Gettysburg (Schiff, 1991)
Gettysburg 2008 im Arabischen Meer | |
| Übersicht | |
|---|---|
| Bestellung | 8. Januar 1986 |
| Kiellegung | 17. August 1988 |
| Stapellauf | 2. Juli 1989 |
| 1. Dienstzeit | |
| Indienststellung | 2. Juni 1991 |
| Technische Daten | |
| Verdrängung | 9750 Tonnen |
| Länge | 173 Meter |
| Breite | 16,80 Meter |
| Tiefgang | 10,2 Meter |
| Besatzung | ca. 390 |
| Antrieb | Vier Gasturbinen, zwei Wellen zusammen 80.000 PS |
| Geschwindigkeit | 30+ Knoten |
| Bewaffnung | 2 Starter für Seezielflugkörper, 2 Dreifach-Torpedowerfer, 2 Geschütze 127 mm, 122 VLS-Zellen |
Die USS Gettysburg ist ein Kriegsschiff, das seit 1991 im Dienst der United States Navy steht. Der Lenkwaffenkreuzer gehört der Ticonderoga-Klasse an und trägt die Schiffskennung CG-64.
Geschichte
Bau
Die Gettysburg wurde 1986 bei Bath Iron Works in Auftrag gegeben und 1988 dort auf Kiel gelegt. Der Stapellauf fand nach einer Bauzeit von elf Monaten statt. Das Schiff wurde nach der Schlacht von Gettysburg benannt.
Einsätze
Der erste Einsatz der in der Naval Base Mayport beheimateten Gettysburg fand 1992 als Geleitschutz für den Flugzeugträger John F. Kennedy im Mittelmeer statt. 1993 wurde der Kreuzer in der Operation Support Democracy vor Haiti eingesetzt. Nach nur zwei Wochen wurde das Schiff allerdings abgelöst. Der nächste reguläre Einsatz begann im Juni 1994, die Gettysburg verlegte in die Ostsee zu der Übung BALTOPS. Mit der Fregatte Halyburton besuchte die Gettysburg vom 9. bis 14. November 1994 zwei Häfen (u. a. Kapstadt) in Südafrika. Dies war der erste Freundschaftsbesuch von US-Schiffen in Südafrika seit Februar 1967. Am 30. November wurde den beiden Schiffen befohlen, am Horn von Afrika der Achille Lauro zu helfen, einem in Brand geratenen Kreuzfahrtschiff. Der ausgebrannte Rumpf des Schiffes sank am 2. Dezember. Die Gettysburg versorgte die auf einen Tanker evakuierten Passagiere mit Nahrung und medizinischen Hilfsmitteln.
1996 war die Gettysburg unterwegs mit der Kampfgruppe um die Enterprise und nahm an der Operation Desert Strike teil. Zwei Jahre später, wiederum als Bewachung für die Enterprise, nahm die Gettysburg aktiv an Operation Desert Fox teil. Später im Jahr standen außerdem noch Missionen im Rahmen der Operation Deliberate Force vor dem Kosovo an.
Anfang 2001 fuhr der Kreuzer wiederum mit der Enterprise und führte Übungen und Hafenbesuche im Atlantik durch. Kurz vor Beginn der Operation Enduring Freedom erreichte die USS Gettysburg ihren Heimathafen. 2004 operierte die Gettysburg während der Übung Summer Pulse mit sieben Trägerkampfgruppen im Atlantik.
2007 verlegte die Gettysburg dann mit vier Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse und dem U-Boot Philadelphia als Geleitschutz des Trägers Enterprise im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes. 2008 nahm der Kreuzer an der Übung BALTOPS in der Ostsee und anschließend an den Feierlichkeiten der Kieler Woche teil. 2009 verlegte die Gettysburg an der Seite der Dwight D. Eisenhower in den Indischen Ozean, um dort somalische Piraten zu bekämpfen. Im Mai 2011 fuhr der Kreuzer an der Seite der George H. W. Bush in arabische und europäische Gewässer.
Von 2015 bis 2023 durchlief die Gettysburg eine Generalüberholung (Service Life Extension) im Rahmen des von Problemen gekennzeichneten Phased Modernization Program. Im Februar 2023 erklärt sie die Navy nach See-Erprobungen, trotz noch bestehender Mängel, für seetauglich. Sie war im Juni 2024 für Übungen 18 Tage lang auf See. Nach Behebung eines Teils der Mängel blieben das Antriebssystem und die Bordelektrik problembehaftet.[1.1]
Abschuss eines eigenen Flugzeugs 2024
2024 war die Gettysburg Teil der Flugzeugträgerkampfgruppe der Harry S. Truman. Die Zeit für gemeinsame Manöver vor der amerikanischen Ostküste war aufgrund fehlender Versorgungsschiffe auf zwei Tage begrenzt. Die Kampfgruppe verlegte dann im September 2024 in arabische und europäische Gewässer. Dabei operierte die Gettysburg mehr als die Hälfte der Zeit von der Gruppe getrennt oder lag in verschiedenen Häfen der Region. An nur 7 der 45 Tage vor dem 21. Dezember 2024 war sie gemeinsam mit der Kampfgruppe auf See.[2]
Die Gettysburg sollte die Verbands-Flugabwehr koordinieren, es gab aber wenig Zeit zum Üben von Operationen als Teil des Verbands sowie Mängel bei der Führung, Ausbildung und Ausrüstung. Fehler an der im Verlauf des Phased Modernization Program eingerichteten Version des Aegis-Kampfsystems sowie andere, nicht genauer bezeichnete Probleme beeinträchtigten die Funktionsfähigkeit von für die Freund-Feind-Erkennung nötigen Bordsystemen.[2]
Sie schloss am 18. Dezember mit der vorausgeeilten Kampfgruppe im Roten Meer auf.[2] Die Wachmannschaften in der Operationszentrale der Gettysburg waren unzureichend mit den Einzelheiten eines für den 21. Dezember 2024 im Rahmen der Operation Prosperity Guardian geplanten Einsatzes von Flugzeugen des auf Harry S. Truman eingeschifften Carrier Air Wing One vertraut. Der Plan umfasste Luftangriffe gegen Landziele der Ansar Allah in Jemen sowie Abwehrmaßnahmen bei erwartbaren Gegenangriffen.[2]
Die Ansar Allah beantworteten die amerikanischen Luftangriffe früher als erwartet mit Kampfdrohnen. Das resultierende Flugabwehrgefecht der Trägerkampfgruppe dauerte vier Stunden. Dabei wurden, in Ergänzung zu den mit dem Auftrag der luftgestützten Flugabwehr patrouillierenden F/A-18 Hornet, ad hoc auch bestimmte, von der Bombardierung der Landziele zurückkehrende F/A-18 gegen die Luftziele geleitet bzw. für die Luftbetankung eingesetzt. Das zur Entscheidungsfindung erzeugte Luftlagebild war aber infolge von Führungsversagen, technischen Defekten und mangelhafter Abstimmung der Wachmannschaften des Kreuzers sowie der operierenden Einheiten untereinander unvollständig. Durch einen teilweisen Wachwechsel gingen in der Operationszentrale Lagebewusstsein und Wissen über die technischen Probleme verloren. Für eine Hubschrauberlandung auf dem Flugdeck des Kreuzers wurde die achtere Phased-Array-Radarantenne des Kreuzers zeitweise abgeschaltet oder in der Sendeleistung reduziert, so dass die Radarabdeckung des Luftraums nicht mehr vollständig war. Zeitgleich gab es einen technischen Defekt an der als AWACS fliegenden E-2D Hawkeye, gefolgt von einer schlecht kommunizierten Übergabe ihrer Aufgaben an ein anderes Schiff der Kampfgruppe.[2]
Zwei der für die Landung zurückkehrenden F/A-18 wurden auf der Gettysburg als unidentifizierte Tracks angezeigt und von der über die Positionen und Absichten der eigenen Flugzeuge nicht orientierten Wachmannschaft irrtümlich für anfliegende feindliche Marschflugkörper gehalten. Der Schiffskommandant, Captain Justin Hodges, gab die Waffen zur Bekämpfung der unidentifizierten Tracks frei, ohne sich um eine Identifizierung zu bemühen. Zwei Flugabwehrraketen vom Typ Standard Missile 2 wurden gestartet. Die erste traf bestimmungsgemäß eine F/A-18, die als Tankflugzeug eingeteilt war. Pilot und Waffensystemoffizier konnten sich kurz vor dem Treffer per Schleudersitz retten, einer von ihnen wurde verletzt.[3] Die zweite Standard Missile 2 wurde rechtzeitig vor Erreichen der zweiten F/A-18 systemseitig abgeschaltet, passierte das Flugzeug mit ca. 30 Metern Abstand und detonierte beim Auftreffen auf die Meeresoberfläche.[2]
Die offenbar gewordenen Fehler am Aegis-Kampfsystem wurden in der Folge für über 55 Millionen US-Dollar behoben.[2]
In der Populärkultur
In dem Thriller-Roman Im Zeichen des Drachen des US-amerikanischen Schriftstellers Tom Clancy spielt eine fiktionalisierte Gettysburg eine entscheidende Rolle, als sie dank eines experimentellen Softwareupgrades in der Lage ist, eine von der Volksrepublik China auf Washington, D.C. abgefeuerte CSS-4-Interkontinentalrakete mit nuklearem Sprengkopf kurz vor deren Einschlag mit ihren Flugabwehrraketen abzuschießen.
Weblinks
- USS GETTYSBURG (CG 64) im Naval Vessel Register (englisch)
- Offizielle Homepage (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Navy Ship Modernization: Poor Cruiser Outcomes Demonstrate Need for Better Planning and Quality Oversight in Future Efforts. (PDF; 6,1 MiB) GAO-25-106749. Government Accountability Office, 17. Dezember 2024, archiviert vom am 18. Dezember 2024; abgerufen am 19. Dezember 2024 (englisch): „Gettysburg completed its modernization, including sea trials, in February 2023. … the ship completed 18 days at sea in June 2024 … propulsion plant and electric system failures were key concerns for
the … deployment“
- ↑ PDF S. 21–22
- ↑ a b c d e f g Sam LaGrone, Mallory Shelbourne, Caitlyn Burchett: Investigations Show Failures Behind USS Harry S. Truman Collison, Fighter Losses. In: USNI News. United States Naval Institute, 4. Dezember 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Piloten retten sich: US-Militär schießt versehentlich eigenen Kampfjet vor Jemen ab. In: tagesspiegel.de. 22. Dezember 2024, abgerufen am 22. Dezember 2024.