Gesellenhausturm
Der Gesellenhausturm ist ein denkmalgeschützter, im Kern mittelalterlicher Wohnturm im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein mit der Anschrift Obertal 24d. Seinen Namen hat es von dem katholischen Gesellenverein, der das Gebäude 1905 erwarb. Erstmals erwähnt wurde es im Jahr 1327 in einer Lehensurkunde von Kurfürst Balduin von Luxemburg.
Geschichte
Der ursprünglich dreigeschossige Wohnturm gilt vermutlich als der erste „Bayerlehnhof“, also das „feste Haus“, das Kurfürst Balduin von Luxemburg dem Ritter Heinrich IV. Beyer von Boppard im Jahr 1327 im Dorf Mulen (heute Ehrenbreitstein) unterhalb der Quelle des Schwalborns (heute Dähler Born) als Lehen bestätigte. Später diente der Turm als Treppenturm für den Aufstieg aus dem Obertal auf das höher gelegene Plateau, auf dem sich ein Kloster befand.[1]
Im Jahr 1672, während der Befestigung der Stadt Ehrenbreitstein durch Kurfürst Karl Kasper von der Leyen, wurde der Turm in die Stadtmauer einbezogen und um zwei Geschosse aufgestockt. Die beiden unteren Geschosse wurden anschließend als Gefängnis genutzt. Nachdem das Kloster der alten Heilig-Kreuz-Kirche gewichen war, dienten die oberen zwei Geschosse von 1711 bis 1844 als Pfarrhaus.[1]
Im Jahr 1905 erwarb der katholische Gesellenverein den Gebäudekomplex, wovon sich auch die heutige Bezeichnung ableitet. Nach einem längeren Leerstand wurde das Gebäude 1993/94 grundlegend saniert. Dabei wurden die Fensterwände aus Basalt weitgehend, der Dachstuhl und der Außenputz vollständig erneuert. Seitdem wird das Gebäude als Büro genutzt.[1]
Das Gebäude ist bei weitem das älteste Gebäude in Ehrenbreitstein.[1]
Baugefüge
Der Gebäudekomplex lehnt sich an eine Hangkante an und erstreckt sich über fünf Geschosse. Der heutige Haupteingang liegt auf der Bergseite, sodass das Bauwerk ein Erdgeschoss, ein Obergeschoss und drei Untergeschosse umfasst. Das dritte Untergeschoss ist von der Augustinertreppe aus zugänglich. Der Turm besitzt einen rechteckigen Grundriss und wird von einem Walmdach abgeschlossen. Auf der Bergseite schließt sich ein kleiner, zweigeschossiger Vorbau mit gekuppelten Fensteröffnungen an.[1]
Nach Südosten weisen Erd- und Obergeschoss einen schmalen, gangartigen Baukörper auf, der talwärts von einem großen, hangparallelen Bogen aus Schieferbruchstein gestützt wird. Dieser Gebäudeteil ist im Erdgeschoss mit einer Tonnenwölbung mit Stichkappen versehen. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um einen Rest eines Verbindungsgangs zu dem ehemals an dieser Stelle befindlichen Klostergebäude handelt.[1]
Das Innere des Gebäudes ist seit der Sanierung weitgehend modern gestaltet. Im ersten Untergeschoss sind zwei lange Holzbalkendecken erhalten, während sich im Erdgeschoss eine Kölner Decke befindet.[1]
Denkmalschutz
Die Gebäude mit der Anschrift Obertal 24d in Koblenz-Ehrenbreitstein ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und ist in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen.[2]
Seit 2002 ist das Gebäude Obertal 24d Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Ulrike Weber (Bearb.): Stadt Koblenz. Stadtteile (= Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Direktion Denkmalpflege [Hrsg.]: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.3). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9, S. 114.
- ↑ Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Koblenz. Mainz 19. November 2024, S. 21 (PDF; 6,5 MB).
Koordinaten: 50° 21′ 36,1″ N, 7° 36′ 48,8″ O