Geschichte des Korantextes
Die Geschichte des Korantextes stellt die Entstehung des Korans in ihren historischen Zusammenhängen dar. Der Koran ist der Ursprung der islamischen Schriftkultur, seine Offenbarung, zwischen 610 und 632 n. Chr., wurde zunächst mündlich überliefert und nur teilweise schriftlich fixiert. Die historisch-kritische Wissenschaft geht, wie gläubige Muslime auch, zumeist von einer autoritativen Edition des Korans unter dem Kalifen Uthman ibn Affan aus.
Dabei sollen frühere mündliche und schriftliche Überlieferungen, die seit der Zeit des Propheten Muḥammad kursierten, vereinheitlicht und abweichende Versionen vernichtet worden sein. Neuere Forschungen weisen jedoch darauf hin, dass die Textgestalt des Korans auch nach der sogenannten ʿUthmānischen Redaktion noch kleineren redaktionellen Entwicklungen unterlag. Frühislamische Handschriftenfunde – etwa aus Ṣanʿāʾ[1] – zeigen Varianten, die auf eine längere Phase der Textkonsolidierung hindeuten. Die Koranentstehung ist somit sowohl im Kontext der frühislamischen Gemeindebildung als auch der politischen Legitimation des entstehenden Kalifats zu sehen.
Übersicht
Der Koran ist in seiner späteren kanonischen Gestalt, nach kufischer Zählung, in etwa 6.236 Versen (āyāt, arabisch آيات, singular arabisch آية āya) und in 114 Suren (suwar, arabisch سُور, Sg. sūra, arabisch سُورة) gegliedert, die jeweils einen eigenen Namen tragen. Die Reihenfolge der Suren folgt nicht dem chronologischen Zeitpunkt ihrer Offenbarung, sondern orientiert sich, nach überwiegender Auffassung, weitgehend an ihrer Länge. Eine Ausnahme bildet die erste Sure, al-Fātiḥa (arabisch الفاتحة ‚Die Eröffnende‘), die den Text einleitet. Mit Ausnahme der neunten Sure, at-Tauba (arabisch التوبة ‚Die Reue‘), beginnt jede Sure mit der Basmala-Formel: „Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gnädigen“ (arabisch بسم الله الرحمن الرحيم bismi ʾllāhi r-raḥmāni r-raḥīm).[2]
Der Koran ist nicht nur durch seine sprachliche Form, sondern vor allem durch seinen unverwechselbaren Stil gekennzeichnet, der in der islamischen Tradition als „unnachahmlich“ (arabisch إعجاز iʿǧāz) angesehen wird. Die Unnachahmlichkeit wird von Gelehrten anhand mehrerer Dimensionen bestimmt, darunter die Sprache, die inhaltliche Tiefe, die literarische Komposition und die stilistische Raffinesse. Charakteristisch für den koranischen Stil sind Reimelemente und assonanzreiche[3] Prosastrukturen werden in der arabischen Literatur als (arabisch سجع saǧʿ) bezeichnet. Zentral für diesen Stil ist die Verwendung von Sadsch (arabisch سجع), einer Form rhythmisch-klingender Prosa, die sowohl Endreime als auch Wiederholungen von Lauten und Vokalen innerhalb eines Satzes umfasst. Letztere werden in der westlichen Terminologie als Assonanz bezeichnet und erzeugen einen sogenannten „Innenklang“, der im Arabischen als besonders harmonisch wahrgenommen wird.[4]
Thematisch steht der strikte Monotheismus (arabisch توحيد tauḥīd), der Glaube an die Einheit Gottes, im Zentrum des Textes.[5]
Kanonisierung des Korans
Im Jahr 632 n. Chr. (11 n. H.), kurz nach dem Tod des Propheten Mohammed, wurde unter dem Kalifen Abū Bakr (Regentschaft 632–634) erstmals eine Sammlung der koranischen Offenbarungen zu einem muṣḥaf (arabisch مصحف muṣḥaf), unternommen. Ziel dieser Kompilation war es, den authentischen Wortlaut des Korans zu sichern und ihn von den übrigen prophetischen Überlieferungen (Hadithen[6]) abzugrenzen. Diese Sammlung war jedoch noch keine endgültige Kodifizierung, sondern eher eine Zusammenstellung verstreuter Materialien (z. B. Palmblätter, flachen Steinen oder Knochenstücken, Lederriemen, Pergamentstücken, Gedächtnisüberlieferungen).
Besondere Bedeutung erlangte der erwähnte Kalif Uthman ibn Affan (Regentschaft 644–656 n. Chr.) vor allem dadurch, dass er um das Jahr 650 n. Chr. die Sammlung und Vereinheitlichung des Korans veranlasste. Ziel war es, eine standardisierte und fortan einzig offiziell gültige Version des heiligen Textes zu schaffen, um der zunehmenden Vielfalt an Lesarten und regionalen Sprachvarianten entgegenzuwirken.[7] Unter seiner Ägide wurde die erste kanonische Version des Korantexts erstellt, um die Vielfalt an Lesarten einzudämmen; „Uthmānische Rezension“.[8][9]
Nach islamischer Überlieferung wurde dabei großer Wert auf die Authentizität der Verse (arabisch آيات Āyāt) gelegt: Es wurde angestrebt, dass jeder Vers durch die Aussage von mindestens zwei vertrauenswürdigen Personen belegt wird, die ihn direkt vom Propheten Mohammed gehört hatten. Nur sechs Verse sollen dabei laut Überlieferung von lediglich einem Zeugen übermittelt worden sein und zwar von Zaid ibn Thabit, einem engen Vertrauten und Schreiber des Propheten, der bereits unter dem ersten Kalifen Abu Bakr an einer früheren Sammlung mitgewirkt hatte.[10][11]
Ein zentraler Aspekt der Vereinheitlichung war die sprachliche Standardisierung. In der Frühzeit des Islam existierten zahlreiche arabische Dialekte, die sich in Aussprache, Vokalisierung, Grammatik und Wortschatz unterschieden. Diese sprachliche Vielfalt ist typisch für die semitische Sprachfamilie, zu der das Arabische[12] ebenso gehört wie Hebräisch, Aramäisch, Akkadisch und andere. Besonders das Syro-Aramäische (Syrisch), eine weit verbreitete Sprache in religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontexten des Vorderen Orients, hatte bereits vor und zur Zeit Mohammeds großen Einfluss auf die Region.[13][14][15]
Der sogenannte ʿUthmānische Koran[16] gilt in der islamischen Tradition als die maßgebliche und authentische Textfassung des Korans, deren Ziel es war, die sich abzeichnenden regionalen Unterschiede in der Rezitation und schriftlichen Überlieferung zu beseitigen. Diese Redaktion führte zur Erstellung mehrerer identischer Exemplare, die an die großen Zentren des Kalifats (etwa nach Mekka, Kufa, Basra und Damaskus) gesandt wurden. Alle abweichenden Versionen sollten daraufhin vernichtet werden.
Die ʿUthmānische Redaktion standardisierte allerdings nicht die vollständige sprachliche Gestalt des Textes, sondern lediglich das sogenannte rasm (arabisch رَسْم ‚Zeichnung‘, ‚Schriftbild‚‘ oder ‚Umriss‘), also das Konsonantenskelett der arabischen Schrift. Zu dieser Zeit war die arabische Schrift noch unpunktiert und unvokalisiert, das heißt, sie unterschied weder zwischen gleich geformten Konsonanten (z. B. b, t, ṯ, n, y) noch enthielt sie Zeichen für kurze Vokale. Erst in den folgenden Jahrhunderten wurden diakritische Punkte und Vokalzeichen (ḥarakāt) eingeführt, um die korrekte Aussprache zu fixieren und Missverständnisse zu vermeiden.[17][18]
Aus dieser Entwicklung ging ein System verschiedener kanonischer Lesarten (arabisch قِرَاءَات qirāʾāt ‚Lesung‘, ‚Rezitation‘) hervor, die jeweils auf autoritative Rezitatoren des frühen Islam zurückgeführt werden. Diese Lesarten unterscheiden sich in Details der Aussprache, Grammatik und teilweise auch in der Bedeutung einzelner Wörter, basieren jedoch alle auf demselben ʿUthmānischen rasm. Heute erkennt die islamische Orthodoxie zehn kanonische Lesarten (nach Nāfiʿ, Ibn Kathīr, Abū ʿAmr, Ibn ʿĀmir, ʿĀṣim, Ḥamza, al-Kisāʾī, Abū Jaʿfar, Yaʿqūb und Khalaf) an, die jeweils über eine Kette von Überlieferern (isnād) tradiert wurden.
Neben diesen kanonischen Varianten existierten in der Frühzeit des Islam zahlreiche weitere nicht-kanonisierte Lesarten, die im Zuge der späteren Normierung des Korans verworfen oder marginalisiert wurden. Die Existenz dieser Varianten zeigt, dass der Korantext in seiner Frühgeschichte eine gewisse mündlich-textliche Fluidität aufwies, bevor sich die heutige kanonische Form endgültig durchsetzte.
In diesem Zusammenhang lassen sich auch im Koran eine Reihe syro-aramäischer Lehnwörter nachweisen. Begriffe wie furqan („Unterscheidung“), sirat („Weg“), zakat („Almosen“) oder rahman („barmherzig“) deuten darauf hin, dass sich der Koran sprachlich nicht in einem isolierten Raum entwickelte, sondern unter dem Einfluss benachbarter Kulturen und Sprachen stand. Einige dieser Wörter könnten zur Zeit der Offenbarung nicht allen arabischsprachigen Zuhörern vollständig verständlich gewesen sein, was die Notwendigkeit einer sprachlichen Vereinheitlichung zusätzlich verstärkte.[19]
Uthman entschied sich daher, den Korantext im quraischitischen Dialekt – der als Sprache des Propheten Mohammed galt – zu fixieren. Dieser Dialekt wurde später zur Grundlage des klassischen Hocharabisch. Frühere Koran-Kodizes, die in anderen Dialekten verfasst waren, wurden laut Überlieferung auf Befehl des Kalifen eingesammelt und verbrannt, um die einheitliche Rezitation sicherzustellen. Diese Maßnahme stieß insbesondere bei den Huffaz – also denjenigen, die den Koran auswendig gelernt hatten – auf Widerstand, da ihre persönlichen Überlieferungen nicht immer berücksichtigt wurden.
Darüber hinaus ordnete Uthman an, die Suren (Kapitel, arabisch سُوَر suwar) – mit wenigen Ausnahmen – der Länge nach zu ordnen. Die von ihm redigierte Fassung des Korans verdrängte in der Folgezeit alle anderen Versionen. Nach islamischer Überlieferung wurden autorisierte Abschriften dieser sogenannten Uthmanischen Rezension in die wichtigsten religiösen und politischen Zentren des frühen Islam versandt: Medina, Mekka, Kufa, Basra und Damaskus. Zeitgleich wurde angeordnet, auch alle privaten Koranaufzeichnungen zu vernichten, um spätere Abweichungen und Verfälschungen zu vermeiden.
Durch diese Maßnahmen ist bis heute ausschließlich die von Uthman autorisierte Fassung des Korans überliefert. Sie bildet die Grundlage des islamischen Schriftkanons und ist in ihrer sprachlichen Form über die Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben.
Auf Initiative des umayyadischen Kalifen ʿAbd al-Malik b. Marwān (Regentschaft 685–705, also 65–86 AH) kam es später zu einer weiteren Vereinheitlichung und Fixierung des Korantexts.[20] Diese unter ʿAbd al-Malik durchgeführten Maßnahmen zur Standardisierung und Vereinheitlichung haben eine wichtige Rolle in der Textgeschichte des Korans gespielt haben. Sie stellen eine zweite, politisch motivierte Phase der Kanonisierung dar, nach der ersten ʿUthmānischen Sammlung.
Auch gibt es Berichte, die nicht in Abu Bakr denjenigen sehen, der als der erste Kalif, den Koran sammelte, sondern halten darin seinen Nachfolger ʿUmar ibn al-Chattāb (Regentschaft 634–644) oder sogar den dritten Kalifen ʿUthmān ibn ʿAffān (Regentschaft 644–656) als die Entscheidenden.[21]
Die Entstehung der einzelnen Teile des Korans
Frühe und späte Teile des Korans
Schon im achten Jahrhundert ordneten muslimische Gelehrte bestimmten Koranversen Ereignisse aus dem Leben Mohammeds als Offenbarungsanlässe zu.[22] Auf diesen Zuordnungen und sprachlichen Erwägungen aufbauend, entwickelten verschiedene Gelehrte eine Chronologie, die die Suren in frühe „mekkanische“[23] und späte „medinische“ einteilte und in eine Reihenfolge brachte.[24] Grob gesagt, lässt sich diese Chronologie in der Weise zusammenfassen, dass die frühesten Suren des Korans am Ende stehen, während viele der am Anfang stehenden Suren aus den späteren Zeiten des prophetischen Wirkens Mohammeds stammen. Dementsprechend muss, wer der historischen Reihenfolge der Suren nahekommen will, eher von hinten nach vorne lesen.
Schon die frühen muslimischen Gelehrten waren sich bewusst, dass die Suren nicht alle aus einem Guss sind. Die chronologische Einordnung hat also nur für den Hauptteil der Sure Gültigkeit, während einzelne Passagen aus früherer oder späterer Zeit eingeschoben sein können. Als ein sicheres Kennzeichen medinischer Verse gilt, dass in ihnen die Anrede „O ihr, die ihr den Glauben angenommen habt“ (yā aiyuhā llaḏīna āmanū) verwendet wird.[25]
Der „Sanaa Palimpsest“
Im Jahr 1972 stieß man bei der Renovierung einer Wand im Dachgeschoss der Großen Moschee von Sanaa im Jemen auf große Mengen alter, zum Teil beschädigter Manuskripte und Pergamente. Eines dieser Manuskripte wies eine besonders interessante Eigenschaft auf: Sie enthielt eine ältere Version des Textes, die mit der Zeit überschrieben worden war. Auf dieser älteren Schicht befand sich eine jüngere Schrift, die über die ursprüngliche Textfassung geschrieben wurde. Mit Hilfe der Laser-Scanning-Mikroskop (englisch Confocal laser scanning microscopes), die es ermöglichte, die untere Schicht sichtbar zu machen, konnte die ursprüngliche, ältere Koranversion rekonstruiert werden. Durch eine Radiokohlenstoffdatierung (C14) des Pergaments wurde das Material auf ein Alter von etwa 670 n. Chr. datiert, was die Entstehungszeit der älteren Schicht näher bestimmt.[26] Das doppeltbeschriebene Koranmanuskript des „Sanaa Palimpsests“ scheint die Hypothese einer späten oder sukzessiven Koranniederschrift zu widerlegen.[27]
Frühere mekkanische und spätere medinensische Textpassagen
Zwischen den frühen und den späteren Koranpassagen lassen sich deutliche Unterschiede in Stil, Thematik und Funktion erkennen. Die frühen, überwiegend in Mekka entstandenen Suren zeichnen sich durch eine stark poetische und rhetorisch verdichtete Sprache aus. Sie thematisieren zentrale religiöse Inhalte (Theologeme) wie die Einzigkeit und Allmacht Gottes (tawḥīd), die Dankbarkeit gegenüber Allah, die Erwartung des Jüngsten Gerichts sowie die Ablehnung des Polytheismus. Eine mekkanische Sure ist ein Koran-Kapitel, das dem Propheten Mohammed in Mekka vor seiner Auswanderung nach Medina offenbart wurde. Diese Suren, die meist kürzere Verse enthalten, stellen die ersten göttlichen Offenbarungen dar, die der Prophet empfing. Quantitativ betrachtet machen die mekkanischen Suren etwa 19 von 30 Kapiteln des Korans aus und gelten als die ersten Offenbarungen. Die medinischen Suren hingegen umfassen etwa 11 von 30 Kapiteln und wurden nach Mohammeds Auswanderung nach Medina offenbart. Die späteren, in Medina offenbarten Suren hingegen weisen einen stärker prosaischen Charakter auf. Sie befassen sich häufig mit rechtlichen und sozialen Regelungen der entstehenden muslimischen Gemeinschaft, enthalten Berichte über militärische Auseinandersetzungen und thematisieren die Verteidigung und Konsolidierung der jungen Umma.[28][29]
| Merkmale | Mekkanische Suren und Verse, ca. 610 bis 622 n. Chr. | Medinensische Suren und Verse, ca. 622 bis 632 n. Chr. |
|---|---|---|
| Inhaltlicher Schwerpunkt | Glaube an Gott, den Jüngsten Tag und die Grundsätze des Glaubens | Erklärung religiöser Pflichten (Taklīf) und ihrer Grenzen (arabisch فرائض farāʾiḍ) |
| Form / Länge | Kurze Verse und Suren, poetisch | Lange Verse und Suren, prosaisch |
| Thematische Inhalte | Geschichten der Propheten und früherer Gemeinschaften | Wirtschaftliche und politische Gesetze (arabisch أحكام اقتصادية وسياسية aḥkām iḳtiṣādīya wa-siyāsīya)[30][31] |
| Sprachstil | Direkter, mahnender oder warnender Sprachstil, insbesondere gegenüber den Polytheisten (arabisch مشركون mushrikūn) | Lehrhafte Ansprache an die Gläubigen (arabisch المؤمنون al-muʾminūn), kontrastierend mit strengeren oder polemischen Formulierungen gegenüber den Nichtgläubigen (arabisch كفّار kuffār) |
| Schwerpunktthemen | Gebrauch des Wortes kallā (arabisch كَلَّا ‚Keineswegs‘) | Thematisierung der Heuchler (arabisch المنافقون al-munāfiqūn) |
| Besonderheiten | Verse mit Niederwerfungsgebot (arabisch آيات السجود āyāt as-sudschūd) | Darstellung der Zustände und Handlungen der Heuchler (arabisch المنافقون al-munāfiqūn) |
| Formale Merkmale | Beginn mit den abgetrennten Buchstaben (arabisch الحروف المقطعة al-Muqattaʿāt) außer al-Baqarah (arabisch البقرة) und Āl ʿImrān (arabisch آل عمران) | Kontroverse mit den „Leuten des Buches“ (arabisch أهل الكتاب Ahl al-Kitāb) |
| Zentrale Haltung | Kontestation des Götzendienstes (arabisch الشرك aš-širk) | Erläuterung des Dschihad (arabisch الجهاد al-ǧihād) und seiner Regeln |
| Zeitliche Einordnung | Enthüllt vor der arabisch هجرة hidschra, DMG hiǧra | Enthüllt nach der Hiǧra |
Julius Wellhausen und der mögliche Einfluss der jüdischen Haggada
Julius Wellhausen[35] zufolge gäbe es Ähnlichkeiten zwischen den Prophetengeschichten im Koran, besonders aus der mekkanischen Periode, und der jüdischen Haggada. Letztere ist eine Sammlung von Erzählungen, die biblische Geschichten ergänzen. Wellhausen argumentierte, in seiner Hypothese, dass Muhammad, durch seinen Kontakt mit den jüdischen Gemeinden, wahrscheinlich mit diesen Erzählungen vertraut gewesen wäre. Dies könnte erklären, warum der Koran in der Darstellung von Propheten wie Abraham und Moses Parallelen zur jüdischen Tradition aufwiese.[36][37]
Nöldekes Chronologie
Aufbauend auf dem von den muslimischen Gelehrten erarbeiteten Material und Vorarbeiten von Gustav Weil, entwickelte Theodor Nöldeke 1860 in seiner Geschichte des Qorāns[38] eine umfassende Chronologie der Teile des Korans. Danach sind 24 Suren medinisch, der Rest ist mekkanisch. Bei den mekkanischen Suren führte er eine Verfeinerung ein, indem er anhand von stilistischen und inhaltlichen Merkmalen drei aufeinanderfolgende Perioden (frühmekkanisch, mittelmekkanisch, spätmekkanisch) unterschied. Die Suren der frühmekkanischen Periode zeichnen sich demnach durch ihre stark poetische Form mit kühnen Bildern und kurzen, rhythmischen Reimen sowie durch die Aneinanderreihung von Schwüren an ihrem Anfang aus. In der mittelmekkanischen Zeit nehmen die Verse allmählich an Länge zu, und der Gottesname ar-Raḥmān wird gebräuchlich. In der spätmekkanischen Zeit werden die Verse noch länger, der Stil wird prosaischer und damit dem der medinischen Zeit ähnlich.[39] Nöldekes Chronologie der Suren sieht insgesamt folgendermaßen aus:
| Frühmekkanische Periode | 96, 74, 111, 106, 108, 104, 107, 102, 105, 92, 90, 94, 93, 97, 86, 91, 80, 68, 87, 95, 103, 85, 73, 101, 99, 82, 81, 53, 84, 100, 79, 77, 78, 88, 89, 75, 83, 69, 51, 52, 56, 70, 55, 112, 109, 113, 114, 1 |
| Mittelmekkanische Periode | 54, 37, 71, 76, 44, 50, 20, 26, 15, 19, 38, 36, 43, 72, 67, 23, 21, 25, 17, 27, 18 |
| Spätmekkanische Periode | 32, 41, 45, 16, 30, 11, 14, 12, 40, 28, 39, 29, 31, 42, 10, 34, 35, 7, 46, 6, 13 |
| Medinische Periode | 2, 98, 64, 62, 8, 47, 3, 61, 57, 4, 65, 59, 33, 63, 24, 58, 22, 48, 66, 60, 110, 49, 9, 5 |
Nöldekes Chronologie des Korans wird in der westlichen Islamwissenschaft bis heute weitgehend als zuverlässig akzeptiert. Auf ihrer Grundlage wurden noch andere literarische Besonderheiten der einzelnen Koranperioden herausgearbeitet. So hat zum Beispiel Angelika Neuwirth gezeigt, dass in der mittelmekkanischen Periode mit Gleichnisreden und Parabeln neue homiletische Elemente auftreten, die dann in spätmekkanischer Zeit unter der Bezeichnung mathal im Koran selbst thematisiert werden.[40]
Weitere Unterteilungen der frühmekkanischen Periode
Im Rahmen des Projektes Corpus Coranicum[41] wurde Nöldekes Chronologie zudem hinsichtlich der frühmekkanischen Suren weiter verfeinert. So hat Nicolai Sinai anhand des Parameters der „strukturellen Komplexität“ die Suren in drei Gruppen eingeteilt.
- Die Suren der Gruppe I (93–95, 97, 99–102, 104–108, 111) enthalten 4 bis 11 Verse und weisen eine starke innere inhaltliche Kohärenz auf.
- Die Suren der Gruppe II (73, 81–82, 84–96) sind länger (15–25 Verse) und lassen sich bereits in verschiedene thematische Einheiten gliedern.
- Die Suren der Gruppe III schließlich sind bis zu 40 Versen lang und gliedern in sich eine größere Anzahl von thematischen Einheiten. Die Gruppe III ist noch einmal unterteilt in
- Gruppe IIIa (53, 74, 75, 77, 78, 79) mit einer Anzahl von Silben pro Vers, die ähnlich niedrig ist wie in Gruppen I und II, und
- Gruppe IIIb (51, 52, 55, 56, 68, 69, 70), in der die Länge der einzelnen Verse erheblich höher ist.
Sinai betrachtet diese Gruppen als chronologisch aufeinanderfolgende Stufen des koranischen Textes.[42]
Gruppe I wird von Sinai noch weiter in verschiedene thematische und formale Textcluster unterteilt: a) die mekkabezogenen Suren 105 und 106, b) die Suren 95, 102, 103, 104 und 107 mit Ankündigungen des Jüngsten Gerichts, c) die Suren 99, 100, 101, 111 mit kurzen eschatologischen Bildern, d) die Trostsuren 93, 94 und 108 und e) Sure 97, die die Kraft der Offenbarung thematisiert. Sinai macht deutlich, dass er diese Einteilung ebenfalls als eine chronologische versteht.[43]
Die Sammlung des Korans
Die muslimischen Überlieferungen von einer Koransammlung (dscham'u 'l-quran- ǧamʿu ʾl-qurʾān) bereits unter dem Kalifen Abu Bakr (573–634) scheinen Berichten von einer ersten Sammlung unter ʿUmar ibn al-Chattāb (592–644) zu widersprechen. Dieser Widerspruch, der auf die inhaltlich unterschiedlichen und nicht selten tendenziös gefärbten Berichte des islamischen Überlieferungswesens zurückzuführen ist, konnte von der historischen Wissenschaft bis heute nicht endgültig gelöst werden. Ein Koranexemplar von Ḥafṣa (um 604-um 663), einer Tochter Umars, wird sowohl von der historischen Wissenschaft als auch vom größten Teil der muslimischen Gelehrten als zentral erachtet.[44] Problematisch erscheint lediglich, dass es eine Tochter Umars war, die offenbar das Koranexemplar erbte, und nicht der Kalif Uthman, was bei einem so wichtigen Dokument bemerkenswert ist.[45][46] Neben dem offiziellen Exemplar, das Uthman von Zaid ibn Thabit[47] mit ihm zur Seite gestellten Personen, über deren Identität in der historischen Wissenschaft Zweifel herrschen, erstellen ließ, gab es nach muslimischer Tradition noch mindestens vier weitere abweichende Exemplare, von denen das wichtigste das von ʿAbdallāh ibn Masʿūd ist. Auch das Exemplar von Ubaiy ibn Kaʿb fand größere Verbreitung. Außerdem gab es Exemplare von Abu Musa Abdallah Qais al-'Aschari und Miqdad b. 'Amr. Über das Exemplar von 'Abd Allah ibn Mas'ud weiß die muslimische Tradition, dass es die Suren 1, 113 und 114 nicht enthalten habe. Außerdem gibt es zwei verschiedene, nicht identische muslimische Überlieferungen von einer stark abweichenden Anordnung der Suren, die beide nicht der Anordnung im autoritativen Exemplar Uthmans entsprechen. Entgegen der muslimischen Auffassung gibt es durchaus Anzeichen, dass dieses Exemplar nicht vernichtet wurde, sondern lange noch Abschriften zirkulierten.
Über das Exemplar von Ubaiy ibn Kaʿb weiß die muslimische Tradition, dass es zwei weitere Suren enthalten habe, die zwar auch überliefert sind, deren erste Textzeugnisse jedoch spät, im 16. Jahrhundert, datieren. Diese Suren sind unter den Namen Surat al-Khal’ und Surat al-Hafd oder beide zusammen unter dem Titel Sùratu 'l-qunùt bekannt. Auch für dieses Koranexemplar gibt es eine muslimische Tradition über eine stark abweichende Anordnung der Suren. Im 9. Jahrhundert wurde die Verwendung von Koranlesungen, die auf der Sammlung Ubayys basierten, verboten.
Die beiden im Topkapi-Museum in Istanbul und in Taschkent befindlichen Exemplare werden von der historischen Wissenschaft in keinem Fall als die bis heute erhaltenen Exemplare der Edition Uthmans angesehen. Man hat aber 1972 in der Hauptmoschee von Sana'a Fragmente alter Kodizes auf Pergament gefunden, die um 710 entstanden sind. Sie weisen nicht nur orthographische Abweichungen im Rasm auf, sondern haben auch eine andere Anordnung der Suren. Dies bestätigt die Richtigkeit entsprechender Angaben in der Literatur, vor allem im Kitab al-Fihrist des Ibn al-Nadim (987–988).[48] Zweifelsfrei sind die ältesten Fragmente diejenigen, die in der sog. hidschazischen mâ'il-Schrift aufgezeichnet worden sind. Fragmente dieser Kodizes liegen in San'a, ein 176 Blätter starkes Fragment liegt in der British Library unter der Nr. Or.2165.
Die meisten heutigen Koranexemplare gehen auf eine Edition der al-Azhar-Universität aus dem Jahre 1923/24 zurück, die damit einen bestimmten Konsonantentext und eine einzige Lesart quasi zur verbindlichen gemacht hat, obwohl die ältere muslimische Tradition ganze Enzyklopädien über abweichende, aber dennoch anerkannte Lesarten kennt. Die handschriftlichen Grundlagen dieser Ausgabe sind unbekannt.[49][50]
Die Schaffung eines textus receptus anhand vorliegender Koranhandschriften aus der Frühzeit mit der Verzeichnung der Lesevarianten in einem textkritischen Apparat wird von der islamischen Welt strikt abgelehnt. Ansätze dazu wurden in den 1920er und 1930er Jahren von Gotthelf Bergsträsser, Arthur Jeffery und Otto Pretzl unternommen, jedoch wegen des Todes von Bergsträsser und Pretzl nie zu Ende geführt.
2016 hat der tunesische Islamwissenschafter Abdelmajid Charfi eine historisch-kritische Ausgabe des Korans vorgelegt, „ein absolutes Novum in der muslimischen Welt“. „Die Berliner Arabistin Angelika Neuwirth […] hält die neue Ausgabe nicht nur für eine wissenschaftliche Pionierleistung, sondern auch für eine echte Mutprobe: «Die Salafisten möchten nicht wissen, dass der Koran eine irdische Geschichte hat.»“[51]
An der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wird seit 2007 unter dem Titel „Corpus Coranicum“ eine Textdokumentation und ein historisch-kritischer Kommentar zum Koran erarbeitet. Dabei wird der Koran zu zahlreichen Umwelttexten in Beziehung gesetzt und „als ein Text der Spätantike“ betrachtet und bearbeitet, indem „systematisch den Echos älterer Traditionen im Koran“ nachgegangen wird.[52]
Moderne historisch-kritische Forschung
Günter Lüling entwickelte eine Theorie, die von einem christlichen Urkoran in Strophendichtung ausgeht. John Wansbrough geht davon aus, dass der Koran in einem längeren Prozess entstanden ist und frühe Zeugnisse lediglich „koranisches Material“ enthalten, jedoch nicht auf die Existenz des Korans zu dieser Zeit hinweisen.
Die Funde von alten Koranfragmenten z. T. aus dem ersten muslimischen Jahrhundert in Sanaa haben vieles, was lange als gesichert galt, wieder in Frage gestellt (siehe Gerd-Rüdiger Puin). Die Vorstellung, dass der Koran in einem längeren Prozess aus Schriften verschiedenster Herkunft zusammengestellt wurde, teilen unter anderem Ibn Warraq, Karl-Heinz Ohlig und Yehuda Nevo.[53]
Ein unter dem Pseudonym Christoph Luxenberg schreibender Islamforscher des Saarbrücker Institutes „Inârah“ vertritt die Ansicht, dass der Koran zumindest teilweise auf einer syro-aramäischen Vorlage beruht.[54][55] Das von Christoph Luxenberg publizierte (aber in der Forschung umstrittene) Werk Die syro-aramäische Leseart des Koran (2002), untersuchte den Koran sprachwissenschaftlich und kam zum Ergebnis, dass der Koran viele christliche Elemente in syro-aramäischer Sprache beinhalte.
Einen für Laien verständlichen Überblick über die Forschungen der Saarbrücker Koranwissenschaftler um Karl-Heinz Ohlig – zur Etablierung der historisch-kritischen Methode in den Islamwissenschaften[55] – bietet das Sachbuch des ebenfalls unter einem Pseudonym publizierenden Autors Norbert G. Pressburg: Good Bye Mohammed.
Historisch-kritische Ausgabe in Frankreich
Unter der Leitung („collaboration“) von Guillaume Dye und Mohammad Ali Amir-Moezzi hat in Frankreich eine Gruppe von 30 Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtung („une équipe […] composée d'historiens et de spécialistes du Coran“) 2019 die historisch-kritische Ausgabe „Coran des historiens“ herausgegeben.[56] In dieser dreibändigen Ausgabe wird versucht, den Koran zu kontextualisieren, auch um damit die inneren Widersprüche, die im Koran zu finden sind („le Coran est un corpus qui contient des contradictions“) zu klären.[57][58]
Literatur
- Gotthelf Bergsträsser: Plan eines „Apparatus Criticus“ zum Koran. Verlag der Akademie der Wissenschaften, München 1930.
- John Burton: The collection of the Qur'ân. Cambridge University Press, Cambridge 1977, ISBN 0-521-21439-4.
- Guillaume Dye, Mohammad Ali Amir-Moezzi (Hrsg.): Le Coran des historiens. Les Editions du Cerf, Paris 2019, ISBN 978-2-204-13551-1.
- Tarek Anwar Abdelgayed Elkot: Die Methode Nöldekes zur chronologischen Anordnung der Suren und Verse des Korans in seinem Buch „Geschichte des Qorāns“ Eine analytisch-kritische Studie. Dissertationsschrift Georg-August-Universität, Göttingen 2014, auf d-nb.info (d-nb.info)
- Markus Groß, Karl-Heinz Ohlig (Hrsg.): Die Entstehung einer Weltreligion III – Die heilige Stadt Mekka – eine literarische Fiktion. INARAH – Schriften zur frühen Islamgeschichte und zum Koran. Band 7. Verlag Hans Schiler; Berlin, Tübingen 2014.
- Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes: Al‑Hasan al‑Baṣrīs Beiträge zur Geschichte des Korans. (= Band 10, Diskurse der Arabistik), Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-447-05349-5, Textauszug: „Erster Teil. Zur Geschichte der Offenbarungen und ihrer redaktionellen Anordnung in der kanonischen Fassung des Korans.“ S. 5–26, auf refubium.fu-berlin.de
- Etan Kohlberg und Mohammad Ali Amir-Moezzi: Revelation and Falsification: The /Kitab al-Qira'at/ of Ahmad b. Muhammad al-Sayyari. Kritische Ausgabe mit Einführung und Anmerkungen. Brill, Texts and Studies on the Qur'an, Leiden and Boston 2009. 363 S. (englisch) + 201 S. (Arabisch).Online-Teilansicht
- Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-458-71026-4.
- Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorans. Mit einem literarhistorischen Anhang über die muhammedanischen Quellen und die neuere christliche Forschung. Neuausgabe Dietrich, Leipzig 1909/38
- Über den Ursprung des Qorans. 1909.
- Die Sammlung des Qorans. 1919.
- Die Geschichte des Korantexts. 1938.
- Otto Pretzl: Die Fortführung des „Apparatus Criticus“ zum Koran. Verlad der Akademie der Wissenschaften, München 1934.
- Gerd-Rüdiger Puin: Observations on Early Qur'an Manuscripts in San'a'. In: Stefan Wild (Hrsg.): The Qur'an as Text. A Symposium. Brill, Leiden 1996, S. 107–111. ISSN 0169-8729.
- Hrsg. von einer Gruppe von Forschenden (مجموعة من الباحثين): Al-Mushaf wa Qira’atuh. Rabat 2016, 5 Bände. Mominoun Without Borders for Publishing & Distribution / Beirut, ISBN 978-614803017-8, 9786148030062.
- Nicolai Sinai: The Qur'an as process in Angelika Neuwirth, Nicolai Sinai, Michael Marx (Hrsg.): The Qur'ān in Context. Historical and Literary Investigations into the Qur'ānic Milieu. Leiden 2011, S. 407–439. doi:10.1163/ej.9789004176881.i-864.104
- William Montgomery Watt (Bearb.): Bell's Introduction to the Qur'an. (= band 8, Islamic Surveys). University Press, Edinburgh 2005, ISBN 0-7486-0597-5, S. 40–56 (Nachdr. d. Ausg., Edinburgh 1970).
Weblinks
- Forschungsprojekt Corpus Coranicum
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ Sanaa Palimpsest (also Ṣanʽā’ 1 oder DAM 01-27.1)
- ↑ Anton Spitaler: Die Verszählung des Koran nach islamischer Überlieferung. (= Heft 11, Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Abteilung Jahrgang 1935), Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1935
- ↑ Mit Assonanz wird ein Stilmittel und der sprachlichen Gleichklang zweier oder mehrerer Wörter bezeichnet. Die klangliche Übereinstimmung beruht auf einer Häufung bzw. Wiederholung von Vokalen. Die Konsonanten bleiben dabei unberücksichtigt.
- ↑ Paul Ricœur: Poetische Fiktion und religiöse Rede. In: Franz Böckle, Franz-Xaver Kaufmann, Karl Rahner, Bernhard Welte (Hrsg.): Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft. Enzyklopädische Bibliothek in 30 Teilbänden, Band 2: „Mythos und Wissenschaft. Kunst und Religion. Literarische und religiöse Sprache“ Herder, Freiburg / Basel / Wien 1981, S. 96–105.
- ↑ Matthias Radscheit: Iʿǧāz al-Qurʾān im Koran? In: Stefan Wild (Hrsg.): The Qurʾan as Text. E.J. Brill, Leiden 1996, S. 113–124.
- ↑ In der islamischen Rechtslehre (Fiqh) gelten traditionell vier Hauptquellen: 1. Koran, das offenbarte Wort Gottes. 2. Sunna, das Vorbild und die Praxis des Propheten Mohammed. 3. Hadith, die überlieferten Aussagen, Taten und Billigungen Mohammeds, die die Sunna konkretisieren. 4. Weitere Quellen (Idschmāʿ, Qiyās usw.), Konsens und Analogieschluss.
- ↑ Yāsin Dutton: Orality, Literacy and the ‘Seven Aḥruf’ Ḥadīth. Journal of Islamic Studies, Vol. 23, No. 1 (Jan. 2012), S. 1–49.
- ↑ Harry Munt: The Arabian Context of the Qur’an: History and the Text. S. 97–110 In: Mustafa Shah, Muhammad Abdel Haleem (Hrsg.): The Oxford Handbook of QUR’ANIC STUDIES. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-969864-6, auf almuslih.org almuslih.org S. 99.
- ↑ Adel Th. Koury: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch. (= Band 4167 Herder Spektrum). Herder, Freiburg / Basel / Wien 1988, ISBN 3-451-04167-7, S. 36–40.
- ↑ Adel Th. Khoury: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch. (= Band 4167, Herder Spektrum) Herder, Freiburg / Basel /Wien 1988, ISBN 3-451-04167-7, S. 35–41.
- ↑ Tayyar Altikulac: Kodex und Kanon - Die Koranhandschriften der Kalifen Osman und Ali. Corpus Coranicum, Vortrag, auf islamheute.ch islamheute.ch S. 3 f.
- ↑ siehe Geschichte der arabischen Sprache
- ↑ Hamed Abdel-Samad: Islam. Eine kritische Geschichte. dtv, München 2024, ISBN 978-3-423-35226-0, S. 61.
- ↑ Omar Hamdan: Zur Rolle frühislamischer Grammatiktheorien in der Entwicklung der koranischen Orthographie. In: Mohammed Nekroumi, Jan Meise: Modern Controversies in Qurʾānic Studies. EB-Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-936912-15-9, S. 45–95.
- ↑ Hamed Abdel-Samad: Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses. Droemer, München 2018, ISBN 978-3-426-30126-5, S. 21–22.
- ↑ Im Zusammenhang mit dem Koran bezeichnet arabisch الرَّسْم العُثماني ar-rasm al-ʿUthmānī den ʿUthmānischen Schriftbefund, also das konsonantische Grundgerüst des Korantextes, das zur Zeit des Kalifen ʿUthmān ibn ʿAffān standardisiert wurde.
- ↑ Munther A. Younes: Ist der Koran tatsächlich unverfälscht? S. 34–371 In: Willi Steul (Hrsg.): Koran erklärt. (= Band 4802 Suhrkamp Taschenbuch) Suhrkamp, Berlin 2017, ISBN 978-3-518-46802-9.
- ↑ Suleiman Mourad, Perry Anderson; Das Mosaik des Islam. Berenberg, Berlin 2016, ISBN 978-3-946334-31-6, S. 18–26.
- ↑ Hamed Abdel-Samad: Mohammed. Eine Abrechnung. Droemer, München 2015, ISBN 978-3-426-27640-2, S. 42; 151–159.
- ↑ Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes Al-Hasan al-Basris Beiträge zur Geschichte des Korans. (= Band 10, Diskurse der Arabistik). Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 3-447-05349-6.
- ↑ Marcel Hulspas: Mohammed. Revolution aus der Wüste. WBG, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-8062-3489-3, S. 13–14.
- ↑ Vgl. dazu Hans-Thomas Tillschneider: Typen historisch-exegetischer Überlieferung. Formen, Funktionen und Genese des asbāb an-nuzūl-Materials. Ergon-Verlag, Würzburg 2011, ISBN 978-3-89913-861-0 (zugl. Dissertation).
- ↑ Nicolai Sinai: Die frühmekkanischen Suren. Teil 1. Unter Verwendung von Vorarbeiten Angelika Neuwirth, auf corpuscoranicum.de corpuscoranicum.de
- ↑ Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. 1860; 2. Auflage, bearbeitet bzw. völlig umgearbeitet von Friedrich Schwally, Gotthelf Bergsträsser und Otto Pretzl. 3 Bände, Leipzig 1909, 1919, 1938., hier I, S. 59–65.
- ↑ Vgl. Nöldeke: Geschichte des Qorāns. I, S. 64.
- ↑ Behnam Sadeghi: The Codex of a Companion of the Prophet and the Qur'ān of the Prophet. In: Gabriel Said Reynolds: The Qurʾān in its Historical Context. Routledge, London / New York 2008, ISBN 978-0-415-49169-3, S. 348.
- ↑ Marcel Hulspas: Mohammed. Revolution aus der Wüste. WBG, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-8062-3489-3, S. 14.
- ↑ Adel Th. Koury: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch. (= Band 4167 Herder Spektrum). Herder, Freiburg / Basel / Wien 1988, ISBN 3-451-04167-7, S. 36–40.
- ↑ Mohammad Mahdi Rokni: Āshnāyī bā ʿulūm-e Qurʾānī [آشنایی با علوم قرآنی; Introduction to Quranic sciences]. SAMT / Astan-e Qods-e Razav, Teheran 1379 [2000], ISBN 978-964-530-424-7, S. 111 f.
- ↑ Sure 2 (al-Baqara), Sure 4 (an-Nisāʾ), Sure 5 (al-Māʾida), Sure 8 (al-Anfāl) und Sure 9 (at-Tawba)
- ↑ Vgl. die Gemeindeordnung von Medina
- ↑ Marcel Hulspas: Mohammed. Revolution aus der Wüste. Theiss / WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-3489-3, S. 90 f.; 293 f.
- ↑ Mouhanad Khorchide: Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion. Herder, Freiburg / Basel / Wien 2016, ISBN 978-3-451-06764-8, S. 134 f.
- ↑ Ghurabalbayn: Die Chronologie des Korans. Lesewerk Arabisch und Islam, 20. März 2012, auf lesewerkarabisch.wordpress.com [1]
- ↑ Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums. Gesammelt und Erläutert. 3. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1961, S. 273 f.
- ↑ Tarek Anwar Abdelgayed Elkot: Die Methode Nöldekes zur chronologischen Anordnung der Suren und Verse des Korans in seinem Buch „Geschichte des Qorāns“ Eine analytisch-kritische Studie. Dissertationsschrift Georg-August-Universität, Göttingen 2014, auf d-nb.info d-nb.info S. 61.
- ↑ Heinrich Speyer: Die biblischen Erzählungen im Koran. Gräfenhainichen [ohne Jahr]; Nachdruck Olms-Verlag, Hildesheim 1961; 4. Reprint ebenda 2013, ISBN 978-3-487-30152-5. DNB-Eintrag
- ↑ Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. 1860; 2. Auflage, bearbeitet bzw. völlig umgearbeitet von Friedrich Schwally, Gotthelf Bergsträsser und Otto Pretzl. 3 Bände, Leipzig 1909, 1919, 1938.
- ↑ Vgl. Nöldeke, I S. 66–74.
- ↑ Vgl. Neuwirth, Koran als Text der Spätantike, 2010, S. 498–501.
- ↑ Corpus Coranicum, offizielle Webseite, auf corpuscoranicum.de corpuscoranicum.de
- ↑ Vgl. Sinai, “The Qur'an as process”, S. 420–424.
- ↑ Vgl. Sinai, “The Qur'an as process”, S. 425f.
- ↑ Muhammad ibn Isma'il al-Bukhari: Sahih al-Bukhari. Istanbul, 1401 AH (1981), Band 5, S. 210ff.
- ↑ Roland Machatschke. Islam. kurz & bündig. hpt, Wien 1990, ISBN 3-85128-037-7, S. 19–22.
- ↑ Suleiman Mourad, Perry Anderson: Das Mosaik des Islam. Berenberg, Berlin 2018, ISBN 978-3-946334-31-6, S. 13–22.
- ↑ Michael Lecker: Art. Zayd b. Tāhbit. In The Encyclopaedia of Islam, New Edition Bd. XI, S. 476.
- ↑ Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Bd. 1, Brill, Leiden 1967, S. 386.
- ↑ Omar Hamdan: Studien zur Kanonisierung des Korantextes. (= Band 10, Reihe Al-Hasan al-Basris Beiträge zur Geschichte des Korans). 1. Auflage, Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 3-447-05349-6, S. 199 f.
- ↑ Omar Hamdan: Der Koran als Kanon. EB-Verlag Dr. Brandt, Berlin 2020, ISBN 978-3-86893-318-5.
- ↑ Annette Steinich: Dieses Buch birgt Sprengstoff: Historisch-kritische Ausgabe rückt den Koran in ein neues Licht Neue Zürcher Zeitung, 19. März 2018.
- ↑ Corpus Coranicum. Abgerufen am 1. Juni 2022.
- ↑ Vgl. dazu Hans-Caspar Graf von Bothmer, Karl-Heinz Ohling, Gerd-Rüdiger Puin: Neue Wege der Koranforschung. In: Magazin Forschung. Universität des Saarlandes, Saarbrücken Nr. 1, 1999, S. 33–46. ISSN 0937-7301.
- ↑ Die syro-aramäische Lesart des Koran, ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache. Das Arabische Buch, Berlin 2000, 2007, ISBN 978-3-89930-028-4. Vgl. zur populärwissenschaftlichen Rezeption beispielsweise einen Telepolisartikel.
- ↑ a b INARAH Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und des Korans, zur Etablierung der historisch-kritischen Methode in den Islamwissenschaften; „Inârah“ (arabisch für ‚Aufklärung‘)
- ↑ Guillaume Dye: Le Coran des historiens. Abgerufen am 6. März 2021.
- ↑ Rachel Binhas: Qu'y a-t-il vraiment dans le Coran ? Rencontre avec l'un des auteurs du "Coran des historiens". 2019, abgerufen am 1. Juni 2022 (französisch).
- ↑ Der Coran des historiens bietet eine historisch-kritische Analyse des Korans. Er will verstehen, wie der Koran im historischen, kulturellen und religiösen Kontext des 7. Jahrhunderts entstanden ist. Die Hauptziele sind:1. Den historischen Kontext der Offenbarungen zu rekonstruieren (Arabien, Byzanz, Persien, Judentum, Christentum); 2. Die Textstruktur und Überlieferung des Korans zu analysieren. Wie entstand der heutige Text?; 3. Versweise Kommentare aus historisch-philologischer Sicht zu bieten. Vergleiche mit zeitgenössischen religiösen und literarischen Quellen zu ziehen (z. B. biblische, syrisch-aramäische, persische Texte).