Township (Kanada)

Eine Township in Kanada, in Québec französisch Canton, auf Prince Edward Island Lot, bezeichnet eine historische Vermessungseinheit des Landes, die früher in ländlichen, besiedelten Gebieten auch die kleinste kommunale Verwaltungseinheit darstellte. Townships wurden Ende des 18. Jahrhunderts eingeführt, dienten sie dazu, Land systematisch zu vermessen und die Ansiedlung von Siedlern zu erleichtern. Heute variiert die Bedeutung von Township je nach Provinz, und die einst so bezeichneten Verwaltungseinheiten werden meist als Rural Community Landgemeinde bezeichnet.

Geschichte

Vermessungseinheit

Die Townships entstanden als systematische Form der Landesvermessung im späten 18. Jahrhundert, vor allem nach der Amerikanischen Revolution, um den Loyalisten Land zuzuweisen, wobei es jedoch regionale Unterschiede gibt. In den Provinzen Nova Scotia und New Brunswick variieren die Größen der Townships, während sie in weiten Teilen Québecs und Ontarios in einem schachbrettartigen Muster angelegt wurden. Eine typische Township in diesen Provinzen ist quadratisch, mit einer Seitenlänge von 10 Meilen (etwa 16 km) und einer Fläche von 100 Quadratmeilen (etwa 260 km2).[1]

In Westkanada ist eine Township eine quadratische Landeinheit mit einer Seitenlänge von 10 km (etwa 6 Meilen). Sie besteht aus 36 Sektionen, die jeweils etwa eine Quadratmeile groß sind. Die Grundeinheit ist ein Viertel einer Sektion und misst 64 Hektar (160 Acres). Townships sind nördlich des 49. Breitengrads nummeriert. Ein Beispiel für eine vollständige Landbeschreibung lautet: Northwest Quarter Section 15, Township 5, Range 6, West of the Third Meridian oder abgekürzt NW1/4 Sec 15, Tp 5, R 6, W3. Townships in den westlichen Provinzen haben keine kommunalen oder administrativen Strukturen.[1]

Verwaltungseinheit

In den Atlantikprovinzen New Brunswick, Nova Scotia und Prince Edward Island bildeten die dünn besiedelten Untereinheiten der Counties, wobei der Begriff Township heute durch Rural Community abgelöst wurde. Auf Prince Edward Island wurden bei der Vermessung 67 Townships angelegt, die als Lots bezeichnet wurden. Die Bezeichnung mit der Lot-Nummer ist heute noch in manchen Landgemeinden zu finden.

In Ontario unterscheiden sich die Einwohnerzahlen der Townships stark voneinander: Von unbewohnten Townships über solche mit weniger als 200 Einwohnern wie die Worthington Township im Rainy River District, bis zu rund 40.000 Einwohnern in der Kingston Township im Frontenac County.[1] Unbewohnte Townships und solche mit wenigen Einwohnern werden als Unorganized Areas ‚Nicht kommunal verwaltete Gebiete‘ bezeichnet. Die Provinzregierung erbringt dort direkt kommunale Dienstleistungen wie Polizei, Infrastruktur und die Steuererhebung. Größere Townships mit eigener Verwaltung werden als Municipal Townships bezeichnet.

In Québec werden die Townships französisch mit Canton oder Municipalité de Canton bezeichnet. Sie bilden die unterste kommunale Verwaltungsebene. Jede der Eastern Townships, heute Estrie genannt, bildet das Hauptnetzwerk der lokalen Selbstverwaltung einer der 14 regionalen Grafschaftsgemeinden (MRCs) im Gebiet Sherbrooke in Québec sowie in Teilen der Outaouais und der Saguenay–Lac-Saint-Jean. Hunderte von Townships in Ontario sind unbewohnt und deshalb keine kommunale Verwaltungseinheiten.[1]

  • Alan Rayburn: Township. In: The Canadian Encyclopedia. 11. Mai 2015, abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c d Alan Rayburn: Township. In: The Canadian Encyclopedia. 11. Mai 2015, abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch).