Geschichte von Neuss
Die Geschichte von Neuss am linken Niederrhein reicht bis auf die Römerzeit zurück. Die Römer nannten den Ort lateinisch Novaesium. Der Name der Neuss wurde bis 1968 offiziell Neuß geschrieben.[1][2] Im regionalen Dialekt wird die Stadt Nüss genannt.
Geschichte
Römische Zeit
Novaesium
Neuss ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Bereits um das Jahr 16 v. Chr. errichteten römische Soldaten an der Mündung der Erft in den Rhein, etwa 2,5 km südöstlich der heutigen Altstadt, eine Befestigung aus Holz und Erde.[3] Der Platz, an dem sich vermutlich schon eine kelto-germanische Vorgängersiedlung befand, war strategisch gewählt, lag er doch einerseits am Endpunkt einer römischen Fernstraße, die durch das von Caesar eroberte Gallien von Lyon über Trier und Zülpich bis an den Rhein führte, und bot andererseits einen verkehrsgünstigen Zugang zu den Wasserwegen von Rhein, Erft, Lippe, Ruhr und Wupper. Weitere, wohl ebenfalls nur saisonal genutzte Heerlager an dieser Stelle folgten einander (sogenannte „Lager A bis F“). Unter anderem dürften die Legio XIX und die Legio XX Valeria Victrix zeitweise hier stationiert gewesen sein.
Um die Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus bauten römische Soldaten, unter anderem der Legio VI, nahe der Erftmündung in Neuss-Gnadental erstmals ein steinernes Legionslager, das nach seinem Entdecker, dem Archäologen Constantin Koenen, auch als „Koenen-Lager“ bezeichnet wird. Während der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. war in dem Kastell dauerhaft eine ganze Legion mit fast 6.500 Soldaten stationiert. Ein großes, von H.-J. Graul nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltetes Diorama des Kastells und der umgebenden Zivilsiedlung befindet sich heute im Freilichtmuseum Roscheider Hof.[4]
Nachdem die zuletzt im „Koenen-Lager“ stationierte VI. Legion um etwa 100 n. Chr. nach Xanten verlegt worden war, baute man zu Beginn des 2. Jahrhunderts an seiner Stelle ein steinernes Auxiliarlager, das Platz für eine Besatzung von etwa 600 Mann bot. Als Ende des 3. Jahrhunderts die römische Grenzverteidigung als Reaktion auf die vermehrten Überfälle fränkischer Truppen auf das römische Reichsgebiet neu organisiert werden musste, gab man das Auxiliarlager an der Erftmündung auf.
Zivile Siedlung
Um das Militärlager herum entstanden ausgedehnte Gräberfelder und eine Lagervorstadt (canabae legionis), in der die Familien der Soldaten lebten, aber auch Händler, Gastwirte und Militärhandwerker arbeiteten. Aus dieser Lagervorstadt und ihrem Gräberfeld entwickelte sich eine Zivilsiedlung („vicus“), aus der im Laufe der Jahrhunderte das heutige Neuss erwuchs.[5]
Frühes Mittelalter
Bei seinen Ausgrabungen an und um St. Quirin entdeckte Hugo Borger 1963 auch drei fränkische Gräber aus der Zeit um 500 n. Chr. Sie bezeugen, dass die frühmittelalterliche Besiedlung in Neuss unmittelbar an die Antike anknüpfte.[6] Funde aus dem 8./9. Jahrhundert wurden am Obertor und an der Marienkirche gemacht.[7]
Eine der ersten urkundlichen Nachweise für Neuss im Frühmittelalter stammt von 877. Urkundlich wurde die Befreiung des Klosters Werden für den Zoll an der Zollstätte in Neuss von König Ludwig dem Jüngeren erteilt, die einen Marktzoll betraf.[8] Noch zu Beginn des Hochmittelalters ist eine fränkische Burg oder Reichshof im aktuellen Stadtgebiet von Neuss nachweisbar, da dort häufiger die kurzzeitige Anwesenheit deutscher Könige und Kaiser belegbar war. Neuss gehörte zum Nievenheimer bzw. Neusser Gau. Vom 18. Juni 1023 stammt zum Beispiel eine Urkunde Kaiser Heinrichs II., die bei dessen Anwesenheit in „Nuiss“ ausgestellt worden war. Weitere Urkunden liegen von König Konrad II. (1024 in Niuhsse) und König Heinrich IV. (1062 in Niusse) vor.[9] Die weltliche Hoheit über das Gebiet von Neuss durch die Kölner Erzbischöfe ist erstmals unter Erzbischof Anno II. zu Beginn der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nachweisbar. Davor hatten die Grafen von Kleve kurzzeitig Hoheitsrechte in Neuss, da von diesen eine Kirche in der Ortschaft errichtet wurde, die später zum Quirinus-Münster umgebaut und erweitert wurde. Vögte von Neuss waren zu dieser Zeit die Grafen von Kessel.[10] In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand neben der Kirche auch ein Benediktinerinnenkloster, gestiftet von einer hochadeligen Familie. In dieser Zeit wurden vermutlich auch die Reliquien des Hl. Quirinus von Neuss, des Patrons dieser Kirche, nach Neuss überführt.
Geschichte Mittelalter und Neuzeit
Stadtwerdung
Unter den Kölner Erzbischöfen entwickelte sich Neuss zu einer Handelsstadt. Der früheste urkundliche Beleg, dass Neuss eine Zollstätte für den Rheinzoll unter den Kölner Erzbischöfen geworden war, stammt von 1138. In einer Urkunde befreite Erzbischof Arnold I. von Köln das Bedburger Marienstift von der Zahlung dieses Rheinzolls.[11] Bereits 1190 wurde Neuss erstmals offiziell als Stadt bezeichnet, und Heinrich VI. bestätigte den erzbischöflichen Städten zu Köln und Neuss Zollfreiheit für Kaiserswerth.[12]
Um 1200 wurde die große Stadtmauer mit mehreren Toren gebaut. Die Mauer war zunächst als eine rund ein Meter dicke Gussmauer konstruiert, bestehend aus zwei Tuffschalen, in deren Zwischenraum Kiesel und Trasskalk gefüllt worden waren; sie wurden in Folge weiter ausgebaut.[13] Die Tore waren: Obertor, Niedertor, Rheintor, Hessentor, Hamtor, Zolltor und Tranktor.[14] Zu den Türmen zählen: Blutturm und Windmühlenturm. Zu den Wassergräben der Stadtbefestigung zählt der Erftmühlengraben.
1209 legte Meister Wolbero unter Verwendung von Vorgängerbauwerken den Grundstein zum Quirinusmünster. 1222 bestätigte Erzbischof Philipp I. der Stadt ihre Privilegien.[15] Bis Mitte des 13. Jahrhunderts war die Bedeutung von Neuss als Handelsstadt am Niederrhein weiter gestiegen. Durch die 1270 bewilligte Zollfreiheit der Neusser in Dänemark vom dänischen König Erik V. wurde der Handel weiter verstärkt.[16]
Zusätzlich versuchte Neuss seine Abhängigkeit vom Erzbistum Köln zu begrenzen und strebte die Reichsunmittelbarkeit an.[17] 1254 erhielt man die Erlaubnis, das befestigte Schloss des Erzbistums in der Stadt abzureißen. Zusätzlich erhielt die Stadt die Zusage, dass keine neue „Feste“ ohne Einwilligung von Neuss wieder errichtet würde.[18][Anm. 1] Diese Unabhängigkeit von Erzköln wurde 1259 durch Erzbischof Konrad von Hochstaden zusätzlich weiter ergänzt. Dieser bewilligte den Neussern die Wahl und Bildung eines Stadtrates mit zwölf bis vierzehn Ratsherren. Weiterhin sollten die städtischen Statuten frei abgefasst werden dürfen.[16]
1271 verkauften die Grafen von Kessel ihre Vogteischaft für Neuss an den Kölner Erzbischof Engelbert II.[19]
Über König Rudolf von Habsburg erhielt die Stadt im letzten Quartal des 13. Jahrhunderts die Reichsunmittelbarkeit. Da Neuss jedoch dem Hochstapler Tile Kolup als Kaiser Friedrich II. Schutz und Wohnsitz gewährte, wurde die Reichsunmittelbarkeit nach kurzer Zeit von Rudolf von Habsburg widerrufen und die Stadt dem Kölner Erzbischof wieder unterstellt.[20] Bei der Bestätigung des Wahlrechtes und den Bedingungen von 1259 schränkte 1310 der Erzbischof Heinrich II. diese durch den Zusatz ein, dass die Wahl der Stadträte durch Erzköln bestätigt werden müssten.
Da die Spannungen zwischen der Stadt Neuss und Erzköln hinsichtlich des Umfangs der Stadtfreiheiten andauerten, beschloss der neue Erzbischof Friedrich III. sofort nach seiner Wahl im November 1370, den Rheinzoll von Neuss in die kleine rheinaufwärts gelegene kurkölnische Ortschaft Zons zu verlegen. Hier waren keine Probleme durch Widerstände der Bewohner zu erwarten. Bereits im August 1372 wurde die Zollstätte Zons eröffnet und die in Neuss geschlossen.[21] Der Protest der Neusser gegen die Verlegung der Zollstätte wurde vom deutschen König Wenzel mit der Genehmigung dieser Aktion durch Kurköln am 6. Juli 1376 abgelehnt.[22]
1474/75 widerstand die Stadt der fast einjährigen Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen.[23] Zur Belohnung verlieh Kaiser Friedrich III. Neuss das Münzprivileg, das Rotwachsprivileg, die Rechte einer Hansestadt und ein neues Wappen. Zusätzlich wurden die städtischen Gerechtsamen und Satzung mit der freien Wahl des Rates und Schöffen bestätigt, die in der Vergangenheit zwischen den Kölner Erzbischöfen und der Stadt strittig waren.[24] Nach Ende der Belagerung wurden die umfangreichen Kriegsschäden umgehend beseitigt und die Stadt kam zu beträchtlichem Wohlstand.
16. und 17. Jahrhundert
Im Truchsessischen Krieg eroberte 1585 der auf der Seite Gebhards I. von Waldburg kämpfende Graf Adolf von Neuenahr die Stadt Neuss und zerstörte eine Reihe kleinerer Burgen und befestigter Höfe im Neusser Umland. Im Juli 1586 belagerte die Flandrische Armee unter dem Statthalter der habsburgischen Niederlande Alessandro Farnese Neuss. Die Stadt wurde verteidigt durch eine Garnison von um die 1.600 Soldaten unter Leitung von Hermann Friedrich von Pelden. Am 26. Juli 1586 wurde Neuss erobert und danach geplündert und in Brand gesetzt. Die komplette Garnison wurde getötet. Daneben wurden auch rund 3.000 von etwa 4.500 Einwohnern der Stadt ermordet. Nur acht Häuser wurden vom Brand verschont. Erste historische Stadtpläne rühren aus dieser Zeit.
Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges eroberten im Januar 1642 hessische Truppen Neuss. Die Stadt sollte über das Ende des Krieges hinaus besetzt bleiben und erhielt erst am 2. Juli 1651 ihre Selbständigkeit zurück.[25]
1635 wurde Hester Jonas Opfer der Hexenprozesse in Neuss.[26]
18. und 19. Jahrhundert
Im Ersten Koalitionskrieg besetzten französische Truppen im Jahr 1794 Neuss. Am Rhein legten sie sofort mehrere Artilleriestellungen an. Überreste einer solchen Artilleriestellung sind noch heute im Uedesheimer Rheinbogen zwischen Uedesheim und der Fleher Brücke zu sehen. Sie sind bekannt als „Alte Batterie“.[27] Während der von 1794 bis 1813 andauernden Franzosenzeit wurde in Neuss am Nordkanal gebaut, der eine schiffbare Verbindung zwischen Rhein und Maas schaffen sollte. Damit sollten die Flusszölle rheinabwärts umgangen werden. Der Kanal wurde nicht vollendet. Neuss bildete in dieser Zeit eine Mairie nach französischem Vorbild im Kanton Neuss des Arrondissements Krefeld im Rur-Departement.
In den Befreiungskriegen setzten preußische Truppen am 2. Dezember 1813 bei Neuss über den Rhein und vertrieben die französische Besatzung.[28] 1815 wurde Neuss gemäß der Schlussakte des Wiener Kongresses preußisch und 1816 Sitz des neuen Kreises Neuss. Aus der Mairie Neuss der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Neuss.[29]
Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt neuen wirtschaftlichen Aufschwung, der wesentlich durch den Eisenbahnbau (u. a. Anschluss an das rechtsrheinische Eisenbahnnetz durch die Hammer Eisenbahnbrücke (Fertigstellung 1870) über den Rhein nach Düsseldorf-Bilk) und den Rheinhafen getragen wurde.
20. Jahrhundert
1913 schied Neuss aus dem Kreis Neuß aus und wurde eine kreisfreie Stadt. 1929 wurden die noch verbleibenden Teile der Kreise Neuß und Grevenbroich zum neuen Landkreis Grevenbroich-Neuß (später Kreis Grevenbroich) vereinigt.
Während der Novemberpogrome 1938 wurden die Neusser Synagoge in Brand gesetzt und jüdische Geschäfte und Wohnungen demoliert. Anschließend wurden bis 1942 rund 130 Juden in Konzentrationslager deportiert.[30][31]
Im Zweiten Weltkrieg erfolgten ab 1940 136 Luftangriffe auf Neuss.[32] Wie in vielen anderen rheinischen Städten wurden große Teile der historischen Altstadt durch britische Luftangriffe zerstört. Beim ersten Luftangriff auf Neuss in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1940 wurde die Preußenstraße getroffen, und der zweite Luftangriff war am 4. Juni 1940.[33] Der erste Großangriff erfolgte in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 1942; er forderte 279 Tote und 12.000 Obdachlose.[34]
1944 erlebte Neuss sechs weitere Großangriffe. Hieraus resultierten 537 Tote und 544 Verletzte sowie 833 zerstörte Häuser. Das Quirinusmünster wurde von einer Sprengbombe getroffen und sehr schwer beschädigt. Zerstört wurden das Städtische Krankenhaus Preußenstraße, das Kamillushaus und das Alexianerkrankenhaus mit den Kirchen, die Kirchen Immaculata und Marienberg, Josephskloster und Annastift, am 31. Dezember auch das historische Rathaus.[35] Insgesamt forderten die Luftangriffe in Neuss 837 Todesopfer, allein beim schwersten Angriff am 23. September 1944 kamen 289 Menschen ums Leben. Durch die Angriffe wurden in Neuss insgesamt 1 270 Gebäude völlig zerstört, 1 250 schwer oder mittelgradig sowie 4 400 leicht beschädigt, während 180 Gebäude unbeschädigt blieben.[36] 36,8 % des Wohnraumes wurden zerstört, und 540 000 m³ Trümmerschutt mussten nach Kriegsende abgefahren werden.[37]
US-Truppen – das 330. Infanterieregiment der 83. US-Infanteriedivision – besetzten im Rahmen der Operation Grenade am 1. und 2. März 1945 Neuss und die linksrheinischen Stadtgebiete Düsseldorfs.[38] Die Besetzung von Neuss war am 2. März 1945 um 12 Uhr abgeschlossen. Ein für den 2. März geplanter großer Luftangriff der Royal Air Force auf Neuss wurde daraufhin nach Köln umgeleitet.[39]
Nachkriegszeit
1968 wurde die Schreibweise von „Neuß“ in „Neuss“ geändert.
Mit dem Düsseldorf-Gesetz im Zuge der Gebietsreform 1975 wurden einige Gemeinden und Ortschaften, die Neuss umgaben (z. B. Holzheim, Norf und Rosellen), eingemeindet (siehe auch Eingemeindungen) und die kreisfreie Stadt Neuss mit dem Kreis Grevenbroich zum neuen Kreis Neuss vereinigt (seit 2003 Rhein-Kreis Neuss). Neuss erhielt kommunalrechtlich den Status Große kreisangehörige Stadt und wurde Sitz des neuen Kreises, obwohl sich große Teile der Kreisverwaltung in Grevenbroich befinden. Im Jahr 1984 feierte Neuss sein 2000-jähriges Jubiläum, zu dem (mit Genehmigung der französischen Rechteinhaber) ein Comic-Sonderband Asterix in Novaesium erschien.
Eingemeindungen
In die Stadt Neuss wurden im Laufe der Geschichte folgende Gemeinden bzw. Gemeindeteile eingegliedert: Anfang des 20. Jahrhunderts Teile von Heerdt, Büderich und Kaarst, 1929 Grimlinghausen, Uedesheim und Weckhoven. Am 1. Januar 1975 Grefrath (Gemeinde Holzheim), Holzheim, Hoisten (Gemeinde Neukirchen), Norf, Rosellen und Speck (Gemeinde Neukirchen) sowie weitere Teile von Kaarst.[40]
Einwohnerentwicklung
Im Mai 1939 zählte Neuss 59 654 Einwohner.[41] Im Jahre 1963 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Am 1. Januar 1975 stieg die Bevölkerungszahl von Neuss durch die Eingemeindung mehrerer Orte um 30.000 Personen auf 148.000. Zum Stichtag des 1. Januar 2024 lebten in Neuss laut der Stadtverwaltung 162.033 Menschen mit Hauptwohnsitz. Der Ausländeranteil lag bei 18,8 %. Heute leben über 130 Nationen in Neuss.
Religionsgeschichte
Römisch-katholische Kirche
Die katholischen Kirchengemeinden gehören zum Erzbistum Köln; die Katholiken waren zunächst der kirchlichen Gerichtsbarkeit des Dompropstes, später als Archidiakonat dem Domdechanten unterstellt. Die Zugehörigkeit der Stadt auch zum weltlichen Kurfürstentum Köln war Ursache dafür, dass die Reformation kaum Fuß fassen konnte.
Als 1802 das Erzbistum Köln aufgelöst wurde, kamen die katholischen Gemeinden zum Bistum Aachen, das jedoch 1821/1825 bereits wieder aufgehoben wurde. Somit kam Neuss 1828 wieder zum Erzbistum Köln. Neuss wurde Sitz eines Dekanats, das später in die Dekanate Nord und Süd geteilt wurde. Sie bildeten das Stadtdekanat Neuss. Zum 1. Januar 2005 wurde dieses mit dem bisherigen Kreisdekanat Neuss zusammengelegt. Beide Dekanate bilden seitdem das Kreisdekanat Rhein-Kreis Neuss.
Schutzpatron von Neuss ist der heilige Quirinus von Neuss, dessen Reliquien um 1050 nach Neuss kamen. Ihm zu Ehren wurde das Neusser Quirinusmünster erbaut. In der Folge entwickelte sich Neuss zu einem bedeutenden mittelalterlichen Wallfahrtsort mit Pilgern aus ganz Europa. Im Jahr 2009 wurde das Quirinusmünster durch Papst Benedikt XVI. zur päpstlichen Basilica minor erhoben. Eine weitere Stadtheilige ist die hl. Hildegunde von Neuss.
Protestantentum
In den 1560er Jahren gab es eine heimliche reformierte Gemeinde, die zu den größten Gemeinden unterm Kreuz gehörte. Nach 1586 gab es einen Umschwung, doch gab es bis 1620 noch einzelne reformierte Familien. Unter Kurfürst Ernst waren sie dann meist gezwungen auszuwandern. Erst im 19. Jahrhundert zogen wieder vermehrt Protestanten zu.
1805 bildete sich in Neuss wieder eine reformierte Gemeinde, die sich 1817 mit der lutherischen Gemeinde zu einer unierten Gemeinde vereinigte, die zur Evangelischen Kirche in Preußen bzw. zu dessen rheinischer Provinzialkirche gehörte. Innerhalb der heutigen Evangelischen Kirche im Rheinland gehören die evangelischen Gemeinden der Stadt Neuss zum Kirchenkreis Gladbach-Neuss.
Neben den evangelischen und katholischen Gemeinden gibt es in Neuss auch Freikirchen, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und die Immanuel-Gemeinde, die zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) gehört. Ferner sind in Neuss sowohl die Neuapostolische Kirche als auch die Zeugen Jehovas vertreten.
Judentum
Eine jüdische Gemeinde ist in der Stadt seit dem Hochmittelalter dokumentiert. Die früheste Dokumentation von Juden in der Stadt stammt aus dem Jahr 1096, als Kölner Juden, auf der Flucht vor Kreuzfahrern, von dem Erzbischof von Köln Hermann III. in der Stadt untergebracht wurden.[42][43] In der Geschichte erlebten Juden mehrere Verfolgungen, zuletzt im Dritten Reich.
Islam
In Neuss gibt es mehrere Moscheen und Moscheevereine, zum Beispiel in der Nähe des Hauptbahnhofs, in der Innenstadt und in den äußeren Bezirken wie Weckhoven, Derikum, Norf, der Furth etc.[44]
Siehe auch
Literatur
Die Wikiversity hat als Ressource eine Forschungsbibliographie zu Neuss bereitgestellt:
Angesichts der geschichtlichen Bedeutung von Neuss gibt es eine reichhaltige Auswahl an Büchern über die verschiedenen Epochen und Aspekte der Stadtgeschichte. Es empfiehlt sich eine Literatursuche mit den Stichworten Novaesium bzw. Neuss. Hier auszugsweise:
- Erich Keyser (Hrsg.): Rheinisches Städtebuch. Band III. 3. Teilband aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, Stuttgart 1956.
- Peter Stenmans u. a.: Neuss im Wandel der Zeiten. 1970.
- Heinrich Chantraine, Michael Gechter, H. G. Horn: Das römische Neuss. Theiss, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0356-3.
- Wilhelm Engels: Geschichte der Stadt Neuss. Teil 3: Die preußische Zeit, 1814/15 bis 1945. Neuss 1986, ISBN 3922980-12-0
- Christian Wierstraet: Die Geschichte der Belagerung von Neuss 1474–1475. 2000, ISBN 3-9801294-6-2.
- Der Kampf um Neuss behandelt die Belagerung von Neuss 1474/75, 2002, ISBN 3-934794-02-5.
- Novaesium. Buchserie verschiedener Autoren zur Geschichte von Neuss.
- Helmut Wessels: Neuss und St. Quirin zu Fuß – 3 Rundgänge durch das mittelalterliche Neuss. 2004, ISBN 3-7616-1801-8 (engl, ISBN 3-7616-1956-1).
- Karl Remmen: Neuss – die Stadt auf den sieben Hügeln (Libelli Rhenani, Bd. 3). 2. Aufl., 2004 (Diözesan- und Dombibliothek Köln).
- Max Tauch: Quirinus von Neuss. 2000, ISBN 3-87909-692-9.
- Frank Kurella: Neuss im Mittelalter (Comic). 2004, ISBN 3-00-015068-4.
- Albert Mathias Kreuels: Unkenrufe aus der Provinz. Freiburg i.Br. 1984, ISBN 3-89102-171-2.
- Albert Mathias Kreuels: Kleines Neusser Heimatbuch. Selbstverlag 1969.
- Andrea Niewerth, Christoph Roolf: Zwangsarbeit in Neuss während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) (= Dokumentationen des Stadtarchivs Neuss 7). Neuss 2005, ISBN 3-922980-80-5.
- Tilman Röhrig: Die Ballade vom Fetzer. Historischer Roman. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-15326-X.
Weblinks
| Weitere Inhalte in den Schwesterprojekten der Wikipedia:
| ||
| Commons | – Medieninhalte (Galerie) | |
| Wiktionary | – Wörterbucheinträge | |
| Wikisource | – Quellen und Volltexte | |
| Wikiversity | – Kursmaterialien | |
| Wikivoyage | – Reiseführer | |
- Website der Stadt Neuss
- Denkmale in der Stadt Neuss
- Stadt Neuss – Stadtgeschichte
- Informationen zur Geschichte und Archäologie des römischen Neuss
- Historische Stadtpläne von Neuss (März 1920, 1959 und 1960) – Landkartenarchiv.de
- Linkkatalog zum Thema Neuss bei curlie.org (ehemals DMOZ)
- Literatur von und über Geschichte von Neuss im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Anmerkungen
- ↑ Dass in Neuss um 1250 ein befestigtes Anwesen des Erzstiftes vorhanden war, wird in den „Annales monasterii s. Pantaleonis“ von 1238 bis 1249 bestätigt (Nachweis: Archiv für die Geschichte des Niederrheins/Lacomblet+Harleß, zweiter Band, 1870, S. [203] 199).
Einzelnachweise
- ↑ Die Schreibweise des Stadtnamens. neuss.de, abgerufen am 3. Dezember 2020.
- ↑ Neuss. Duden-Online-Wörterbuch, abgerufen am 3. Dezember 2020.
- ↑ Jürgen Franssen: Castrum Novaesium. Abgerufen am 9. September 2012.
- ↑ Gustav Müller: Die militärischen Anlagen und die Siedlungen von Novaesium. In: Stadt Neuss (Hrsg.), Das römische Neuss. Stuttgart 1984, S. 53–94; Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Theiss, Stuttgart 1987, S. 580–591.
- ↑ Heinrich Härke: Die Grabung des Jahres 1976 auf dem Münsterplatz in Neuss. Bonner Jahrbücher 180, 1980, S. 493–587. Michael Kaiser, Sabine Sauer: Ein spätantikes Soldatengrab aus der Neusser Innenstadt. Archäologie im Rheinland 1989, S. 118–119.
- ↑ Hugo Borger: Die Ausgrabungen an St. Quirin zu Neuss in den Jahren 1959–1964. Rheinische Ausgrabungen 1. Köln 1968, S. 170–240. Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 332–334.
- ↑ Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 332.
- ↑ Friedrich Pfeiffer: Rheinische Transitzölle im Mittelalter. Berlin 1997, S. 33.
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [336] 320 (Onlinefassung).
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [339] 323 (Onlinefassung).
- ↑ Friedrich Pfeiffer: Rheinische Transitzölle im Mittelalter. Berlin, 1997, S. 248.
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [340] 324 (Onlinefassung).
- ↑ https://www.neuss.de/leben/stadtgeschichte/archaeologische-funde-stadtmauer
- ↑ Neusser Stadttore. Von Tor zu Tor. Der Neusser, 12/2022
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: IV. Die Lehnhöfe am Niederrhein. Band 4, 1863, Düsseldorf, S. [391] (Onlinefassung).
- ↑ a b Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [354] 338 (Onlinefassung).
- ↑ Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Miscellen. 1892, Band 6, S. [182] 211 (Onlinefassung).
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde Nr. 408. Band 2, 1846, S. [258] 220 (Digitalisierte Ausgabe ULB Bonn).
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [337] 321 (Onlinefassung).
- ↑ Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Miscellen. 1892, Band 6, S. [183] 212 (Onlinefassung).
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [356] 340 (Onlinefassung).
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: XIII. Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu Neuß. Band 2, 1857, S. [358] 342 (Onlinefassung).
- ↑ Andreas Fasel: Neuss: Wie Forscher die Belagerung der Stadt durch die Burgunder im Jahr 1474 neu bewerten - WELT. Abgerufen am 16. Mai 2024.
- ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins. In: Düsseldorf mit stetem Blick auf die Landesgeschichte. Band 4, 1863, Düsseldorf, S. [305] 293 (Onlinefassung).
- ↑ Erich Wisplinghoff: Geschichte der Stadt Neuss. Von den mittelalterlichen Anfängen bis zum Jahre 1794. Neuss 1975, S. 153–157.
- ↑ Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung in Neuss (PDF; 16 kB), abgerufen am 28. April 2016.
- ↑ Paul-Heinz Kramp: Die „Alte Batterie“ im Uedesheimer Rheinbogen und die Beschießung von Düsseldorf 1794. In: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss, Jg. 2012, ISBN 978-3-9810667-6-0, S. 92–105.
- ↑ Heinrich Beitzke: Geschichte der deutschen Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814, Bd. 1. Duncker & Humblot, Berlin 1854, S. 190.
- ↑ Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf. 1836, S. 148, abgerufen am 11. November 2022 (Digitalisat).
- ↑ http://www.neuss.de/kultur/museen-und-kunst/mahnmal
- ↑ http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m-o/1418-neuss-rhein-nordrhein-westfalen
- ↑ [1]
- ↑ Erich Keyser: Rheinisches Städtebuch, Stuttgart 1956
- ↑ A.C. Grayling: Die toten Städte: Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen? München 2009, S. 361.
- ↑ www.stadtarchiv-neuss.de ( vom 21. Juni 2012 im Internet Archive)
- ↑ Erich Keyser: Rheinisches Städtebuch, Stuttgart 1956
- ↑ Deutscher Städtetag: Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden, S. 385. Braunschweig 1952.
- ↑ S. 174
- ↑ Kriegsende im Rhein-Kreis Neuss, luftschutzanlagen-rhein-kreis-neuss.de, abgerufen am 12. November 2023
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 292 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ Deutscher Städtetag: Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden, S. 384. Braunschweig 1952.
- ↑ Stefan Rohrbacher: Die jüdische Gemeinde in Neuss. Abgerufen am 4. Januar 2023.
- ↑ Synagoge – Neuss am Rhein. In: Neuss.de. Stadtarchiv Neuss, abgerufen am 3. Januar 2023.
- ↑ Moscheen in Neuss