: Gimli, Manitoba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Belege

  1. Census Profile, 2021 Census of Population, Statistics Canada.
  2. Jónas Thor: Icelanders In North America. The First Settlers, University of Manitoba Press 2002, S. 164.