Geschichte der Bresse

Die Geschichte der Bresse beschreibt die historische Entwicklung der Region der Bresse in Frankreich von der Frühzeit bis zum Ausbruch der Französischen Revolution. Der Schwerpunkt liegt auf der Bresse louhannaise, aber die angrenzenden Gebiete werden oft mitbeschrieben, da sie in der Geschichtsschreibung nicht klar abgegrenzt werden können.

Die Region der Bresse ist Teil von drei Départements, des Département Saône-et-Loire, des Département Ain und des Département Jura. Dabei bestehen verschiedene Definitionen für die Bresse als Ganzes. Die weiteste Umschreibung lautet: das Gebiet zwischen der Saône und den Jurahöhen südlich des Doubs und nördlich der Dombes.

Dabei gilt als Bresse chalonnaise der Teil, der zum Département Saône-et-Loire gehört, als Bresse savoyarde der Teil, der zum Département Ain gehört und schließlich als Bresse jurassienne der Teil, der zum Département Jura gehört. In diesem Artikel ist vielfach von der Bresse louhannaise die Rede, sie ist Teil der Bresse chalonnaise und umfasst die Gemeinden, die das Arrondissement Louhans bilden.

Vorgeschichtliche Zeit

Die Bresse bildete seit ihrer Entstehung eine in sich geschlossene Einheit. Spuren von tierischer oder menschlicher Besiedlung finden sich vor allem entlang der Gewässer: Saône, Seille, Solnan und Vallière. Ein Schwerpunkt bildet der Fels von Solutré, der heute gut erforscht ist und auf eine erste Besiedlung entlang der Saône schließen lässt. Eine Silexbank zieht sich in geringer Tiefe von Mâcon nach Tournus und dürfte den Steinzeitmenschen das notwendige Material geliefert haben. Weitere Siedlungsspuren finden sich am Jurafuß mit verbreiteten Höhlen. Der zentrale Teil war für den Steinzeitmenschen nicht geeignet, da die Bresse aufgrund ihrer Entstehung keine Steine aufweist.

Entlang der Saône und dem Jurafuss wurden vereinzelt Menhire gefunden, Waffen, Töpfereien und bearbeitete Knochen. In der Gegend zwischen Loisy und Huilly-sur-Seille bestanden etliche Poypen, die als Gräber dienten. Es wird vermutet, dass etwa 1600 Jahre V. u. Z. eine Besiedlung durch keltische Stämme, insbesondere Gallier, erfolgte. Heutige Orts- und Flurnamen gehen teilweise auf keltische Begriffe zurück (Condal – von keltisch Condate, der Zusammenfluss; Baume-les-Messieurs – von keltisch Balm, die Höhle; Beauvernois – von keltisch Vernacum, der Erlenwald).

Aufgrund von Caesars Angaben wird davon ausgegangen, dass das Gebiet westlich der Saône durch die Haeduer besiedelt wurde, während sich östlich der Saône die Sequaner niederließen[1]. Dabei war die Saône keine strikte Grenze, sondern die Stammesgebiete konnten sich durchaus auch auf die Gegenseite des Flusses ausdehnen. Hingegen scheinen sich die beiden Nachbarstämme nicht unbedingt wohlgesonnen gewesen zu sein, sondern bekriegten sich oft, wie beispielsweise bei der Schlacht bei Magetobriga.

Die römische Eroberung Galliens

Ab 125 v. Chr. begann Rom mit der Eroberung der Gebiete Galliens. 58 bis 51 v. Chr. führte Gaius Iulius Caesar (* 13. Juli 100 v. Chr., † 15. März 44 v. Chr.) in teils blutigen Feldzügen die Eroberung weiter bis an den Rhein. Kaiser Augustus (* 23. September 63 v. Chr., † 19. August 14 n. Chr.) gliederte um die Zeitenwende Frankreich ins Imperium Romanum ein, die Bresse chalonnaise gehörte zur Provinz Gallia Lugdunensis, die Romanisierung schritt voran und es begann die Gallorömische Kultur in Frankreich. Das Gallische übernahm zusehends Begriffe aus der Lateinischen Sprache und langsam entwickelte sich die Grundlage des Französischen. Tatsächlich übernahm das lokale Latein viele Begriffe aus dem Gallischen, vorzugsweise von Pflanzen und geografischen Besonderheiten, die teilweise bis heute überdauern.

Für die Römer war wichtig, Salz zu ihren Truppen westlich der Saône zu bringen. Aus diesem Grund legten sie ein Netz von Straßen an, das auf lange Zeit das Hauptverkehrsnetz in Frankreich bildete. Für den Bau wurde die einheimische Bevölkerung zugezogen und mit dem Wachstum des Straßennetzes nahm auch die Besiedlung zu, denn wo die Straße durchging, konnte man auch wohnen. So weist die Bresse chalonnaise mindestens 14 Orts- und Flurnamen mit Chaux auf. Diese gehen mit Sicherheit nicht auf den Begriff Kalk zurück, der in der Bresse ja nicht vorkommt, sondern vielmehr auf Callis (lateinisch: Pfad, Steig), also auf die Nähe der Straße

Unter dem römischen Kaiser Diokletian (* zwischen 236 und 234, † um 312) erfolgte im Jahr 297 eine Verwaltungs- und Militärreform und die Römischen Provinzen wurden neu festgelegt. Die Bresse chalonnaise lag nun in der Provinz Maxima Sequanorum.

Im 3. und 4. Jahrhundert war die große Zeit der Völkerwanderung. Von Osten drängten neue Stämme und ganze Völker Richtung Westeuropa. Insbesondere die Hunnen bedrängten das römische Reich entlang seiner Nordgrenze und in Gallien. Mit der Verteidigung Galliens war der römische Heermeister Flavius Aëtius (* um 390, † 21. September 454 oder 22. September 454) beauftragt, der sich dem Ansturm der Hunnen entgegenstellte. Dafür verbündete er sich mit den Burgunden, denen er in der Folge das Gebiet der heutigen Westschweiz als Siedlungsgebiet zuwies.

Den Burgunden gelang es später unter ihrem ersten Rex Gundahar, ihr Siedlungsgebiet auszuweiten und insbesondere das Saône- und das Rhonetal in Besitz zu nehmen. Das römische Reich hatte seine Stärke verloren und unter Kaiser Julius Nepos zerfiel das Weströmische Reich um 476 vollends.

Die Christianisierung der Bresse chalonnaise

Die Christianisierung der Bresse begann um die Mitte des 2. Jahrhunderts. Pothinus war zu jener Zeit Bischof von Lyon, gefolgt von seinem Begleiter Irenäus. Ebenfalls aus Lyon stammte Marcellus († 4. September 178), der sich der Christenverfolgung in Lyon im Jahre 177 durch Flucht entziehen konnte und in der Folge das linke Ufer der Saône missionierte. Sein Begleiter auf der Flucht war Valerianus († 15. September 178), der sich auf der rechten Seite der Saône nach Castrum Trinorchium (Tournus) begab, um zu predigen. Nach dem Tod der beiden Märtyrer verbreitete sich das Christentum nur langsam und vermischte sich mit den heidnischen Bräuchen, zumal die Christen nach wie vor verfolgt wurden. Erst mit der konstantinischen Wende unter Konstantin dem Großen (* zwischen 270 und 288, † 22. Mai 337) wurde das Christentum offiziell die Religion des Landes. Mit der Regierungszeit von Konstantin II. (* 316, † 340) begann die eigentliche Christianisierung, die heidnischen Götter verloren zunehmend an Bedeutung, wurden versteckt oder vergraben[2].

Mit der Einwanderung der Burgunden kam eine neue Form des Christentums auf. Die Burgunden waren Homöer, eine besondere Richtung des Arianismus. Sie waren der Überzeugung, dass Gott, der allmächtige Vater, der Sohn und der Heilige Geist, einander ähnlich seien – aber eben nicht gleich – und hingen damit einem eher monotheistischen Glauben an. Der Arianismus war in ähnlichem Umfang verbreitet, wie der Katholizismus, in den Königsfamilien kamen beide Glaubensrichtungen vor. Der Arianismus wurde erst beendet mit der fränkischen Eroberung.

Die Herrschaft der Burgunden

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches war Gundobad († 516) sowohl magister militum – also Heermeister – als auch König der Burgunden. Er erließ eine umfassende Gesetzessammlung, die Lex Burgundionum[3], die das Römische Recht mit den Gepflogenheiten der germanischen Völker zusammenbrachte.

Gundobad regierte zusammen mit seinen Brüdern, da nach burgundischem Recht alle Söhne erbberechtigt waren. Einen Bruder, Chilperich II., ließ er zusammen mit dessen Gemahlin umbringen, Godomar II. war vermutlich ebenfalls schon verstorben, so dass lediglich noch Godegisel als Mitkönig verblieb, dem er ein kleines Territorium um Genf überließ. Eine der Töchter des ermordeten Chilperich, Chrodechild, lebte an seinem Hof, wurde katholisch erzogen und wurde zwischen 492 und 494 verheiratet mit Chlodwig I., dem fränkischen König aus der Dynastie der Merowinger.

Im Jahr 501 ließ Gundobad seinen letzten Bruder, Godegisel ebenfalls ermorden, um seinem Sohn Sigismund (* 475, † 1. Mai 524) 516 die Herrschaft über Genf zu übergeben. Nach dem Tod von Gundobad wurde Sigismund König der Burgunden, zugleich magister militum und erhielt den Titel Patricius. Seine Tochter verheiratete Sigismund um 517 mit dem Frankenkönig Theuderich I. und 523 ließ er seinen Sohn Sigerich erdrosseln, da er ihn der Verschwörung verdächtigte. Dadurch entzweite sich das Bündnis mit den Ostgoten und die drei jüngeren Söhne des Merowingerkönigs Chlodwig I. bemächtigten sich des Burgunderreiches. Godomar I., der Bruder Sigismunds, griff die fränkische Garnison an und vernichtete sie. Nun ließ Chlodomer, der drittälteste Sohn Chlodwigs I. den Burgundenkönig Sigismund und seine zwei Söhne am 1. Mai 524 töten und unternahm einen erneuten Feldzug gegen die Burgunden. Am 25. Juni 524 wurde er in der Schlacht bei Vézeronce geschlagen, erst 532 gelang es bei der Schlacht von Autun die Burgunden endgültig zu schlagen und ihr Reich zu übernehmen.

Die Merowinger

König der Franken war zu jener Zeit Chlothar I. (* um 495, † Dezember 561), der jüngste Sohn von Chlodwig I. aus dem Geschlecht der Merowinger und der Chrodechild. Das Familienleben Chlothars war ausgesprochen abwechslungsreich, immerhin hinterließ er von seiner ersten Gattin Ingund noch vier Söhne. Diese teilten das Reich untereinander auf und König des Teilreiches Burgund und Orléans wurde Guntram I. (* um 532, † 28. März 592). Während seiner Regierungszeit, um 588, herrschte eine schwere Hungersnot, begleitet von einem Pestzug, die riesige Verluste bei der Bevölkerung forderten. 579 gründete Guntram «um seine vielen Fehler wieder gutzumachen» in Hubiliac, dem späteren Saint-Marcel zu Ehren des Märtyrers Marcellus das Kloster Saint-Marcel, in dem er 592 auch beigesetzt wurde. Da die vier Söhne Guntrams gestorben waren, adoptierte er 577 Childebert II., den Sohn seines Bruders Sigibert I.

Chlothar I. hatte zu Beginn des 6. Jahrhunderts das Salische Recht im Frankenreich eingeführt. Um dieselbe Zeit führte Gundobad das Burgundische Recht im Burgund ein. So bestanden bis zum Ende des 9. Jahrhunderts zwei Gesetzessammlungen nebeneinander, die von den jeweiligen Volksgruppen angewendet wurden. Auch in übrigen Bereichen behielt das Burgund weiterhin eine gewisse Freiheit und Selbstverwaltung.

Nach Childebert II. folgten weitere Merowinger als Könige von Burgund. Erst Childerich III. (* zwischen 720 und 737, † um 755) war der letzte Merowingerkönig.

Die sarazenischen Plünderungszüge

Während der Regierungszeit von Theuderich IV. (* nach 711, † zwischen 16. März und 30. April 737), dem vorletzten Frankenkönig der Merowinger drangen muslimische Araber auf ihrer islamischen Expansion ins Frankenreich vor. Brandschatzend und mordend folgten sie dem Lauf der Saône und plünderten Mâcon, Chalon, Tournus, die Abtei Saint-Marcel und die angrenzenden Gebiete. Im August 725 wurde gar Autun geplündert und zerstört. Schließlich konnten die sarazenischen Horden durch die Franken geschlagen und zurückgedrängt werden.

Diese historische Episode hinterließ ihr Spuren in Frankreich: Buchweizen heißt im Französischen le sarrasin, eine besondere Kaminform beim Bressehaus ist eine cheminée sarrasine und in der Bresse louhannaise beziehen sich noch mindestens drei Ortsbezeichnungen auf die Sarazenen.

Die Karolinger

Der Merowinger Theuderich III. (* unsicher: 653, † zwischen 2. September 690 und 12. April 691) war König von Neustrien und Burgund, ab 679 auch König von Austrasien. 687 in der Schlacht bei Tertry unterlag er dem austrischen Hausmeier Pippin. Pippin der Mittlere, aus dem Geschlecht der Arnulfinger, wurde dadurch Hausmeier aller Reichsteile und als princeps francorum der mächtigste Mann der Franken. Er behielt zwar der Form halber das merowingische Königtum im Burgund bei, tatsächlich hatten die Merowinger ihre Macht verloren, sie waren lediglich noch Schattenkönige, die rois fainéants. In den letzten Dekaden des merowingischen Königtums verweigerten die Burgunden vermehrt die Gefolgschaft und versuchten die Unabhängigkeit vom fränkischen Reich zu erreichen. Karl Martell (* zwischen 688 und 691, † 15. Oktober 741 oder 22. Oktober 741), der Sohn von Pippin dem Mittleren, unterdrückte jedoch ihre Bestrebungen und 733 unterwarf er Burgund. Karl Martell teilte sein Reich zwischen seinen Söhnen auf, Karlmann (* unsicher: zwischen 706 und 708, † 17. Juli 754) erhielt Austrasien, Thüringen und Alemannien, Pippin der Jüngere (* 714, † 24. September 768) wurde Hausmeier von Neustrien, Burgund und der Provence.

747 trat Karlmann zurück und trat ins Kloster ein. Pippin der Jüngere annektierte seines Bruders Reichsteil und ließ sich im November 751 durch eine Versammlung der Franken in Soissons zum rex francorum ausrufen. Vor seinem Tod teilte auch Pippin sein Reich unter seinen Söhnen auf. Der jüngere Sohn, Karlmann I. (* 751, † 4. Dezember 771), erhielt den südlichen Teil des Frankenreichs, nämlich von Burgund und Aquitanien bis Alemannien, während der ältere Karl (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748, † 28. Januar 814), mit dem späteren Namenszusatz der Große, den westlichen und nördlichen Teil erhielt. Karl dem Großen gelang es, seine Macht auszuweiten und er wurde am 25. Dezember 800 zum Kaiser gekrönt. Dadurch wurde er Herrscher über das gesamte Frankenreich. Karl der Große sorgte für eine schlagkräftige Verwaltung und weitete das Herrschaftsgebiet erheblich aus. Von seinen drei Söhnen waren zwei bereits verstorben, Karl der Große setzte deshalb den jüngsten Sohn, Ludwig den Frommen, 813 als Mitkaiser ein, wodurch er die Mitsprache des Papstes umging. 817 regelte Ludwig der Fromme seine Nachfolge in der Ordinatio imperii. Demnach wurde der älteste Sohn, Lothar I. (* 795, † 29. September 855) zum Mitkaiser gekrönt, wodurch ihm die Nachfolge als Kaiser zustand. Pippin I. erhielt Aquitanien, Ludwig den östlichen Teil des Reiches, sie waren jedoch Lothar untergeordnet und konnten nur innenpolitisch handeln. 819 heiratete jedoch Ludwig der Fromme seine zweite Frau Judith, die ihm 823 einen Sohn Karl (* 13. Juni 823, † 6. Oktober 877) gebar, der später der Kahle genannt wurde. Es kam zu erheblichen Familienstreitigkeiten und 837 zu einem neuen Reichteilungsplan.

Nach weiteren Auseinandersetzungen kam es schließlich 843 zum Vertrag von Verdun, der die Dreiteilung des Reiches festlegen sollte. Mit dieser Teilung gelangte die heutige Franche-Comté zum «Mittelreich», so wie auch die Bresse de l’Ain. Und obwohl die Bresse chalonnaise ebenfalls östlich der Saône liegt, scheint hier eine Ausnahme gemacht worden zu sein, da sie schon immer zum Bistum Chalon gehört hatte und deshalb bei Karls des Kahlen Westfrankenreich verblieb.

Kaiser Lothar teilte sein Reich zwischen seinen Söhnen auf, Karl (* um 845, † 24. Januar 863) erhielt Burgund (Franche-Comté) und die Provence. Er starb kinderlos und sein Reich wurde zwischen seinen Brüdern Kaiser Ludwig und Lothar II. aufgeteilt.

Karl der Kahle blieb unangefochten Herrscher über das Westfrankenreich und wurde am 25. Dezember 875 zum Römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Er erweiterte sein Reich im Norden durch Teile von Lothars I. Mittelreich, im Süden durch die Provence von seinem kinderlos gebliebenen Neffen Ludwig II. von Italien.

Karl der Kahle erlitt auch Rückschläge: Sein Bestreben war immer, sein Reich bis an den Rhein auszudehnen. Am 8. Oktober 876 wurde er jedoch bei der Schlacht bei Andernach geschlagen. Zum Zweiten erfolgten 877 ständig Angriffe durch Wikinger, deren er sich nur durch hohe Tributzahlungen erwehren konnte. Zum Dritten nahmen die sarazenischen Plünderungszüge kein Ende und Papst Johannes VIII. bat ihn um Hilfe. Zur Vorbereitung seines Feldzuges regelte er die Stellvertretung durch seinen Sohn im Kapitular von Quierzy. Darin wurden dessen Befugnisse arg beschnitten, gleichzeitig die Macht der Vasallen und Untervasallen gestärkt und erblich erklärt. Damit war die Grundlage geschaffen für den Feudalismus und das Lehenswesen. Die Folge war eine Schwächung der königlichen Macht und das Erstarken der Vasallen, die inskünftig als nahezu souveräne Herren auftraten.

Nach dem Tod von Karl dem Kahlen trat sein ältester und einziger überlebender Sohn, Ludwig II. (* 1. November 846, † 10. April 879, genannt Louis le Bègue (der Stammler), die Königswürde an. In seinem zweiten Regierungsjahr schenkte Louis le Bègue die Herrschaften Uchizy und Louhans der Benediktinerabtei Tournus. Karl der Kahle hatte bereits Kirche und Kloster geschenkt, Louis le Bègue erweiterte diese Schenkung durch die erwähnten Ländereien. Eine erste Kirche wurde bereits unter Konstantin dem Großen oder seinem Sohn errichtet und dem Heiligen Valerianus geweiht. Während den sarazenischen Plünderungszügen wurde die Abtei zwar verwüstet, bot jedoch trotzdem noch einigen Mönchen eine Heimat. Unter Karl dem Kahlen wurden 875 Benediktiner angesiedelt, die unter der Führung von Gilon ihre Abtei Noirmoutier verlassen mussten. Sie brachten die Reliquien des Heiligen Philibert mit, dem die Kirche inskünftig geweiht war.

Louis le Bègue hinterließ zwei Söhne, Louis III. (* um 864, † 5. August 882) und Carloman II. (* 866, † 6. Dezember oder 12. Dezember 884), die beide nacheinander Könige des westfränkischen Reiches waren und jung und kinderlos verstarben. Daneben war ein dritter Sohn aus der zweiten Ehe von Louis le Bègue nach dessen Tod geboren und wurde deshalb als Nachfolger übergangen. Die Adligen von Westfranken baten den ostfränkischen Kaiser Karl III. (* 839, †12. Januar 888), die Herrschaft zu übernehmen. Er wurde am 20. Mai 885 in Grand durch Gilon, Bischof von Langres gekrönt. Dabei handelte es sich um denselben Gilon, dem Louis le Bègue in Saint-Marcel eine neue Heimat geboten hatte. Mit dieser Krönung waren beide fränkischen Reichsteile nochmals vereint, wie zu Zeiten Karls des Großen.

Das vereinigte Frankenreich war von kurzer Dauer, 888 starb Karl III. Als erblicher Nachfolger kam lediglich Charles le Simple (* 17. September 879, † 7. Oktober 929) in Frage, der jedoch erst neunjährig war. Der Adel wünschte sich jedoch einen starken Führer, weshalb die Burgunder Guy de Spolète unterstützten, während der Nordteil des Westfrankenreichs sich für Eudes (* vor 866, † 1. Januar 898) entschied. Guy wurde zwar 888 zum König gekrönt, er sah jedoch die Aussichtslosigkeit ein und zog sich im selben Jahr nach Italien zurück. Dadurch war der Weg frei für Eudes, der von 888 bis 898 regierte und erfolgreiche Kämpfe gegen die Normannen führte. Zudem war er der erste Robertiner, die Reihe der Karolinger war damit (nahezu) beendet.

Robertiner und Karolinger

Der erste Robertiner König Eudes hatte mit seiner Gattin ein Kind, das jedoch früh starb. Er stärkte deshalb die Macht seines Bruders, Robert I. (* 866, † 15. Juni 923). Dies rief den Unwillen bei den Adligen hervor und sie erhoben am 28. Januar 893 den dreizehnjährigen Karolinger Charles III. le Simple (* 17. September 879, † 7. Oktober 929), den Geradlinigen, zum König. Charles le Simple musste Robert I. große Zugeständnisse machen, überließ ihm alle seine Herrschaften und war eigentlich nur nominell König. Die Staatsgeschäfte führte Robert. Charles le Simple suchte die Unterstützung des lotharingischen Adels, der ihn 911 zur Machtübernahme aufgefordert hatte. Sein besonderer Günstling war Hagano, der jedoch nicht von adliger Geburt war. Den westfränkische Adligen missfiel diese Begünstigung und sie verlangten Haganos Absetzung. Da Charles le Simple stur blieb, erhoben die Adligen am 30. Juni 922 Robert I. zum Gegenkönig, der am 13. Juli 923 gekrönt wurde. Charles wurde in eine Falle gelockt und gefangen gesetzt bis an sein Lebensende.

Robert I. starb bereits im folgenden Jahr in der Schlacht bei Soiossons. Aus seiner zweiten Ehe hatte Robert I. eine Tochter Emma, die den Buviniden Herzog Raoul de Bourgogne (* vor 890, † 15. Januar 930) geheiratet hatte. In Ermangelung von männlichen Nachkommen wurde Raoul de Bourgogne westfränkischer König. 925 unterwarf sich der lotharingische Herzog Giselbert dem ostfränkischen König, Heinrich I., wodurch das Herzogtum für Westfranken verloren ging. Mit Emma hatte Raoul de Bourgogne einen Sohn, der 934 bereits starb. Da männliche Erben fehlten, ging das Königreich nach seinem Tod an den Karolinger Louis IV. d’Outremer (* zwischen 10. September 920 und 10. September 921, † 10. September 954).

Raoul d’Outremer war der Sohn von Charles le Simple und dessen zweiter Ehefrau, Eadgifu, der Tochter des angelsächsischen Königs Edward the Elder. Als ihr Gatte Charles le Simple gefangen gesetzt wurde, flüchtete sie mit dem gemeinsamen Sohn zu ihrem Vater nach England, wo Louis am Hofe aufwuchs. Als Raoul de Bourgogne ohne Sohn starb, wollten die Westfranken wieder einen Karolinger auf dem Thron und boten Louis d’Outremer den Thron an. Da er von jenseits des Meeres kam, erhielt er auch den entsprechenden Beinamen. Er wurde am 19. Juni 936 zum König gekrönt.

Federführend für das Zurückholen des neuen Königs war Hugues le Grand (* um 895, † 16. Juni 956), Herzog der Franken. Als Dank für den Thron musste Louis d’Outremer große Zugeständnisse an Hugues le Grand machen. Er erhielt den Titel Herzog der Franken (dux francorum) und stand in allen Bereichen zwischen dem König und dem Adel… auch in den übrigen Reichsteilen. Louis war nominell König und hatte nichts zu sagen. In späteren Jahren versuchte sich Louis von Hugues zu lösen, was ihm jedoch bis zum Schluss nicht richtig gelang. Louis d’Outremer heiratete Gerberga. Sie war die Tochter des ostfränkischen Königs Heinrich I. und Witwe des Herzogs von Lothringen, Giselbert. Sie hatten sieben Kinder, auf dem Thron folgte Louis sein ältester Sohn, Lothaire (* 941, † 2. März 986).

Louis d’Outremer starb nach einem Reitunfall und Lothaire wurde dreizehnjährig am 12. November 954 zum König gekrönt. Hugues le Grand hatte immer noch viel Einfluss und erhielt die Herzogtümer Aquitanien und Burgund, starb jedoch 956. Da Lothaire noch minderjährig war, herrschte Gerberga als Regentin. Das ausgesprochene Ziel Lothaires war die Rückeroberung Lothringens, was ihm im März 985 zwar einigermaßen gelang, er starb jedoch bereits am 2. März 986. Schon 979 hatte er seinen älteren Sohn, Louis le Fainéant (* 966 oder 967, † 21. Mai 987) zum Mitkönig erheben lassen, um die Thronfolge zu sichern.

Louis le Fainéant – dessen Beiname sich darauf bezieht, dass er in seiner kurzen Regierungszeit nicht viel erreichen konnte – war der endgültig letzte König der Karolinger. Er war zwar seit 982 verheiratet, hatte jedoch keine Kinder. Die Adligen des Reiches wählten Hugues Capet (* 940 oder 941, † 24. Oktober 996) zum König. Dadurch wurde die Dynastie Karolinger endgültig durch die Dynastie der Kapetinger ersetzt.

Die Kapetinger

Hugues le Grand, Herzog der Franken, war nach wie vor einer der mächtigsten Vasallen der westfränkischen Könige. Er erreichte, dass das Burgund zum Herzogtum erhoben wurde und übergab es seinem zweiten Sohn, Odo (* um 944, † 22. oder 23. Februar 965), Graf von Auxerre und Herzog von Burgund.

Odo, der Herzog von Burgund, wurde im Alter von etwa elf Jahren verheiratet mit der erheblich älteren Lietgarde, einer Tochter und Erbin von Gilbert (* um 900, † 8. oder 16. April 956), Graf von Chalon, Autun, Auxerre und Troyes. Durch diese Heirat wurde ein Zwist zwischen Hugues le Grand und Gilbert de Bourgogne beseitigt und Odo de Bourgogne wurde rechtmäßiger Herr über das Burgund. Er starb jung und das Herzogtum Burgund ging an seinen jüngeren Bruder, Henri I. de Bourgogne (* wohl 946, † 15. Oktober 1002) über.

Henri I. de Bourgogne war dreimal verheiratet. In erster Ehe mit Gerberga von Mâcon, einer Tochter von Liétald II., die in erster Ehe mit Adalbert II. einen Sohn namens Otte-Guillaume hatte. Adalbert II. starb schon 971 und Gerberga heiratete etwa 972 Heinrich I. de Bourgogne. Dieser adoptierte den Sohn seiner Ehefrau und machte ihn dadurch zu seinem Erben.

Dieser Otte-Guillaume (* um 958, † 21. September 1026) erhielt von seinem Stiefvater um 982 die Grafschaften Mâcon und Nevers und 995 das Herzogtum Burgund.

Inzwischen war Robert II., der Fromme, König von Frankreich geworden. Dieser bestritt das Recht von Otte-Guillaume auf das Burgund und nach einem für das Land katastrophalen Krieg enthob er diesen 1015 des Herzogtums, um es seinem Sohn, Henri I. zu übergeben.

Nachdem Henri I. selber König von Frankreich (1031 bis 1060) geworden war, setzte er ab 1032 seinen Stiefbruder, Robert I., genannt der Alte, als Herzog von Burgund ein. Damit begann die Zeit der Erbherzöge von Burgund aus dem Geschlecht der Kapetinger, Vasallen des Königs von Frankreich, die bis 1361 dauerte.

Das Herzogtum Burgund

Die Region Burgund war bis zum 9. Jahrhundert Teil eines größeren Gebietes, sei es des Königreichs der Burgunden, sei es als fränkisches Teilreich oder als Teil des Herzogtums von Richard dem Gerichtsherrn (* 858, † 921) unter den Karolingern. Mit dem Kapitular von Quierzy von 877 erfolgte eine grundlegende Änderung, indem die Lehen der Vasallen des Königs erblich wurden und dadurch eine gewisse Eigenständigkeit entwickeln konnten.

Als erstem Herzog und damit Begründer einer herzoglichen Gewalt gelang dies Richard dem Gerichtsherrn, der seit 918 als comes et dux Burgundiae (Graf und Herzog von Burgund) betitelt wurde. Er starb 921 und das Herzogtum wurde vererbt an Raoul de Bourgogne. Nun wurde Raoul selber König von Frankreich und sein jüngerer Bruder, Hugues le Noir († 17. Dezember 952) übernahm das Herzogtum. Nach dem Tod seines Bruders als König, verweigerte Herzog Hugues le Noir dem neuen König Louis IV. d’Outremer die Anerkennung, wodurch es zum Streit mit Hugues le Grand kam. Der König Louis d’Outremer entriss Hugues le Noir Langres, Hugues le Grand nahm ihm Sens und Auxerre weg, wodurch er fast die Hälfte seines Besitzes verlor. Da König Louis d’Outremer unter der Fuchtel von Hugues le Grand stand, wurde er 943 gezwungen, diesen als Herzog von Burgund einzusetzen und Hugues le Noir verblieben nur die Reste seines Herzogtums.

Hugues le Noir war nicht verheiratet und ohne Nachkommen. Er teilte seinen Restbesitz unter seinen Schwägern auf: Liétaud erhielt die Teile östlich der Saône, aus denen die Franche-Comté hervorging, die verbliebenen Gebiete um die Grafschaften Autun, Troyes und Chalon erhielt Gilbert, der jedoch lediglich princeps Burgundionum war und Hugues le Grand huldigen musste.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen

  • Zu Beginn des 10. Jahrhunderts fanden die Ungarneinfälle statt. Die Magyaren drangen immer wieder von Osten kommend in fränkische Gebiete ein, bis sie am 10. August 955 durch den ostfränkischen König Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld endgültig besiegt wurden. Tournus und Chalon wurden geplündert und in Brand gesteckt, das Kloster Saint-Marcel wurde ebenfalls vollständig verwüstet.

Die gesellschaftlichen Strukturen im Feudalismus

Die regionalen Strukturen

Die Herzöge von Burgund vermochten ihre Ländereien nicht selbst zu verwalten. Selbst Vasallen des Königs, gaben sie Teile ihrer Ländereien als Lehen weiter an Grafen oder Abteien. Dabei hielten sie sich oft an die Gebiete der Pagi, wie sie aus römischer Zeit von den Merowingern übernommen wurden. Die burgundische Bresse bildete kein einheitliches Pagus, sondern bestand aus Teilen von verschiedenen pagi. Das nördliche Gebiet gehörte zum pagus cabilonensis (Chaunois, das Gebiet um Chalon-sur-Saône) und noch nördlicher ein kleiner Teil zum Amous. Das südliche Gebiet war Teil des pagus lugdunensis (das Gebiet um Lyon mit beispielsweise Romenay, Montpont-en-Bresse, Louhans) und im Osten mag noch ein kleiner Teil des pagus scodingorum (auf der Karte Ecuens) zur Bresse gezählt haben.

Die eigentliche Bresse bourguignonne war Bestandteil der Grafschaft Chalon, während die Bresse de l’Ain, also der südliche Teil der Bresseebene, sowie die heutige Franche-Comté, Bestandteil waren des Königreichs Arelat oder Königreich Provence. Damit gehörten sie weder zum Burgund, noch zu Frankreich.

Die pagi maiores wurden in der Regel von Grafen verwaltet und waren weiter unterteilt in pagi minores, die wiederum in agri (Singular: ager, deutsch: Acker) unterteilt waren. Die agri umfassten oft einige Dörfer – genannt villae – deren Grenzen sich aus der weltlichen oder kirchlichen Verwaltung ergaben. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Kirche in ihrer Organisation weitgehend an die römischen und merowingischen pagi hielt. So waren für die Bresse bourguignonne drei Bistümer zuständig: das Bistum Chalon-sur-Saône, das Bistum Besançon und das Bistum Lyon.

Die weltlichen Herren

Während der Herrschaft der Karolinger waren die Adligen lediglich Bevollmächtigte des Königs und mit der Verwaltung der Ländereien betraut. Zunehmend wurden sie stärker, sie machten sich zu Erbadligen und entmachteten dadurch die Krone. Der König war gezwungen Teile seiner Macht abzugeben, um seine Gefolgsleute bei der Stange zu halten. Im Gebiet der Bresse waren die Sires de Bagé im Süden, die Grafen von Chalon im Westen, die Herren von Coligny und Salins im Osten mächtige Familien geworden. Sie trugen die Titel als Grafen, Markgrafen, Sires und gaben ihre Herrschaften und die Macht an ihre Kinder weiter. Sie selbst belehnten weitere Lehensmänner mit kleineren Gebieten, Tälern, Ebenen oder Gruppen von Siedlungen, die sich wiederum als Vicomte, Baron, Seigneur bezeichneten.

Auf ihren Lehen – die sie zunehmend als Eigentum betrachteten – erbauten sie ihre Herrensitze, Burgen und Schlösser und oft benannten sie sich nach ihrem Lehen.

Die Herrensitze waren zu jener Zeit noch einfache Gebäude, oft von Wassergräben oder Palisadenzäunen umgebene Bauten aus Holz oder Lehmziegeln. Innerhalb des Geländes befand sich regelmäßig eine Motte, ein Erdhügel, auf dem das Herrenhaus stand (Heute sind im Gebiet der Bresse louhannaise rund 22 Flurnamen Motte zu finden).

Neben den Lehensherrschaften bestanden im Gebiet der Bresse eine Anzahl von Allodien (beispielsweise Branges, Layer, Ormes, Fretterans, Beaurepaire-en-Bresse), also freies Eigentum, das sich auch an Töchter vererbte, während die Lehen ausschließlich im Mannesstamm vererbt werden konnten. Zunehmend kam es jedoch zur Lehensauftragung, da die Allodialbesitzer in den Genuss eines zusätzlichen Schutzes durch den Lehensherrn kamen und dazu ein finanzieller Zufluss aus dem Verkauf des Allodialbesitzes kam.

Die kirchlichen Herren

Neben der weltlichen Macht bestand im Klerus eine weitere Macht, die nach Besitz strebte. Nach den ersten Besiedlungen, Kirchenbauten und Rodungen strebte die Kirche nach Besitztümern, um ihre Angehörigen zu ernähren und Reichtum und Macht anzuhäufen. Schenkungen an die Kirche waren gut für das Seelenheil und Sünden konnten vergeben werden. So schenkte bereits Louis II. le Bègue «Für die ewige Vergeltung und Rettung unserer Seele und derjenigen unseres Vaters und unseer Mutter…» Louhans der Abtei Saint-Philibert von Tournus. Nach und nach erhielt so der Klerus weitere Geschenke: Kirchen, Eigenleute, Äcker, Höfe, Weiler und ganze Dörfer.

Neben den weltlichen Herren hatten die kirchlichen Lehensnehmer eine wichtige Funktion. Die Abteien und Bischöfe sandten ihre Priester und Mönche in die Region östlich der Saône. Einerseits besaßen sie dort Ländereien zu Lehen, andererseits sollten sie in Siedlungen mit mehreren Einwohnern für den Kirchenbau sorgen. Die Abtei Saint-Philibert von Tournus im pagus lugdunensis besaß beispielsweise Lehen in Louhans, das sie bereits von Louis le Bègue im 9. Jahrhundert geschenkt erhalten hatte. Weitere Lehen besaßen sie in Cuisery, Brienne, La Genête und Montpont-en-Bresse. Die Äbte bestimmten die Pfarrer, sandten Gruppen von Mönchen in ihre Ländereien, deren Oberhaupt als Prior fungierte und die ersten Kapellen errichteten oder in einfachen Gebäuden und Bauernhäusern Gottesdienste abhielten, Messen lasen und die Sakramente spendeten. Dadurch entstanden die ersten Pfarreien.

Die Benediktinermönche von Saint-Taurin de Gigny gründeten das Priorat von Cuiseaux, von wo aus die Kapellen und Kirchen von Sainte-Croix-en-Bresse, Frontenaud, Varennes-Saint-Sauveur und La Chapelle-Naude gegründet wurden. Zugleich waren sie mit dem Roden und dem Bau von Étangs beschäftigt.

Ab dem 10. Jahrhundert erhielten die kirchlichen Herren vermehrt Geschenke zugunsten des Seelenheils der weltlichen Herren. Während im 10. Jahrhundert vor allem die Mönche von Saint-Philibert beschenkt wurden, kamen ab dem 11. Jahrhundert auch andere Abteien in diesen Genuss, Saint-Vincent und Saint-Marcel in Chalon, die Abtei Cluny mit Baume-les-Messieurs und Gigny. Mit der Armutsbewegung im 12. Jahrhundert nahmen die Spenden an die Kirche weiter zu, bis etwa im 13. Jahrhundert die Kirche Lehen in sämtlichen Gemeinden der Bresse louhannaise besaß.

Der dritte Stand

Während Adel und Klerus das Land besaßen, waren die Bürger und Bauern recht- und besitzlos. Alle Macht lag bei den Seigneurs, die von den Steuern ihrer Eigenleute wohl leben konnten.

Insbesondere das 9. Jahrhundert war geprägt von Hungersnöten, die die Bevölkerung dezimierten. Gleichzeitig entstand eine religiöse Inbrunst, gepaart mit Aberglaube und der Furcht vor dem Jahrtausendwechsel, für den der Weltuntergang befürchtet wurde.

In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts nahm das Antoniusfeuer zu, ebenso die Pocken. Geschwüre, Krätze, Flechten, Räude und Skrofulose plagten die Menschen, dazu kamen Veitstanz und Epilepsie.

Immer wieder plagten Hungersnöte die Menschen. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass in den 70 Jahren zwischen 970 und 1040 48 Hunger- und Epidemiejahre waren. Eine der schlimmsten Hungersnöte herrschte 1030.[A 1]

Das Leiden in der Bresse war besonders groß, da zu jener Zeit ein Krieg der Herren herrschte. Die Seigneurs bekämpften sich gegenseitig, mit dem Ziel sich Gebiete des Nachbarn anzueignen. Dabei wurden fruchtbare Gebiete zerstört, was wiederum zu Missernten führte und die Hungersnot verstärkte. Die Herren nahmen auf ihren Beutezügen keine Rücksicht, sondern metzelten die Landbevölkerung hin. Diese stellte vermehrt Wegkreuze auf, die ihnen als Asyl dienten, die sie umarmen konnten, um dem Gemetzel der Herren zu entgehen, die die Strafe Gottes fürchteten, wenn sie bei einem Kreuz mordeten.

Die Bresse louhannaise im 10. und 11. Jahrhundert

Die Privatkriege während des guerre des seigneurs beunruhigten auch die Kirche, da sie vermehrt Übergriffe auf das Kirchengut befürchtete. Im ganzen Gebiet der französischen Krone vereinigten sich Bischöfe und Äbte zu Synoden um den Streitereien ein Ende zu setzen. Gegen 1032 versammelten sich in Verdun-sur-le-Doubs unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Lyon, Burchard II. die burgundischen Bischöfe (von Besançon, Chalon, Mâcon, Autun, Auxerre, Soissons und Langres). Burchard II. verlas die Eidesformel, die jeder Ritter unter Androhung der Exkommunikation schwören musste[A 2]. Burchard drohte allen mit Kirchenbann, die den Schwur übertraten oder den Abwesenden, die ihn nicht bis Sankt Peter (Gedenktag: 29. Juni) noch leisteten. Der Gottesfriede brachte eine erhebliche Verbesserung für Klerus und Bevölkerung, war jedoch von kurzer Dauer. Bereits 1041 wurde zusätzlich die Waffenruhe Gottes eingeführt. Danach war jede Kriegshandlung verboten von Mittwoch abend bis Montagmorgen, an Feiertagen, sowie während der Advents- und Fastenzeit.

Das Königshaus im 10. und 11. Jahrhundert

1031 starb Robert II. le Pieux (* 27. März 972, † 20. Juli 1031), einziger Sohn von Hugo Capet und König von Frankreich. Er überließ die Gebiete jenseits der Saône, die zum römisch-deutschen Reich gehörten Otte Guillaume, die dadurch zur Freigrafschaft Burgund werden.

König Robert II. le Pieux kam um 1016 nach Dijon, um die Privilegien der Provinz zu bestätigen und übergab das Herzogtum seinem jüngeren Sohn Henri I. (* 1008, † 4. August 1060). Seinen ältesten Sohn, Hugo von Frankreich (* 1007, † 17. September 1025), machte er zum Mitkönig, der jedoch noch vor seinem Vater starb. 1031 wurde deshalb Henri I. König von Frankreich und übergab das Herzogtum seinem Stiefbruder Robert I. le Vieux (* 1011, † 21. März 1076). Dieser war der Begründer des Älteren Hauses Burgund und Herzog von Burgund. Die Herzöge von Burgund besaßen das Herzogtum und waren souveräne Herrscher. Sie schuldeten dem König lediglich die Huldigung.

König Henri I. erhob 1059 seinen ältesten Sohn als Siebenjährigen zum Mitkönig. Im folgenden Jahr starb er und auf dem Thron folge ihm Philippe I. (* 23. Mai 1052, † 29. oder 30. Juli 1108), der minderjährig war und unter der Vormundschaft seiner Mutter, Anna von Kiew stand. 1072 heiratete Philippe I. aus politischen Gründen Bertha von Holland, mit der er fünf Kinder hatte, von denen drei im Kindesalter verstarben. 1092 verstieß er sie und ließ die Frau des Grafen von Anjou entführen, da er sich in sie verliebt hatte. Mit dieser Bertrada von Montfort, die er am 15. Mai 1092 heiratete, hatte er nochmals vier Kinder. Philippe I. und Bertrada von Montfort waren jedoch zum Zeitpunkt der Trauung durch den Bischof von Senlis beide noch rechtskräftig verheiratet, weshalb sie durch den Papst Urban II. ermahnt und schließlich am 16. Oktober 1094 exkommuniziert wurden.

Die Herzöge von Burgund im 10. und 11. Jahrhundert

1031 wurde Henri I. König von Frankreich und übergab das Herzogtum seinem Stiefbruder Robert I. le Vieux. Die Herzöge von Burgund besaßen das Herzogtum und waren souveräne Herrscher. Sie schuldeten dem König lediglich die Huldigung.

Das Herzogtum Burgund umfasste:

Die Grafschaften Dijon, Autun, Beaune, Chalon, Mâcon bis 1239, Nevers, Avallon, Auxonne, Auxerre, Tonnerre, Troyes, Langres und die Herrschaft Bourbonnais. Der Herzog persönlich besaß die Grafschaften Dijon, Autun, Beaune und Avallon. Die übrigen Grafschaften waren im Besitz von Vasallen.

Robert I. le Vieux war gewalttätig und führte Fehden gegen seine Nachbarn und gegen religiöse Einrichtungen. Er heiratete Helie von Semur und hatte drei Kinder. Der älteste Sohn, Heinrich (* um 1035, † um 1070), starb vor seinem Vater und hinterließ selber drei Kinder.

Als Herzog von Burgund folgte dem Großvater Robert I. deshalb der Enkel Hugues I. (* 1057, † 29. August 1093). Seine Ehefrau starb jedoch schon 1078, im Oktober oder November 1079 zog er sich ins Kloster Cluny zurück und übergab das Herzogtum seinem jüngeren Bruder Eudes I. le Roux (* um 1058, † 1102). Er gründete zusammen das Kloster Cîteaux, der Keimzelle des Zisterzienserordens. Er nahm am Kreuzzug von 1101 teil und starb 1102 in Tarsos. Eudes I. heiratete Sybille, die Tochter des Pfalzgrafen Wilhelm I. von Burgund, mit der er vier Kinder hatte. Nach zwei Töchtern kam Hugo zur Welt, der als Herzog von Burgund folgte.

Die Kreuzzüge

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts begann der Erste Kreuzzug. Der Graf von Chalon, Savaric de Vergy († 1113), verkaufte die Hälfte seiner Herrschaft für 200 Goldunzen an Gauthier, den Bischof des Bistums Chalon. Die Mehrzahl seiner Vasallen begleiteten ihn auf dem Kreuzzug, den er im Gefolge von Gottfried von Bouillon unternahm.

1101 machte sich auch Odo I., Herzog von Burgund, auf den Kreuzzug. Er starb 1102 in Tarsos. Seine sterblichen Überreste wurden in die Heimat überführt und in der Abtei von Cîteaux bestattet.

1147 begab sich Humbert de Coligny, der Gründer des Klosters le Miroir, begleitet von seinen sechs Söhnen, auf den Zweiten Kreuzzug. Er schloss sich dem Heer seines Lehnsherrn an, König Konrad III. Ebenfalls auf den Kreuzzug begab sich der König von Frankreich, Louis VII. le Jeune, begleitet von einer großen Zahl von burgundischen Edelleuten mit ihren Bauern und Eigenleuten. «Die Städte und Burgen waren verlassen und überall sah man Witwen, deren Männer noch nicht gestorben waren.» schrieb Bernhard von Clairvaux an den Papst.

Am Dritten Kreuzzug nahm der König von Frankreich, Philippe Auguste, als einer der drei Anführer teil. Er wurde unter anderen begleitet vom Herzog von Burgund, Hugues III., diesem wiederum folgte Ponce II de Cuiseaux. Die Ritter als aktive Kämpfer zu Pferd wurden jeder begleitet von gegen zehn Schildknappen, Knechten, Trägern, also Bauern und Eigenleuten aus ihren Herrschaften. Ein Chronist schreibt: «auf sieben Frauen fand man kaum einen Mann».

Am Vierten Kreuzzug nahm der burgundische Herzog Eudes III. teil. Nach der Gründung des Lateinischen Kaiserreichs überließen sie Balduin I. seinem Schicksal und kehrten heim. Das Heilige Land hatten sie gar nie erreicht. Einige Jahre später, 1209, war Eudes III. einer der Anführer des Albigenserkreuzzuges.

Am Fünften Kreuzzug nahm Hugues de Coligny teil. Er sei einer der Tapfersten gewesen, ein Pfeil in sein Auge kostete ihn jedoch das Leben.

1248, am Sechsten Kreuzzug führte Herzog Hugues IV. das burgundische Teilheer an. Er war schon beim Fünften Kreuzzug, dem Kreuzzug von Damiette, dabei und wurde bei der Schlacht von al-Mansura gefangen genommen. Dafür wurde er belohnt mit dem Titel des Königs von Thessaloniki.

In dieser Zeit verwüsteten Banden von umherziehenden Bauern die Gegend der Bresse chalonnaise, unter der Führung eines Apostaten von Cîteaux. Die Pastoureaux, fanatische Sektierer, übten jede Art von Gewalt und Plünderungen aus, unter dem Vorwand, die Habgier der Mönche und die Exzesse der Herren zu zügeln. Sie wurden schließlich zerstreut und vernichtet.

1270 begann der letzte, der Siebte Kreuzzug, der mit der Belagerung von Tunis endete. Dabei starb der Anführer des Kreuzzugs, Louis IX., genannt Saint-Louis, bei der Belagerung von Tunis an der Bakterienruhr. an diesem Kreuzzug nahmen auch Hugues de Vienne, Herr von Pagny, und Henri d’Antigny, Herr von Sainte-Croix teil.

Die Bresse louhannaise im 12. und 13. Jahrhundert

Zu Beginn der 12. Jahrhunderts gehörte die Bresse teilweise zum Königreich Arelat, zur Grafschaft Burgund und zur Grafschaft Chalon. Seit dem Erwerb des Königreichs Burgund durch den römisch-deutschen Kaiser Konrad II. den Älteren 1033 von König Rudolf III., gehörte sie formell zum römisch-deutschen Reich. Die eigentliche Macht lag jedoch in den Händen der Grafen und Herren, die davon profitiert hatten, dass sie fernab lagen und sich unabhängig und eigenständig gemacht hatten.

Im Süden der Bresse bourguignonne und im Raum der Bresse de l’Ain herrschten die Sires de Bagé. Der letzte Sire, Gui de Bagé, hinterließ eine unmündige Tochter, Sybille de Bagé, die von Philipp I., Graf von Savoyen adoptiert wurde. Sybille war Alleinerbin des Vermögens der de Bagés und Philippe verheiratete Sybille vor 1266 mit seinem Neffen, Amé (Amédée) V., wodurch die Bresse durch die Mitgift in seinen Besitz gelangte und savoyisch wurde.

Amé V. übernahm das Vorbild seiner savoyischen Vorfahren und setzte besoldete Vögte mit klar umrissenen Aufgaben ein. Diese Maßnahme führte zur Gründung der Kastellaneien von Sagy und Cuisery.

Als Folge der Auseinandersetzung zwischen dem Dauphinat Viennois und dem burgundischen Herzog Robert II., den Amé V. unterstützte, kam eine Gebietsabtretung zustande: Herzog Robert II. tauschte 1289 mit Amé V., Graf von Savoyen, die Kastellaneien von Cuisery und Sagy mit den zugehörigen Herrschaften (auf der Karte blau gekennzeichnet) und die Herrschaft Savigny-en-Revermont (auf der Karte rot gekennzeichnet) gegen Coligny, Treffort, Saint-Étienne, Marboz und Château de Saint-André-en-Revermont, die er 1285 von Otto IV., Pfalzgraf von Burgund, erhalten hatte. Zudem behielt er ausdrücklich Cuiseaux. Dadurch vereinigte er eine stattliche Zahl von Herrschaften und Lehen jenseits der Saône und bereinigte die Süd- und Ostgrenze der Bresse louhannaise. Per Saldo bezahlte Amé V. für diesen Tausch die Summe von 16.000 Livres.

Das Kloster Saint-Philibert in Tournus besaß etliche Ländereien nördlich der Seille (Auf der Karte grau gekennzeichnet), dazu gehörte insbesondere der Ort Louhans. Die Kleriker, auch die anderer Abteien (auf der Karte hellgrau gekennzeichnet) wurden jedoch von den weltlichen Herren gequält, angegriffen und überfallen, so dass sie sich zunehmend gezwungen sahen, ihre Güter zu verkaufen oder sich in die weltliche Feudalherrschaft einzugliedern. Es sind keine Urkunden bekannt, doch im 12. Jahrhundert erscheinen plötzlich die Herren de Vienne als Seigneurs von Louhans und anderen Orten.

Bereits am 15. Juni 1237 fand eine weitere Gebietsabtretung im Norden des Arrondissements statt. Der Graf von Chalon-sur-Saône, Jean I. le Sage tauschte mit Herzog Hugues IV. die Auxonne (auf der Karte grün gekennzeichnet) und die Grafschaft Chalon gegen die Güter im Raum Salins. Dieser Schachzug ermöglichte Jean le Sage – nebst den Einkünften aus dem Salzhandel – eine spätere Ausweitung seiner Macht auf die gesamte Franche-Comté.

1239 verkaufte Alix, die Schwester von Beatrix de Vienne, die Grafschaft Mâcon an den König von Frankreich, Louis IX. (genannt Saint-Louis), wodurch dieser Teil des Herzogtums Burgund zur Domaine royal wurde. Ihre übrigen Güter verschenkte Alix ihrer jüngeren Schwester Beatrix de Vienne.

Das Königshaus im 12. und 13. Jahrhundert

Nach dem Tod von Philippe I. folgte ihm Louis VI. le Gros (* Herbst 1108, † 1. August 1137) )auf dem Thron. Er war der einzige Sohn Philippes I. und der Bertha von Holland, der das Erwachsenenalter erreichte. Zu Beginn seiner Herrschaft hatte er vor allem gegen die Nachstellungen seiner Stiefmutter zu kämpfen, die ihm zugunsten ihrer Kinder nach dem Leben trachtete. 1129 ließ er seinen ältesten Sohn Philippe zum Mitkönig salben, dieser verstarb jedoch bereits im Oktober 1131 und der zweite Sohn, Louis VII. (* 1120, † 18. September 1180) wurde eilends aus der Klosterschule geholt, um als Mitkönig geweiht und gesalbt zu werden. 1137 starb der König auf einem Feldzug an Dysenterie, sein zweiter Sohn und Mitkönig folgte ihm auf dem Thron.

Louis VII. le Jeune heiratete 1137 Eleonore von Aquitanien, mit der er zwei Töchter hatte. Dadurch gelangte die Provinz Aquitanien in den Besitz der Krone, was ein erheblicher Gewinn war. 1152 wurde die Ehe annulliert und Aquitanien ging erneut verloren. 1154 heiratete Louis VII. Konstanze von Kastilien, sie hatten erneut zwei Töchter. Seine Ehefrau starb am 6. Oktober 1160 und am 13. November 1160 schloss er die Ehe mit Adela von Champagne, die ihm am 21. August 1165 den Sohn Philippe II. Auguste gebar und zudem die Champagne an die französische Krone band.

Philippe II. Auguste (* 21. August 1165, † 14. Juli 1223) stand noch eine kurze Zeit unter der Vormundschaft seiner Mutter, Adele de Champagne, und heiratete am 28. April 1180 gegen ihren Willen Isabella von Hennegau. Der wohl größte Erfolg Philippes II. war der Sieg gegen die Plantagenets und das Angevinische Reich. Dadurch konnte der König seine Macht gegenüber den Lehensnehmern stärken und wieder ein echtes Königtum einführen, das die Macht ausübte. Aus der Ehe mit Isabella von Hennegau entsprangen drei Söhne, der älteste war Ludwig.

Nach dem Tod von Philippe Auguste übernahm der älteste Sohn als Louis VIII. le Lion (* 5. September 1187, † 8. November 1226) den Thron. Er hatte schon seit 1204 an den Feldzügen seines Vaters teilgenommen, litt aber an einer schwachen Gesundheit und starb bereits 1226 an einer Ruhrerkrankung. 1200 heiratete Louis le Lion Blanka von Kastilien, mit der er elf Kinder hatte. Die drei ersten starben noch im Kindesalter, der älteste Sohn und Nachfolger war Ludwig, der als Zwölfjähriger auf den Thron kam.

Louis IX. (* 25. April 1214, † 25. August 1270), genannt Saint-Louis, war ein bedeutender europäischer Monarch, geprägt von einer tiefen christlichen Frömmigkeit, der bereits 1297 heilig gesprochen wurde. Da Louis IX. noch minderjährig war, übte seine Mutter die Regentschaft aus, verbunden allerdings mit Auseinandersetzungen mit dem Adel, der sie als Landesfremde bekämpfte. 1234 heiratete Louis IX. Margarete von der Provence, die ihm elf Kinder gebar. Louis IX. nahm am sechsten und siebten Kreuzzug teil, starb bei der Belagerung von Tunis in Karthago, wo das Kreuzfahrerheer von der Bakterienruhr befallen wurde.

Nach zwei Töchtern folgte Louis, der bereits 1260 verstarb. So ging der Thron an Philippe III. le Hardi (* 3. April 1245, † 5. Oktober 1285). Aus seiner Ehe mit Isabella von Aragón gingen fünf Kinder hervor, aus der zweiten Ehe mit Maria von Brabant weitere drei. Der älteste Sohn, Ludwig starb mit zwölf Jahren, Thronerbe wurde Philippe IV. le Bel (* 1268, † 29. November 1314).

Die Herzöge von Burgund im 12. und 13. Jahrhundert

Hugues II. le Pacifique (* unsicher: 1085, † 1143). Er amtierte schon 1101 als Stellvertreter seines Vaters, der sich auf den Kreuzzug begab. Nach dessen Tod wurde er Herzog von Burgund. Aus seiner Ehe mit Mathilde de Mayenne stammen zwölf Kinder, das dritte war ein Sohn Eudes, der als Herzog folgte.

Eudes II. (* unsicher: 1118, † 27. September 1162) verweigerte König Louis VII. le Jeune den Lehenseid, wurde jedoch durch Papst Hadrian IV. dazu verpflichtet. Er war ein räuberischer Herrscher und musste wegen seiner Vergehen eine Pilgerreise ins Heilige Land antreten, auf der er starb. Seine Ehefrau war Marie de Champagne, mit der er drei Kinder hatte, zwei Töchter und den Sohn Hugues, der ihm nachfolgte.

Hugues III. (* unsicher: 1148, † 25. August 1192) war noch minderjährig, als er Herzog von Burgund wurde. Nach Erreichen der Mündigkeit lag ihm daran, die herzogliche Gewalt zu stärken. So unterstütze er König Louis VII. le Jeune gegen den aufmüpfigen Grafen von Chalon und erhielt dafür die Hälfte der Grafschaft Chalon. Bereits 1171 begleitete er seinen Onkel auf einer Pilgerreise ins Heilige Land, am 13. Januar 1188 nahm er das Kreuz und begleitete König Philippe II. Auguste auf dem Dritten Kreuzzug. Er starb 1192 in Akkon an einer Krankheit. Hugues III. hatte Alix von Lothringen geheiratet und mit ihr vier Kinder, das älteste war Eudes, der ihm als Herzog von Burgund folgte. 1183 verstieß erAlix und heiratete im selben Jahr Beatrice d’Albon, die ihm weitere drei Kinder schenkte.

Eudes III. (* 1166, † 6. Juli 1218) vertrat seinen Vater, als dieser auf den Kreuzzug ging und wurde nach dessen Tod sein Nachfolger. Eudes III. führte das Heer im Albigenserkreuzzug und führte den rechten Flügel des französischen Heeres bei der Schlacht bei Bouvines gegen die Plantagenets. 1218 brach er zum Fünften Kreuzzug auf, starb aber während den Vorbereitungen in Lyon. 1194 hatte Eudes III. die Infantin von Portugal geheiratet, verstieß sie aber bereits 1195 wieder, um die Ehe mit Alix von Vergy einzugehen, von der er vier Kinder hatte.

Der einzige Sohn von Eudes III., Hugues IV. (* 9. März 1212, † 27. Oktober 1272) folgte als Herzog von Burgund. Er gliederte dem Herzogtum die Grafschaft Auxerre und Chalon ein, sowie das Charolais und die Grafschaft Auxonne. Eudes III. nahm am Kreuzzug der Barone teil, später am Sechsten und schließlich am Siebten Kreuzzug. Er war Titularkönig des Königreich Thessaloniki. Hugues IV. heiratete 1229 Yolande de Dreux und hatte mit ihr fünf Kinder. In zweiter Ehe heiratete er Beatrice de Champagne, mit der er weitere zehn Kinder hatte. Der älteste Sohn, Eudes starb 1266 kinderlos, der zweite Sohn, Jean starb 1268 ohne Nachkommen. So wurde das jüngste Kind aus der ersten Ehe, Robert, Nachfolger als Herzog von Burgund.

Robert II. (* unsicher: 1248, † 21. März 1306) erbte 1272 das Herzogtum Burgund, die Grafschaften Auxonne und Chalon, sowie den Anspruch auf das Königreich Thessaloniki. Im selben Jahr wurde er Großkammerherr von Frankreich und später Regent der Dauphiné, Herr von Pontarlier und Pair de France. 1289 erreichte er einen Gebietsabtausch, der die burgundischen Gebiete links der Saône bereinigten und abrundeten. 1279 hatte Robert II. die Prinzessin Agnès geheiratet, mit der er zehn Kinder hatte. Die ersten beiden Kinder starben in jungen Jahren, das sechste Kind war ein Sohn, Hugues, der die Nachfolge des Vaters antrat.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 12. und 13. Jahrhundert

  • Die Zeit vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war gekennzeichnet durch die Lepra, die durch die Reisetätigkeit im Zusammenhang mit den Kreuzzügen verstärkt auftrat. Städte und Gemeinden waren gezwungen, Leprosenhäuser einzurichten. Aus einem Dokument von König Louis VIII. geht hervor, dass 1226 im Königreich etwa 2000 Leprosorien bestanden, auf das heutige Staatsgebiet umgerechnet wären das etwa 4000 Häuser.
  • Das 13. Jahrhundert brachte recht große gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Dem Beispiel von König Louis VI. le Gros (* Herbst 1081, † 1. August 1137) folgte der Herzog Hugues III. (* unsicher: 1148, † 25. August 1192) und erließ Ende des 12. Jahrhunderts Freibriefe für die Städte des Herzogtums. Diese Freibriefe waren jedoch bei Weitem keine Geschenke. Der finanzielle Ertrag war meist bedeutend höher, als die Rechte, die diejenigen erhielten, denen sie gewährt wurden. Nach den Aufwendungen durch die Kreuzzüge waren viele Edelleute am Rande der Existenz und sie suchten Wege, um wieder zu Geld zu kommen, um ihren täglichen Bedarf zu decken. Dafür waren die Freibriefe ein probates Mittel.
    Dijon war die erste Stadt im Herzogtum, die 1187 in den «Genuss» eines Freibriefes kam. Dafür hatten die Bewohner eine jährliche Rente von 500 Silbermark zu leisten. 1203 bekam Beaune einen Freibrief von Herzog Eudes III. (* 1166, † 6. Juli 1218) gegen jährlich 200 Silbermark.
    In der Bresse louhannaise waren es 1256 Branges, 1265 Cuiseaux, 1266 Sagy, 1269 Louhans und 1275 Beaurepaire-en-Bresse, die Freibriefe erhielten. Die kleinen Orte bekamen in der Regel keine eigentlichen Freibriefe für sie waren die Baillis oder Prévots der Herren zuständig. Die gesellschaftliche Veränderung lag vor allem darin, dass die Leibeigenschaft ersetzt wurde durch geldmäßige oder persönliche Steuern, die die Einwohner unendlich schwer belasteten und den Herren, Grafen und Königen zu Wohlstand verhalfen.

Die Bresse louhannaise im 14. Jahrhundert

Die letzten Jahre des 13. Jahrhunderts hatten etwas Ruhe gebracht, Die Bauern konnten ihre Felde bestellen, neue Flächen gerodet und urbar gemacht, die Bevölkerung wuchs und Handel und Handwerk gedeihten. Eigentlich breitete sich schon so etwas wie Wohlstand aus.

Mit der letzten Besitzbereinigung war die Ausdehnung der Bresse chalonnaise geklärt. Sie gehörte zum Herzogtum Burgund. Im Norden und Osten stieß sie an die Freigrafschaft Burgund, im Süden an die Grafschaft Savoyen. Tatsächlich gehörte somit die Bresse chalonnaise zu Frankreich, die umgebenden Gebiete jedoch zum Römisch-Deutschen Reich. Zudem bestanden weder im Osten noch im Süden klare geographische Grenzen, so dass immer wieder Auseinandersetzungen und Grenzstreitigkeiten stattfanden.

Das Königshaus im 14. Jahrhundert

Philippe IV. le Bel (* 1268, † 29. November 1314) wurde am 6. Januar 1286 zum König von Frankreich gekrönt. Bereits am 16. August 1284 hatte er Johanna I. geheiratet, die Gräfin der Champagne und Königin von Navarra war. Philippe le Bel herrschte mit kompromissloser Autorität und stärkte die französische Krone. Während seiner Regierungszeit wurde der Papstsitz nach Avignon verlegt und 1307 ließ er den Templerorden verhaften und auflösen. Mit seiner Gattin Jeanne de Navarre hatte er sieben Kinder, auf dem Thron folgte ihm der älteste Sohn, Louis.

Louis X. le Hutin (der Zänker, * 4. Oktober 1289, † 5. Juni 1316) herrschte lediglich etwa eineinhalb Jahre, als er vermutlich an Lungenentzündung starb. Verheiratet war Louis le Hutin seit 1305 mit Margarete von Burgund. Im Zuge der Affäre des Tour de Nesle wurde sie verhaftet und starb am 20. April 1315 an Lungenentzündung. Im selben Jahr heiratete Louis le Hutin Klementine von Ungarn. Ihr gemeinsamer Sohn, Jean, kam erst nach seinem Tod zu Welt und lebte nur vier Tage. Als Jean I. le Posthume (* 15. November 1316, † 19. November 1316) wurde er als König geboren und starb als solcher.

In Ermangelung weiterer männlicher Nachkommen ging die Krone an den jüngeren Bruder von Louis le Hutin, an Philippe V. le Long (* ungenau: 1293, † 3. Januar 1322). 1307 heiratete er Johanna II. von Burgund, wodurch er die Regentschaft über die Freigrafschaft übernahm. Mit ihr hatte er vier Töchter und einen Sohn, der im Alter von acht Monaten verstarb. Philippe le Long verstarb mit 28 Jahren an einer Ruhrerkrankung.

Erneut ging die Kronfolge zurück auf die väterliche Linie und der dritte Sohn von Philippe le Bel, Charles IV. le Bel (* 18. Juni 1294, † 1. Februar 1328) wurde am 21. Februar 1322 zum König gekrönt. Aus seiner Ehe mit Blanka von Burgund entsprangen ein Sohn, der siebenjährig starb und eine Tochter, aus der zweiten Ehe mit Maria von Luxemburg eine Tochter und ein Sohn, der wenige Stunden nach der Geburt starb. Aus der dritten Ehe mit Johanna von Évreux stammen drei Mädchen.

Erneut waren keine männlichen Thronfolger vorhanden und die Königswürde ging zurück in der Parentelenordnung bis zu Philippe le Hardi, dessen zweiter Sohn, Charles I. de Valois nun als vorverstorbener Dynast galt. Sein Sohn Philippe VI. de Valois (* 1293, † 22. August 1350) wurde als erster Valois am 29. Mai 1328 zum König gesalbt und gekrönt. Dadurch war die Dynastie der Kapetinger zu Ende. Philippe de Valois verstarb am 22. August 1350 und hinterließ aus seiner Ehe mit Johanna von Burgund acht Kinder, der älteste Sohn, Johann, erbte den Thron.

Jean II. le Bon (* 26. April 1319, † 8. April 1364) starb in englischer Gefangenschaft, sein ältester Sohn, das dritte Kind mit Jutta von Luxemburg, Charles folgte ihm auf dem Thron.

Charles V. le Sage, (* 21. Januar 1338, † 16. September 1380) wurde am 17. Mai 1364 zum König gekrönt. Am 8. April 1350 wurde er mit Johanna von Bourbon verheiratet, mit ihr hatte er neun Kinder, wobei nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Das vierte Kind und der erste Sohn, Charles, übernahm als Charles VI. den Thron des Vaters.

Charles VI. le Bien-Aimé oder le Fou (* 3. Dezember 1368, † 21. Oktober 1422) heiratete am 17. Juli 1385 Isabeau de Bavière, mit der er zwölf Kinder hatte, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten. Charles le Fou litt an einer Geisteskrankheit, die dazu führte, dass er 1392 seine Umgebung angriff und mehrere Menschen tötete.

Die Herzöge von Burgund im 14. Jahrhundert

Hugues V. (* 1294, † unsicher: 9. Mai 1315) wurde in jungen Jahren verlobt mit Katharina von Valois-Courtenay, der Titularkaiserin des Lateinischen Kaiserreiches. Ihr Vater war jedoch der Ansicht, Hugues V. sei nicht in der Lage, Konstantinopel zurückzuerobern und löste die Verlobung gegen eine großzügige Entschädigung. Darauf wurde Hugues V. mit Johanna von Frankreich verlobt, der Tochter des späteren Königs Louis X. le Hutin. 1313 wurde Hugues V. durch den König zum Ritter geschlagen, starb jedoch zwei Jahre später, ohne seine Verlobte geheiratet zu haben. Bedingt durch die fehlende Nachkommenschaft, ging die Erbfolge wieder zurück zu Robert II. und sein jüngerer Sohn, Eudes, wurde Herzog von Burgund.

Eudes IV. (* 1295, † 3. April 1350) war durch seine Schwester, Margarete von Burgund, Schwager des französischen Kapetinger-Königs Louis X. le Hutin und durch seine Schwester Johanna von Burgund Schwager des Königs Philippe VI., des ersten Valois. 1318 heiratete Eudes IV. Johanna III. von Burgund, die älteste Tochter des Königs Philippe V. le Long. Mit ihr hatte er sechs Kinder, von denen fünf jung starben. Einzig Philippe von Burgund (* 10. November 1323; † 10. August 1346), genannt Philippe Monsieur wurde 23 Jahre alt und hatte einen Sohn Philippe.

1349 starb der Herzog Eudes IV. und das Herzogtum ging an seinen Enkel, den vierjährigen Philippe I. von Burgund (* 1346, † 21. November 1361), auch bekannt als Philippe von Rouvres. Zu Beginn stand er unter der Vormundschaft seiner Mutter, Jeanne I. d’Auvergne (* 8. Mai 1326, † 29. September 1360), da sein leiblicher Vater, Philippe Monsieur, bereits gestorben war. Jeanne d’Auvergne heiratete in der Folge Jean II. le Bon und wurde Königin von Frankreich.

Philippe de Rouvres stammte aus dem Haus der Kapetinger und war Fürst bedeutender Teile Frankreichs und der späteren Niederlande. Nebst dem Herzogtum Burgund hatte er von seiner Mutter die Provinzen Auvergne und Boulogne geerbt, durch die Heirat mit Margarete von Dampierre (getauft 13. April 1350, † 16. März 1405) am 14. Mai 1357 gelangte er in den Besitz der Provinzen Flandern, Artois, Nevers und Rethel. Er starb jedoch an der Pest, bevor er die Ehe vollziehen konnte.

Sein riesiges Erbe gelangte an König Jean II. le Bon, der seine Mutter in zweiter Ehe geheiratet hatte und an Jean de Boulogne. Durch seinen Tod starben auch die Kapetinger als Herzöge von Burgund aus und das jüngere Haus Burgund gelangte in die Erbfolge. Burgund wurde mit der französischen Krondomäne vereinigt und die Valois setzten in der Regel einen ihrer Söhne als Herzog von Burgund ein.

Philippe II. le Hardi (* 17. Januar 1342, † 27. April 1404) war der Begründer des jüngeren Hauses Burgund, als vierter Sohn des Königs Jean le Bon wurde er Herzog von Burgund. 1369 heiratete er Margarete von Dampierre, die Witwe von Philippe de Rouvres, wodurch ihm große Besitzungen in Flandern zufielen aber vor allem die Freigrafschaft Burgund. Mit Margarete von Dampierre hatte Philippe le Hardi neun Kinder, wovon zwei jung starben.

Nachfolger von Philippe le Hardi wurde sein ältester Sohn, Jean sans Peur (* 28. Mai 1371, † 10. September 1419), der am 12. April 1385 auf der Doppelhochzeit von Cambrai die acht Jahre ältere Margarete von Bayern heiratete. Mit ihr hatte er acht Kinder, sieben erreichten das heiratsfähige Alter. Nach seinem tod 1419, wurde sein Nachfolger als Burgunderherzog Philippe le Bon als einziger Sohn.

Der Krieg der Barone

Der Einfluss der französischen Krone wurde in der Freigrafschaft schlecht aufgenommen. Der König setzte seine Baillis ein, die die herrschaftliche Rechtsprechung übernahmen, in Dole wurde ein Parlement und eine Chambre des comptes eingerichtet. Die Edelleute fühlten sich in ihren Rechten eingeschränkt und vertrugen die Eingliederung in Frankreich nur schlecht. Die Freigrafschaft blieb nicht lange bei der Krone. Durch die Heirat von Jeanne III. (* 1./2. Mai 1308, † 10./15. August 1347), der Tochter von Philipp V. mit Eudes IV. gelangte die Freigrafschaft wieder unter die Hoheit der Burgunder Herzöge. Bei diesen verblieb sie bis 1477, nach dem Tod von Karl dem Kühnen, als sie österreichisch wurde und schließlich 1482 wieder zu Frankreich gelangte.

Die Lage verbesserte sich jedoch nicht. Die Edlen der Freigrafschaft opponierten auch gegen die Burgunder Herzöge. Ihr Anführer war Jean I. de Chalon, Herr von Arlay. Er hatte eine kriegerische Natur und suchte eifrig Verbündete, in der Bresse, in Lothringen bis zum Englischen Königreich. Die Herren des Louhannais hielten zum Herzog und 1336 versprach der Herr d’Antigny de Sainte-Croix ihm zu dienen mit «Vierzig ausgerüsteten und bewaffneten Männern auf seine Kosten während eines Jahres». Kämpfe tobten beidseits der Saône, bis der Herzog die Flussübergänge schließen ließ. Im Jahr 1336 tobten heftige Kämpfe in der Bresse chalonnaise, Angriffe auf die Grenzorte, Belagerungen der Schlösser, Verwüstungen und Plünderungen.

Schließlich mobilisierte der Herzog Eudes IV. seine Vasallen und die Wehrpflichtigen der Gemeinden. Seine Armee von 9.000 Pferden, zuzüglich Fußtruppen und Wehrpflichtige marschierte gegen die bewehrte Stadt Chaussin, wo sie von den freigräflichen Edelleuten erwartet wurden. Die Stadt wurde erfolgreich verteidigt und eine Armee griff den Herzog von außerhalb an. Der Herzog erlitt große Verluste, ließ Ochsen und Schafe aus der Bresse chalonnaise beschaffen und nach sechs Wochen besiegte er endlich die Stadt. Seine Armee konnte weiterziehen und alle aufständischen Burgen einnehmen. Durch Vermittlung des Königs Philipp VI. de Valois kam es zum Frieden, der Herr von Arlay verlor seine Rechte an Chaussin und wurde einige Zeit gefangen gesetzt, die übrigen Edelleute huldigten dem Herzog von Burgund und seiner Gemahlin.

Bald opponierte der feigräfliche Adel wieder gegen den Herzog und brachte Bürgerkrieg und Anarchie zurück in die Bresse chalonnaise. Zwischen 1342 und 1347 setzten sich die Kämpfe zwischen dem Herzog und den Baronen fort und bluteten die Streitkräfte des Herzogs aus. Erneut vermittelte der König Philipp VI. de Valois im Streit, der mit einem schmerzvollen Frieden für den Herzog endete. Er verlor die Früchte seiner Bemühungen, die Freigrafschaft erreichte eine weitgehende Souveränität. 1349 starb der Herzog Eudes IV. und seine Witwe, Johanna II. von Burgund regierte über ihre Stammlande, die Franche-Comté.

Die Situation beruhigte sich zwar, in der Bevölkerung bestanden jedoch noch lange Aversionen, Animositäten und Hass gegen den Erbfeind Burgund.

Die Pest

1348 brach die Pest aus. Die Infizierten starben innert weniger Tage oder gar Stunden. Medikamente gab es damals noch keine, die Ärzte verweigerten den Kranken ihre Hilfe und die Priester verweigerten die Heilige Ölung, aus Furcht, selber angesteckt zu werden. Burgund und insbesondere die Bresse chalonnaise gehörten zu den am Schlimmsten betroffenen Gebiete. Jean Froissart hielt fest: «Ein Drittel der Bevölkerung ist daran gestorben» und Guy de Chauliac bestätigt «Sie ließ kaum den vierten Teil der Bevölkerung». In Mervans überlebten nur einige Mitglieder aus 13 Familien die Pest.

Eine weitere Folge waren die Judenverfolgungen. Man warf ihnen vor, die Brunnen vergiftet zu haben, massakrierte sie und stahl ihren Besitz. Gleichzeitig durchstreiften Banden von nackten Männern, die sich kasteiten, die Gegend. 1349 war das Ende des Pestzuges, zurück blieben teilweise zerstörte, leere Dörfer.

Der Hundertjährige Krieg

Bereits während der Zeit des Krieges der Barone begann der Hundertjährige Krieg (1337 – 1453) zwischen Frankreich und England. König Philippe de Valois wusste um den Mut und die Tapferkeit des Herzogs Eudes IV. und sandte ihn mit der burgundischen Streitmacht nach Norden, um gegen die Truppen von Robert III. von Artois zu kämpfen. Die Burgunder taten sich besonders in der Schlacht von Saint-Omer hervor. Aber am 26. August 1346 in der Schlacht bei Crécy verloren etwa 40.000 Franzosen ihr Leben im Kanonenhagel der Engländer. Philippe VI. de Valois hatte die Schlacht verloren und musste einen Waffenstillstand unterzeichnen. Durch die Entsendung Kampffähigen in die Schlacht von Saint-Omer blieben die Felder in der Bresse chalonnaise unbestellt und Hungersnöte plagten die verbliebene Bevölkerung.

Durch die Heirat von Jeanne d’Auvergne mit Jean II. le Bon ging die Vormundschaft über Philippe I. von Rouvres an den König über, der damit auch Regent der Freigrafschaft wurde. Damit konnte er die Edelleute mit ihren Wehrpflichtigen zum Kriegsdienst aufbieten.

Unter den getreuen Begleitern des Königs fanden sich Jean II. de Chalon-Arlay sowie die Angehörigen der Familie de Vienne, Philippe, Jean, Jacques, Henri, Guillaume und Hugues. Die übrigen Edelleute behielten weitgehend ihre Abneigung gegen den Herzog und den König von Frankreich bei. Sie waren oft in Intrigen verwickelt, die König Eduard III. und Karl II. von Navarra anzettelten.

1356 wurde König Jean II. le Bon bei der Schlacht von Poitiers von den Engländern gefangen genommen. Mit ihm zusammen geriet Jean de Chalon-Arlay in Gefangenschaft, er sandte aus dem Tower von London sein Einverständnis zur Heirat seiner Tochter Huguette de Chalon-Arlay mit Huguenin de Vienne. Im folgenden Jahr verhandelte sein Schwiegersohn über eine Lösegeldforderung.

Nach der Schlacht von Poitiers 1356 war die Armee des Königs und die des Herzogs vernichtet. In der Folge begannen die Engländer, die Freigrafschaft zu verwüsten und näherten sich Dijon. Das Resultat der Verhandlungen mit Huguenin de Vienne war der Friede von Brétigny, wonach eine Summe von 200.000 Moutons d’or zu je 30 Sous (Eine Goldmünze von 3 cm Durchmesser und 4,57 Gramm Gewicht mit dem Agnus Dei auf dem Avers und einem Blumenkreuz im Vierpass auf dem Revers[4], also 300.000 Livres) bis zum 24. Juni 1361 zu bezahlen war. Im Gegenzug gab Eduard III. die eingenommenen Städte frei, außer Gascogne, Limousin und Calais sowie weiterer Gebiete, die er unbelastet behalten durfte. Gleichzeitig verzichtete Eduard III. auf seine Ansprüche auf den französischen Thron. Zur Sicherung des Vertrages stellte Jean le Bon 15 der edelsten Herren als Geiseln. Unter ihnen waren Jacques und Hugues de Vienne, sowie Girard de Thurey, die zwei Jahre in England blieben.

Die Grandes Compagnies

Mit dem Frieden von Brétigny wurde eine große Zahl von Soldaten und Söldnern durch König Eduard III. entlassen und sie waren erwerbslos. Schnell bildeten sich die Grandes Compagnies, die die Bevölkerung malträtierten. Das Burgund und insbesondere die Gebiete links der Saône waren besonders betroffen. Hier machte sich Arnaud de Cervole breit mit dem Wahlspruch: «Der Friede den Herren, der Geldbeutel den Kaufleuten und das Feuer den Bauern».

König Jean II. le Bon nahm Arnaud de Cervole wieder in seinen Dienst auf, da er nach dem Tod des Burgunderherzogs Philippe de Rouvres die Freigrafschaft für seinen Sohn erobern wollte. Für die Sicherheit des Königs hatte Cervole bei den Routiers Kautionen bezahlt, die sich schließlich auf 100.000 Goldflorin beliefen. Zudem wollte er für sich ein Lösegeld von 35.000 Goldflorin. Seiner Grande Compagnie wurden Räume zugewiesen, die er mit seinen Truppen besetzen durfte und er behielt für lange Zeit das Schloss in Cuisery, das ihm der König 1362 als Sicherheit überlassen hatte. Nach der Tilgung der Schuld verbündeten sich die Herren von Burgund mit Cervole um gegen die freigräflichen Barone zu kämpfen.

Cervole, genannt der Erzpriester, war nicht der einzige, der seine Truppen im Burgund wüten ließ. Weitere Compagnies tobten im Auxois, Autunois und Chalonnais, befehligt von Abenteurern, die früher dem Herzog gedient hatten und behaupteten, sie seien nicht bezahlt worden. Wieder andere Compagnies kamen von irgendwoher und wurden von obskuren Führern befehligt. Sie besetzten kleinere Festungen, kamen sich gegenseitig zu Hilfe und beherrschten das ganze Gebiet zwischen Mâcon und Beaune. Die Compagnies erhielten weiter Zulauf von Bewaffneten. Sie hausten in den Schlössern und in den Dörfern, in den Häusern die die Bewohner aus Angst verlassen hatten.

Cervole, noch immer im Sold des Herzogs, führte die Banden ins Elsass, die dortige Bevölkerung wehrte sich jedoch entschieden und so kamen die Banden zurück ins Burgund. Er wollte mit neuem Ziel aufbrechen, wurde jedoch von seinen Soldaten ermordet. Der Herzog suchte mit seinen Edelleuten nach Lösungen, in der Zwischenzeit trieben die Banden weiterhin ihr Unwesen. Schließlich versammelte Bertrand du Guesclin die Führer der Banden in Chalon und forderte sie auf, ihm nach Spanien zu folgen. Der Aufruf war erfolgreich, die Banden zogen nach Süden, um dort gegen die Engländer zu kämpfen. Nach der Schlacht von Montiel kehrte Bertrand 1370 zurück und wurde von Charles V. als Connétable von Frankreich ausgezeichnet… und mit ihm waren ebenfalls die Banden wieder im Burgund.

Im Burgund waren jetzt die Compagnies von Séguin de Badefol mit einer Armee von 5000 bis 6000 Routiers, dazu gesellten sich die Tard-Venus, die alle zwischen Mâcon und Chalon wüteten. Schließlich gelang es, sie über die Saône zu drängen, worauf sie die Bresse chalonnaise verwüsteten und die Dombes, das Beaujolais und das Lyonnais. Von den Beutezügen war vor allem die Landbevölkerung betroffen, die kaum auf den Feldern arbeiten konnte. Sie wurden gejagt, verhungerten oder fielen der Pest zum Opfer. Wurden sie erwischt, gerieten sie in Gefangenschaft, wurden auf Pferde gebunden oder wie Hunde an der Leine entführt, gefoltert und Lösegeld erpresst. Manchmal wurden auch Edelleute gefangen. 1367 musste Hugues de Vienne 500 Goldflorin bezahlen, der Herr de Rupt 40 Goldflorin. Die Routiers verschonten auch die Kirchen nicht, raubten sie aus und tranken aus den Messkelchen. Endlich gelang es Philippe le Hardi sein Herzogtum einigermaßen zu befreien, als die Banden am 23. Juni 1370 noch Louhans überfielen und die Kirche und mehrere Häuser anzündeten.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 14. Jahrhundert

Die Bresse louhannaise kam nicht zur Ruhe. Aufstände, Auseinandersetzungen, Kleinkriege folgten dicht aufeinander:

  • Schon vor der Schlacht von Poitiers bekämpften sich die Herren entlang der Grenze zwischen Herzogtum und Grafschaft Burgund. Der Kastellan von Cuisery sandte 10 Soldaten und 100 Sergents im Eilmarsch nach Savigny-sur-Seille um Plünderer festzunehmen. Zudem sandte er 6 Bewaffnete Männer und 10 berittene Sergenten nach Sagy, weil man befürchtete, dass Leute von Poligny, Montmorot und Savigny-en-Revermont Sagy angreifen würden.
  • Auseinandersetzung fanden ebenfalls statt zwischen dem Herzog von Savoyen, Ludwig dem Älteren und Charles V. le Sage. Der Kastellan von Cuisery schickte 1352 einen berittenen Sergenten und zwei Fußsoldaten in die Grafschaft Savoyen, um zu spionieren, da man gehört hatte, der Herzog wolle das Herzogtum und die Grafschaft Burgund angreifen.
  • 1354 sandte Hugues de Vercel, Kastellan von Cuisery und Sagy, 70 bewaffnete Männer mit 160 Pferden von Brienne nach Cuiseaux, da sich der Kastellan einer großen Streitmacht gegenübersah, die den Herrn mit mehreren Männern, Pferden und Kühen nach Baudrières entführt hatten.
  • 1356 führten Männer der Grafschaft Savoyen Angriffe in der Gegend von Cuisery durch und verwüsteten die Gegend. Später wurde Cuisery belagert, bis 1357 ein Friedensvertrag zwischen den Herzögen von Savoyen und Burgund geschlossen wurde.
  • 1358, als Folge der Jacquerie, durchzogen bewaffnete, räuberische Banden die Gegend. Die Felder wurden nicht mehr bestellt, Kirchen waren ausgebrannt, die Klöster besetzt von Bewaffneten. Und wieder traf es vor allem die Landbevölkerung, deren Herren ihnen die Lebensmittel raubten, ohne sie vor den Plünderungen zu schützen und zudem musste den Banden Tribut gezahlt werden, um die Felder bestellen zu können.
  • 1360 fielen Truppen von England, Navarra und der Gascogne ins Burgund ein und drangen gegen die Saône vor. Gleichzeitig bedrohten die Freigräfler die Bresse louhannaise, bestochen durch die Engländer. Der Marschall von Burgund, Girard de Thurey, organisierte eilig den Widerstand. Unter dem Kommando von Jacques de Vienne wurden alle verbliebenen Edelleute, Wehrpflichtigen und Eigenleute zusammengezogen und in den Burgen verteilt, wo sie ununterbrochen Wache hielten und mit den Glocken die Nachbarn alarmierten. Dieser Zustand dauerte etwa siebzig Jahre lang und wurde bezeichnet als Guerre de Sagy (Saigey) (Krieg von Sagy).
  • Nach dem Tod von König Jean II. le Bon folgte ihm 1364 Charles V. le Sage auf dem Thron. Bereits 1362 wurde sein jüngerer Bruder, Philippe II. le Hardi durch Kaiser Karl IV. mit der Freigrafschaft belehnt, obwohl Marguerite de France die rechtmäßige Erbin war. Die Edlen der Freigrafschaft unterstützten jedoch Marguerite und griffen das Herzogtum Burgund an, indem sie die Bresse chalonnaise verwüsteten. Sie wurden unterstützt durch den Grafen von Mömpelgard (Montbéliard), der über 1500 deutsche und freigräfliche Lanzenträger verfügte und zudem vom englischen König. Mit der Hilfe von Arnaud de Cervole, seinen Routiers und den bressanischen Edelleuten gelang es, die Freigräfler zurückzudrängen. Dank der Unterstützung durch Charles le Sage kam eine Einigung zwischen Marguerite und Philippe le Hardi zustande, der die Rechte von Marguerite anerkannte. Um die exorbitanten Kosten zu decken, die angefallen waren, führte der König die Aides royales ein, die wieder die Landbevölkerung belasteten, die zugleich ihre Felder nicht bestellen konnten.
  • Als weitere Steuer, um die Kosten zu decken, führte Herzog Philippe le Hardi die Gabelle ein. Im Königreich hatte sie schon Philippe VI. de Valois eingeführt. Im Burgund wollte sie schon Jean II. le Bon einführen, der Widerstand war jedoch zu groß. Erst Philippe II. le Hardi setzte 1370 seinen Willen durch, getrieben von Geldnot. Daneben wurden weitere Steuern eingeführt, die vor allem die Landbevölkerung plagten, da der Adel von der Steuerpflicht ausgenommen war.
  • Das Jahrhundert schloss mit dem Kreuzzug gegen die Osmanen und der Schlacht bei Nikopolis. Unter Herzog Jean sans peur zogen die burgundischen Adligen nach Buda, wo sie sich mit dem ungarischen Heer vereinigten. Unter den burgundischen Adligen war Jean de Vienne, Admiral von Frankreich, der in der Schlacht bei Nikopolis das burgundische Heer anführte und dabei sein Leben verlor. Der Sohn des Herzogs und spätere Nachfolger, Jean sans peur, wurde gefangen genommen und musste durch Zahlung von 200.000 Dukaten freigekauft werden.
  • 1399 brach erneut die Pest aus, die während mehrerer Jahre ganz Frankreich heimsuchte, und der nicht zuletzt der Herzog Philippe II. le Hardi 1404 erlag.

Die Bresse louhannaise im 15. Jahrhundert

Das Königshaus im 15. Jahrhundert

1380 kam König Charles VI. le Fou oder le Bien-Aimé (* 3. Dezember 1368, † 21. Oktober 1422) an die Macht. Sein Geisteszustand, der sich ab 1392, nach dem Bal des Ardents noch verschlechterte, ließ eine Regierungstätigkeit kaum zu. So spielten sich am Hof laufend Intrigen ab. Der Dauphin, Louis de Valois (* 13. März 1372, † 23. November 1407), der jüngere Bruder des Königs, überwarf sich mit den Bourguignons und es kam zum Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons. Unter dem Druck der Familie wollte sich am 10. September 1419 Charles VII. le Victorieux (* 22. Februar 1403; † 22. Juli 1461), der damals noch Dauphin war, mit dem Herzog von Burgund, Jean sans peur (* 28. Mai 1371, † 10. September 1419), auf der Brücke von Montereau versöhnen, es kam zu einem hitzigen Wortwechsel und der Burgunder Herzog wurde von den Gefolgsleuten des Dauphins hinterrücks erstochen.

In der Folge enterbte König Charles le Fou den Dauphin und setzte seine Tochter, Catherine de Valois als Thronfolgerin ein. Sie wurde zudem mit dem englischen König, Henry V. verheiratet, der den französischen Thron mit dem englischen zusammen besteigen sollte. Im August 1422 starb er jedoch an der Ruhr und als Charles le Fou am 21. Oktober 1422 ebenfalls starb, folgte ihm der einjährige Henry VI. (* 6. Dezember 1421, † 21. Mai 1471). Gleichzeitig ließ sich in Bourges der Dauphin als Charles VII. le Victorieux zum König ausrufen, so dass Frankreich für einige Zeit zwei Könige hatte.

Diese Tatsache spaltete das Land erneut. Die nördlichen Provinzen unterstützen den englischen König Henry VI., während die südlichen Provinzen den Dauphin, Charles le Victorieux unterstützten. Als Folge des Mordes am Herzog Jean sans peur unterstützte Burgund den englischen Thronfolger und so kämpften die Burgunder an der Seite der Engländer gegen die Franzosen in «großer Freundschaft und Brüderlichkeit».

Die Teilung Frankreichs in englische und französische Provinzen führte naturgemäß dazu, dass sich die Parteien laufend bekämpften und der Hundertjährige Krieg kein Ende fand. Die Engländer hatten bereits Gebiete südlich der Loire erobert und Orléans belagert. In dieser traurigen Lage sprach auf Burg Chinon, wo der König residierte, Jeanne d’Arc vor. Sie versprach, Orléans zu befreien und den König zur Krönung zu führen. Die Krönung und Salbung von Charles le Victorieux fand tatsächlich am 17. Juli 1429 in der Kathedrale von Reims statt.

Mit dem Friedensschluss erstarkte Frankreich und vermochte die Engländer endgültig zu schlagen. 1437 zog König Charles VII. le Victorieux in Paris ein, die Guyenne und die Normandie konnten zurückerobert werden und 1453 endete der Hundertjährige Krieg mit der Eroberung von Bordeaux durch den französischen König. Die englischen Truppen verließen das Land, wodurch eine Zeit relativen Friedens eintrat.

Am 22. Juli 1461 starb König Charles VII. le Victorieux. Sein Verhältnis zu seinem ältesten Sohn und Dauphin war bis zuletzt getrübt und Louis XI., le prudent (der Kluge) (* 3. Juli 1423, † 30. August 1483), lebte ab 1456 am Hof des Herzogs von Burgund. In erster Ehe war er verheiratet mit Margarethe von Schottland, in zweiter Ehe mit Charlotte von Savoyen, mit der er sieben Kinder hatte, wovon vier im Kindesalter starben. Aus seinen Beziehungen zu zwei Konkubinen war er zudem Vater von vier unehelichen Töchtern. Obwohl Louis XI mehrere Beinamen hatte, die seinen Charakter beschrieben – wie le rusé, der Listige oder l’arraigné, die Spinne – waren die Verdienste von Louis le prudent bedeutend: er stärkte die Macht des Königshauses innerhalb Frankreichs, förderte Industrie und Handel, richtete die poste royale ein und überließ den Gemeindebewohnern die Wahl ihrer Ortsvorsteher. Er war sparsam und lebte sehr einfach, die Steuereinnahmen stiegen unter seiner Regierung auf gegen 5 Millionen Livres.

König Louis XI starb am 30. August 1483 und die Krone ging an seinen einzigen überlebenden Sohn, Charles VIII. l’Affable oder le Courtois (der Freundliche) (* 30. Juni 1470, † 7. April 1498). Aus seiner Ehe mit Anne de Bretagne gingen sechs Kinder hervor, lediglich Charles Orland wurde dreijährig, die übrigen lebten noch weniger lang. Dadurch endete die Herrschaft der Valois mit dem Tod von Charles VIII. am 7. April 1498.

Nachfolger von Charles VIII. l’Affable wurde Louis XII. (* 27. Juni 1462, † 1. Januar 1515) mit dem Beinamen le père du peuple, der 1498 den Thron übernahm.

Die Herzöge von Burgund im 15. Jahrhundert

Nach dem Mord an Jean sans peur – der im Übrigen eine Rache dafür war, dass dieser 1407 den Herzog Louis d’Orléans ermorden ließ – wurde Philippe III. le Bon (* 31. Juli 1396, † 15. Juni 1467) Herzog und Graf von Burgund. Während des Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons stellte sich Philippe le Bon nicht auf die Seite des Dauphin, sondern verbündete sich mit den Engländern, das heißt mit Edward III. Keine Partei gewann bei diesem Bürgerkrieg, lediglich die Bevölkerung verlor alles, verarmte, wurde geschunden, ausgeraubt und lebte in steter Todesangst – zudem musste sie die Kriegskosten als Steuern aufbringen. Am 21. September 1435 schlossen der französische König, Charles le Victorieux und der burgundische Herzog, Philippe le Bon den Vertrag von Arras. Dabei bedauerte der König den Mord an Jean sans Peur, dieser habe ihm schon immer missfallen, «… aber er sei jung gewesen, und unerfahren». Der König überließ dem Herzog die Grafschaft Mâcon einige weitere Orte und entband ihn von jeglicher Huldigung. Dadurch wurde der Herzog souveräner Herrscher über sein Herzogtum und half dem König in der Folge, die Engländer zu besiegen.

Der Hof des Herzogs von Burgund wurde ein Zentrum des Wohlstandes, aller Pomp wurde zur Schau getragen und höfische Feste veranstaltet. Der immense Reichtum des Adels – der vor allem zulasten der Bürger ging – führte dazu, dass der Herzog von Burgund beim Konzil von Basel unmittelbar nach den Königen platziert wurde mit dem Titel Erzherzog des Abendlandes. Die Bürger hatten davon nichts, außer dass sie Bürger geworden waren – und dafür wacker Steuern entrichten mussten.

Philippe le Bon genoss in den letzten Jahren seines Lebens den Reichtum und förderte das kulturelle Leben in seinem Staat. Am 10. Januar 1430 stiftete der den Orden vom Goldenen Vlies, der erste Ordensritter war Guillaume III. de Vienne und damit ein Sohn der Bresse louhannaise. Am 15. Juni 1467 starb Philippe le Bon als unabhängiger Herrscher über ein Reich, das praktisch die heutige Region Bourgogne-Franche-Comté umfasste, zuzüglich den geografisch getrennten Nordteil mit dem heutigen Nordfrankreich, den südlichen Niederlanden und Luxembourg.

Als Herzog von Burgund folgte Charles I., genannt le Téméraire oder le Hardi (der Kühne) (* 10. November 1433, † 5. Januar 1477), «das Paradebeispiel eines Herrschers, der sich binnen kürzester Zeit durch übersteigerten Ehrgeiz um ein großes Reich und noch dazu um Kopf und Kragen bringt»[5].

Seit 1456 lebte der Dauphin, Louis XI. ebenfalls am herzoglichen Hof. Aber Louis XI. und Charles I. waren sich spinnefeind. Während Herzog Karl der Kühne ein kriegerisches Temperament hatte und einen unstillbaren Ehrgeiz, war König Ludwig XI. eher hinterhältig, was ihm auch den Beinamen le rusé (der Listige) und l’araignée (die Spinne) eintrug.

Charles le Téméraire versuchte, die beiden Teile seines Reiches zusammenzubringen, indem er die Gebiete dazwischen zu erobern oder sich anderweitig anzueignen suchte. Diese Pläne hintertrieb der König, indem er sich mit den Feinden des Herzogs gegen diesen absprach. Dazu kamen direkte kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Herzog und König. Höhepunkt und Ende der ehrgeizigen Pläne des Herzogs Charles le Téméraire waren die Burgunderkriege gegen die Eidgenossen. Am 14. März 1476 wurde er bei Grandson geschlagen und verlor seine Artillerie und eine riesige Beute. Am 22. Juni 1476 wurde er bei Murten vernichtend geschlagen und am 5. Januar 1477 verlor der Herzog bei Nancy sein Leben.

Im nachfolgenden Erbfolgekrieg kam das Burgund und damit die Bresse louhannaise als heimgefallenes Lehen zu Frankreich, während die Freigrafschaft zusammen mit den nördlichen Gebieten des alten Herzogtums an Maximilian von Österreich fiel. Das eigentliche Burgund war somit Kronland und verlor seine Unabhängigkeit.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 15. Jahrhundert

  • Der Krieg von Sagy dauerte auch zu Beginn dieses Jahrhunderts noch an. Alle verbliebenen Edelleute, Wehrpflichtigen und Eigenleute wurden zusammengezogen und in den Burgen verteilt, wo sie ununterbrochen Wache hielten und mit den Glocken die Nachbarn alarmierten. So versuchte man, sich der herumstreunenden Truppen von England, Navarra und der Gascogne, sowie der Freigräfler zu erwehren. Dieser Zustand dauerte noch bis etwa in die Dreissigerjahre.
  • 1422 stieß eine starke französische Armee gegen das Chalonnais vor. Sie wagten nicht, Chalon-sur-Saône oder Mâcon anzugreifen, hingegen eroberten sie Tournus, wo sie eine Garnison einrichteten und regelmäßig Angriffe in die Bresse chalonnaise führten. Der Herzog Philippe III. le Bon brauchte zwei Jahre, um genügend Truppen zu sammeln und die Franzosen aus seinem Gebiet zu vertreiben.
  • Da der Vater des Herzogs Philippe le Bon, Jean sans peur, durch den Dauphin und späteren König Charles VII. le Victorieux umgebracht wurde, unterstützte der Herzog von Burgund Henry VI. als König von Frankreich und stellte sich gegen den Dauphin, Charles le Victorieux.
    Um seine Rache zu vervollständigen, sandte der Herzog seinen Getreuen Louis II. de Chalon (* 1390, † 3. Dezember 1463) 1430 mit einer Armee aus Burgund und Savoyen in die Dauphiné, um dieses Herrschaftsgebiet des königlichen Thronfolgers zu erobern und mit dem Herzog von Savoyen zu teilen. Trotz der großen Armee von rund 4000 Edelleuten aus dem Burgund, der Freigrafschaft und insbesondere der Bresse louhannaise (mehrere aus de Familie de Vienne, die Herren du Fay, Branges und weitere aus dem Louhannais), die einem zahlenmäßig unterlegenen Gegner von 1600 Mann gegenüberstand, ging die Schlacht bei Anthon verloren. Eine große Zahl von Bourguignons ertranken in der Rhône, in die sich retten wollten, oder wurden gefangen genommen.
  • Unmittelbar nach dieser Niederlage, am 24. Juni 1430 erhielten die Kastellane von Cuisery und Sagy vom Marschall von Burgund, Antoine de Toulongeon, den Befehl: «… dass sich alle Adligen und Waffenfähigen am 8. Juli bei Dole einzufinden hätten» unter Androhung, dass ihnen andernfalls ihre Ländereien entzogen würden. Im August wurde Kriegsrat gehalten, der Feind war in Belleville und man befürchtete, dass er Mâcon belagern wollte. Man hatte bereits Aufklärungstrupps bis Tournus bemerkt. Die Kastellane wurden mit ihren Truppen nach Cluny beordert, später sollten sie sich nach Saint-Jean-de-Losne verschieben. Die Adligen wurden mit ihren Männern für den 23. August nach Saint-Jean-de-Losne aufgeboten. Gleichzeitig wurden die verbündeten Engländer um Unterstützung gebeten.
    In Chalon-sur-Saône wurden die Anstrengungen verdoppelt, man suchte vor allem Artillerie[A 3][6], um die Orte zu belagern, die von Rodrigue de Villandrando gehalten waren. Schließlich verschob sich die Armee des Herzogs nach Sancenay um das Schloss zu belagern, das von Villandrando gehalten wurde. Nach drei Tagen war die Belagerung erfolgreich, weitere Belagerungen folgten, bis Villandrando vertrieben war.
    Die Feldzüge waren teuer und dem Herzog fehlte Geld, also wurden die Aides erhöht. Die Adligen blieben unter Waffen[A 4], nicht zuletzt, um die Routiers erneut zu bekämpfen. In Pont-de-Vaux hatte sich eine kleine Armee unter Führung von Jean d’Espailly, genannt Fortépice eingenistet, die die ganze Gegend bis in die Bresse beraubten und verwüsteten.
    Im Juni 1433 wurden unter Führung des Herzogs Angriffe durch königliche Truppen im Auxerrois und durch Jean I., Herzog von Bourbon, im Mâconnais zurückgeschlagen. Auch dafür wurde der gesamte Adel und die Waffenfähigen aufgeboten. Um die Kosten zu decken, verlangte der Herzog wieder Geld von seinen Untertanen, doch Burgund verarmte zusehends, Louhans war zahlungsunfähig. Jean Grant, Herr von Branges war Kommandant von Tournus, um die Bresse chalonnaise gegen Eindringlinge aus dem Bourbonnais zu verteidigen. Dennoch gelangen diesen immer wieder Kriegszüge bis in die Freigrafschaft. Sie logierten in Sagy, verwüsteten es und raubten es aus. Der Herzog griff seinerseits den Herzog von Bourbon an und dieser schickte wieder Kommandounternehmen über die Saône. Am 1. Mai 1434 bot der Herzog erneut seine Truppen in den Raum BeauneNuits-Saint-Georges auf. Endlich wurde ein Waffenstillstand geschlossen, im Dezember 1434 entließ der Herzog seine Armee.
  • Nach dem Vertrag von Arras herrschte zwar Friede zwischen dem König und dem Herzog von Burgund, die Bresse louhannaise war jedoch weit davon entfernt. Es begann die Zeit der Écorcheurs, der Halsabschneider, die nahezu acht Jahre dauern sollte. Die Zeit der Halsabschneider folgte unmittelbar auf den Vertrag von Arras, da der König und der Herzog ihre Truppen entließen. Diese hatten kein Einkommen mehr, keine Gelegenheit zu Plünderungen und so überfielen sie vor allem die Ländereien ihrer früheren Gegner. Der König hatte ganze Söldnerarmeen in seine Truppen integriert, die plündernd und mordend im Burgund herumzogen. Die Anführer dieser Halsabschneider waren
    • Alexandre, bâtard de Bourbon, ein unehelicher Sohn von Jean I. de Bourbon, Anführer von etwa 5000 Mann.
    • Rodrigue de Villandrando, der Marguerite, eine uneheliche Tochter von Jean I. de Bourbon geheiratet hatte und etwa 10000 Mann – vor allem Engländer – befehligte.
    • Jacques d’Espailly, genannt Fortépice, der als besonders brutal galt und mehrmals die Bresse louhannaise heimsuchte.
Sowohl der König als auch der Herzog bekämpften die Écorcheurs immer wieder mit mehr oder weniger Erfolg. 1440 bot König Charles VII. den Anführer Alexandre de Bourbon nach Bar-sur-Aube auf. Dieser kam mit kleinem Geleit, wurde gefangen genommen, in einen Sack genäht und von einer Brücke in die Aube geworfen. Die Städte und Dörfer versuchte man zu schützen durch den Bau von Wassergräben, die Herrensitze wurden befestigt und als Notunterkünfte für die Eigenleute und deren Vieh ausgebaut.
1444 ersuchte der römisch-deutsche König Friedrich III. den französischen König Charles VII. um Unterstützung gegen die Schweizer. Charles sandte den Dauphin, Louis XI., mit rund 25.000 Écorcheurs durch das Elsass in die Schweiz, wo am 26. August 1444 bei Sankt Jakob an der Birs eine Truppe von 1500 Eidgenossen geschlagen wurde. In der Folge wurden die Écorcheurs in die Armee des Königs integriert, die Anführer wurden zu regulären Hauptleuten der Ordonnanzkompanien.
  • Während den Jahren der Herrschaft der Écorcheurs war an ein Bestellen der Felder kaum zu denken. In der Folge litt die Bevölkerung an Hungersnöten, die 1437 und 1438 besonders ausgeprägt waren. Die Preise verzehnfachten sich teilweise. Damit nicht genug, breitete sich in den Folgejahren auch die Pest erneut aus und führte zu einem massiven Bevölkerungsrückgang.
  • 1467, mit dem Beginn der Herrschaft von Charles le Téméraire endete die ruhigste und friedlichste Zeit dieses Jahrhunderts für die Bresse louhannaise. Die Fehde zwischen Herzog Charles le Téméraire und König Louis XI. le prudent führte zu königlichen Angriffen auf die Grafschaft Mâcon, wobei Tournus in besonderem Maße betroffen war. Die Kleriker und Einwohner mussten sich über die Saône retten, wurden jedoch weiter verfolgt und Louhans, Cuisery, Sagy und weitere Orte wurden zerstört und in Brand gesteckt.
    Der Herzog hatte im Gegensatz zum König noch kein stehendes Heer. Er verfügte über einen Kern von Söldnertruppen, der weitaus größte Teil war eine Milizarmee, bestehend aus der Bevölkerung seines Herzogtums. Die Pflichtigen mussten sich monatlich einer Ausrüstungsinspektion unterziehen und sich für den Einsatz bereithalten. 1471 wurde eine Rekrutierung durchgeführt, indem für jede Pfarrei Zahl und Art der Wehrmänner festgelegt wurde[A 5]. Bei Bedarf wurden die Truppen zum Einsatz aufgeboten. Es folgten weitere Rekrutierungen und weitere Verluste. Eine Volkszählung von 1490 ergab noch etwa 60 Prozent an Einwohnern, gegenüber 1471 (Weitere Unterlagen von 1490 ergeben eine Bevölkerungszahl von rund 21.000 Einwohnern). Das Land lag darnieder, war ausgeblutet und die Ressourcen aufgebraucht.
  • Nach dem Tod von Charles le Téméraire wollte König Louis XI. den größten Nutzen aus dieser Situation ziehen. Er zögerte deshalb nicht, das Herzogtum Burgund umgehend als Kronbesitz zu beanspruchen, zumal der verstorbene Herzog lediglich eine Tochter, Marie, hinterließ – die nach damaligem Recht als Frau nicht erben konnte. Um seine Absichten zu unterstreichen, ließ er Flandern und Herzogtum und Grafschaft Burgund durch seine Armee besetzen. Die Generalstände unterstellten sich im März 1477 dem König und in Dijon wurde ein Parlement eingerichtet.
    Zuvor hatte der König Jean III. de Chalon, Herr von Arlay und Fürst von Orange, in Aussicht gestellt, ihn zum Gouverneur der beiden Burgund zu machen. Dieser sorgte deshalb dafür, dass auch die Generalstände von Dole bereit waren, sich dem König zu unterwerfen. Zudem hatte der König die Absicht, Maria von Burgund mit seinem Dauphin, Charles VIII. l’Affable zu verheiraten, wodurch das burgundische Erbe durch Heirat an das Königshaus gefallen wäre. Er verlangte deshalb von seiner künftigen Schwiegertochter, dass sie ihn als Regenten einsetze. Maria von Burgund fühlte sich betrogen und gab ihre Hand Maximilian, Erzherzog von Österreich, wodurch die Freigrafschaft habsburgisch wurde. Die Freigrafschaft war darüber nicht glücklich und die Einwohner der Hauptstadt Dole erhoben sich im Februar 1478, gefolgt von anderen Städten. Als der König entgegen seinem Versprechen, Georges II. de La Trémoille, Sire de Craon, zum Gouverneur des Herzogtums Burgund ernannte, verbündete sich Jean III. de Chalon mit der Erzherzogin Marie, worauf sich auch die Einwohner des Herzogtums gegen den König erhoben. Während drei Jahren tobte ein Bürgerkrieg. Georges de la Trémoille war ein grausamer Gouverneur, die Einwohner flüchteten in Scharen. Er ließ alles niederbrennen, Cuiseaux lag in Schutt und Asche, lediglich ein Haus und die Kirche blieben stehen, in Branges wurde das Dorf und die beiden Schlösser Raub der Flammen (1478). Trémoille belagerte zwar Dole, musste sich jedoch zurückziehen und die Freigräfler und die Österreicher trieben seine Truppen bis an die Saône zurück. Der König entschloss sich endlich, seinen Gouverneur zu entlassen, der seine Einkommen behielt und sich mit einer Ehrenwache nach Hause zurückzog, «ziemlich glücklich, denn er war groß, dick und gut bezahlt». Als Nachfolger wurde Charles I. d’Amboise ernannt. Diesem gelang es, das ganze Herzogtum zu unterwerfen. Im Mai 1479 wurde Dole überfallen, geplündert, gebrandschatzt. Darauf ergaben sich auch die übrigen Orte der Freigrafschaft, sämtliche Burgen wurden geschleift und im Juli 1479 begab sich König Louis XI. nach Dole um formell die Freigrafschaft in Besitz zu nehmen.
    Noch einige Male fanden kriegerische Auseinandersetzungen statt, sei es, dass Maximilian «seine Freigrafschaft» zurückerobert wollte, sei es dass Charles VIII. l’Affable ihn wieder von dort vertrieb. Schließlich wurde am 23. Mai 1493 in Senlis der Vertrag geschlossen, der die Aufteilung des burgundischen Erbes endgültig regeln sollte.
  • Durch den Vertrag von Senlis wurde die Freigrafschaft endgültig habsburgisch, zugleich auch die Grafschaft Charolais. Das Charolais, voller Ressourcen, Burgen und Bergen, bedeckt von Wäldern, Étangs, Bächen, Feldern und fruchtbaren Äckern, war für die Österreicher von großer Wichtigkeit. Das Charolais und die Freigrafschaft waren lediglich durch eine einzige Straße verbunden: die Straße von Beaurepaire-en-Bresse über Louhans, Cuisery nach Tournus. Um diese Straße sicher zu halten, versuchten die Österreicher, neuralgische Punkte wie Louhans oder Cuisery zu besetzen und auszubauen. Die Bresse chalonnaise war geschwächt von Kriegen, Pestzügen, Hungersnöten und Steuerbelastungen. So beäugten sich die Burgunder und die Kaiserlichen und befestigten ihre Mauern so gut es ging.
    1494 fiel König Charles VIII. in Italien ein und führte den Italienkrieg. In Erwartung, dass er diesen Krieg verliere, wollten ihm die Kaiserlichen den Rückweg abschneiden, und nachdem die Franzosen in Italien geschlagen worden waren, wollte man Frankreich auch im Burgund schlagen. Kurz vor der Schlacht bei Fornovo drangen die Kaiserlichen in die Gegend von Louhans ein, eroberten die Stadt ohne großen Widerstand und beherrschten so die 40 Kilometer Verbindungsstraße zwischen Freigrafschaft und Charlolais. Die freigräfliche Chambre des comptes Dijon sandte Pierre de Sève (auch: Sayve) in geheimer Mission in die Gegend von Louhans um die Unterbringung von Truppen in Branges vorzubereiten. 1495 gelang es Jean de Baudricourt, Marschall von Frankreich, die kaiserlichen Truppen aus den burgundischen Gebieten zu vertreiben.

Die Bresse louhannaise im 16. Jahrhundert

Das Königshaus im 16. Jahrhundert

Nachdem Charles VIII. l’Affable ohne Erben gestorben war, folgte ihm sein Onkel dritten Grades, Louis XII. (* 27. Juni 1462, † 1. Januar 1515), genannt le Père du peuple, der ein Urenkel von Charles le Sage und Angehöriger des Hauses Valois-Orléans war. Er war mit Jeanne de France verheiratet, in zweiter Ehe mit Anne de Bretagne, wodurch er das Herzogtum Bretagne an die Krone band.

Sie hatten zwei gemeinsame Töchter und drei tot geborene Söhne. Die ältere Tochter, Claude de France, heiratete ihren Cousin François d’Angoulême, der als François 1er, le Roi-Chevalier (* 12. September 1494, † 31. März 1547) nach Louis Tod auf dem Thron folgte. François le Roi-Chevalier setzte die Italienischen Kriege fort, die sein Schwiegervater, Louis XII, begonnen hatte und nach den Schlachten bei Novara und bei Marignano gelang ihm der Sieg über die Eidgenossen und das Herzogtum Mailand ging in französischen Besitz über. In dieser Position der Stärke versuchte François nun, auch noch die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reiches zu erlangen. Obwohl er 300.000 Gulden Bestechungsgelder anbot, wurde er durch Karl V., mit den Fuggern als Geldgebern, bei Weitem ausgestochen und musste sich geschlagen geben. Zudem erreicht Karl V. einen Bündniswechsel bei Papst Leo X. und am 19. November 1521 übernahm er die Herrschaft über Mailand. Nach einem Papstwechsel und verbündet mit der Republik Venedig gelang François die Rückeroberung Mailands, bei der Schlacht bei Pavia verlor er das Herzogtum jedoch an die kaiserlichen Truppen und geriet selber in Gefangenschaft. Geprägt war die Herrschaft François durch die französisch-habsburgischen Kriege.

François und Claude de France hatten zehn Kinder, davon drei Totgeburten und zwei starben im Kindesalter. Der älteste Sohn, François, starb mit achtzehn Jahren, so dass sein jüngerer Bruder, Henri II. (* 31. März 1519, † 10. Juli 1559) als König folgte.

Henri II. war nach der Schlacht bei Pavia zusammen mit seinem älteren Bruder in kastilischer Geiselhaft, um die Rückkehr seines Vaters, François le Roi-Chevalier zu garantieren. Er wurde unter misslichen Bedingungen gehalten, was Henri II. dem Kaiser Karl V. nie verzieh. Er führte deshalb die französisch-habsburgischen Kriege fort bis 1559, als es zum Frieden von Cateau-Cambrésis kam.

Bereits um 1520 begannen sich in Frankreich die Hugenotten zu verbreiten. François hatte weltanschaulich keine Probleme mit der religion prétendue réformée (der sogenannten reformierten Religion), um sich jedoch die Unterstützung der Päpste zu sichern, musste er sich gegen sie stellen. Unter Henri II. begann die Verfolgung der Hugenotten, die sich ab 1562 in die Religionskriege ausweiteten.

Henri II. hatte mit seiner Ehefrau, Catherine de Médicis zehn Kinder – sowie drei uneheliche. Henri II. starb an den Folgen eines Turnierunfalls 1559.

Auf dem Thron folgte Henri II. sein ältester Sohn, François II. (* 19. Januar 1544, † 5. Dezember 1560), der Mary Stuart heiratete und dadurch König der Schotten wurde. Er starb bereits knapp siebzehnjährig nach siebzehn Monaten Herrschaft.

Ihm folgte sein jüngerer Bruder, Charles IX. (* 27. Juni 1550, † 30. Mai 1574), in dessen Regierungszeit die vier Hugenottenkriege und die Bartholomäusnacht fielen. Charles kam schon als zehnjähriger auf den Thron, war jedoch durch seine Mutter, Catherine de Médicis bevormundet. Er war zudem charakterlich instabil und körperlich schwächlich. So unterstand er weitgehend dem Einfluss seiner Mutter und Graf von Coligny, Admiral von Frankreich. Er starb mit 23 Jahren an einer Rippenfellentzündung ohne Nachkommen, wodurch ihm sein jüngerer Bruder, der dritte Sohn von Henri II. auf dem Thron folgte.

Alexandre-Édouard, genannt Henri III. (* 19. September 1551, † 2. August 1589) bestieg den Thron mit 24 Jahren als König von Frankreich. Bereits als Siebzehnjähriger war er Oberbefehlshaber der königlichen Truppen im Dritten Hugenottenkrieg. Er war der letzte Kapetinger aus dem Hause Valois, weshalb die Frage nach der Thronfolge schon zu seinen Lebzeiten zu einem Bürgerkrieg führte. Schon als Jugendlicher stand er den Hugenotten nahe. 1589, nach dem Tod seiner Mutter, wechselte er im April die Seiten und wurde prompt mit dem Kirchenbann belegt.

Er verbündete sich mit seinem Schwager, Heinrich von Navarra, und führte ein Hugenottenheer nach Paris, um die Stadt zu belagern. Am 1. August 1589 wurde er durch einen jungen Dominikaner tödlich verletzt. Auf dem Sterbebett bestätigte der König Heinrich von Navarra als seinen Nachfolger, da er selber kinderlos geblieben war. Durch dieses Vermächtnis endete die Herrschaft des Hauses Valois in Frankreich.

Heinrich von Navarra übernahm zwar die französische Königswürde, da er aber protestantisch war, wurde ihm die Krönung versagt. Am 25. Juli 1593 konvertierte er deshalb erneut zum Katholizismus, worauf er am 27. Februar 1594 als Henri IV. (* 13. Dezember 1553, † 14. Mai 1610), genannt Henri Quatre oder Henri le Grand zum König gesalbt wurde. Die Königswürde ging damit an die Bourbonen über, die nahezu zweihundert Jahre herrschten.

Die Bresse louhannaise zu Beginn des Ancien Régime

Als Ancien Régime wird in der Geschichtsschreibung die Zeit von der Herrschaft Henri IV. bis zur Revolution bezeichnet, es gilt als Inbegriff des Absolutismus.

Das Herzogtum Burgund, einst ein weitgehend souveränes Staatsgebilde im westlichen Mitteleuropa, verlor nach dem Tod von Karl dem Kühnen seine Bedeutung. Nach dem Tod von Maria von Burgund erklärte der französische König das Herzogtum als Kronland und Burgund wurde zu einer Provinz des Königreiches, regiert durch militärische und zivile Beamte des Königs. Die Bresse louhannaise war Grenzgebiet zum römisch-deutschen Kaiserreich und zum Herzogtum Savoyen. Für die Rechtsprechung war seit 1494 das Parlement von Dijon zuständig, bezüglich der kirchlichen Organisation waren drei Bischöfe für die Bresse louhannaise zuständig: Chalon, Besançon und Lyon.

Oberster Vertreter des Königs von Frankreich im Burgund war der Gouverneur, dem wiederum die Lieutenants générales unterstanden, die für Teilgebiete zuständig waren. Ihnen unterstanden die Verwaltungsbeamten, die Baillis, die Kastellane und Prévôts. Sie waren militärische Befehlshaber aller bewaffneten Organe, also der Maréchaussée, der herrschaftlichen Milizen und auch die königlichen Truppen in ihrem Gebiet.

Die Vertreter der Gemeindebevölkerung – und auch durch diese gewählt – waren die Échevins (gebietsweise auch Consuls oder Prudhommes). Es gab dannzumal auch Maires, diese hatten jedoch noch eine andere Funktion als heute. Sie waren eher Gutsverwalter der Herren oder städtische Angestellte[A 6]

Eine gewisse Souveränität besaßen die Einwohner, die sich zu Bürgerversammlungen trafen. Diese fanden statt in der Markthalle, auf dem Dorfplatz, in der Kirche oder in einem Gemeindehaus. Beschlossen wurden Angelegenheiten der Gemeinde, Verwaltung der Gemeindegüter, des Gemeindevermögens, Kreditaufnahmen und Steuerfestsetzungen. Zudem wurde die Wahl der Gemeindevorsteherschaft vorgenommen, des Échevins, des Maires und zweier Magistraten, die auf jeweils zwei Jahre gewählt wurden. Teilweise erlaubten die Herren auch die Wahl eines Syndic als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Herrschaft.

Die Niedere Gerichtsbarkeit lag üblicherweise beim Herrn, ortsweise auch beim Kastellan, bei einem Bailli oder Prévôt. Diese Organisation traf jedoch lediglich für die adligen Lehen zu. Bei Siedlungen im Besitz von nicht-adligen Roturiers oder in einfachen Weilern und Siedlungen übte in der Regel ein Bailli des adligen Herrn zusammen mit dem Pfarrer die Ortsvorsteherschaft aus. Die Gemeindeorganisation war durchaus nicht einheitlich, zudem vermochte sich die Bevölkerung zunehmend von den feudalistischen Strukturen zu lösen. Die Lehensherrschaft wurde schwächer und persönlicher Besitz wurde möglich – außer in den Gebieten, die der Toten Hand unterstanden, wo ein freier Verkauf nach wie vor nicht möglich war (große Gebiete von Branges, Parmoins und Jousseau in Sagy, Mouthier-en-Bresse und viele andere mehr).

Geprägt wurde ein großer Teil des bürgerlichen Lebens durch das geltende Steuersystem. Die unendlichen Kosten für die Kriegsführung, das stehende Heer und die königliche Hofhaltung mussten durch die Bevölkerung aufgebracht werden.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 16. Jahrhundert

  • Schon 1499 hatte ein neuer Pestzug begonnen, die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts waren erneut davon betroffen. Zudem flammte die Lepra wieder auf und zwang die Gemeinden erneut, Maßnahmen für die Quarantäne der Betroffenen zu treffen.
  • Louis XII. führte Krieg in Italien und konnte schließlich Mailand erobern. Für seine Kriegszüge war er auf die Eidgenossenschaft angewiesen, deren Kantone ihm erlaubten, Reisläufer anzuwerben. Louis XII. verweigerte mit beleidigenden Worten die Zahlung der Pensionen, wodurch er sich gefährliche Feinde schuf. Bestochen durch Papst Julius II. stellten sich die Eidgenossen gegen Louis XII. und besiegten ihn bei der Schlacht bei Novara, wodurch dieser Mailand aufgeben musste und sein Heer nach Frankreich zurückzog. Die Eidgenossen verbündeten sich mit den Engländern und dem Kaiser und bedrohten die Grenzen Frankreichs im Norden und im Osten. 18.000 Schweizer stießen in der Franche-Comté zu den kaiserlichen Truppen. Der Gouverneur Georges de la Trémoille hatte eine Streitmacht von sieben- oder achttausend Mann, die etwa 30.000 erprobten Kämpfern gegenüberstand. Er schloss sich deshalb in Dijon ein und verlegte einige Einheiten in die Umgebung. Das schweizerisch-deutsche Heer drang in die Bresse und ins Burgund ein, verwüstete die Gegend, Louhans entging nur knapp der Zerstörung und musste feindliche Truppen beherbergen. In Dijon konnte am 7. September 1513 ein erster Angriff abgewehrt werden, dennoch schien die Lage hoffnungslos. Trémoille entschied sich für die Diplomatie und verhandelte mit den Schweizern. Ein Friedensvertrag wurde unterzeichnet gegen Zahlung von 400.000 Écus d’or. Die Ablösesumme war hoch, der Gouverneur vermied dadurch eine Niederlage in Dijon und den Weitermarsch der Truppen nach Paris. Trémoille versuchte, das Geld aufzutreiben, tatsächlich war das Land derart ruiniert, dass das unmöglich war. Die Schweizer drohten bereits, den Vertrag zu brechen. Trémoille konnte sie beruhigen durch Zahlung eines Teils der geforderten Summe und dem Versprechen, den Rest in kurzer Zeit zu bezahlen. Gleichzeitig stellte er seinen Neffen als Geisel, zusammen mit mehreren hohen burgundischen Adligen. König Louis XII. weigerte sich, diesen «seltsamen Vertrag» anzuerkennen, entschädigte jedoch den Gouverneur und überließ die weitere Entwicklung der Diplomatie. Er starb am 1. Januar 1515, unter seinem Nachfolger, François Ier wurde am 29. November 1516 in Freiburg im Üechtland der Ewige Friede zwischen dem Königreich Frankreich und den Dreizehn Alten Orten geschlossen.
  • König François le Roi-Chevalier war ein kriegsliebender Herrscher, seine Verschwendungssucht und die kriegerischen Abenteuer mussten die Einwohner mit Steuern finanzieren. Zudem mussten die Städte seine Söldner unterbringen und verpflegen, Reisläufer, Landsknechte und Schotten. Herr von Louhans war Louis d’Orléans, Marquis de Rothelin und souveräner Graf von Neuchâtel, der als Großkammerherr dem König die Schweizer Reisläufer zuführte, die er bevorzugt in seinen Herrschaften unterbrachte, in Louhans, Sainte-Croix, Mervans, Seurre, Chagny.
    1519 folgte Charles Quint auf dem römisch-deutschen Kaiserthron. Von seiner Großmutter, Maria von Burgund, erbte er die Franche-Comté und die Grafschaft Charolais, was die Feindschaft zwischen König François und Kaiser Charles Quint noch vertiefte. Sie bekriegten sich in Novara, in Flandern, in Italien, das Kriegsglück war jedoch nicht auf der Seite von François. Der Ruhm nach der gewonnenen Schlacht bei Marignano war schnell verflogen und 1522 ging die Schlacht bei Bicocca verloren, Mailand musste endgültig geräumt werden. Hingegen suchten italienische Abenteurer das Burgund und die Bresse chalonnaise heim, plünderten und brandschatzten Städte und Dörfer. Den Schlusspunkt der Italienischen Kriege bildete die Schlacht bei Pavia. François wurde zum Kaiser nach Madrid gebracht, wo er am 14. Januar 1526 den Frieden von Madrid schließen musste, der Kaiser Charles Quint den Besitz Mailands, Genuas, Neapels und des Burgunds zugestand. Zudem verlor Frankreich Flandern und das Artois. Nach seiner Freilassung widerrief François sein Einverständnis, zumal die Burgunder der Abtretung zustimmen müssten. Diese erklärten sich auf der Ständeversammlung zu allem bereit, Zahlungen, höhere Steuern, jedoch keinesfalls zum Verlassen des Königreichs Frankreich. Das Schicksal Burgunds stand auf der Kippe, der Herr von Louhans, Louis d’Orléans war inzwischen ein Gefolgsmann von Charles Quint und betrachtete seine Herrschaft als römisch-deutsches Gebiet. König François gab den Befehl, Städte und Dörfer zu befestigen. Nach weiteren Verhandlungen war Kaiser Charles Quint schließlich bereit, auf das Burgund zu verzichten. Er nahm das Angebot von François an, zwei Millionen Écus d’or als Lösegeld für die beiden Söhne zu bezahlen und am 5. August 1529 wurde dank der Vermittlung von Margarete von Österreich und Luise von Savoyen der Damenfriede von Cambrai geschlossen, der den französisch-habsburgischen Krieg beendete.
  • Für die Bresse chalonnaise war der Krieg noch nicht zu Ende. Kaiser Charles-Quint hatte zwar auf das Burgund verzichtet, wollte jedoch trotzdem so viel wie möglich für sich haben. So behauptete er, die Gebiete östlich der Saône gehörten zur Freigrafschaft und die Saône bilde die Grenze zwischen dem Kaiser- und dem Königreich. Dadurch entstand ein neuer Streit und durch die unklare Lage wurde die Bresse chalonnaise erneut belastet. Einerseits mussten sie dem König François immense Steuern entrichten, andererseits schwadronierten die kaiserlichen Truppen in der Bresse, mussten untergebracht und verpflegt werden.
    1535 beauftragte König François den Generalgouverneur des Burgunds, Philippe Chabot gegen den Herzog von Savoyen, Charles III. Krieg zu führen. Chabot marschierte in die Bresse savoyarde ein und besetzte sie weitgehend. Anschließend eroberte er Turin und große Teile des Piemont. Charles III. war der Schwiegervater von Kaiser Charles Quint und dieser machte sich deshalb auf, die Provence zu besetzen, um von dort das Königreich Frankreich zu erobern. Er wurde jedoch zum Rückzug gezwungen, da seine Armee von der Bevölkerung bedrängt und durch die Ruhr dezimiert wurde. Obwohl das Louhannais nicht direkt in den Krieg involviert war, war es Durchgangsort für die Truppen und litt unter Unruhen und Plünderungen. König François musste sich für weitere Kriege Geld beschaffen und erhöhte die Steuern. Weizen wurde requiriert und nach Chalon gebracht und zu allem Überfluss verbot 1540 der König die Verwendung von Salz aus Salins und befahl, das Salz müsse aus den königlichen Salzkammern bezogen werden.
    1538 wurde der Friede von Nizza geschlossen, wonach König François die Bresse savoyarde und das Bugey behielt, zusammen mit großen Teilen des Piemont, während der Kaiser Mailand und zwei Drittel des Herzogtums Savoyen bekam. 1542 flammte der Krieg erneut auf bis am 18. September 1544 der Friede von Crépy geschlossen wurde. Danach verzichtete König François auf seine Eroberungen in Italien, außer das Piemont, und Kaiser Charles Quint auf das Burgund. Von den Gebieten östlich der Saône war keine Rede im Vertrag und der Kaiser erhob weiterhin Anspruch auf diese Ländereien und betrachtete sie als abhängige Gebiete seiner Grafschaft Burgund.
    Am 31. März 1547 starb König François le Roi-Chevalier, der erste Renaissance-König nach 32 Jahren Herrschaft.
  • 1559 wurde unter der Herrschaft von König Henri II. der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen. Er war für Frankreich nicht sehr vorteilhaft, Italien war verloren (bis auf das Marquisat Saluzzo), die Gebiete in Savoyen und die Bresse savoyarde ebenfalls, die Grafschaft Charolais blieb als Enklave im Besitz des spanischen Königs Philipp II., so wie auch die benachbarte Franche-Comté. Frankreich verlor zudem Korsika, Luxemburg und die niederländischen Gebiete. Henri II. wollte Frieden, und er wollte sich um die innenpolitischen Probleme kümmern, insbesondere die Hugenotten.
    Seit dem Beginn der Reformation durch Martin Luther in Deutschland, wurden seine Gedanken auch in Frankreich diskutiert. König François hatte die Macht der katholischen Kirche gestärkt, gleichzeitig auch seine Adligen mit kirchlichen Pfründen versorgt. Obwohl er selber den reformatorischen Gedanken nicht abhold war, konnte er deshalb eine Schwächung der Kirche nicht zulassen. Sein Sohn, Henri II., griff als König härter durch. Nach mehreren früheren Edikten, erließ er am 2. Juni 1559 das Edikt von Écouen, wonach alle Häretiker ohne Untersuchung und Berufung mit dem Tod zu bestrafen seien, deren Ketzerei durch kirchliche Richter festgestellt worden war. Damit wurde die rechtsstaatliche Rechtsprechung umgangen, dennoch ließ sich der Protestantismus nicht eindämmen.
    Besonders im Mâconnais, im Chalonnais und in der Bresse verbreitete sich das protestantische Gedankengut, dem nicht nur einfache Bauern, sondern auch Adlige vermehrt anhingen. In Schlössern und in den Städten wurde gepredigt. In Mâcon wollte Antoine Dumoulin, ein Schüler von Guillaume Farel, offen die Reformation predigen, wurde jedoch verhaftet, nach Paris geführt und lebendigen Leibes verbrannt. In den betroffenen Gegenden herrschte Bürgerkrieg und die religiösen Leidenschaften drohten die Region in Brand zu setzen.
  • Im Jahr 1562 begannen die Hugenottenkriege (guerres de religion), die bis 1598 dauerten. Im August 1562 hatte der protestantische seigneur de Poncenat, François de Boucé, Tournus belagert und den Katholiken entrissen. Anschließend verwüstete er das Mâconnais und plante, Louhans zu erobern, um darnach Chalon anzugreifen. Louhans war Tag und Nacht in Alarmbereitschaft, die Stadt stand unter dem Kommando von de la Borderie, Herr von La Tournelle. Am 11. August 1562 stand die protestantische Armee mit 200 Pferden vor Louhans und verlangte die Übergabe der Stadt, andernfalls würden die Bewohner hingerichtet und die Stadt in Asche gelegt.
    Die Armee von François de Boucé bestand zum Teil aus Reisläufern, die von König François II. angeworben waren und sich deshalb in der königlichen Armee glaubten. Einer der Anführer in der protestantischen Armee war ein Claude Crestin, gebürtig von Louhans, der nach Chalon verzogen war und dort Échevin wurde. Crestin war Protestant geworden und hatte sich der protestantischen Armee angeschlossen, seine katholische Familie lebte jedoch weiterhin in Louhans. Die Stadtbevölkerung – weit entfernt davon, sich zu ergeben – drohte Crestin, seinen Vater auf die Stadtmauer zu stellen und dem Kanonenfeuer auszusetzen. Crestin zog sich mit seinen Truppen zurück. Eifrig verstärkte die Stadtbevölkerung die Befestigungen und am 17. August standen erneut protestantische Truppen vor der Stadt. Der Kommandant selbst, Seigneur de Poncenat war angerückt mit etwa dreihundert Pferden, zwölfhundert Fußsoldaten und drei Feldgeschützen. Die Stadtbevölkerung schlug sich tapfer und fügte den Belagerern große Verluste zu. Am 18. August zogen die Belagerer wieder ab, Poncenat kehrte nicht mehr zurück, hingegen verwüsteten sie Romenay, plünderten das Schloss und die Kirche, die sie samt dem Spital verwüsteten. Ähnlich erging es Beaurepaire, wo das Schloss belagert wurde.
    Jedoch war auch das Land zerrissen, geteilt in Katholiken und Protestanten, die sich vehement bekriegten. Die Steuerbelastung war hoch, damit die Pferde und Soldaten gefüttert werden konnten und das Land «wo es weder Ochsen zum Pflügen, noch Getreide zum Säen gab»[7] war ausgelaugt und verwüstet.
  • Marschall von Frankreich wurde 1570 Gaspard de Saulx, seigneur de Tavannes, einer der fanatischsten Köpfe der katholischen Partei. Demgegenüber war Louis I. de Bourbon, prince de Condé ab 1559 der militärische Führer der Hugenotten. Er heiratete 1565 in zweiter Ehe Françoise d’Orléans-Longueville, wodurch er Seigneur wurde von Louhans, Mervans, Simard, Ormes und weiteren. Der Prince de Condé erließ die Missive an seine Einwohner, sie mögen friedlich zusammenleben, jeder nach seiner Religion, wogegen der Seigneur de Tavannes nichts unterließ, um die Calvinisten auszurotten. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie gespalten die Bevölkerung war, immer bereit, die Waffen in die Hand zu nehmen und den religiösen Feind zu bekämpfen.
    Dennoch blieb die Bresse chalonnaise während des Zweiten Hugenottenkrieges weitgehend verschont. Nur die Gemeinden Cuisery und Romenay wurden durch die Hugenotten geplündert und verwüstet. Die großen Kampfhandlungen fanden im Westen Frankreichs statt, bis am 23. März 1568 der Friede von Longjumeau geschlossen wurde.
  • Auch der Dritte Hugenottenkrieg fand im Westen Frankreichs statt, die Bresse louhannaise blieb von Kampfhandlungen verschont. Mit dem Frieden von Saint-Germain endete am 8. August 1570 der Dritte Hugenottenkrieg. Der Friede war kurz, am 23. August 1572 beschloss der königliche Rat, Gaspard II. de Coligny, den Admiral de France und Hugenottenführer, zu ermorden. Während und nach der Bartholomäusnacht wurden Tausende von Hugenotten umgebracht. In der Bresse louhannaise begnügte man sich damit, die Protestanten gefangen zu setzen und zu beobachten, bis neue Befehle vom König Charles IX. kämen.
    Die weiteren Hugenottenkriege hinterließen in der Bresse louhannaise keine großen Spuren, da es sich weitgehend um politische Auseinandersetzungen handelte und weniger um religiöse. Zudem waren wichtige Städte und Orte im Besitz von Protestanten, wie Louis und später Henri I. de Bourbon-Condé oder Theode Bouton, der durch Heirat Herr von Châteaurenaud wurde. Châteaurenaud war, zusammen mit Sainte-Croix, ein protestantisches Zentrum, wohin die Protestanten von Chalon reisten, um ihre Kinder taufen zu lassen.
  • Die Hugenottenkriege verschonten die Bresse louhannaise weitgehend, wenigstens mit großen Schlachten. Während der ganzen Dauer mussten natürlich Soldaten gestellt werden und auch die Steuerbelastung kannte nur eine Richtung. Nach dem Ende des Siebten Hugenottenkrieges, 1580, suchten erneut Abenteurer, ehemalige Soldaten und Söldner die Bresse chalonnaise heim. Ganze Banden streiften durch die Gegend und bedienten sich mit allem, wonach sie Lust hatten. Die Städte und Dörfer schlossen die Tore, schoben Wache und versuchten, sich der Einfälle zu erwehren. Im März 1581 richtete eine Überschwemmung großen Schaden in Louhans an. Die Stadtmauer wurde auf einer Länge von 30 Toises (etwa 60 Meter) beim Vorort Bordes von unten bis oben weggeschwemmt. Dadurch war die Stadt nach Süden schutzlos. Die Stadt erhielt den Befehl, die Mauern umgehend auf ihre Kosten zu reparieren. Kurz darauf verlangte Chalon-sur-Saône von der Bevölkerung von Louhans sich an den Kosten der Reparatur ihrer Befestigungen zu beteiligen. Louhans verweigerte die Zahlung und der Échevin Philibert Guillemot wurde festgenommen, bis der königliche Rat die Stadt von der Zahlung von 22 1/3 Ecus befreite.
    Die Lage in der Bresse chalonnaise war so katastrophal, dass der Gouverneur des Herzogtums Burgund, Claude de Lorraine, duc d’Aumale den Befehl an seine «Hauptleute, Chefs und Führer von Einheiten, Leutnants, Fähnriche, Quartiermeister, Furiere, zu Fuß und zu Pferd, welcher Nationalität sie seien und ob auf dem Durchmarsch oder in der Garnison» erteilte, dass die «Häuser, Ländereien und Herrschaften von Louhans, Mervans und Sainte-Croix und deren zugehörigen Gebiete keine Truppen unterzubringen hätten, dass keine Nahrungs- und Futtermittel mitzunehmen oder wegzunehmen und die Einwohner der genannten Orte nicht zur Zahlung von Munition, Steuern oder Abgaben jeglicher Art zu zwingen seien».
  • 1585 begann der Achte Hugenottenkrieg, der bis 1598 dauern sollte, und bei dem es vor allem um die Thronfolge ging. Nach dem salischen Erbrecht war Heinrich III. von Navarra der Thronfolger – jedoch war er ein Hugenotte und wollte nicht zum Katholizismus konvertieren. Seine Nachfolge wurde deshalb nur von einigen Provinzen anerkannt. Henri I. de Lorraine, duc de Guise aktivierte die Katholische Liga erneut, um den rein katholischen Standpunkt durchzusetzen. Der rechtmäßige Thronfolger, Henri IV. le Bon erhielt Unterstützung von England, Holland und Deutschland, die ihm auch Truppen sandten. Die Liga hingegen wurde verstärkt durch Spanien und Italien. So fand im französischen Burgund eigentlich ein blutiger, europäischer Religionskrieg statt.
    Louhans verhielt sich grundsätzlich königstreu, weshalb Charles-Emmanuel de Savoie-Nemours, Herzog von Nemours und einer der Anführer der katholischen Liga, am 1. August 1591 die Stadt angriff und umgehend eroberte, da sie seiner Artillerie nichts entgegenzusetzen hatte. Die Häuser wurden geplündert, das Vieh entführt und ein Lösegeld von 4000 Écus festgesetzt. Zudem hatte die Stadt während zwei Monaten fünf Kompanien unterzubringen und zu verpflegen.
    Der Herzog von Nemours verließ die Stadt am folgenden Tag, um Romenay zu belagern, das ebenfalls königstreu war. Schließlich begab er sich nach Autun, um Jean VI. d’Aumont, den Marschall von Frankreich von dort zu vertreiben. Dieser floh mit seinen Truppen quer durch die Bresse chalonnaise nach Louhans, um die Stadt erneut zu belagern. Am 22. Oktober 1591, nach einigen Tagen ergaben sich die Verteidiger und die Stadt wurde einmal mehr in einen erbärmlichen Zustand versetzt.
    Nach der Einnahme von Louhans begab sich der Marschall d’Aumont mit seinen rund 3000 Mann – Deutsche Reiter, Reisläufer und Franzosen – nach Saint-Julien-sur-Reyssouze, das sie ohne einen Schuss eroberten. Anschließend zogen sie weiter nach Romenay, das ohne Widerstand genommen wurde und schließlich nach Cuiseaux, das sich ebenfalls ergab. Die Hugenotten verzichteten darauf, die letztgenannten Orte zu plündern und zu verwüsten.
    Am 19. November 1591 standen die katholischen Ligisten vor den Toren von Romenay. Der Hauptmann Grenoble sah schnell, dass er der angerückten Artillerie nichts entgegenzusetzen hatte und übergab die Stadt. Er wurde gefangen gesetzt und die Stadt geplündert – mitsamt dem Messgeschirr und den Reliquien – und zerstört und Männer, Frauen und Mädchen hatten keine gute Zeit. Im Anschluss zogen sie nach Louhans, das sie offen und leer vorfanden, also zogen sie nach Cuiseaux und letztlich nach Sainte-Croix, das sie wie alle anderen Orte plünderten, ausraubten und das Vieh stahlen.
    Baron de Thianges kasernierte seine Truppen in Louhans und nahm das Schloss von Savigny-en-Revermont in Besitz. Von hier aus unternahmen die Soldaten ihre Streifzüge und verübten Gräueltaten an der Bevölkerung. Nicht zuletzt wurde das Schloss der de Vienne in Louhans geschleift. Abbé Agut, als Chronist, erwähnt lakonisch, dass «der Heilige Geist nicht der ausschlaggebende Berater der Heiligen Liga» gewesen sei. Zu Weihnachten 1591 verließ Thianges die Stadt und im Februar 1592 traf ein Regiment der Liga ein, das mit der Instandstellung der Stadtmauern begann.
    1592 wurde Jean de Saulx-Tavannes, der dritte Sohn von Gaspard de Saulx, Lieutenant de Bourgogne. Er ist leidenschaftlicher Katholik, einer der Anführer der katholischen Liga und wurde 1594 Marschall von Frankreich. Ihm gegenüber stand Guillaume de Saulx-Tavannes, sein älterer Bruder, der Vizelieutenant de Bourgogne war. Guillaume war zwar ebenfalls katholisch und vor allem stand er treu zum hugenottischen König Henri IV. Die beiden Brüder bekriegten sich im Burgund, raubten und plünderten, bis die Gegend nahezu unbewohnbar war. 1592 waren die meisten Einwohner von Bellevesvre, samt ihrem Pfarrer in Verdun-sur-le-Doubs. Jean de Saulx-Tavannes war im September in Cuisery, einige Tage später belagerte er Verdun-sur-le-Doubs, das von Héliodore de Thiard de Bissy verteidigt wurde.
    Die katholische Liga begann langsam zu schwächeln. Um seinen Sieg zu vervollständigen, und vor allem um die Belagerung von Paris zu entscheiden, entschloss sich der König Henri IV. dem Protestantismus abzuschwören und zum Katholizismus zu konvertieren («Paris ist eine Messe wert»). Daraufhin kamen die Parteien überein, die Waffen schweigen zu lassen, der König amnestierte diejenigen, die die Liga verließen und am 27. Februar 1594 wurde Heinrich gesalbt und gekrönt. Eine Stadt nach der anderen erklärte sich königstreu – jetzt also katholisch, Lyon, Mâcon, Cluny, Tournus, im Mai 1594 folgte auch Louhans. Die Feindlichkeiten setzten sich zwar fort, einige Anführer wollten nicht nachgeben. Die Spanier aus der Franche-Comté brannten das Schloss von Lays-sur-le-Doubs nieder, die Reste der Ligisten beraubten und zerstörten das Schloss von Longepierre. Im Juni 1595 fand noch die Schlacht bei Fontaine-Française statt, die der katholischen Liga den Todesstoss versetzte. Am 2. Mai 1598 wurde der Friede von Vervins geschlossen.
  • Im Jahr 1595, gegen das Ende des Achten Hugenottenkrieges ereignete sich ein weitgehend unbekannter Feldzug mit einiger Wichtigkeit für die Bresse louhannaise: Die Expedition in die Franche-Comté[8]
    Die Integration der Franche-Comté in das Königreich Frankreich war ein ständiger Wunsch der Könige. Ihr Ziel war, die frankophonen Gebiete im Königreich zu integrieren. Dass die Franche-Comté zudem im Besitz der Habsburger war, war für die französischen König ein dauerndes Ärgernis.
    Am 17. Januar 1595 erklärte König Henri IV. dem König von Spanien, Philipp II., Graf von Burgund, offiziell den Krieg. Unter Missachtung der Tatsache, dass die Franche-Comté neutral war, versuchte Henri IV. diese zu erobern.
    Bereits im Februar 1595 beauftragte er seine Truppenführer Jean d’Haussonville und Louis de Beauveau de Tremblecourt, den nördlichen Teil der Franche-Comté einzunehmen. Bei Jonvelle marschierten 4000 bis 5000 Mann in die Franche-Comté ein, eroberten die Orte im Gebiet der Haute-Saône, um Vesoul zu belagern, das sich am 13. Februar ergab. Von dort drangen sie weiter nach Südwesten vor und hielten Gy und Marnay. Jean d’Haussonville setzte die Eroberungen im Süden bis Besançon und Salins-les-Bains fort.
    Nach der Schlacht bei Fontaine-Française sollte Maréchal Biron, Gouverneur des Herzogtums Burgund, den südlichen Teil der Franche-Comté einnehmen. Am 9. April 1595 nahm Biron das Schloss von Le Fay und führte von dort Überfälle in der Franche-Comté aus. Er wurde unterstützt durch Truppen in Verdun-sur-le-Doubs, Authumes und Bellevesvre. Ein Kommandant de Bère wollte gleichzeitig Saint-Amour einnehmen, wurde jedoch von den Einwohnern zurückgeschlagen. Er wandte sich nach Château-Chalon, das er einnahm, jedoch in der Nacht vom 18. auf den 19. Mai durch die Einwohner von Poligny vertrieben wurde. Er zog sich nach Louhans zurück, verfolgt von den Franche-Comtois, die in der Bresse louhannaise ordentlich Schaden anrichteten. Nach der Schlacht bei Fontaine-Française begab sich auch König Henri IV. mit dem Hauptharst seiner Armee in die Franche-Comté. Er nahm Champlitte und Gray und gemeinsam mit seinen Truppenführern malträtierte er den gesamten Süden der Franche-Comté. Der König schlug sein Hauptquartier in Montigny-lès-Arsures auf und belagerte Arbois, das sich heldenhaft verteidigte. Salins-les-Bains ließ sich ebenfalls nicht einschüchtern und langsam realisierte der König, dass ihm die Einnahme der Franche-Comté wahrscheinlich nicht gelingen würde. Poligny wurde am 12. August 1595 eingenommen und bezahlte ein Lösegeld von 20.000 Écus. Am 15. August wurde Arlay eingenommen und verwüstet. Der König zog weiter nach L’Étoile und Lons-le-Saunier, das sich ergab, nachdem ein Vorort in Asche gelegt wurde. Am 19. August erholten sich die Truppen in Cuiseaux, bevor sie nach Saint-Claude weiterzogen. Nun gesellten sich weitere 6000 Mann unter Charles de Lorraine, duc de Guise zur königliche Armee. Gemeinsam wurde das Schloss von Beaufort belagert und eingenommen, anschließend Cressia, Orgelet, Montfleur und weitere Orte, bis zum Kloster Gigny.
    Die Spanier ließen sich in keine Schlacht ein, erst im September 1595 tauchten die ersten spanischen Truppen auf, denn sie hielten sich lieber zurück. Der König wurde zu anderen Geschäften gerufen und wollte keine Auseinandersetzung mit den Eidgenossen, die die Neutralität der Franche-Comté garantierten. Also zog er sich mit dem Großteil seiner Truppen aus dem Gebiet zurück, die Taschen voller Geld. Er ließ Jean d’Haussonville mit einer kleinen Garnison in Lons-le-Saunier, die einen Angriff der Spanier leicht abwehrten. Schließlich gab der König sein Vorhaben ganz auf und auch Jean d’Haussonville zog sich nach Louhans zurück, nachdem er noch 2000 Écus erpresst hatte und in Begleitung von 12 Ehrenmännern, die während dreier Jahre in Chalon gefangen gehalten wurden.
    Durch diese Expedition in die Franche-Comté wurde somit nichts erreicht, außer immense Schäden, zerstörte Schlösser und Dörfer, geplünderte und verbrannte Dörfer und ein riesiger Hass der Freigräfler auf die Franzosen. Ausschlaggebend für die Expedition war auch nicht die Meinung des weisen königlichen Beraters, Maximilien de Béthune, duc de Sully, sondern die Gelüste der Mätresse des Königs, Gabrielle d’Estrées, die sich erhoffte, dass einer ihrer Bastarde Herrscher über die eroberten Gebiete werden könnte.
  • Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis verlor das Königreich Frankreich die Besitzungen in Italien, bis auf das Marquisat Saluzzo. Während den Hugenottenkriegen nutzte Karl Emanuel I., Herzog von Savoyen, die Kriegswirren, um sich 1588 des Marquisat Saluzzo zu bemächtigen. Die Rückgabe wurde immer wieder aufgeschoben, als sich im Jahr 1600 der Herzog erneut weigerte, die Herrschaft an Henri IV. zurückzugeben, marschierte dieser in Savoyen ein. Gleichzeitig marschierte Maréchal Biron im August 1600 mit seinen Truppen in der Bresse savoyarde ein, belagerte Bourg-en-Bresse und plünderte die Stadt. Der Herzog von Savoyen hatte dem nichts entgegenzusetzen und bat um Frieden. Am 17. Januar 1601 wurde der Vertrag von Lyon geschlossen, wonach Saluzzo bei Savoyen verblieb, hingegen die Gebiete Valromey, Bugey, Bresse und Pays de Gex (faktisch das Département Ain, mit Ausnahme der Dombes) zum Königreich Frankreich kamen.
    Der Ausgang dieser Expedition war für König Henri IV. vorteilhaft. Er gewann im Osten namhafte Gebiete dazu, die Lyon gegen Italien und die Schweiz abdeckten, die Bresse louhannaise hatte lediglich noch die Ostgrenze gegen die spanische Franche-Comté.

Die Bresse louhannaise beim Jahrhundertwechsel 16./17. Jahrhundert

  • Nach all den kriegerischen Handlungen im Verlauf des 16. Jahrhunderts waren die letzten Jahre und die ersten Jahre des 17. Jahrhunderts verhältnismäßig friedlich. Der König Henri IV. hatte seine Ziele weitgehend erreicht und durch die Aufklärung machte sich auch die Gewissensfreiheit langsam breit. Letztlich ging der König als Henri le Bon, der Gute in die Geschichte ein.
  • Am 14. Mai 1610 wurde Henri le Bon in Paris durch François Ravaillac mit drei Messerstichen ermordet. Das Königreich war erschüttert und in den Gemeinden wurden Trauergottesdienste abgehalten. Leider war mit diesem Königsmord die Zeit des Friedens wieder vorbei.
  • Louhans mit seiner Lage an der Seille hatte sich schon lange um zwei Verbesserungen bemüht: eine eigene Bailliage und die Schiffbarmachung der Seille. 1595 hatte König Henri IV der Stadt eine eigene Bailliage versprochen, als Dank für ihre Treue und Hingabe zum König. Die Funktionäre in Chalon widersetzten sich jedoch dem Vorhaben. 1605 wurden die Vertreter Louhans in Paris vorstellig und beschrieben den komplizierten Weg, den sie regelmäßig zurückzulegen hätten, um zur Bailliage nach Chalon zu gelangen – erfolglos. Weitere Bestrebungen wurden 1691 und 1768 vergeblich eingeleitet, erst die Französische Revolution brachte eine Verbesserung mit der Schaffung des District von Louhans, der später zum Arrondissement wurde.
  • Für die Schiffbarmachung der Seille wären drei Schleusen notwendig gewesen, wie der Grand maître des Eaux et Forêts feststellte, was Kosten von etwa 10.000 Livres verursacht hätte. Die Louhannais beantragten beim König die Ausführung dieses Projektes, die Standesvertreter lehnten das Vorhaben jedoch ab und Louhans fehlten die eigenen Mittel.
    Es folgten weitere Versuche, 1661 durch Louis Henri de Bourbon-Soissons. 1777 beschloss der Conseil du Roi erneut die Ausführung für 122.000 Livres. Die letzten Arbeiten wurden schließlich 1830 ausgeführt, doch schon 1810 verkehrten rund 400 Schiffe. 1861 wurden 49.126 Tonnen Waren transportiert, 1976 jedoch wurde der Warentransport auf der Seille endgültig beendet[9].
  • Zu Beginn des 17. Jahrhunderts litt Louhans weiter unter den finanziellen Lasten. Mit zunehmender Wichtigkeit des Ortes stiegen auch die Kosten. Es bestanden erhebliche Schulden aus den Bürgerkriegen und den Lösegeldzahlungen an den Duc de Nemours von 1591. Am 14. März 1603 genehmigte der König durch Patentbrief die Erhebung von Octrois während sechs Jahren, das war eine Art von Zoll auf Waren, die in die Stadt eingeführt wurden[A 7] Das Recht Octrois zu erheben wurde 1609 nochmals verlängert. Dennoch gelang es der Stadt nicht, ihre Schulden loszuwerden, die sich 1665 immer noch auf 24.000 Livres beliefen, zuzüglich 3679 Livres an aufgelaufenen Zinsen.
  • Während die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts für die Landwirtschaft einen relativen Wohlstand brachte, litt sie umso mehr in der zweiten Hälfte. Die wachsende Bevölkerung steigerte die Nachfrage und ließ die Preise steigen. Grund und Boden konnten erworben und vererbt werden. doch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts brachten die Hugenottenkriege überall Verwüstung. Die fruchtbaren Flächen und die Ernten wurden verwüstet und gestohlen, von Protestanten und Katholiken, später von Roylisten und Ligisten. Der Durchmarsch feindlicher oder befreundeter Truppen belastete die Bauern, die schon von den königlichen Steuern und den grundherrlichen Abgaben ausgeblutet waren. Es konnte oftmals nicht gepflügt werden, mangels Ochsen und Pflügen und nicht gesät mangels Sämereien. Die Straßen und Wege waren nicht unterhalten, waren sumpfig und erschwerten den Transport. Während der Expedition in die Franche-Comté 1595 wollte der König von Saint-Maour nach Pont-de-Vaux. In Jayat war jedoch der Boden derart sumpfig, dass auch der König nicht weiterkam und er dort übernachten musste. In Jayat besteht noch heute der «Weg des königlichen Palastes».
    Der weise Maximilien de Béthune, duc de Sully der seit 1597 an der Spitze des Finanzhaushaltes stand, stellte fest: «Pflügen und Weiden sind die Milchzitzen des Staates». Seit 1595 war es untersagt, den Bauern den Pflug und die Ochsen zu pfänden, ein Edikt von 1597 befahl den Offizieren, Soldaten zu bestrafen, die ohne königlichen Auftrag Felder verwüsteten und 1598 wurde das Waffentragen verboten, außer den Soldaten im Dienst und den Herren auf ihrem Land. Die Steuern, unter denen der Bauernstand in besonderem Maße litt, wurden verringert, die Erhebung war jedoch weiterhin mit viel Willkür verbunden. Im März 1600 wurde die Zahl der Steuerpflichtigen erhöht, indem die früheren Aneignungen von Adelstiteln und die damit verbundenen Steuerbefreiungen widerrufen wurden. 1601 schließlich wurde der Getreideexport generell wieder erlaubt. Der Duc de Sully ließ die Straßen instandstellen und Alleen anlegen (Die Linde bei der Kirche von Sagy scheint noch auf diese Maßnahme zurückzugehen). Zudem ließ er Sümpfe und Auen trockenlegen um Landwirtschaftsland zu gewinnen.
    Die Landwirtschaft profitierte zudem von neuen Produkten: die Rande wurde aus Italien eingeführt, die Luzerne erlaubte eine Verbesserung des Viehfutters und Tabak gelangte Mitte des 16. Jahrhunderts nach Frankreich und war bereits so verbreitet, dass er 1629 mit Abgaben belastet wurde. Ebenfalls in der Mitte des 16. Jahrhunderts begann der Anbau von Mais, genannt turquis, der in der Gegend der Bresse louhannaise so verbreitet war, dass die Bewohner als ventres jaunes – Gelbbäuche – bezeichnet wurden[10]. Ebenfalls neu war der Anbau von Buchweizen, dem blé sarrasin. Mais und Buchweizen eigneten sich vor allem für den Anbau auf der Brachzelg, zusammen mit der Rübe. Daneben lieferte die Bresse louhannaise große Mengen an Hanf, der für mannigfaltige Zwecke verwendet werden konnte.
    Bekannt war die Bresse louhannaise für ihre Pferde, vor allem aus der Gegend von Pont-de-Vaux, damals auch für Wein, der zwar nicht so gehaltvoll war wie derjenige aus dem Chalonnais oder dem Mâconnais – doch immerhin ganz ordentlich. Die Gegend lieferte seltene Früchte, schönes Vieh und massenhaft Schweine. Zudem war sie bekannt für ihre feinen Fische, riesige Hechte und außergewöhnliche Karpfen, zudem Käse, Wildbret, Kapaune und Puten. Industrie und Handel beschränkten sich auf landwirtschaftliche Produkte, Vieh- und Getreidehandel, sowie eine kleine Textilproduktion. Die Handelsplätze waren vor allem Louhans, das bereits seinen Markt am Montag hatte, dazu kamen die Messen in Cuiseaux, Cuisery, Mervans, Branges, Châteaurenaud, Bellevesvre, die oft mehrere Tage dauerten.

Die Bresse louhannaise im 17. Jahrhundert

Das Königshaus im 17. Jahrhundert

Nach der Ermordung von König Henri IV. am 14. Mai 1610 erbte sein neunjähriger Sohn Louis XIII. (* 27. September 1601, † 14. Mai 1643) den Thron. Er war das älteste Kind von Henri IV. und seiner zweiten Ehefrau, Maria de’ Medici (* 26. April 1575, † 3. Juli 1642). Seine Mutter wurde wegen seine Minderjährigkeit als Regentin eingesetzt. Als Louis XIII. sechzehnjährig war, riss er die Macht an sich und schickte seine Mutter nach Blois in die Verbannung. 1624 ernannte Louis XIII. Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu zum Premier ministre wodurch dieser die französische Politik weitgehend bestimmte. Am 21. November 1615 heiratete Louis XIII. durch Vermittlung seiner Mutter die habsburgische Erzherzogin Anna Maria Mauricia von Österreich (* 22. September 1601, † 20. Januar 1666), mit der er sechs Kinder hatte, wobei die ersten vier tot geboren waren oder nach wenigen Tagen starben. Erst 1638 und 1640 kamen zwei überlebende Söhne zur Welt.

Louis XIII. le Juste starb nach zwei Jahren des Leidens an Darmproblemen am 14. Mai 1643 und überließ den Thron seinem älteren Sohn Louis XIV. (* 5. September 1638, † 1. September 1715). Louis XIV. le Grand oder le Roi-Soleil (der Sonnenkönig) wurde im Alter von vier Jahren König, stand jedoch unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich. Als regierender Minister amtierte noch Kardinal Richelieu, der 1642 starb. Seine Nachfolge trat Kardinal Mazarin an, der zugleich Pate des jungen Königs war und seine Erziehung maßgeblich beeinflusste. Louis XIV. wurde 1651 für volljährig erklärt, damit endete die Regentschaft seiner Mutter und Kardinal Mazarin wurde fast unumschränkter Herrscher. Am 7. Juni 1654 erfolgte die Krönung und Salbung des Königs, der die Regierungsgeschäfte tatsächlich erst nach dem Tod von Kardinal Mazarin 1661 übernahm.

Louis XIV. heiratete 1660 Maria Teresa von Spanien, mit der er sechs legitime Kinder hatte. Die Kinder starben jedoch alle nach wenigen Tagen oder in jungen Jahren. Obwohl seine Gesundheit sehr schlecht war, starb Louis, le Roi-Soleil erst 1715 im Alter von 77 Jahren und 72 Jahren als König.

Der Zehnjährige Krieg in der Franche-Comté

In der Zeit von 1635 bis 1659 fand der Französisch-Spanische Krieg statt, der als Teil des Dreißigjährigen Krieges gilt, jedoch die Bresse louhannaise besonders betraf. Französische Historiker bezeichnen die Phase von 1634 bis 1644 als Guerre de dix ans (Zehnjähriger Krieg). Der Sieg der Franzosen in der Schlacht bei Les Avins (20. Mai 1635 im heutigen Belgien gegen die Spanier) wurde in Louhans und im übrigen Burgund mit Freudenfeuern gefeiert. Unter dem Druck von Kardinal Richelieu war Frankreich gegen Spanien und den römisch-deutschen Kaiser in den Krieg eingetreten. Bereits 1631 war Gaston de Bourbon, duc d’Orléans in die Freigrafschaft geflüchtet um von dort das Burgund anzugreifen. Nun zog sich auch Charles de Lorraine, duc de Guise, der sich mit dem König überworfen hatte, in die Franche-Comté um Truppen aufzustellen. Von dort aus führte er Überfälle aus auf das Burgund und die Champagne. Louhans versuchte 1635 eifrig, die Stadt zu schützen, stellte die Wassergräben instand und bot die Kompanie der Arkebusiere auf.

Im Mai 1636 gab der König dem Gouverneur des Burgund, Louis II. de Bourbon, prince de Condé den Befehl, in die Freigrafschaft einzudringen. Die Generalstände hatten sogar außerordentliche Subsidien für dieses Unternehmen beschlossen, in der Hoffnung, die beiden Burgund endlich zu vereinen. Die Bevölkerung der Freigrafschaft wollte diese Vereinigung zwar nicht. Spanien behandelte sie rücksichtsvoll, so dass dieser Wunsch gar nicht aufkam.

Der Prince de Condé eroberte einige kleine Orte, ohne einen Schuss abzugeben und machte sich an die Belagerung von Dole. Die Bevölkerung widerstand jedoch der Armee von 20.000 Mann Infanterie, 8000 Pferden und Artillerie während 80 Tagen und nachdem die französischen Truppen andernorts dringend benötigt wurden, wurde die Belagerung am 8. August 1636 eilig abgebrochen.

Kaum waren die französischen Truppen abgezogen, griffen die Kaiserlichen und die Freigräfler das Burgund an. Die Armee des Prince de Condé führte einige Rückzugsgefechte, war jedoch dem Angriff von zwei Seiten nicht gewachsen. Gérard de Watteville aus der berner Patrizierfamilie von Wattenwyl, war Kommandant der spanischen Truppen in der Freigrafschaft und zusammen mit seinem Sohn, Jean Charles de Watteville, Graf von Bussoleno brannten sie darauf, in Frankreich einzumarschieren und «in der Bresse zu tanzen». Am 16. August eroberten sie Cuiseaux. De Watteville nahm 300 Franzosen, 200 Pferde und Lebensmittel für drei Monate mit und setzte den Feldzug in der Bresse mit einer Reihe von Scharmützeln und Eroberungen fort. Guillaume de Lamboy und Adam Forgach mit 16.000 Mann vergnügten sich mit Rauben und Plündern die Zeit entlang des Doubs, bis General Gallas eintraf, um sich mit Charles de Lorraine, duc de Guise zu vereinen. Der Duc de Guise wollte sich an Frankreich rächen und hatte auf seine Fahnen geschrieben: «Frappe fort, prends tout et ne rends rien» (Schlag hart zu, nimm alles und gib nichts zurück).

Man kann sich das Leiden in der Bresse chalonnaise nur schwer vorstellen. Lamboy und Forgach massakrierten die Bewohner der Dörfer entlang des Doubs. Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und die Häuser niedergebrannt. In Frontenard entging nur ein einziges Haus dem Feuer. Die Bewohner hatten sich in den Wäldern versteckt, die Kaiserlichen versuchten sie mit Finten herauszulocken, um sie auf offenem Feld zu massakrieren (16. August 1636). Die Einwohner von Navilly flüchteten nach Pontoux, wo schließlich alle umgebracht wurden, Ciel wurde niedergebrannt, ebenso Verjux und Bragny-sur-Saône. Verdun-sur-le-Doubs versuchte Widerstand zu leisten, wurde jedoch mit über 10.000 Mann angegriffen und musste sich am 17. August 1636 ergeben. Die Einnahme von Verdun löste im Burgund Bestürzung aus. Von Chalon, Tournus und Mâcon zogen sich Flüchtlingsströme nach Lyon, die Bewohner der Bresse zogen sich in die Wälder zurück und errichteten unterirdische Behausungen in den geleerten Étangs. Louhans verstärkte seine Bemühungen, die Stadt zu schützen, mehrere Kompanien wurden in der Stadt untergebracht.

Schließlich traf General Gallas mit der kaiserlichen Armee von 20.000 Mann ein und vereinigte sich mit Lamboy, der in Verdun geblieben war und dem Duc de Guise. Eine Armee von 30.000 Mann, gut gerüstet mit Munition und Artillerie begab sich Richtung Burgund und begann am 25. Oktober 1636 die Belagerung von Saint-Jean-de-Losne. Das Wetter war schlecht, Dauerregen, die Losnois leisteten erbitterten Widerstand und nach 10 Tagen musste sich die Armee von General Gallas hastig zurückziehen, mehrere Kanonen blieben im Sumpf stecken und die Pest forderte ihre Opfer. General Gallas führte nur noch 10.000 Mann, ein Drittel seines ursprünglichen Bestandes, zurück in die Freigrafschaft, um dort den Winter zu verbringen.

Die kaiserlichen Soldaten, so wie Angehörige anderer Armeen, erhielten keinen Sold, der Unterhalt der großen Bestände und insbesondere der Kavallerie, wäre unbezahlbar gewesen. Die Kommandanten schickten deshalb ihre Leute aus, sie sollen sich bei den Einwohnern holen, was gebraucht wurde. Unter diesem System litt zum einen die Freigrafschaft, zum anderen die Bresse louhannaise in besonderem Maße. Entlang des Doubs, der Ostgrenze und im Süden bis vor Louhans wurde geplündert, geraubt, massakriert und geschunden. Die ausgesandten Soldaten hatten ihre Beute ihren Kommandanten abzuliefern, die damit ausführlich tafelten und in unvorstellbarem Luxus lebten. Eine Bestrafung der Soldaten war undenkbar… sie hatten ja auf Befehl gehandelt.

Am 16. November 1636 sollten französische Truppen eintreffen, um die Bresse louhannaise zu schützen. Zwei Infanteriekompanien des Régiment de la Force wurden in Louhans kaserniert bis Mitte des Jahres 1637, dazu kam eine Kavallerieschwadron im Dezember 1636. Die Truppe unternahm Ausfälle gegen die Freigräfler, im Übrigen waren sie mit Ausbesserungen an den Befestigungen beschäftigt und mit Wachdienst in der Stadt. Um die Kosten zu decken, musste sich Louhans mit weiteren 1600 Livres verschulden.

Zu Jahresbeginn 1637 flammte der Krieg erneut auf. De Watteville hatte Verstärkung angefordert, er verfügte nun über rund 3000 Mann, in Courlaoux lagerte Kavallerie mit der Order, sich ruhig zu verhalten und den Feind zu beobachten. Danach führte er Streifzüge entlang des Doubs aus, nach Fretterans, Lays-sur-le-Doubs, Charette. Am 6. Januar näherte er sich Pierre mit 200 Pferden und forderte den Kommandanten François de Chanteret auf, sich zu ergeben. Die Festung widerstand jedoch dem Feind, der sich zurückziehen musste. Auf dem Weg verwüsteten die Angreifer La Chapelle-Saint-Sauveur und setzten die Kirche in Brand. De Watteville besetzte am 22. Januar 1637 Cuiseaux und verschob sich wieder nach Norden um Chaussin zu erobern. Dabei besetzte er das Schloss Authumes am 24. Januar, bereits am folgenden Tag eroberte es Chanteret mit 400 Soldaten zurück, die Freigräfler konnten lediglich noch das Dorf anzünden. Am 28. Januar eroberten sie das Städtchen Bellevesvre und setzten es teilweise in Flammen. Bei der Gelegenheit stahlen sie die Kirchenglocken und die Turmuhr und brachten sie nach Bletterans.

Die Schlacht bei Savigny-en-Revermont

Das eigentliche Ziel de Wattevilles war Louhans, doch dafür musste er erst Savigny-en-Revermont erobern. Am 8. Februar 1637 verließ seine Armee Lons-le-Saunier. Ein erstes Geplänkel mit den Franzosen fand in Condamine statt. Die Franzosen hielten eine Mühle an der Vallière, die im Handstreich erobert wurde. Um 14 Uhr erreichte de Watteville die Barrikaden um Savigny-en-Revermont. Der Kavalleriehauptmann Emskerque d’Antorpe rekognoszierte das Gelände und fand ein kleines Tälchen, das mit Gebüsch bewachsen und nicht bewacht war. Die Pioniere erweiterten den Durchgang und Christophe de Raincourt griff von drei Seiten an. Während dieses Angriffes gelang es dem Kommandanten der Kavallerie, Marc de Montaigu, Baron de Boutavant durch das Tälchen in die Stadt einzudringen. De Watteville hatte gleich nach der Ankunft mit der Belagerung der Burg begonnen, deren Übergabe der Kommandant Ténarre de Grosbois verweigerte. De Watteville führte zwei kleine Kanonen mit sich, wohl eher zu seinem Vergnügen, jedenfalls wurde damit tagsüber nicht geschossen, damit niemand sah, wie klein sie waren. In der Nacht jedoch schossen sie gegen die Stadt und am nächsten Morgen, dem 9. Februar 1637 morgens um 6 Uhr ergab sich der Kommandant und die französischen Truppen zogen sich nach Louhans zurück. De Watteville zog weiter gegen Le Fay, doch das Schloss unter dem Kommando von Philibert de Beaurepaire widerstand dem Angriff. In der Folge fanden mehrere Auseinandersetzungen zwischen den Franzosen einerseits und den Freigräflern und Spaniern andererseits entlang den Grenzen statt. Am 20. März 1637 wurde Jean-Baptiste de La Baume-Montrevel Gouverneur der Freigrafschaft Burgund und löste de Watteville als Oberkommandierenden ab. Am 30. September 1637 griff de la Baume-Montrevel mit 2000 Infanteristen und 500 Reitern das Schloss Pierre-de-Bresse an. Sie wurden jedoch erneut durch François de Chanteret zurückgeschlagen und aus Wut verbrannten sie alle Häuser zwischen Schloss und Kirche. Die Schlossbesatzung verfolgte die Brandstifter und die, denen sie habhaft werden konnten, warfen sie ins Feuer, das diese selbst gelegt hatten.

Kardinal Richelieu war außer sich vor Wut über den Prince de Condé, der die Belagerung von Dole aufgeben musste und sehnte sich nach Rache. Er setzte deshalb Henri II. d’Orléans, Duc de Longueville und Fürst von Neuchâtel, als Kommandanten der Invasionstruppen ein. Dieser marschierte im März 1637 mit einer Armee aus Franzosen, besonders Burgundern, Deutschen, Polen, Iren, durch die Bresse. In einem ersten Handstreich wurde Cuiseaux zurückerobert und anschließend Saint-Amour nach einer Woche Belagerung. Der Duc de Longueville befreite Savigny-en-Revermont und wandte sich gegen Lons-le-Saunier. Er brach den Angriff jedoch ab, da sich die Truppen von Charles de Lorraine, duc de Guise näherten und zog sich nach Louhans zurück. Er ließ jedoch das Gros der Infanterie in den Wäldern entlang der Grenze. Der Duc de Guise und Franz von Mercy, die die spanischen, lothringischen und freigräflichen Truppen anführten, planten, die Bresse zu durchqueren um sich Chalon und Verdun-sur-le-Doubs zu bemächtigen. Der einzige Übergang der für die Truppe in Frage kam, war die Brücke von l’Étalet deren Tragfähigkeit jedoch angezweifelt wurde. Der Duc de Guise sandte 1000 Reiter aus, die das Gebiet aufklären und einen Durchgang finden sollten. Die Aufklärer berichteten von einer großen Zahl Soldaten in den Wäldern, brachten auch einige Gefangene mit sich, die in «eigentümlichen Sprachen redeten», worauf der Duc de Guise das Vorhaben abbrach.

Die Schlacht bei Lons-le-Saunier

Kurze Zeit später brach der Duc de Longueville von Louhans auf und zog Richtung Lons-le-Saunier, das vom 4. Juni bis 2. Juli 1637 belagert wurde. Am 25. Juni gelang es den Franzosen, drei Breschen in die Stadtmauer zu schießen. Um den Vormarsch der Franzosen zu stoppen, ließ der Stadtkommandant im vorsorglich evakuierten Faubourg Saint-Désiré (südlicher Vorort, heute Stadtteil mit der Kirche Saint-Désiré) Feuer legen. Durch den starken Wind wurde das Feuer jedoch in die Stadt getragen und mehr als 200 Einwohner kamen in den Flammen um. Der Stadtkommandant mit seinen Männern zog sich in das alte Schloss zurück und sie harrten nochmals acht Tage unter französischem Feuer aus, bis sie sich ergaben.

Die Schlacht bei Bletterans

Der Duc de Longueville hielt sich in Chilly-le-Vignoble auf und sandte Truppen nach Bletterans. Vom 26. Juni bis 2. Juli versuchten die Franzosen den Ort zu belagern, wurden jedoch immer wieder vertrieben. Am 25. Juli erhielt Bletterans zur Verstärkung zwei Kanonen und 1600 Pfund Schießpulver.

Am 12. August führte Jean Baptiste Budes de Guébriant ein Ablenkungsmanöver durch. Er griff die Bauern der Umgebung an, in der Hoffnung, die Stadtbesatzung würde diesen zu Hilfe eilen. Die Finte gelang nicht und aus Rache vernichteten die Franzosen Cosges und den Weiler Jousseau. Am Abend desselben Tages griffen die Franzosen nochmals die Bauern im Norden der Stadt an, worauf diesen ein Detachement zu Hilfe eilte. Sie gerieten in einen Hinterhalt beim Bois de Vallière (2 Kilometer nördlich von Bletterans an der D122 Richtung Bellevesvre). Die Freigräfler beklagten 70 Tote, 15 Gefangene und etwa dreißig Bauern, die ebenfalls gefangen wurden. Dennoch zögerte der Duc de Longueville, die Belagerung aufzunehmen, da er die Fähigkeiten von Philippe-François de Bussolin als Stadtkommandant hoch einschätzte und er die verbliebene Verteidigungsmannschaft als zu stark beurteilte.

In der Stadt brach eine Pestepidemie aus, der am 20. September 1637 de Bussolin erlag und auch der Gouverneur, Claude de Visemal, war krank. Am 25. September 1637 wurde die Stadt durch die Franzosen umzingelt und bis 4. Oktober belagert, bis es sich nach hartnäckigem Widerstand ergab. Am folgenden Tag erreichte die Entsatzarmee des Duc de Guise die Stadt und wunderte sich, dass sich Franzosen darin befanden. Die beiden Armeen lagerten einige Tage auf beiden Seiten der Stadt, ohne jedoch eine Schlacht zu führen. Der Duc de Longueville führte seine Eroberungen weiter, indem er vorzugsweise kleine Orte angriff, einnahm, plünderte und niederbrannte. Zudem ließ er regelmäßig Mannschaften in den eingenommenen Orten.

Mit diesen Erfolgen erreichten die Franzosen, dass der ganze Westen der Franche-Comté bis auf Poligny und Dole in ihren Händen war. Die Armee der Freigrafschaft war aufgerieben bis auf wenige Männer, die in den alliierten Armeen integriert waren. Das ganze Gebiet war verwüstet und zerstört, Dörfer, Kirchen, Klöster. Dazu wütete die Pest in der Bresse louhannaise wie auch in der Franche-Comté. Und was der Duc de Longueville im Süden der Provinz anrichtete, richtete Bernhard von Sachsen-Weimar im Norden der Provinz an, nachdem er sich 1635 mit Kardinal Richelieu verbündet hatte. Kardinal Richelieu war noch nicht zufrieden mit den Eroberungen in der Franche-Comté. Er sandte Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne und Jean Baptiste Budes de Guébriant als Verstärkung zu Bernhard von Sachsen-Weimar in die Bailliage d’Amont.

Die erste Schlacht bei Poligny

Der Duc de Longueville setzte den Kampf gegen den Duc de Guise in der Bailliage d’Aval fort. Eine blutige Schlacht, die Erste Schlacht bei Poligny, fand am 19. Juni 1638 bei Poligny statt.

Der Duc de Guise entschloss sich, vorsorgliche Maßnahmen zu treffen, um die Franzosen daran zu hindern, Poligny und Arbois zu erobern. Er verließ deshalb Salins-les-Bains um sich mit seinen Truppen in einem Gewaltmarsch nach Poligny zu begeben (rund 21 Kilometer). Die spanischen Truppen, kommandiert durch Sarmiento de Toledo, weigerten sich, an der Expedition teilzunehmen und blieben in Salins. Am Abend des 18. Juni 1638 erreichte der Duc de Guise mit seinen erschöpften Truppen die Anhöhe von Chamole, um festzustellen, dass zur selben Zeit auch de Longueville mit seinen Truppen von Château-Chalon her eintraf. Die Position der freigräflichen Armee war vorteilhaft, die rechte Flanke war durch eine Schlucht geschützt und sie konnten hangabwärts kämpfen. De Longueville ließ sich nicht entmutigen, er baute auf die zahlenmäßige Überlegenheit. Am 19. Juni 1638, um 10 Uhr morgens griff er aus der Senke von Vaux-sur-Poligny an, durch einen Engpass, der durch lothringische Kavallerie verteidigt wurde. Die ersten Ergebnisse waren gut, einige schlecht verschanzte lothringische Regimenter zogen sich unter den Angriffen zurück. Das Gros der Verteidiger war zwar hinter den Höhen gut geschützt und de Longueville versuchte, das Engnis östlich über Chaussenans zu umgehen. Die Umgehung hatte jedoch keinen Erfolg und de Longueville setzte die Angriffe den ganzen Tag fort. Die lothringische Artillerie war klugerweise in der Hinterhand positioniert und dezimierte die Franzosen jeweils kurz bevor sie Feindkontakt hatten. Bei Einbruch der Nacht zogen sich die Franzosen zurück, das Schlachtfeld war übersät mit etwa 1200 Toten und 1800 Verwundeten, Chaussenans und der Weiler Champ Rignard wurden fast vollständig niedergebrannt. Die französische Armee zog sich nach Château-Chalon zurück, wo schon Verstärkung auf sie wartete, der Duc de Guise weigerte sich jedoch, sie zu verfolgen. Er beschloss sogar, sich nach Salins zurückzuziehen und forderte damit den Zorn der Freigräfler und Spanier heraus. Damit zeigten sich auch erste Zwistigkeiten in der Allianz.

Die zweite Schlacht bei Poligny

Nach dem Abzug der Verteidiger kamen die Franzosen umgehend zurück und eroberten Poligny am 25. Juni 1638 ohne großen Widerstand, mit einem kleinen Detachement unter der Führung des Lieutenant général de Bresse, Philippe de La Mothe-Houdancourt. Auf der anderen Seite erhielt ein freigräfler Offizier, frisch Oberst geworden, den Auftrag, Poligny den Franzosen wieder zu entreißen. Mit 200 Mann und zwei Kanonen eroberte er am 8. August 1638 das Château de Vadans zurück. Am 10. August gelang es diesem Oberst Alexandre d'Emskerque d'Antorpes und seinem Haufen, in die Stadt Poligny einzudringen und sich zu verschanzen. Houdancourt stellte mit Verwunderung fest, dass die Freigräfler wieder in der Stadt waren, weigerte sich jedoch, diese anzugreifen, da er nur über wenig Vorräte, Wasser und Munition verfügte, stattdessen schickte er nach Verstärkung.

In Salins erfuhr Sarmiento de Toledo vom Erfolg von Emskerque d’Antorpes und entschloss sich, diesem Verstärkung zu schicken. Die Tercio von François de Saint-Mauris und das Kavallerieregiment von Baron de Savoyeux, dazu auch Lebensmittel und Munition, mussten an den Franzosen vorbeigeschleust werden. Emskerque d’Antorpes beschloss, sich mit seinen Leuten aus der Stadt zu schleichen und in Grimont (etwa 1 Kilometer nordwestlich der Stadt Poligny) die Verstärkung zu treffen. Auf dem Weg wurden sie jedoch von den Franzosen überrascht, die schnellstens die Burg von Poligny verlassen hatten. Auf offenem Feld und in der Unterzahl nahmen die Freigräfler Kampfposition ein, wurden jedoch durch die Franzosen die von der Höhe herunterstürmten, erbarmungslos niedergemetzelt. Nach kurzer Zeit bettelten die Freigräfler um Gnade. Wer nicht getötet wurde, war verwundet und wurde nach Chalon in Gefangenschaft gebracht.

Endlich traf die Verstärkung aus Salins hinter den Anhöhen von Poligny ein. Der Baron de Savoyeux ließ seine Truppen Stellung beziehen und wartete auf Nachricht von Emskerque d’Antorpes. Erst am Abend erfuhr er von der Niederlage und dem Massaker. Diese Niederlage in der Zweiten Schlacht bei Poligny war vielleicht nicht die zahlenmäßig verheerendste, sie hatte dennoch große Auswirkungen auf die Moral der Allianz aus Freigräflern, Spaniern, Kaiserlichen und Lothringern. Zudem zeigte sie die Schwächen in Kommandoführung, Geschwindigkeit der Truppenbewegungen und Befehlsübermittlung. 1639 zogen sich die Kaiserlichen und die Lothringer aus der Franche-Comté zurück und überließen das Feld ganz den grausamen Truppen aus Sachsen-Weimar. Der verwundete Oberst Alexandre d'Emskerque d'Antorpes wurde in Chalon eingesperrt und starb im September 1639 an seinen Verletzungen.

De Longueville, bestärkt durch diesen Sieg in Poligny, belagerte für kurze Zeit Arbois und anschließend Salins-les-Bains. Der Kardinal Richelieu sandte ihm Nicolas de Neufville, duc de Villeroy mit 3000 Infanteristen und 600 Reitern, dennoch gelang die Einnahme nicht. Villeroy machte sich auf, um Dole zu belagern, mit wenig Glück. Die zwei Wochen vor Dole verbrachten die Soldaten und Mäher aus der Bresse damit, das noch grüne Korn zu mähen, um die Bewohner der Gegend auszuhungern.

Die Freischärler und Partisanen

Die Franzosen hatten nicht nur gegen die regulären Truppen des Duc de Guise zu kämpfen, sondern auch gegen Freischärler und Partisanen, die ihre Heimat verteidigten. Ihre Anführer waren energische, kampferprobte Chefs, die ihre Heimat kannten und durch die Bewohner unterstützt wurden: César du Saix, baron d’Arnans, Jean Varroz d’Orgelet, Jean-Claude Prost besser bekannt als Lacuzon. Diese Banden machten immer wieder Streifzüge in die Bresse chalonnaise, in schlecht bewachte Dörfer, Burgen und überfielen die Bressans. 1638 überfiel der Baron d’Arnans die Stadt Cuiseaux. Die Einnahme gelang zwar nicht, zornig raubten sie das ganze Vieh. Um dieselbe Zeit entführte er den französischen Gouverneur von Saint-Amour und ließ ihn erst gegen ein Lösegeld von 200 Pistolen wieder frei. Gleichzeitig durchzog auch der Duc de Villeroy die Gegend und verwüstete und verbrannte alles auf seinem Weg. In der Bresse louhannaise sah es nicht viel besser aus, die vielen Verwundeten, die in die Dörfer, vor allem nach Louhans verbracht wurden, brachten auch die Pest mit. Diese forderte eine große Zahl von Opfern, Louhans, Cuiseaux und Bellevesvre waren weitgehend entvölkert. Durch die Truppenbewegungen, Angriffe und Gegenangriffe, war an eine Bewirtschaftung der Felder nicht zu denken. 1638 brachte deshalb eine Hungersnot mit sich, wie man sie noch nie erlebt hatte. die Mutigsten verließen ihre Heimat und flüchteten in fremde Länder, nach Savoyen oder in die Schweiz, die jedoch auch nicht alle ernähren konnten. So zogen sie teilweise weiter nach Italien, Mailand, Rom… Das Jahr 1639 war nicht weniger verhängnisvoll. Während im Norden und Osten der Franche-Comté die Schweden des Bernhard von Sachsen-Weimar wüteten und Pontarlier und Saint-Claude einnahmen und in Flammen setzten, zog Nicolas de Neufville, duc de Villeroy in Louhans Truppen zusammen. Er hatte Louhans zu seinem Quartier gemacht und organisierte eine bressanische Miliz, die die Befestigungen der Stadt instand stellte. Zudem sammelte er Lebensmittel und Munition, die Kapelle Notre-Dame diente als Zeughaus. Mitte August verließen die französischen Truppen, 1500 Mann und 500 Pferde, die Stadt und zogen Richtung Lons-le-Saunier. Villeroy wollte den Baron d'Arnans angreifen, der mit seinen Truppen unaufhörlich die Gegend entlang der Grenze unsicher machte, Dörfer und Schlösser angriff und den Nachschub unterband. Er hatte bereits Beaufort zurückerobert, den Gouverneur von Courlaoux entführt und Cuiseaux angegriffen. Villeroy griff deshalb das Schloss von Baron d’Arnans an (18 Kilometer ostnordöstlich von Bourg-en-Bresse), das er einnahm, das Korn stahl oder verbrannte. Dazu eroberte er das Schloss von Chambéria. Der Baron de Villeroy wurde durch dringende Umstände zu einem anderen Kriegsgebiet gerufen und er zog mit den französischen Truppen ab.

Während des Winter 1639 und Anfang 1640 gab diese Lücke den Freischärlern umso mehr die Möglichkeit für Raubzüge in die Bresse chalonnaise. Am 7. Mai 1640 kam Villeroy mit neuen Truppen zurück nach Louhans um auf Befehl Kardinal Richelieus den Widerstand in der Freigrafschaft endgültig zu brechen. Er marschierte mit seinen Truppen über die Brücke von l’Étalet, versorgte Bletterans mit Lebensmitteln und Munition und führte von dort aus einige fruchtlose Expeditionen nach Salins-les-Bains und Dole aus. Da er in Dole nichts ausrichten konnte, blieb er in der Nähe und ließ eine Kolonne Bauern aus der Bresse kommen, die mit Sensen, Hacken, Schaufeln und Sicheln ausgerüstet waren und ließ sie das Land verwüsten. Auf einer Fläche von zwölf oder fünfzehn Lieues (40 bis 50 Kilometer, 1 lieue = 3.248 Kilometer) schnitten sie alle Feldfrüchte ab und rissen die Reben aus um sie zu vernichten. Dies taten die Gastadours (deutsch Verwüster, Zerstörer, von italienisch guastare und guastatore) bis Gray-la-Ville im Norden und bis zum Saônetal im Westen. Die Angst der Bevölkerung war groß, man befürchtete erneut eine Hungersnot. Villeroy zog weiter nach Norden, während der Baron d’Arnans entlang der Grenze Vergeltung übte. Die Grenzorte, Bellevesvre, Mouthier-en-Bresse, Beauvernois, waren nahezu leer, in Bellevesvre waren noch 16 Einwohner, in Mouthier wurde der Gottesdienst eingestellt, es hatte «weder Pfarrer noch Einwohner». In der Franche-Comté flüchteten die Bewohner mit ihrer Habe und dem Vieh in die Wälder oder lebten in den Kalksteingrotten im Jura. Schließlich war der Baron d’Arnans des Kampfes müde und verließ die Freigrafschaft. Seine Nachfolge trat Lacuzon[11] an. Lacuzon hatte das Schloss in Montaigu für sich in Anspruch genommen und verübte von dort aus seine Streifzüge in die Berge oder ins flache Land. In der Bresse louhannaise war er gefürchtet und galt als Inbegriff des Bösen, in der Franche-Comté galt er als Symbol der Unabhängigkeit und des Aufstandes. Noch heute sind in der Franche-Comté mindestens sieben Straßen oder Plätze nach Hauptmann Lacuzon benannt. 1642 herrschte Krieg in ganz Europa und Frankreich hatte keine Mittel mehr, um die Invasionstruppen in der Franche-Comté zu verstärken oder auch nur aufrechtzuerhalten. Villeroy versucht so viele Orte wie möglich zu halten. Nun erstarkte auch Dole zusehends und die Besatzung der Stadt begann, Ausfälle ins französische Umland auszuführen. Am 29. August 1642 belagerte Hauptmann Ducham aus Dole die Festung Pierre-de-Bresse mit 300 Musketieren und 100 Pferden. Dabei wurde der Kommandant François de Chanteret getötet, doch seine Leute hielten stand und die Dolois mussten abziehen. Die gegenseitigen Angriffe setzten sich fort, obwohl Friedensverhandlungen geführt wurden und Waffenstillstände ausgehandelt wurden. 1644 wurde ein Vertrag mit Kardinal Mazarin geschlossen, wonach sich Frankreich verpflichtete, die Feindseligkeiten in der Freigrafschaft einzustellen und gegen eine Entschädigung von 40.000 Écus die Neutralität der Region anzuerkennen. 1644 fand somit der Zehnjährige Krieg sein Ende.

Nach dem Zehnjährigen Krieg ist die Lage in der Franche-Comté und der Bresse chalonnaise katastrophal. Krieg, Pest und Hungersnot haben die Region verwüstet. Die Bilanz ist äußerst schwerwiegend: Mehrere Städte wurden niedergebrannt, 70 Burgen zerstört, 150 Dörfer verschwanden, Zehntausende Menschen starben.

Die gesamte Wirtschaft und Demografie der Region waren erschüttert, insbesondere die Landwirtschaft, die völlig zerstört war. Auch die Zahl der Toten und Vertriebenen war sehr hoch: Die Volkszählung von 1614 ergab, dass zwischen 405.000 und 410.000 Menschen in der Franche-Comté lebten, während die Volkszählung von 1657 (also 13 Jahre nach Ende der Kämpfe) ergab, dass noch etwa 160.000 Einwohner in der Region lebten, was einem Rückgang von mehr als 60 % entspricht. Man schätzt daher, dass etwa zwei Drittel der Einwohner der Franche-Comté während des Zehnjährigen Krieges starben, also mehr als 270.000 Menschen.

Die Fronde in der Bresse louhannaise

Nach dem Zehnjährigen Krieg waren die Kassen des Königreichs leer. Demzufolge wurden die Steuern, insbesondere die Taille, erhöht und erreichten 1643 das achtfache der früheren Zeiten. Im gleichen Jahr war Frankreich siegreich in der Schlacht bei Rocroi und 1648 in der Schlacht bei Lens, wodurch es endlich zum Westfälischen Frieden kam, der den Dreißigjährigen Krieg beendete.

Die Bestrebungen und die Politik von Kardinal Richelieu und seinem Nachfolger Kardinal Mazarin lagen vor allem darin, die Macht des Königs zu stärken und den Einfluss der Parlements und des Hochadels zu schwächen (Absolutismus).

Mit der Regentschaft Annas von Österreich wurde versucht, eine Schwäche der Zentralmacht auszunutzen und das Parlement de Paris opponierte zusammen mit der Pariser Bevölkerung gegen Kardinal Mazarin. Louis II. de Bourbon, prince de Condé, Gouverneur des Herzogtums Burgund, belagerte mit der Armee Paris und schlug die Revolte nieder. Der Friede von Rueil wurde geschlossen, der Hof versprach Reformen und der Prince de Condé erhoffte sich, den Platz von Kardinal Mazarin einnehmen zu können – immerhin war er Prinz von Geblüt. Seine Beleidigungen und Handgreiflichkeiten gegenüber Kardinal Mazarin führten schließlich zu seiner Festnahme und Inhaftierung von Januar 1650 bis zum Februar 1651. In der Folge setzte er sich an die Spitze des aufmüpfigen Adels, seine Truppen wurde jedoch vor Paris geschlagen, er wurde zum Tod verurteilt und flüchtete nach Spanien. Mit dem Pyrenäenfrieden wurde er amnestiert und kehrte nach Frankreich zurück.

Das Parlement von Dijon blieb weiterhin königstreu, ebenso der Großteil der Gemeinden in der Bresse chalonnaise. Die Garnison von Seurre, besetzt mit vielen alten Soldaten, die unter dem Prince de Condé gedient hatten, stand jedoch unverbrüchlich auf Condés Seite. Lieutenant-général im Burgund wurde Jacques de Saulx, Comte de Tavannes, der ebenso treu zum Prince de Condé hielt. Nach der Inhaftierung des Prince de Condé wurde César de Bourbon, duc de Vendôme 1650 zum Gouverneur des Herzogtums Burgund ernannt, der wiederum treu zum Königshaus hielt.

Nachdem sich der Duc de Vendôme der Treue von Dijon versichert hatte, richtete er seine Aufmerksamkeit auf andere Orte in der Provinz. So führte er einen vorsorglichen Feldzug nach Bletterans. Diese Stadt hatten die Franzosen vorläufig noch behalten, sie war wichtig als Grenzstadt und gut befestigt. Sie wurde seinerzeit erobert durch den Duc de Longueville, der jetzt zusammen mit dem Prince de Condé und dem Prince de Conti als Frondeur inhaftiert war. Der Kommandant von Bletterans war der Bruder eines Frondeurs in Seurre, weshalb der Gouverneur skeptisch war. Der Duc de Vendôme zog mit seiner Armee über Verdun-sur-le-Doubs, Mervans, Saint-Germain-du-Bois nach Bletterans. Er überraschte den Stadtkommandanten und ließ ihn glauben, seine Armee befinde sich zwei Meilen vor der Stadt und durch Verstärkung seines Detachements durch eine weitere Kompanie, zwang er Guillaume Prisque de la Tour Serville zur Übergabe.

Inzwischen hatte der Hof beschlossen, ins Burgund zu reisen, um in dieser Provinz die Macht des Königs zu stärken. Am 6. März 1650 zog der König in Dijon ein. Kardinal Mazarin, entschlossen, Seurre den Frondeurs zu entreißen, begab sich nach Saint-Jean-de-Losne um die Belagerung zu leiten. Die Garnison von Seurre, ganz dem Duc de Condé ergeben, war gewaltig und das Vorhaben bereitete dem Kardinal Mazarin und dem Duc de Vendôme einiges Kopfzerbrechen. Sie entschlossen sich deshalb, mit den Belagerten zu verhandeln. Doch diese hatten eine mit Totenköpfen übersäte Fahne gehisst und antworteten, sie würden sich lieber unter den Ruinen der Stadt begraben lassen, als aufzugeben. Ihr Entschluss hielt jedoch nicht, am 21. April 1650 kapitulierte die Stadt.

Hingegen blieben der Bresse louhannaise und insbesondere Louhans einmal mehr enorme Kosten für Verpflegung und Unterkunft der einquartierten und durchziehenden Truppen. Die Stadt musste sich mit weiteren 800 Livres verschulden und 15 Pioniere mit Material nach Saint-Jean-de-Losne schicken.

Kardinal Mazarin glaubte sich Sieger und entließ die inhaftierten Adligen. Diese zettelten umgehend Aufstände an und Kardinal Mazarin floh zum Kölner Erzbischof ins Exil. Im Burgund wendete sich das Blatt, der Duc de Vendôme musste die Provinz verlassen und die Partei des Duc de Condé gewann die Überhand. Überall wurde gefeiert und das goldene Zeitalter erwartet. Das Parlement von Burgund in Dijon – wie auch dasjenige von Paris – beschlossen die Exkommunikation des Kardinal Mazarin. Der Duc de Condé vermochte seine Popularität nicht auszunutzen, er strebte nach einem Umsturz am Hof, oder erhoffte sich gar den Thron. Sicher strebte er an, dass zu seinen Gunsten Burgund wieder zur alten Stärke und Unabhängigkeit gelangen möge. Er verbündete sich deshalb im August 1651 mit Spanien, erzielte einige Erfolge im Süden gegen die königliche Armee und begab sich anschließend nach Paris.

Die Garnison von Seurre hielt weiterhin zum Duc de Condé, der Lieutenant-général des Burgunds war jedoch Jacques du Blé, Marquis d’Uxelles und königstreu. Die Truppen von Seurre verübten Streifzüge im ganzen Gebiet, verlangten Lösegeld, raubten die Ernte, zerstörten und verbrannten ganze Dörfer. Sie kamen bis vor Dijon und unter der Führung von Jean-Baptiste Prisque de la Tour Serville erreichten sie am 28. September 1652 mit 500 Soldaten Cuisery, das sie komplett verwüsteten. Der Winter 1653 war außerordentlich kalt, nicht nur die Bäche, auch die Saône und der Doubs waren zugefroren. Dies erlaubte den Truppen von de la Tour Serville erst recht Streifzüge zu unternehmen. Am 26. Februar 1653 kamen 500 Mann nach Rancy und verbrannten das Dorf. Der Herr von Rancy, Charles de Thoisy, war der Onkel von de la Tour Serville und schuldete diesem 1000 Écus – dafür verlor er Gebäude, Mobiliar und Viehhabe im Wert von über 50.000 Écus[12]. Die Truppe führte ihren Zerstörungszug weiter nach Molaise (Gemeinde Huilly-sur-Seille), Sornay, Branges, Breney (Gemeinde Louhans) und Saint-Usuges, wo sie ihre Pferde in der Kirche unterbrachten. Schließlich zogen sie sich zurück nach Seurre.

1651 wurde ein neuer Gouverneur des Herzogtums Burgund ernannt, Bernard de Nogaret de La Valette d’Épernon, Duc d’Épernon. Der Duc d’Épernon hatte keine große Lust, Krieg zu führen. Bis Ende des Sommers 1652 verbrachte er die Zeit in Auxonne mit Baden und vergnügte sich mit seiner Geliebten Ninon de Lenclos. Auch den folgenden Winter blieb er untätig, bis er sich unter dem Druck von Kardinal Mazarin entschloss, mit 4000 Mann und 600 Pferden Seurre zu belagern. Am 9. Mai 1653 erschien er zusammen mit dem Marquis d’Uxelles vor der Stadt. Er verschwendete keine Zeit mit Befestigungsarbeiten, die Bastionen waren noch immer nicht repariert und so lagerte die Belagerungsarmee vor der Stadt, bis sich der Kommandant Boutteville nach einem Monat ergab. Die Offiziere des Belagerungsheeres schienen die Zeit mit Essen und Trinken verbracht zu haben. Pioniere wurden ausgesandt, um karrenweise Getreide, Heu und Vieh zu besorgen. Für die Tafel hatte Louhans Schinken, Ochsenzungen, dutzendweise Hühner, Hirsche, Wildschnepfen, Wildenten und vieles mehr zu liefern.

Louhans war auch sonst erneut betroffen: Nach der Einnahme von Seurre sollte eine Kompanie Gendarmen und Chevauleger in Louhans kaserniert werden, die Stadt verhandelte mit den Offizieren und bot ihnen 1200 Livres, um die Unterbringung zu vermeiden. Man befürchtete Übergriffe der Truppe – und wenn es noch die eigenen waren. Das Ackerland war vernachlässigt, Feldfrüchte waren vorzeitig gemäht worden, um die Pferde damit zu füttern und die Lebensmittelpreise stiegen ins Astronomische.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 17. Jahrhundert

  • Die Regentin, Maria de’ Medici, war nicht in der Lage, die friedliche Zeit fortzuführen. Der Duc de Sully wurde entlassen, an seine Stelle trat Concino Concini als Günstling der Königin. Seine erste Maßnahme war, den Staatsschatz zu räumen und mit den höchsten Adligen zu teilen. Louis II. de Bourbon, prince de Condé erhielt 200.000 Livres als jährliche Pension und ein Herrschaftshaus in Paris, Louis de Bourbon, comte de Soissons erhielt 200.000 Écus in bar, nebst einer jährlichen Pension von 50.000 Livres. Auch Charles de Lorraine, duc de Guise und viele andere füllten sich die Taschen.
    Durch die Verheiratung ihres Sohnes, König Louis XIII. mit Anna von Österreich gelang es 1612 immerhin, die Ostgrenze der Bresse louhannaise gegen die Franche-Comté zu bereinigen.
    Die Gier der Adligen war trotz aller Zugeständnisse nicht befriedigt. 1614 kam es zu einer Revolte des Adels, die gegen die Missstände und den Minister Concini protestierten und die Einberufung der Generalstände forderten. Diese Versammlung blieb jedoch ergebnislos und die Revolte setzte sich fort. Erneut zogen Banden von Bewaffneten durch die Gegend, stahlen Lebens- und Futtermittel und quälten die Landbevölkerung. Louhans war ausgeblutet und musste durch die Bürger und die Einwohner aus der Umgebung dauernd bewacht und verteidigt werden. Über mehrere Jahre mussten Maßnahmen getroffen werden, die Zeiten der Unordnung waren zurückgekehrt, die man seit Henri IV. le Bon überwunden geglaubt hatte.
  • Am 24. April 1617 wurde Concino Concini, der Günstling von Maria de’ Medici, im Auftrag des Königs Louis XIII. im Louvre erschossen. Charles d’Albert, duc de Luynes folgte ihm als Premier Gentilhomme de la Chambre du Roi, wurde als Oberbefehlshaber gegen die Hugenotten geschickt und starb am 15. Dezember 1621 an Typhus. Nach einigen schwächeren Personalien folgte Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu am 13. August 1624 als premier ministre.
    Dank Kardinal Richelieu konnte sich das Land wieder etwas erholen. Unter seiner Führung wurde die Freiheit der Hugenotten beschränkt und auch der Adel wurde weitgehend entmachtet. Ihre Burgen wurden geschleift, falls sie nicht für die Grenzsicherung notwendig waren und Richelieu gelang es, eine absolute Herrschaft aufzubauen. Gleichzeitig schützte er die Angehörigen des Dritten Standes, indem er die Tote Hand für kirchlichen Besitz bekämpfte, schuf eine Versammlung der Notabeln, die die Erhebung der Steuern auf eine gerechte Basis stellen sollten. Eine Reihe wohlhabender Bürger hatte sich der Zahlung von Steuern unter verschiedenen Vorwänden entzogen, wodurch die Pflichtigen entsprechend mehr belastet wurden. Diese Missstände wurden gemildert – wenn auch nicht gänzlich aufgehoben. Die Öffentliche Verwaltung wurde geregelt, vom König ernannte Beamte, die nicht adlig zu sein brauchten, in die Provinz geschickt und dadurch die Macht der Gouverneure gebrochen. Der Adel war keine herrschende Klasse mehr, nur noch eine privilegierte.
  • König Louis XIII. le Juste traf mit Kardinal Richelieu am 31. Januar 1629 in Dijon ein, da er sich im Rahmen des Mantuanischen Erbfolgekrieges nach Susa begab. Die Folge dieses Durchmarsches durch die Bresse chalonnaise war, dass große Truppenteile in Louhans, Montagny-près-Louhans, Sagy und Frontenaud und den umliegenden Gemeinden untergebracht wurden. Die Chevau-léger de la garde du roi wurden vom 22. August bis zum 10. Oktober 1629 in Louhans kaserniert, wofür die Stadt 3000 Livres als Kredit aufnehmen musste. 1630 musste sie Gendarmes à cheval unterbringen und 1631 inspizierten Offiziere des Königs die Befestigungen und ordneten deren Instandstellung an. Zudem waren 200 Soldaten unterzubringen und zu verköstigen. Der Bruder des Königs, Gaston de Bourbon, duc d’Orléans (25. April 1608, † 2. Februar 1660), verließ den Hof und begab sich in die Freigrafschaft, um einen Angriff gegen Burgund vorzubereiten. Es gelang ihm jedoch nur, die Bresse und andere Gebiete zu verwüsten und vor Dijon gab er sein Vorhaben auf.
    Es wurde etwas ruhiger, außer der dauernden Angst vor Überfällen aus der Franche-Comté. Louhans war hin- und hergerissen zwischen Steuererhöhungen und Kreditaufnahmen. Das Kirchenschiff der Pfarrkirche musste erneuert werden, 1628 musste die Turmuhr für 43 Livres instand gestellt werden, für 200 Livres wurde eine Orgel angeschafft und 1632 wurde die große Glocke der Sankt-Peters-Kirche für 600 Livres neu gegossen. Sie musste dreimal gegossen werden, bis das Werk gelang… und danach war sie etwa einen halben Fuß kleiner. Als Ausgleich musste der Glockengießer aus dem verbliebenen Material ein Taufbecken von sechs Pfund anfertigen.
  • 1628 brach eine Pestepidemie aus, die in Lyon bereits 50.000 Opfer gefunden hatte und sich der Saône entlang ausbreitete. Am 2. Februar 1628 beschloss eine Volksversammlung mit den Échevins Maßnahmen zum Schutz gegen die Pest. An den Stadttoren wurden Wachen von je acht Mann aufgestellt, die Schweine waren aus der Stadt zu bringen und Misthaufen zu beseitigen. Auswärtige wurden aus der Stadt verwiesen, den Einwohnern wurde verboten, sich nach Dijon, Chalon oder anderen Orten zu begeben, in denen die Pest aufgetreten war und es war verboten, «bei Tag und bei Nacht, das schmutzige Wasser aus ihren Haushalten und ihre stinkenden Fäkalien aus ihre Fenstern zu werfen». Es wurde zudem beschlossen, in Cornillier (3 Kilometer südwestlich der Stadt, an der D12 beim Verteilzentrum der Post) ein Gelände für die Infizierten einzurichten. Dort wurden Pesthütten errichtet, die die Betroffenen nicht mehr verlassen durften. Das Essen ging zulasten der Stadt und wurde ihnen dorthin gebracht. Die Maßnahmen der Stadt hatten insofern Erfolg, als der erste Pestfall erst am 29. Oktober 1631 verzeichnet wurde. Claude Vion, seine Frau und die Kinder wurden in zwei Pesthütten untergebracht. Die Epidemie dauerte bis 1633 und forderte zahlreiche Opfer. 1638 brach erneut eine Pestepidemie aus.
  • Nach dem Pyrenäenfrieden kehrte endlich etwas Ruhe ein in Frankreich und der Bresse louhannaise. Zwar verschlang der Hofstaat des Königs Louis XIV. le Roi-Soleil Unsummen an Geld, nicht nur wegen der aufwändigen Hofhaltung, sondern auch wegen der ausgedehnten Kriegsführung während seiner Regierungszeit. Glücklicherweise wurde der Finanzminister 1661 verhaftet und Jean-Baptiste Colbert als Oberintendant der Finanzen eingesetzt. Eine seiner wichtigsten Maßnahmen war die Änderung des Steuersystems. Da die Taille lediglich durch die Angehörigen des Dritten Standes aufgebracht werden musste, verringerte Colbert den Steuersatz zugunsten der Aides, die erhöht wurden. Die Aides waren eine indirekte Steuer auf Waren, die auf die Verkaufspreise geschlagen wurde. Dadurch waren auch Adel und Klerus davon betroffen. Da ihre Haushaltsausgaben zudem wohl höher waren, konnten die Steuern bald gesenkt werden.
    Hingegen wirkte sich ein anderer Faktor des Merkantilismus negativ aus. Nach wie vor war der Getreidehandel zwischen den Provinzen verboten. Diese Einschränkung führte zu lokalen Hungersnöten, da sich die Provinzen nicht aus anderen Provinzen oder dem Ausland versorgen konnten. 1662 begann deshalb eine zweijährige Hungersnot fast überall in Frankreich.
    Hingegen führte Colbert die Ordonnance des eaux et forêts (Weisungen bezüglich Gewässern und Wäldern) ein. Dadurch wurden viele belastende Zölle für die Bevölkerung abgeschafft, den Herren die Jagd im Ackerland verboten und die barbarischen Strafen für Jagdvergehen gemildert.
  • Mit dem Pyrenäenfrieden hatten die Kriegsparteien unter anderem vereinbart, dass Maria Teresa von Spanien, die Tochter des spanischen Königs Felipe IV. el Grande den französischen König Louis XIV. heiratet. Dabei verzichtete die Infanta auf ihre Ansprüche auf den spanischen Thron gegen Bezahlung einer Summe von 500.000 Écus an Frankreich. Diese Summe wurde jedoch nie bezahlt und Felipe starb am 17. September 1665. Louis XIV. meldete umgehend seine Ansprüche an der Erbschaft seiner Ehefrau an, nämlich Teile der spanischen Niederlande, einen Drittel der Franche-Comté und einen Viertel des Herzogtums Luxemburg. Die spanische Regentin, Maria Anna von Österreich wies die Ansprüche mit dem Hinweis auf den Verzicht von Maria Teresa zurück.
    König Louis XIV. begann unverzüglich mit den Vorbereitungen zu einem neuerlichen Waffengang gegen Spanien, dem Devolutionskrieg. Am 24. Mai 1667 überschritt die französische Armee die Grenze zu den spanischen Niederlanden.
    Der König Louis XIV. beauftragte den Duc de Condé, der rehabilitiert und erneut Gouverneur des Herzogtums Burgund war, mit der Durchführung eines Winterfeldzuges in die Franche-Comté. Mit einer Armee von rund 20.000 Mann begann der Duc de Condé seinen Feldzug am 4. Februar 1668. Die Franche-Comté war noch ausgeblutet vom Zehnjährigen Krieg und der Duc de Condé traf kaum auf Widerstand. Am 7. Februar 1668 ergab sich Besançon ohne Widerstand, am selben Tag ergab sich Salins-les-Bains dem Lieutenant-général François-Henri de Montmorency-Luxembourg, der zugleich Poligny und Arbois erobert hatte. Zwei weitere Detachemente eroberten Bletterans und Lons-le-Saunier. Nach der Eroberung von Besançon begab sich der König nach Dole, das er nach kurzer Zeit einnahm. Nach siebzehn Tagen war die Invasion der Franche-Comté und deren vollständige Besetzung abgeschlossen.
    Am 2. Mai 1668 wurde der Friede von Aachen geschlossen und der Sonnenkönig musste die Franche-Comté an Spanien zurückgeben. König Louis XIV. hatte die wichtigsten Orte zerstört und Befestigungen schleifen lassen, was eine spätere Eroberung der Franche-Comté vereinfachen würde. Zudem waren die Adligen zunehmend vom König eingenommen und die Einwohner realisierten, dass sie einer Annexion kaum mehr allzu lang widerstehen konnten – trotzdem sie diese im Grunde nicht wünschten.
  • Im März 1672 erklärten Frankreich und England den Niederlanden den Krieg. Damit begann der Holländische Krieg, der bis 1678 dauern sollte. Die hauptsächlichen Kriegsschauplätze befanden sich zwar außerhalb der Bresse louhannaise. In der Gegend waren die Kriegsvorbereitungen dennoch spürbar. Hauptmann Lacuzon scharte erneut Partisanen um sich und führte Streifzüge in der Gegend von Lons-le-Saunier bis in die Bresse chalonnaise durch. Doch im Adel und der Bürgerschaft machten sich Abtrünnigkeit und Entmutigung breit, man stand eigentlich auf der Seite Frankreichs und hoffte, der König möge die Eroberung vollenden.
    Im Februar 1674 eroberte ein Detachement der französischen Armee unter Führung des Sire d’Apremont die Stadt Lons-le-Saunier und von Poligny und machte sich an die Belagerung von Arbois. Die Schlösser von Saint-Laurent und Courlaoux waren verlassen und zerstört durch Lacuzon, der sich nach Salins zurückzog. Der Hauptharst der Armee unter der Führung des Königs eroberte kurz darauf Besançon und Dole. Salins, das Château de Joux und weitere Dörfer ergaben sich kurzerhand. In den ersten Julitagen war die Franche-Comté erneut besetzt. Lacuzon war wohl der letzte, der noch Kanonen auf die Franzosen abfeuerte, über sein Schicksal ist nichts Genaues bekannt.
    Im Frieden von Nimwegen wurde definitiv die Franche-Comté an Frankreich abgetreten. Nach 192 Jahren gelangte sie zurück in das Land, in dem dieselbe Sprache gesprochen wurde.
    Die Bevölkerung der Franche-Comté erinnerte sich jedoch noch gerne an die Zeit unter spanischer Herrschaft: Sie hatten die Herrschaft nicht als Joch empfunden, die Verwalter waren ihre eigenen Leute, die spanische Sprache wurde weder gesprochen noch geschrieben und die Provinz musste nur alle drei Jahre 100.000 Livres als Steuer entrichten. Jetzt litten sie unter der schweren Steuerlast, die zudem laufend erhöht wurde infolge der Kosten für die Kriegsführung.
  • Das Jahrhundert endete einigermaßen katastrophal. Von 1688 bis 1697 führte König Louis XIV. le Roi-Soleil Krieg gegen das Heilige Römische Reich und dessen Verbündete, den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Damit verbunden waren ungeheure Kosten und Aufgebote von wehrpflichtigen Männern. Der Contrôleur général des finances Louis II. Phélypeaux de Pontchartrain hatte dafür zu sorgen, dass die notwendigen Mittel vorhanden waren. 1695 führte er deshalb die Kopfsteuer und eine Taxe sur les étrangers ein, zudem veranlasste er 1693 eine Volkszählung um eine sichere Grundlage für die Steuererhebung zu haben. Seit 1691 herrschten zudem Jahre mit schlechten Ernten, die zu Hungersnöten führten. Durch das Fehlen von Männern für die Feldarbeit wurde die Situation nicht besser und die Steuerbelastung tat ein Übriges. In Brienne und seinem Anhängsel Jouvençon waren in der Zeit von Juli bis September 1691 im Mittel drei Tote pro Tag zu verzeichnen. Der Duc de Condé als Gouverneur des Herzogtums Burgund schrieb an de Pontchartrain: «Es gab Familien, die seit mehr als sechs Monaten kein Salz mehr gegessen hatten…». Dies war eine Folge der Gabelle, der Salzsteuer. 1692 suchte ein Hochwasser Louhans heim, das sämtliche Brücken und Stege wegriss. 1693 und 1694 konnte praktisch kein Korn geerntet werden, dazwischen lag einer der härtesten Winter, 1694 fehlte deshalb auch Gras und Heu. Nach den Kirchenbüchern betrugen die Sterbezahlen das Dreifache der Geburten[A 8].
    Gleichzeitig durchzogen einmal mehr Banden von Dieben, Plünderern und Räubern die Bresse louhannaise, denen mit Patrouillen und Wachen begegnet wurde. Im Dezember 1698 kam es in Louhans zu einer Meuterei der Stadtbevölkerung, die nur mit bewaffneten Kräften in Schach gehalten werden konnte. Das Verbot, Getreide zwischen den Provinzen zu handeln, wurde durch den Intendant de Bourgogne, François-Antoine Ferrand im Dezember 1698 endlich aufgehoben, was zu einer spürbaren Entspannung führte.

Die Bresse louhannaise im 18. Jahrhundert

Das Königshaus im 18. Jahrhundert

Am 1. September 1715 starb König Louis XIV. le Grand oder der Sonnenkönig an Wundbrand. Er starb mit 77 Jahren und hatte 72 Jahre regiert, wovon lediglich 20 Jahre des Friedens waren. Louis XIV. le Grand hinterließ ein Land, das vollständig erschöpft und ausgeblutet war. In seine Regierungszeit fielen über eine Million Toter und die Staatsschulden beliefen sich auf 2.400.000.000 Livres (32.300.000.000 Euros gemäß Währungsumrechner für Münzen im Ancien Régime.

Louis de Bourbon, dauphin de France (* 1. November 1661, † 14. April 1711) als Ältester starb noch vor seinem Vater und konnte den Thron nicht übernehmen. Ein jüngerer Bruder wurde dreijährig, ein zweiter knapp fünf Monate. Die mindestens zwölf illegitimen Kinder waren selbstredend von der Thronfolge ausgeschlossen.

Hingegen hatte der Grand Dauphin Louis de Bourbon am 7. März 1680 Maria Anna Victoria von Bayern geheiratet und aus dieser Ehe stammte Louis de Bourbon, duc de Bourgogne (* 6. August 1682, † 18. Februar 1712), der 1697 Prinzessin Maria Adelaide von Savoyen heiratete. Die zwei ersten Kinder waren Louis getauft, starben jedoch in jungen Jahren. Der dritte Louis schließlich, der Urenkel von Louis XIV., wurde als Fünfjähriger König von Frankreich als Louis XV. (* 15. Februar 1710, † 10. Mai 1774) oder Louis le Bien-Aimé – der Vielgeliebte.

Gemäß dem Testament von Louis XIV. amtierte Philippe II. de Bourbon, duc d’Orléans als Regent des minderjährigen Königs, als persönlichen Vormund hatte er jedoch Louis Auguste I. de Bourbon, duc du Maine bestimmt, der ein Schwager des Regenten war. Am 25. Oktober 1722 wurde Louis XV. le Bien-Aimé offiziell gekrönt. Verheiratet wurde er aus politischen Gründen mit der polnischen Prinzessin Maria Leszczyńska. Die Verlobung wurde am 27. Mai 1725 offiziell verkündet, am 15. August 1725 fand die Ferntrauung statt.

Etwa um 1732 begann der König, sich regelmäßig mit Mätressen zu umgeben. Mit seinen mindestens 15 Geliebten hatte er mindestens acht Kinder, für die er zwar sorgte, sie jedoch nicht anerkannte, außer Louis Aimé de Bourbon, der schließlich Abt wurde. Eine einflussreiche Mätresse war Madame de Pompadour (Zitat: «Après nous, le déluge», Deutsch: Nach uns die Sintflut). Louis XV. hatte mit seiner Gemahlin ebenfalls zehn Kinder, wovon drei im Kindesalter starben. Das vierte Kind war der erste Sohn Louis Ferdinand de Bourbon, dauphin de France (* 4. September 1729, † 20. Dezember 1765), der jedoch 1765 an Tuberkulose starb.

Louis Ferdinand hatte wiederum neun Kinder von zwei Ehefrauen, der älteste Sohn Louis Joseph Xavier (1751–1761), Herzog von Burgund, starb zehnjährig. Der nächste Sohn war Louis-Auguste (1754–1793), Herzog von Berry, der seinem Großvater auf dem Thron folgte als Louis XVI. (* 23. August 1754, † 21. Januar 1793). Sein Todestag ist der Tag seiner Hinrichtung durch die Guillotine.

Am 16. Mai 1770 heiratete der Sechzehnjährige die habsburgische Prinzessin Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen, die ihm vier Kinder gebar, wovon drei im Kindesalter starben. Durch den Ausbruch der Französischen Revolution hatte er keinen Thronerben, er war der letzte König des Ancien Régime.

Als Staatsoberhaupt Frankreichs fungierte bereits ab 21. September 1792 der Nationalkonvent, der die Monarchie an seinem zweiten Tagungstag abschaffte. Am 26. Oktober 1795 endete die «Herrschaft» des Nationalkonvent als verfassungsgebende Versammlung und das fünfköpfige Direktorium galt als Staatsoberhaupt bis 9. November 1799.

Weitere Krisen und Auseinandersetzungen im 18. Jahrhundert

  • 1701 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus, der bis 1714 dauern sollte. Anlass dieses Krieges war der Tod des kinderlosen, spanischen Königs Carlos II. Er hatte testamentarisch sein Reich seinem Neffen Philippe d’Anjou vermacht. König Louis XIV. nahm das Erbe in dessen Namen an und am 24. November 1700 wurde Philippe d’Anjour zum spanischen König Felipe V. proklamiert.
    Den europäischen Mächten gefiel es jedoch nicht, dass soviel Macht in der Hand der französischen Königsfamilie vereinigt war. Zu Beginn des Jahres 1701 kam es deshalb zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen um das Herzogtum Mailand.
    Dieser längste Krieg unter der Herrschaft von Louis XIV. forderte von den französischen Untertanen alles. Zum einen das personelle Aufgebot um die Truppenbestände zu halten, zum anderen die finanziellen Aufwendungen, die mit der Kriegsführung verbunden waren. Seit 1699 war Michel Chamillard Contrôleur général des finances und ab 5. Januar 1701 gleichzeitig Kriegsminister. Obwohl er 1698 die Capitation abgeschafft hatte, war er gezwungen, diese 1701 wieder einzuführen, jedoch zu höheren Ansätzen und einer weiteren Erhöhung im Jahr 1705.
    Chamillard war erfahren in der Verwaltung und führte deshalb für alle Phasen des Lebens eigene Verwaltungszentren ein, für die Taufen, die Heiraten und die Beerdigungen. Da alle diese Amtshandlungen mit Gebühren verbunden waren, verzichteten die Einwohner immer mehr auf entsprechende Meldungen. Sie tauften ihre Kinder selber und gaben sich am Herdfeuer das Jawort. Natürlich forschten die Ämter nach diesen Missbräuchen, um die Abgaben und Steuern dennoch eintreiben zu können. Diese personellen und finanziellen Belastungen betrafen auch die Bresse louhannaise, wenn sie auch von direkten Kampfhandlungen verschont blieb.
  • 1709 litt das Land nebst dem Krieg unter dem Jahrtausendwinter. Er begann am 5. Januar 1709 und dauerte bis zum 13. März. Die Saône sei mit zwei Fuß dickem Eis bedeckt, die Rhone gefroren und selbst das Meer entlang der Küste eisbedeckt gewesen. Korn, Obstbäume und Reben erfroren und erneut brach eine Hungersnot aus. Man spricht von 600.000 Hungertoten in Frankreich, in Louhans standen 155 Todesfälle 87 Geburten gegenüber. Der Frühling und der Rest des nächsten Jahres waren nicht allzu schlecht, dennoch aß man Gras und Brot aus Wurzeln und Farnkraut, bis die neue Ernte kam. Louhans beschloss, eine Kornkammer einzurichten und kaufte 156 Quartaut Korn (etwa 39 Tonnen) für 10.140 Livres für die Stadtbevölkerung. Jedoch ging man so sparsam mit dem Vorrat um, dass ein großer Teil mit Verlust verkauft werden musste. Im selben Jahr 1710 wurde Louhans von einer großen Überschwemmung heimgesucht und erneut einer noch schlimmeren im Frühjahr 1711. Dies führte erneut zu Ernteausfällen.
  • Bei der Schlacht bei Malplaquet[A 9] wurde der Maréchal général des camps et armées du roi Claude-Louis-Hector de Villars mit seiner Armee geschlagen. Frankreich war gedemütigt und schien vernichtet. Natürlich stiegen auch die Kriegskosten und der König erinnerte sich an ein Steuerprojekt, das Sébastien Le Prestre de Vauban ausgeheckt hatte, jedoch vom Conseil du Roi keine Genehmigung erhielt: den Vingtième. Während jedoch die Pläne Vaubans waren, mit dieser Steuer die anderen zu ersetzen, fügte sie der König zu den bisherigen hinzu! Die Not war groß im gesamten Königreich. Der König war unbeeindruckt und ließ den Finanzminister die Klagen der Untergebenen wie folgt beantworten: «Ich kann Sie und all jene, deren Elend Sie mir offenbaren, nicht genug bemitleiden; und ich empfinde überall dasselbe Mitgefühl, denn das Übel ist universell: In Versailles ist es nicht weniger groß als anderswo.».
    Das Jahr 1711 brachte endlich etwas Entspannung, dank der Verhandlungen zum Frieden von Utrecht ruhten die Waffengänge weitgehend. Am 11. April 1713 wurde der Vertrag unterzeichnet, Felipe V. wurde tatsächlich König von Spanien, jedoch durften die beiden Königreiche Spanien und Frankreich nie in bourbonischer Personalunion vereint werden. Die französischen Staatsfinanzen kamen zwar langfristig nicht völlig in Ordnung, dennoch erlebte das Land bis 1730 eine Wirtschaftsblüte.
  • 1720 berief der Regent des minderjährigen Königs Louis XV. einen Freund und eine schillernde Persönlichkeit zum Contrôleur général des finances, nämlich den schottischen Nationalökonomen John Law de Lauriston. Er führte in Frankreich das Papiergeld ein, versuchte die zahllosen Verbrauchssteuern durch eine Einkommensteuer zu ersetzen und bündelte die Handelskompanien. Nach kurzer Zeit kam es zur Mississippi-Blase, die zu seiner Absetzung führte.
  • In den 1720er Jahren breitete sich erneut die Pest aus, die vor allem im Süden des Landes wütete. Wie gewohnt traf man Schutz- und Vorbereitungsmaßnahmen, glücklicherweise erreichte der Pestzug jedoch die Bresse louhannaise nicht. Hingegen breitete sich eine andere Krankheit aus: die Malaria. Bedingt durch die zahlreichen Étangs, Sumpf- und Auengebiete grassierte diese Krankheit während vielen Jahren.
  • 1733 begann erneut eine Periode von Kriegen, beginnend mit dem Polnischen Erbfolgekrieg (1733–1738). Frankreich wollte nach dem Tod von August dem Starken den früheren polnischen König Stanislaus I. Leszczyński wieder einsetzen, da dieser der Schwiegervater von König Louis XV. war. Zudem ging es einmal mehr um die alte Feindschaft zu den Habsburgern, die durch eine geplante Heirat in den Besitz des Herzogtums Lothringen kommen konnten. Kriegszüge führte Frankreich vor allem in Italien. Durch den Frieden von Wien wurde Leszczyński zwar nicht König von Polen, sondern erhielt das Herzogtum Lothringen, das dadurch «etwas näher an Frankreich rückte», auf jeden Fall den Habsburgern entzogen war.
  • Nur zwei Jahr nach dem Polnischen brach der Österreichische Erbfolgekrieg aus, der von 1740 bis 1748 dauerte. Frankreich war Kriegspartei, indem es sich gegen die Habsburgermonarchie stellte. Die französische Armee war in einzelnen Schlachten beteiligt, vor allem an Seeschlachten und Auseinandersetzungen in den Überseegebieten gegen die Engländer. So war das französische Staatsgebiet weitgehend verschont von Kampfhandlungen, die Kosten des Krieges mussten dennoch aufgebracht werden.
  • Von 1717 bis 1741 wurde der Dixième ausgesetzt, am 19. Mai 1749 als Vingtième definitiv verankert und bis zur Revolution erhoben. Diese Steuer hatte den Vorteil, dass sie von allen Ständen bezahlt werden musste, 1754 wurde sie für den Klerus wieder aufgehoben. Die Not der Bevölkerung war groß und Abenteurer durchzogen die Straßen. Die Mitarbeiter der Ferme générale waren verhasst in der Bevölkerung. Sie erhoben die Steuern auf Salz, Waren und Tabak, leiteten jedoch nur den vereinbarten Anteil an den König weiter – manchmal nur einen Viertel der Einnahmen.
    Um das Jahr 1754 tauchte ein Räuberhauptmann mit einer stattlichen Zahl von Gefolgsleuten auf. Es handelte sich um Louis Mandrin, dessen Aktivitäten sich nicht gegen die Bevölkerung richtete, sondern gegen die Ferme générale. Er erpresste die Steuereintreiber und die Städte, führte Waren aus der Schweiz ein, Tabak, Uhren, Stoffe und verkaufte diese an die französische Bevölkerung ohne Steuerbelastung. 1754 erpresste er 23.000 Livres vom Steuereinnehmer in Bourg-en-Bresse. Von Bourg aus zogen sie ins Mâconnais, erpressten Cluny, kehrten über die Saône zurück nach Pont-de-Vaux und Saint-Trivier-de-Courtes. Nach einem Abstecher in die Schweiz, um sich mit Waren einzudecken, zogen sie durch die Bresse louhannaise gegen das Burgund. Die Städte rüsteten sich und in Cuiseaux stand eine kleine Armee bereit, um die Mandrins zu bekämpfen. Grenadiers und Husaren, rekrutiert in Deutschland, unter dem Kommando von Brigadier Johann Christian Fischer bekamen den Befehl, die Schmugglerbande zu verfolgen und festzunehmen, Mandrin entkam ihnen jedoch immer wieder. Am 16. Dezember 1754 war Mandrin in Dole, nachdem er den Grenzposten von L’Étalet und Balme erpresst hatte. Am 17. Dezember marschierten sie nach Seurre, wo sie 5000 Livres erpressten, dann Richtung Beaune, das 20.000 Livres wert war. Am 19. Dezember waren sie in der Gegend von Autun, das 10.000 Livres bezahlte. Dazu kamen auf dem Weg mehrere kleine Orte, die erpresst wurden. Fischer zog mit seiner Truppe ständig hinterher, doch erreichte er sie nie. Er kam immer an, nachdem Mandrin bereits abgezogen war. Mandrin zog weiter in den Forez, doch einige Monate später wurde er durch die Husaren des Königs erwischt, gefangen genommen und am 26. Mai 1755 gerädert. Mandrin blieb berühmt, vor allem in der Dauphiné, in Savoyen, doch auch im übrigen Frankreich blieb er der heroische Schmuggler, dem gar Yves Montand 1955 das Lied La Complainte de Mandrin widmete (Auf YouTube mühelos zu finden).
  • Die Jahre 1769/1770 brachten erneut schlechte Ernten, verbunden mit Hungersnöten. Louhans kaufte Korn im Wert von 3000 Francs, das sie mahlen ließen und zu Brot verarbeiten, das sie ihren Einwohnern günstig verkauften. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgten weitere Missernten, insbesondere das Jahr 1788 brachte eine erneute Hungersnot.
    Während des Ancien Régime war man überzeugt, dass die Korn- und Mehlproduktion im Land ausreichend sei, um die Bevölkerung zu ernähren und dass der Bedarf von einem Jahr auf das nächste ausgeglichen werden könne. Die Ausfuhr von Getreide war verboten und auch der Handel zwischen den Provinzen beschränkt. Seit König Louis XIV. bestand eine königliche Getreideverwaltung, die die Aufgabe hatte, allenfalls Getreide im Ausland zu kaufen, um Reserven anzulegen und vor allem auch Armee und Marine zu versorgen. Der Binnenhandel war erschwert durch Octroi, Mautgebühren, Provinzzölle und vor allem durch die schlechten Transportwege. Dennoch war der Regierung daran gelegen, dass die Bauern gute Preise erzielten, damit sie ihre Steuern entrichten konnten.
    Ab 1730 begann sich die Regierung vermehrt um die Versorgung mit Getreide zu kümmern, insbesondere im Raum Paris.
    Als weitere Maßnahme ließ der König Louis XV. rund um Paris zwölf Getreidedepots bauen, um die Versorgung der Pariser Region sicherzustellen, solche Depots befanden sich auf Jersey und Guernsey. Gleichzeitig wurde eine Getreidekasse gegründet, die dem Finanzministerium unterstand. In den Jahren nach dieser Maßnahme folgten ausgezeichnete Ernteerträge und 1764 wurde gar der Getreideexport wieder zugelassen. Der Contrôleur général des finances, Clément Charles François de L'Averdy hatte weiterhin Bedenken bezüglich der Versorgung. Da meldete sich ein gewisser Pierre-Simon Malisset, ein ehemaliger Bäcker, der bereits ein verbessertes Mahlverfahren erfunden hatte, beim Minister und schlug ihm vor, eine Gesellschaft von Investoren mit der Verwaltung zu betrauen und direkt mit dem König abzurechnen. Am 28. August 1765 wurde der Vertrag unterzeichnet. Mit dem Artikel 11 dieses Vertrages war der König direkt in die Geschäfte eingebunden. Mit dem Geld des Königs wurde also Getreide gekauft und verkauft. Während der Staat allenfalls Interesse daran hatte, Getreide zu subventionieren und Verluste zu machen, stand das in klarem Gegensatz zu den Zielen der Investoren. Der Rechtsanwalt Jean Charles Guillaume Le Prévost de Beaumont bekam Kenntnis von diesem Vertrag, den er als Hungerpakt bezeichnete. Er focht den Vertrag vor dem Parlement von Rouen an und beschuldigte L’Averdy sich zu bereichern. Seine Klagen waren erfolgreich und führten dazu, dass L’Averdy am 17. November 1768 arrestiert wurde. Er verblieb im Gefängnis bis 1789. Der Vertrag wurde bereits am 31. Oktober 1768 wieder aufgelöst[A 10].
    1969/1970 war wieder eine Missernte und am 23. Dezember 1770 wurde der Getreideexport verboten. Verantwortlich für die Getreideverwaltung war die Régie des blés du Rois, die königliche Getreidekontrollbehörde, die den Handel noch vollends zerstörte, da die angestellten Agenten durch Spekulation immense Gewinne erzielten.
    1774 wurde Anne Robert Jacques Turgot Finanzminister und stand sogleich einer neuen Missernte gegenüber. Im April und Mai 1775 kam es zum Mehlkrieg, der mithilfe von 25.000 Soldaten mit aller Härte niedergeschlagen wurde. Dennoch hielt Turgot an seiner liberalen Haltung fest, zumindest was den Getreidehandel innerhalb des Königreichs betraf. Turgot schloss mit den Brüdern Leleu einen Vertrag, wonach sie jährlich 25.000 Livres erhielten, die Mühlen unentgeltlich nutzen durften, dafür jedoch auf erste Aufforderung 25.000 Sack Mehl in die Markthalle von Paris zu üblichen Preisen liefern mussten. Dank guter Ernten wurde die Entschädigung und die Anzahl zu liefernde Säcke bald verdreifacht. 1782 erhielten Leleu und sein Compagnon Montessuy den Adelsbrief.
    Der Export von Getreide wurde wieder erlaubt, am 17. Juni 1787 ausdrücklich der Verkauf von 1.100.000 Scheffeln Getreide ins Ausland. 1788 war wieder ein schlechtes Jahr, die Adligen erhoben sich gegen die Steuern, politische und finanzielle Schwierigkeiten, eine allgemeine Panik veranlassten den letzten Finanzminister des Ancien Régime, Jacques Necker, den Export wieder zu verbieten. Seine Karriere wurde durch die Französische Revolution beendet, er musste Frankreich verlassen[13].

Die Bresse louhannaise am Ende des Ancien Régime

Die Provinz Burgund bestand aus dem eigentlichen Herzogtum Burgund, das wiederum in fünf Pays (Gebiete), vier Comtés und drei zugehörige oder angrenzende Gebiete unterteilt war.

Pays Gebiete
Dijonnais Bailliage von Dijon, Beaune, Nuits, Saint-Jean-de-Losne, Auxonne
Autunois Bailliage von Autun, Montcenis, Semur-en-Brionnais, Bourbon-Lancy
Chalonnais Bailliage von Chalon, wobei die Gebiete links der Saône die Bresse chalonnaise bilden
Auxois Bailliage von Semur-en-Auxois, Avallon, Arnay-le-Duc, Saulieu
Pays de la Montagne Bailliage de la Montagne mit dem Hauptort Châtillon-sur-Seine
Comté
Charollais Bailliage de Charolles
Mâconnais Bailliage de Mâcon
Auxerrois Bailliage von Auxerre
Bar-sur-Seine Bailliage von Bar-sur-Seine
Pays annexes
Bresse Bailliage von Bourg
Bugey Bailliage von Belley
Pays de Gex Bailliage von Gex

Verwaltungstechnisch bildeten diese Gebiete die Généralité de Dijon oder Généralité de Bourgogne, umfassend die heutigen Départements Côte-d’Or, Saône-et-Loire, Ain mit Teilen des Département Yonne und Aube auf einer Fläche von etwa zwei Millionen Hektaren und etwas mehr als einer Million Einwohnern.

Zuständig für die Généralité war eigentlich der Gouverneur des Herzogtums Burgund. Dieses Amt war erblich geworden, seit 1631 gehalten durch die Princes de Condé, zwar äußerst lukrativ, tatsächlich nur noch ein Ehrentitel. Die eigentliche Macht lag in den Händen der Intendanten und ihren Stellvertretern. Eigentlich sollten alle drei Jahre die Provinzstände zusammentreten, also die Versammlung, in der alle drei Stände vertreten waren, um über die Steuererhebung zu beschließen. Die Provinzstände galten jedoch nicht für die gesamte Généralité, die Pays annexes, sowie die Comtés von Mâcon und Charollais hatten eigene Provinzstände. Im November 1787 hatten die Provinzstände des Burgund das letzte Mal getagt, unter dem Vorsitz des Gouverneurs Louis V. Joseph de Bourbon, prince de Condé. Die Generalstände wurden seit 1614 nicht mehr einberufen. So war auch die Steuererhebung nicht mehr durch die Stände genehmigt. Doch der Klerus und der Adel bezahlten sowieso fast nichts, der Dritte Stand hatte die finanzielle Lasten zu tragen. Man pflegte zu sagen: «Der Klerus leistet seinen Beitrag mit dem Gebet, der Adel mit dem Blut, der dritte Stand mit der Börse». Dabei hatte der dritte Stand nicht nur Steuern an den König zu entrichten, sondern auch an den Seigneur und den Klerus mit dem Kirchenzehnten.

Unter dem Druck der Pays und Comtés sah sich König Louis XVI. gezwungen, die Generalstände für Mai 1789 einzuberufen. Frankreich stand vor dem Staatsbankrott und der König musste die Steuern erhöhen.

Gleichzeitig machte der Dritte Stand Druck, indem er die Zahl seiner Vertreter verdoppeln wollte. Den rund je 300 Adligen und Klerikern hätten dann rund 600 Vertreter des dritten Standes gegenübergestanden. Adel und Klerus befürchteten zu Recht, dass sie bei gewissen Geschäften überstimmt werden könnten. Zu Beginn des Jahres 1789 erschien ein anonymes Pamphlet mit dem Titel: Qu’est-ce que le Tiers-État? (Was ist der Dritte Stand?) von Emmanuel Joseph Sieyès. Darin machte er sich stark für eine Nation und gegen die Privilegierung einzelner Gruppen. In der Folge rang Jacques Necker dem Conseil du Roi den Entscheid ab, die Zahl der Vertreter des dritten Standes zu verdoppeln und gleichzeitig, dass nach Köpfen abgestimmt werden, und nicht wie bis anhin, nach Ständen.

Für den 5. Mai 1789 wurden die Generalstände einberufen, die sich am 9. Juli 1789 als verfassungsgebende Nationalversammlung konstituierte. Jacques Necker galt als Auslöser dieser Revolution und musste am 11. Juli 1789 das Land verlassen, worauf in Paris am 17. Juli 1789 der Sturm auf die Bastille erfolgte.

Die Geschichte der Bresse louhannaise nach der Revolution

Nachdem Frankreich sich zu einer Nation zusammengefunden hatte, war diese durch eine gemeinsame Geschichte verbunden. Die späteren Ereignisse werden deshalb bei den einzelnen Gemeinden aufgeführt, soweit sie bekannt und bemerkenswert sind.

Literatur

  • Lucien Guillemaut: Histoire de la Bresse Louhannaise. Un petit coin de la Bourgogne à travers les ages. Band 1. Louhans 1897 (google.com).
  • Lucien Guillemaut: Histoire de la Bresse Louhannaise. Un petit coin de la Bourgogne à travers les ages. Band 2. Louhans 1897 (google.com).

Einzelnachweise

  1. Gaius Iulius Caesar: Comentarii de bello Gallico/Liber I/12. In: la.wikisource.org. Vicifons, abgerufen am 5. April 2025 (Latein).
  2. L’histoire du taureau d’airain. In: lejsl.com. Le Journal de Saône-et-Loire, Guillaume Badet, 6. Oktober 2013, abgerufen am 10. April 2025 (französisch).
  3. J.-F.-A. Peyré, Übersetzer: Lois des Bourguignon, vulgairement nommés LOI GOMBETTE. In: books.google.fr. Librairie ancienne d’Auguste Brun, Lyon, abgerufen am 11. April 2025 (französisch).
  4. Mouton d’or - Piefort. La Monnaie de Paris, abgerufen am 14. Januar 2026 (französisch).
  5. Christoph Driessen: Geschichte Belgiens. Die gespaltene Nation. Regensburg 2018, S. 42.
  6. Jehan Denis: Documents inédits pour servir à l’histoire de Bourgogne, Tome 1. In: Gallica. Société d’histoire et d’archéologie de Châlon-sur-Saône, S. 310 ff., abgerufen am 15. März 2025 (französisch).
  7. Hippolyte Abord (1825–1904): Histoire de la Réforme de de la Ligue dans la ville d’Autun. In: Gallica. bibliothèque nationale de France, abgerufen am 16. Mai 2025 (französisch).
  8. Paul DELSALLE: 1595: Quand Henri IV ravageait la Franche-Comté... (PDF) In: Images de Franche-Comté, N° 40 - Dezember 2009. Université Marie & Louis Pasteur, Besançon, abgerufen am 25. Mai 2025 (französisch).
  9. La Seille navigable, une aventure au long cours. In: Itinéraire numérique des canaux de Bourgogne. Région Bourgogne-Franche-Comté, abgerufen am 5. Juni 2025 (französisch).
  10. Les bressans, ces ventres jaunes ! In: lejsl.com. Le Journal de Saône-et-Loire, Guillaume Badet, 3. Februar 2012, abgerufen am 5. Juni 2025 (französisch).
  11. Lacuzon, bandit ou aventurier ? In: lejsl.com. Le Journal de Saône-et-Loire, Guillaume Badet, 30. Dezember 2012, abgerufen am 16. Juni 2025 (französisch).
  12. Histoire de Rancy. In: Homepage Mairie de Rancy. Abgerufen am 13. Januar 2026 (französisch).
  13. Le Pacte de famine. In: cosmovisions.com. Imago Mundi, Encyclopédie gratuite en ligne, abgerufen am 4. Juli 2025 (französisch).

Anmerkungen

  1. Rodulfus Glaber schreibt in seiner Historiae: «Nachdem man das Gras auf den Wiesen abgegrast und das Laub und die Rinde der Bäume abgenagt hatte, suchte man auf den Friedhöfen nach Nahrung, und die Toten stillten den Hunger der Lebenden. Die Menschen jagten sich gegenseitig und die neuen Kannibalen warteten auf den Straßen, nicht um sich zu berauben, sondern um sich zu fressen. Die Hungersnot verursachte ein so grausames Martyrium, dass man die Toten unbeerdigt ließ. Die Schrecken der Pest gesellten sich zu denen der Hungersnot. Die Sitten waren von beispielloser Grausamkeit: Die Burgherren raubten und töteten Reisende.» Die Hungersnot dauerte drei Jahre. Die Wut des Hungers führte zu den schrecklichsten Attentaten: «Auf allen Seiten tötete man sich gegenseitig, um sich an Menschenfleisch zu laben, und da diese Barbarei zur Gewohnheit geworden war, hatte ein gewisser Mann den Mut, das Fleisch von Menschen, das in Viertel geschnitten war, auf dem öffentlichen Markt in der Stadt Tournus auszustellen, so wie man das Fleisch von Kälbern oder Schafen in den Metzgereien verkauft. Dieser Elende, der von der Justiz aufgegriffen wurde, gestand sein Verbrechen und wurde zum Feuertod verurteilt, ebenso wie ein anderer, der diese Fleischstücke, die auf Befehl der Magistrate in der Erde vergraben worden waren, nachts ausgegraben und verzehrt hatte.»
  2. Die Eidesformel lautete wie folgt: «Hört, Christen, den Friedenspakt. Ich verpflichte mich, die Kirche nicht anzugreifen und ihre Zufluchtsorte nicht zu verletzen, außer gegen einen Übeltäter, der den gegenwärtigen Frieden stören will. Und ich werde sie nur betreten, um den Übeltäter und die Waffen, die er möglicherweise bei sich trägt, herauszuholen. Ich werde weder den Geistlichen angreifen, noch den unbewaffneten Mönch oder diejenigen, die sie unbewaffnet begleiten. Ich werde ihnen nichts ohne berechtigten Grund wegnehmen, was ihnen gehört. Ich werde weder den Ochsen wegnehmen, noch die Kuh, das Schaf, das Schwein, das Lamm, die Ziege, den Esel, die Eslin noch die Last, die sie tragen. Dasselbe gilt für Vögel, Hahn und Henne, es sei denn, ich brauche sie für die Falken; auch in diesem Fall werde ich ihnen zwei Denier bezahlen. Ebenso wenig werde ich die unbeschlagene Stute oder ihr noch ungezähmtes Fohlen wegbringen. Ich werde weder Dorfbewohner, noch Dorfbewohnerinnen oder Kaufleute entführen. Ich werde ihnen ihr Geld nicht wegnehmen. Ich werde sie nicht erpressen und sie nicht schlagen. Ich werde niemandem sein Maultier, sein Pferd oder Stute oder andere Tiere wegnehmen, die auf der Weide sind, dorthin gehen oder von dorther kommen, sofern sie mir keinen Schaden zufügen. Und wenn sie mir Schaden zufügen, werde ich sie nicht töten, sondern zurückgeben, wenn ihr Herr innerhalb von acht Tagen den Schaden behebt. Ich werde keine Häuser niederbrennen oder zerstören, es sei denn, ich finde dort einen bewaffneten, berittenen Feind oder einen Dieb, oder die Häuser sind Teil einer Burg. Ich werde die Weinreben anderer Leute nicht abschneiden, sie nicht beschädigen oder ausreißen. Ich werde nur diejenigen ernten, die mir gehören. Ich werde diejenigen, die in Wagen oder Booten Wein, Proviant oder andere Dinge transportieren, weder angreifen noch ausrauben. Ich werde keine Mühle zerstören. Ich werde keine Waren wegnehmen, außer im Krieg. Ich werde keinen bekannten Dieb einstellen. Ich werde sein Banditentum nicht unterstützen. Ich werde keinen Mann in meine Dienste aufnehmen, der diesen Frieden wissentlich verletzt, und wenn er ihn unwissentlich verletzt, werde ich den Schaden wiedergutmachen und innerhalb von fünfzehn Tagen beheben lassen. Ich werde weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg die Geiseln angreifen, die zur Sicherung dieses Friedens gestellt wurden. Ich verpflichte mich, alle vorstehenden Bedingungen bis zum Fest des Heiligen Johannes des Täufers und von da an für die Dauer von sieben Jahren einzuhalten, so Gott und seine Heiligen mir helfen.»
  3. Jehan Denis, procureur-syndic von Mâcon erzählt in seinem Journal de Jehan Denis wie sich die Armee des Herzogs mit Artillerie ausrüstete. Bis anhin war Artillerie vor allem bei Belagerungen eingesetzt worden, im Hundertjährigen Krieg benutzen die Engländer erstmals auch Kanonen in der Feldschlacht. Der Bestand an Geschützen war noch gering und musste richtiggehend zusammengesucht werden. «Die Artillerie wurde ein wenig von allen Seiten hergezogen. Eine Bombarde des Prince d’Orange wurde herbeigebracht, während elf Tagen von Lons-le-Saunier nach Tournus und von da nach Chalon. Diejenige mit dem Namen «Prusse» (Preußen) wurde von Dijon nach Saint-Jean-de-Losne geschickt, von wo ein Schiffer neun Tage brauchte, um sie nach Chalon zu schiffen. Jede Bombarde – nebst einem Wagen, gezogen von 15 Pferden – war auf eine Art Gestell mit Rädern montiert, um die Geschützmannschaft zu schützen. Auf einem zweiten Wagen waren die Steine, die damals verschoßen wurden … Nebst diesen enormen Bombarden beschaffte man sich vier Couleuvres und etliche Veuglaires, von denen vier die Stadt Chalon auslieh. Die Feldschlangen wurden mit verbleiten Pfeilen, die Hinterlader mit Steinen geladen. Prusse wurde vorbereitet durch Jean Maréchal von Besançon und seinem Gehilfen, nebst drei anderen Kanonieren und zwei Steinhauern»
  4. Die Adligen in der Bresse louhannaise erwähnt Lucien Guillemaut namentlich: Jehan de Duretal, Montpont-en-Bresse; Jaques Bouton, Le Fay; Antoine de la Marche, Mervans; Claude de Loisy, Loisy; Jehan de Vienne, Sainte-Croix; Jehan de Chastelregnault, Châteaurenaud; Huguenin de la Tournelle, Saint-Martin-du-Mont; Jehan und Guiot de la Chaux, La Chaux; Guillaume de Sauberthier, Bouhans; Guillaume de Frangy, Frangy-en-Bresse; Guillaume de Sainte-Croix, Sainte-Croix-en-Bresse; Jean de Salins-Vincelles, Vincelles.
  5. Aus den Unterlagen geht einerseits hervor, wie viele Wehrpflichtige zu stellen waren, zugleich die ungefähre Bevölkerungszahl. Erfasst wurden lediglich die Haushalte (französisch: feux), wobei ein Haushalt mit drei bis fünf Einwohnern zu rechnen ist. Daraus ergibt sich, dass die Bresse louhannaise 1471 zwischen 20.000 und 25.000 Einwohner hatte. Durch diese mussten rund fünf Prozent, nämlich 250 Wehrpflichtige gestellt werden. Zudem mussten diese ausgerüstet werden mit Brigantinen, Schaller, Gambeson, Ringpanzerhemd, Ringkragen, Panzerhandschuhen, bewaffnet teilweise mit Arbalesten und einer festgelegten Anzahl Bolzen, teilweise mit Piken und alle mit Schwert und Dolch.
  6. Im Jahr 1512 kaufte Jean Badel von Claude Bontemps und seiner Gattin, Claudine Mercier für 14 Écus d’or au soleil die Mairie von Louhans für sich und seine Nachkommen, mit allen Rechten, Einkünften, Besitzungen und Vollmachten. Möglicherweise hatte er gewisse Pflichten in der Verwaltung, vor allem oblag ihm das Einnehmen der Steuern.
    In den Kartularien von Karl dem Großen waren die Pflichten des Meiers (von lateinisch major, Komparativ von magnus = groß) wie folgt umschrieben: «Sie sollen ehrlich sein, gebildet und umsichtig; sie sollen Rechenschaft über ihre Verwaltung ablegen und die geforderten Dienste leisten; sie sollen für die Instandhaltung der Gebäude sorgen; sie sollen die Schweine füttern; sie sollen sich um Pferde und andere Haustiere, Gärten und Bienen, Gänse und Hühner, Teiche, Fische, Fischereien und Mühlen kümmern; sie sollen brachliegendes Land roden und kultiviertes Land verbessern; sie sollen Weinberge und Obstgärten anlegen…». Später wurden ihnen verschiedene gerichtliche oder sonstige Rechte und Pflichten übertragen, insbesondere Steuern zu erheben und einzuziehen.
  7. Der Tarif für diese Octrois wurden ebenfalls vom König festgesetzt und lautete wie folgt:
    Für Stiere, die in der Metzgerei geschlachtet werden: 20 Sous – für Kühe: 10 Sous – für Kälber: 5 Sous
    Für Schweine, die in der Metzgerei oder andernorts geschlachtet werden: 5 Sous
    gegerbtes Rindsleder: 10 Sous – gegerbtes Kuhleder: 5 Sous
    Pro Fass Wein (eine Queue = 457 Liter) das in die Stadt gebracht wird: 20 Sous
    Pro hundert Hufeisen, die in die Stadt gebracht werden: 10 Sous
    Pro Wagen mit Holz oder Reisigbündel die in der Stadt verkauft werden: 1 Sou
    Pro Mulde (Bâche) mit Holzkohle: 4 Sous – Pro Fass voll Kalk: 5 sous – pro Fuhre Heu: 5 sous
  8. Zu dieser Zeit schrieb François Fénelon an den König: «Sire, Ihr Volk verhungert. Die Landwirtschaft ist fast völlig aufgegeben, Städte und Land entvölkern sich, alle Gewerbe dümpeln vor sich hin und können die Arbeiter nicht mehr ernähren: der gesamte Handel ist zerstört. Anstatt diesen armen Menschen Geld abzupressen, sollten wir ihnen Almosen geben und sie ernähren. Ganz Frankreich ist nichts weiter als ein großes, trostloses Krankenhaus ohne Versorgung».
  9. Mit der Schlacht bei Malplaquet begann der Abstieg des John Churchill, 1. Duke of Marlborough. Es ging gar das Gerücht, er sei in der Schlacht umgekommen. Aus dieser Zeit stammt ein französisches Soldaten- und Kinderlied «Malbrough s’en va-t-en guerre», das noch heute mühelos auf YouTube gefunden werden kann.
  10. Der Vertrag war bekannt unter dem Namen Pacte de famine, also Hungerpakt, da Prévost de Beaumont der Ansicht war, er würde Hungersnöte keineswegs vermeiden, sondern im Gegenteil, erst schaffen. Im französischen Standardwerk Larousse wird unter dem Stichwort pacte de Famine festgehalten: «Name, den die öffentliche Meinung einem 1765 unter Ludwig XV. mit der Getreidehändlergesellschaft Malisset unterzeichneten Vertrag gab, der 1767 von einem gewissen Jean Charles Le Prévost de Beaumont als Verschwörung zur Aushungerung des Volkes angeprangert wurde. Die Angst vor einer Monopolisierung des Getreides, die durch die schlechten Ernten von 1769–1770 noch geschürt wurde, trug dazu bei, die Legende zu verbreiten, dass der König täglich eine Million Pfund durch Spekulationen mit Weizen verdiente.»