Gerhard Hahn (Bildhauer)

Gerhard Hahn (* 1956 in Bendorf/Rhein) ist ein deutscher Bildhauer.[1]

Leben

Gerhard Hahn studierte von 1977 bis 1981 Verfahrenstechnik der Keramik an der Fachhochschule Koblenz am Standort Höhr-Grenzhausen und schloss das Studium als Ingenieur ab. Als solcher war er anschließend bis 1984 bei der Rosenthal AG in Landstuhl tätig.[1] Ein Gefäßkeramikstudium an der Gesamthochschule Kassel sowie ein Keramik-Designstudium an der Fachhochschule Niederrhein mit Diplom führten ihn letztlich von 1989 bis 1993 zum Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Magdalena Jetelová.[2][3]

Seit 1992 arbeitet Hahn freikünstlerisch.[2] 1990 erhielt er den 1. Preis im Landeswettbewerb Kunst und Künstler aus Rheinland-Pfalz. Für seine Projekte erhielt er Projektstipendien und Förderungen der Stiftung Kulturfonds(1996), des John Michael Kohler Arts Center (1997, 2001 und 2013), des Landes Rheinland-Pfalz (1998) sowie der Käthe-Dorsch-Stiftung (1999).[4]

Hahn hatte seit 1995 verschiedene Lehraufträge inne. Er lehrte als Dozent an der Universität der Künste Berlin und leitete dort die Keramikwerkstatt,[5] war Gastprofessor an der Hochschule Anhalt (Bauhaus Dessau), am Londoner St. Martins College of Art, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Hochschule für Kunst und Design Halle. Vertretungsprofessuren im Fachbereich Freie Kunst übernahm er im Jahr 2000 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (in Vertretung für Giuseppe Spagnulo) sowie 2001 an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Von 2002 bis 2021 war er Professor für Keramik-, Porzellan- und Glasdesign sowie Dreidimensionales Gestalten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld.[1][3]

Gerhard Hahn ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[1]

Werk

Hahn arbeitet häufig mit keramischen Materialien und realisiert großformatige Skulpturen. Es sind in der Regel Hohlkörper, die bewusst die Analogie zwischen Natur, Zelle, Körper und vom Menschen Geschaffenem (Gerät oder Maschinen) sucht. In Hahns keramischen Arbeit geht sein Formwille dabei eine Synthese mit der elementaren Dynamik von Erde, Wasser Luft und Feuer ein. Auch wendet er die steinzeitlichen Schwarzbrand-Technik ein, wobei Ruß großflächig in die porösen Oberflächen eindringt und diese zufallsbeeinflusst schwarz färbt. Diese Technik entwickelte Hahn technisch, ästhetisch und insbesondere auch grafisch zu Bildtafeln weiter.[2]

Hahns zentrales Thema ist die Befindlichkeit des Menschen zwischen seiner inneren wie auch der ihn umgebenden, äußeren Natur und den von ihm selbst geschaffenen technischen und digitalen Welten. Ab 1996 initiierte Hahn neben seiner Atelierarbeit zahlreiche künstlerische interdisziplinäre Kooperationen mit und in materialverarbeitenden Industriebetrieben. Verbunden mit der Nutzung der spezifisch in den Fabrikationen vorgefundenen Materialien und Produktionsstrukturen entwickelte er seine künstlerischen Ideen. Mit der Einbeziehung von manuellen Eingriffen und beobachteten Fehlern in die Werksfabrikation verleiht er seinen Projekten eine menschliche Dimension und schafft Identifikation für alle Beteiligten in einer weitgehend anonymen Arbeitswelt. Die Konfrontation und Verschmelzung seiner künstlerischen Denkweise mit industriellen und digitalen Produktionsstandards ist ein künstlerisches, technisches und kommunikatives Experiment. Hahns Werk zelebriert die Technik und hinterfragt sie zugleich im größeren kulturellen Kontext.

Dabei kamen unter anderem tonkeramische Materialien, Siliziumcarbid (Technische Keramik), Gusseisen, pneumatische Systeme sowie Recyclingmaterialien zum Einsatz. In späteren Projekten nutzte Hahn auch 3D-Drucktechnologien[6] sowie damit verknüpfte digitale, dreidimensionale Videoprojektionen.

Werke in öffentlichen Sammlungen und im öffentlichen Raum (Auswahl)

  • Kultusministerium Rheinland-Pfalz, Mainz (1995)[1]
  • Sparkassenverband Rheinland-Pfalz, Mainz (1995)[1]
  • Landesmuseum Koblenz (1998)
  • Kunstsammlung Kohler Co., Wisconsin/USA (1999)[4]
  • DASA – Arbeitswelt Ausstellung, Dortmund (2000)[1]
  • J. M. Kohler Arts Center, Sheboygan/USA (1997, 2002, 2013)[4]

Werke (Auswahl)

  • Poros – Projekt „Technophobia“, 1996[7]
  • Iron Man – Kohler Co., Wisconsin/USA, 1997[4]
  • Das Sichtbare und das Unsichtbare – DASA Dortmund, 2000[7]
  • Hybris – Projekt „Sub Urban“, Berliner Bildhauerwerkstätten, 2005[6]
  • Ganglion – Projekt „Pneuma“, Helios Ventilatoren GmbH, 2008[6]
  • Lord of the (F)lies, Projekt „Interference“, Schunk Ingenieurkeramik GmbH, 2016[6]
  • Die Sprache der Bäume – Projekt „Transitus“, 2023[1]

Literatur

  • Gerhard Hahn: Kunst- & Industrie-Projekte. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2000.
  • Technophilia. Gerhard Hahn in der Henrichshütte. Bildband. Hrsg.: LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Klartextverlag Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1417-9.
  • Gerhard Hahn: Kunst & Design aus Siliziumcarbid. Ausstellungskatalog. Wienand Verlag, Köln 2021, ISBN 978-3-86832-629-1.
Commons: Gerhard Hahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Kunst und Krefeld zeigt Crossover-Keramiken von Gerhard Hahn. In: Rheinische Post. 28. Februar 2025, abgerufen am 1. März 2025.
  2. a b c Ezra Shales: Technophilia – Gerhard Hahn in der Henrichshütte. 2016, ISBN 978-3-8375-1417-9.
  3. a b Gerhard Hahn. In: Galerie am Gendarmenmarkt. Abgerufen am 7. Januar 2026.
  4. a b c d Gerhard Hahn – Künstlerprofil. In: John Michael Kohler Arts Center. Abgerufen am 1. März 2025.
  5. Universität der Künste Berlin
  6. a b c d Cornelia Osswald-Hoffmann: Gerhard Hahn – Kunst & Design aus Siliziumcarbid. 2021, ISBN 978-3-86832-629-1.
  7. a b Gerhard Hahn: Kunst- & Industrie-Projekte. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2000.